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Juli 2008

Die 27 neuen UNESCO-Welterbestätten

Von Birgit Neuhäuser und Kurt Schlünkes

Das Welterbekomitee der UNESCO hat auf seiner 32. Tagung vom 2. bis 10. Juli 2008 in Québec, Kanada, weitere 27 Stätten in die Liste des Welterbes aufgenommen, davon zählen 19 zum Kulturerbe und acht zum Naturerbe. Erstmals sind Papua-Neuguinea, San Marino, Saudi-Arabien und Vanuatu in der Liste vertreten, die damit noch repräsentativer geworden ist. Die UNESCO-Liste des Welterbes verzeichnet jetzt insgesamt 878 Stätten in 145 Ländern.

Die 19 neuen Kulturerbestätten:

Tulou-Lehmrundbauten in Fujian, China
© UNESCO / Liu Feng

China: Die Tulou-Lehmrundbauten in Fujian sind mehrstöckige Wohnstätten aus dem 12. bis 20. Jahrhundert, die für Verteidigungszwecke um einen zentralen Innenhof errichtet wurden. Bis zu 800 Personen wohnten in den Rundbauten, die als "kleines Reich für die Familie" oder "kleine geschäftige Stadt" bezeichnet wurden. In die Welterbeliste wurden 46 gut erhaltene und repräsentative Beispiele der traditionellen Wohnanlagen im Südwesten der Provinz Fujian eingeschrieben.

Siedlungen der Berliner Moderne: Wohnstadt Carl Legien
© UNESCO/POP-EYE/Thomas Bartilla

Deutschland: Die Siedlungen der Berliner Moderne entstanden in den Jahren 1913 bis 1934 und repräsentieren einen neuen Typus des sozialen Wohnungsbaus. Als Gegenmodell zu den üblichen Mietskasernen schufen Architekten der klassischen Moderne rationell geschnittene und modern ausgestattete Wohnungen mit Küchen, Bädern und Balkonen, in Häusern ohne Hinterhof und Seitenflügel, dafür mit Licht, Luft und Sonne. Die qualitätsvolle Baukunst, die moderne Formensprache, die funktionalen Wohnungsgrundrisse und die städtebaulichen Figuren der Siedlungen lieferten international Vorbilder für das ganze 20. Jahrhundert. Die sechs ausgewählten Siedlungen sind die Gartenstadt Falkenberg (Treptow), die Schillerpark-Siedlung (Wedding), die Großsiedlung Britz – Hufeisensiedlung (Neukölln), die Wohnstadt Carl Legien (Prenzlauer Berg), die Weiße Stadt (Reinickendorf) und die Großsiedlung Siemensstadt (Charlottenburg und Spandau). www.unesco.de/berliner-siedlungen.html

Vauban'sche Festungsanlagen: St. Martin en Ré
© UNESCO

Frankreich: Die Festungsanlagen Vaubans sind ein klassisches Beispiel der westlichen Militärarchitektur. Sébastien Le Prestre, der Marquis von Vauban, war Ingenieur, Architekt und Feldherr. Die von ihm konstruierten Anlagen wurden zum häufig kopierten Vorbild für die Festungsarchitektur in Europa, Amerika, Russland und im Fernen Osten. Für die Welterbeliste wurden 13 der bedeutendsten Werke Vaubans in Frankreich ausgewählt, die die Entwicklung des Verteidigungssystems, die unterschiedlichen Festungstypen und deren geografische Besonderheiten veranschaulichen.

Armenische Klosteranlagen im Iran
© UNESCO/Armenia/A. Prepis

Iran: Die Armenischen Klosteranlagen im Iran – die Klöster St. Thaddäus und St. Stephanos sowie die Kapelle von Dzordzor – sind die letzten bedeutenden Zeugnisse der christlichen armenischen Kultur in der Region Iranisch-Aserbaidschan. Sie waren über Jahrhunderte wichtige Pilgerorte und sind Zeugnisse der religiösen und architektonischen Traditionen Armeniens. Das älteste der Klöster, St. Thaddäus, stammt aus dem 7. Jahrhundert.

Israel: Heilige Stätten der Baha'i in Haifa und West-Galiläa. Die Religionsgemeinschaft der Baha'i entstand im 19. Jahrhundert. Die Schreine ihrer Gründer Báb und Bahá'u'lláh sind die beiden wichtigsten Heiligtümer und bedeutende Pilgerstätten. Sie sind umgeben von weitläufigen Gartenanlagen.

