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Manuelle Fertigung von mundgeblasenem Hohl- und Flachglas

(Aufnahmejahr: 2015)

Für die Techniken der manuellen Hohl- und Flachglasfertigung sind komplexes Wissen und ein fundierter Erfahrungsschatz nötig. Die basale Handfertigkeit eines Glasmachers setzt eine mehrere Jahre dauernde ständige Übung und Erprobung voraus – Perfektion bildet sich im günstigen Fall nach zehn Jahren aus. Die in Deutschland noch knapp 500 Träger dieses impliziten Wissens wirken dem drohenden Verschwinden des technischen Know-how durch Erhaltungsmaßnahmen in der Aus- und Weiterbildung, der Kooperation und Netzwerkbildung, der wissenschaftlichen Arbeit sowie der medialen und musealen Vermittlung entgegen.

Das Material Glas und die aus ihm hergestellten Kunst- und Gebrauchsobjekte faszinieren Menschen seit langem. Jedes mundgeblasene Glasprodukt entsteht aus dem Külbel (oder Kölbl), das durch ein Überziehen mit einer Schicht Glas und weiteres Aufblasen vergrößert wird. Durch Rotation, Lungendruck und über Jahrhunderte perfektionierte Werkzeuge gelangen die Träger freihändig oder mit Formen zur gewünschten Gestaltung.

Hohl- und Flachglas haben eine gemeinsame technische Wurzel. Ein Hohlglas entsteht durch die Bearbeitung des runden Glaskörpers an der Pfeife oder an einem sogenannten Hefteisen. Er wird aufgetrieben, unter stetigem Drehen geformt, mit Applikationen versehen und schließlich im Kühlofen abgekühlt. Glasmacher arbeiten im Mundblasverfahren in Industrieglashütten, kleinen Hohlglashütten oder künstlerisch ausgerichteten Glasstudios. Grundform der Glastafel ist ebenfalls eine Kugel, die mit Werkzeugen oder einer sogenannten Schwenkgrube zu einer Walze gestreckt wird. Flaches mundgeblasenes Zylinderglas hat aufgrund des Herstellungsverfahrens eine spezielle Struktur, Transparenz und optische Wirkung. Künstler wie Marc Chagall, Gerhard Richter oder Neo Rauch haben ihre Werke auch mit Hilfe von mundgeblasenem Flachglas geschaffen. Verwendung findet es zudem weltweit in bedeutenden sakralen wie auch profanen Bauwerken. International existieren noch drei Hütten, die Flachglas im Mundblasverfahren herstellen. Die Farbigkeit des Glases wird durch Zusatz z.B. von Metalloxyden erreicht. Die Zusammensetzung des Glasgemenges wird auch heute noch meist innerhalb der Hütte, meist vom Vater an den Sohn, tradiert. Sie unterliegt auch heute oft noch strenger Geheimhaltung, da von ihr die Qualität und Leuchtkraft des Produktes abhängig sind.

Glasmachergemeinden verfügten traditionell über ein enges internationales Netzwerk. In der Gegenwart ist mundgeblasenes Glas einerseits Trägermaterial künstlerischer und architektonischer Gestaltung, andererseits unabdingbar zu Restaurierungen und Herstellung von Prototypen, individuellen Kleinserien, technischen Spezialanwendungen und Unikaten.

Kontakt

Museum und Glasstudio Baruther Glashütte
Museumsleiter Dr. Georg Goes
Hüttenweg 20
15837 Baruth-Glashütte
E-Mail: info@museumsdorf-glashuette.de
Internet: www.museumsdorf-glashuette.de

LWL-Industriemuseum Glashütte Gernheim
Museumsleiterin Dr. Katrin Holthaus
Gernheim 12
32469 Petershagen
E-Mail: katrin.holthaus@lwl.org
Internet: www.lwl.org 

Glashütte Lamberts Waldsassen GmbH
Hans Reiner Meindl
Schützenstraße 1
95652 Waldsassen
E-Mail: meindl@lamberts.de
Internet: www.lamberts.de 

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