Mantua, Italien
© UNESCO/Mantua/Nicola Romani

Italien: Die Städte Mantua und Sabbioneta gehören zu den bedeutendsten Renaissancestädten in Italien und sind mit der Geschichte der zwischen dem 14. und 18. Jahrhundert herrschenden Adelsfamilie Gonzaga verbunden. Die Stadt Mantua, deren Wurzeln bis in die Römerzeit zurückgehen, wurde im 15. und 16. Jahrhundert modernisiert und avancierte zu einer Hauptstadt der Renaissance. Sabbioneta entstand in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts und gilt wegen ihres authentischen Stadtbildes als eines der besten Beispiele einer "Idealstadt" nach den städtebaulichen Prinzipien der Renaissance. 

Italien/Schweiz: Die grenzüberschreitende Welterbstätte Rhätische Bahn in der Kulturlandschaft Albula/Bernina

Kambodscha: Der Tempel Preah Vihear aus der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts ist dem Gott Shiva geweiht. Seine Geschichte kann bis zur Gründung einer Einsiedelei im 9. Jahrhundert zurückverfolgt werden. Die Stätte ist besonders gut erhalten und gilt als außergewöhnlich wegen ihrer Lage auf einem Plateau mit Ausblick über eine weite Ebene, wegen ihrer Architektur, die an die natürliche Umgebung und die religiöse Funktion des Tempels angepasst ist, und wegen ihrer kunstvoll gestalteten Steinornamente.

Kenia: Die Kayas der Mijikenda sind elf Waldgebiete, die sich in einem Gebiet von 200 Kilometern entlang der kenianischen Küste erstrecken. Hier befinden sich die Reste zahlreicher befestigter Dörfer des Stammes der Mijikenda. Sie wurden ab dem 16. Jahrhundert gebaut und in den 1940er Jahren verlassen. Die Mijikenda ehren die Kayas heute als Wohnsitz ihrer Vorfahren. Es sind heilige Stätten und Zeugnisse der kulturellen Traditionen und ihrer Pflege bis in die heutige Zeit.

Kroatien: Die Ebene von Stari Grad auf der adriatischen Insel Hvar ist eine Kulturlandschaft, die seit der Kolonisierung der Griechen im 4. Jahrhundert vor Christus intakt geblieben ist. Die ursprünglichen landwirtschaftlichen Aktivitäten dieser fruchtbaren Ebene, hauptsächlich der Anbau von Trauben und Oliven, wurden bis heute aufrecht erhalten. Die Stätte ist auch ein Naturschutzgebiet. Für die Landschaft typisch sind alte Steinmauern, kleine Steinhütten (trims) und Zeugnisse der geometrischen Landaufteilung (chora), die über 24 Jahrhunderte intakt blieb.

Historisches Zentrum von Camagüey, Kuba
© UNESCO/Prensa latina

Kuba: Das historische Zentrum von Camagüey geht auf eine der ersten sieben Stadtgründungen der Spanier auf Kuba zurück. Die Stadtstruktur aus dem Jahr 1528 ist bis heute erhalten. Ungewöhnlich für lateinamerikanische Kolonialstädte ist das Stadtgefüge mit seinen Märkten und Plätzen, Serpentinenstraßen, Gässchen und unregelmäßigen Häuserblocks. Die heutige Architektur der Stadt ist geprägt durch zahlreiche Stilrichtungen, unter anderem Klassizismus, Eklektizismus, Art Deco, Neokolonialstil und Jugendstil.

Malaysia: Die historischen Städte Melaka und George Town an der Meerenge von Malakka haben eine über 500-jährige Geschichte des Handels und Kulturaustausches zwischen Ost und West. Asiatischer und europäischer Einfluss haben die Städte mit einem spezifischen, multikulturellen Erbe ausgestattet. Mit den Regierungsgebäuden, Kirchen, Plätzen und Befestigungsanlagen verdeutlicht Melaka die Geschichte des Sultanats im 15. Jahrhundert und der portugiesischen und holländischen Periode im 16. Jahrhundert. Mit seinen charakteristischen Wohn- und gewerblichen Gebäuden repräsentiert Georgetown die britische Ära Ende des 18. Jahrhunderts. Beide Städte bilden ein einzigartiges architektonisches und kulturelles Stadtbild.

Kulturlandschaft Le Morne, Mauritius
© UNESCO/Jasmina Sopova

Mauritius: Die Kulturlandschaft Le Morne im Südwesten der Insel Mauritius ist ein Symbol für den Widerstand und Freiheitskampf der Sklaven, die vom afrikanischen Festland, von Madagaskar, Indien und Südostasien hierher verschifft wurden. Die Höhlen des Berges Le Morne dienten den Maroons, wie die entflohenen Sklaven genannt wurden, als Unterschlupf. Mauritius war im 18. und 19. Jahrhundert ein bedeutender Umschlagplatz für den Sklavenhandel.

San Miguel, Mexiko
© UNESCO/José Gabriel M. Ruíz Lembo

Mexiko: Die Festung San Miguel de Allende wurde im 16. Jahrhundert erbaut und hatte ihre Blütezeit im 18. Jahrhundert, als ihre außergewöhnlichen religiösen und profanen Gebäude im Stil des mexikanischen Barocks entstanden. Die Stadt war ein Schmelztiegel des kulturellen Austauschs zwischen Spaniern, Kreolen und Indios. Die Wallfahrtskirche Jesùs de Nazareno in Atotonilco wurde inspiriert von der Doktrin des Heiligen Ignatius von Loyola, des Gründers des Jesuitenordens, und steht für den Austausch zwischen europäischen und lateinamerikanischen Kulturen. Besonders die Wandmalereien machen die Kirche zu einem Meisterwerk des mexikanischen Barocks.

Papua-Neuguinea: Die historische Agrarlandschaft von Kuk im südlichen Hochland von Neuguinea liegt 1500 Meter über dem Meeresspiegel. Archäologische Ausgrabungen haben ergeben, dass das Land durchgehend in den letzten 7000, vermutlich sogar 10.000 Jahren bestellt wurde. Gut erhaltene archäologische Funde belegen den technologischen Sprung von der Pflanzennutzung zur Landwirtschaft vor 6500 Jahren. Kuk ist eine der wenigen archäologischen Stätten weltweit, die über einen so langen Zeitraum Rückschlüsse auf Praxis und Weiterentwicklung landwirtschaftlicher Techniken ermöglichen, und die erste Welterbestätte Papua-Neuguineas.

San Marino: Das historische Zentrum von San Marino reicht zurück bis zur Gründung der Republik als Stadtstaat im 13. Jahrhundert und ist ein Zeugnis der Kontinuität einer freien Republik seit dem Mittelalter. Der in die Liste aufgenommene historische Bereich umfasst Befestigungstürme, Mauern, Tore, Bastionen, eine klassizistische Basilika des 19. Jahrhunderts, Klöster aus dem 14. und 16. Jahrhundert, den Palazzo Publico des 19. Jahrhunderts und das Titano Theater aus dem 18. Jahrhundert. Dank ihrer Lage auf dem Monte Titano war die Stadt nicht den urbanen Veränderungen ausgesetzt, die mit dem Beginn der Industrialisierung einsetzten. Es ist die erste Welterbestätte San Marinos.

Al-Hijr, Saudi-Arabien
© UNESCO/Véronique Dauge

Saudi-Arabien: Die archäologische Stätte Al-Hijr (Madâin Sâlih) ist die erste Welterbestätte in Saudi-Arabien. Al-Hijr, früher bekannt als Hegra, ist die größte erhaltene Siedlungsstätte der Nabatäer südlich von Petra in Jordanien. Neben 111 Monumentalgräbern aus der Zeit vom ersten Jahrhundert vor bis zum ersten Jahrhundert nach Christus fand man in Al-Hijr rund 50 Inschriften, Brunnen und einige Höhlenzeichnungen aus vornabatäischer Zeit.
 

Rhätische Bahn in der Kulturlandschaft Albula/Bernina, Schweiz/Italien
© UNESCO/Rhb/Peter Donatsch, Trogen

Schweiz/Italien: Die Welterbstätte Rhätische Bahn in der Kulturlandschaft Albula/Bernina umfasst die 67 Kilometer lange Bahnstrecke zwischen Thusis und St. Moritz (Albula), die 1904 eröffnet wurde, und die 61 Kilometer lange Anschlussstrecke nach Tirano (Bernina). Sie gehört mit ihrer einzigartigen Streckenführung, über 50 Tunneln und fast 200 Viadukten und Brücken zu den spektakulärsten Schmalspurbahnen der Welt.

Holzkirchen in den Karpaten: Bodruzal, Slowakei
© UNESCO/Milos Dudas

Slowakei: Die acht Holzkirchen in den Karpaten gehören zu den am besten erhaltenen Holzkirchen Europas aus der Zeit zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert. Darüber hinaus illustrieren sie die Koexistenz der verschiedenen Religionsgemeinschaften in den Dörfern der nordwestlichen Karpaten. Neben römisch-katholischen findet man protestantische und griechisch-orthodoxe Kirchen. Die Verbindung der jeweils charakteristischen religiösen Stilelemente lateinischen und byzantinischen Ursprungs mit lokalen Bautraditionen schuf eine variationsreiche Architektur.

Vanuatu: Die Kulturlandschaft "Chief Roi Mata's Domain" ist die erste Welterbestätte Vanuatus und steht für wichtige Ereignisse in der Geschichte der Pazifikinsel. Sie ist verbunden mit dem sozial- und friedenspolitischen Erbe des legendären Häuptlings Roi Mata, der nach seinem Tod um 1600 hier begraben wurde.

Die acht neuen Naturerbestätten:

Nationalpark Mount Sanqingshan, China
© UNESCO/Liu Feng

China: Der in der Provinz Jiangxi gelegene Nationalpark Mount Sanqingshan wurde wegen seiner außergewöhnlichen Schönheit in die Welterbeliste aufgenommen. Viele der Felsspitzen und Granitformationen ähneln menschlichen und tierischen Silhouetten. Der 1.817 Meter hohe Berg Huaiyu vor einer sich ständig verändernden Wetterkulisse formt ein faszinierendes Landschaftsbild. Der Park umfasst subtropische Gebiete, Wälder, zahlreiche bis zu 60 Meter hohe Wasserfälle, Seen und Quellen.

Frankreich: Die tropischen Lagunen Neukaledoniens sind eines der drei größten Riffsysteme der Welt mit einer großen Vielfalt intakter Ökosysteme. Eine große Bandbreite von Korallen-, Fisch- und Pflanzenarten besiedeln die Lagunen und Riffe. Hier leben zahlreiche Arten von Raubfischen, teilweise bedrohte Fischarten, Schildkröten und Meeressäugetiere, darunter die weltweit drittgrößte Population von Seekühen. Das Lagunen- und Riffsystem Neukaledoniens ist eine wichtige Informationsquelle für die Naturgeschichte Ozeaniens.

Vulkaninsel Surtsey, Island
© UNESCO/Sigurdur Á. Thráinsson

Island: Die vor der Südküste Islands gelegene Vulkaninsel Surtsey ist durch Vulkaneruptionen in den Jahren 1963 bis 1967 entstanden und ein Laboratorium für die Erforschung des natürlichen Besiedelungsprozesses durch Pflanzen und Tiere. Damit dieser Prozess ungestört verlaufen kann, wurde die Insel noch während der vulkanisch aktiven Zeit zu einem Naturschutzgebiet erklärt, das bis heute nur eine kleine Zahl an Wissenschaftlern betreten darf. Im Jahr 2004 registrierten Forscher 335 Arten, die sich auf der 141 Hektar großen Insel angesiedelt haben.

Sokotra-Archipel, Jemen
© UNESCO/Linda Shen

Jemen: Der Sokotra-Archipel liegt im indischen Ozean nahe dem Golf von Aden. Er erstreckt sich auf 250 Kilometern, vier Inseln und zwei Felsinseln und gehört zu den artenreichsten Inselgebieten der Erde. Wegen seiner außergewöhnlichen Vielfalt wird er "Galapagos des Indischen Ozeans" genannt. 37 Prozent der hier vorkommenden Pflanzenarten, 90 Prozent der Reptilienarten und 95 Prozent der Landschneckenarten existieren nirgendwo sonst auf der Welt. Sokotra ist von globaler Bedeutung als Lebensraum von 192 Vogelarten, darunter zahlreiche bedrohte Arten. Hier kommen über 250 Korallenarten, 730 Arten von Küstenfischen und 300 Arten von Garnelen, Hummern und Krabben vor.

Fossilienstätte Joggins, Kanada
© UNESCO/Walley Hayes

Kanada: Die Fossilienstätte Joggins in der Provinz Neuschottland gibt Zeugnis ab über die Erdgeschichte seit rund 350 Millionen Jahren. Sie gilt als eine der bedeutendsten Fundstellen für Fossilien aus dem Kohlezeitalter, darunter versteinerte Baumstämme, Reptilienfunde und die frühesten repräsentativen Funde von Amnioten (Nabeltiere). Die Fossilienstätte spielte eine wichtige Rolle bei der Entwicklung bahnbrechender Prinzipien in der Geologie und Evolutionstheorie, unter anderem in den Werken von Charles Lyell und Charles Darwin.

Kasachstan: Die Kasachische Schwelle (Saryarka) ist eine teils gebirgige, teils von Steppen- und Seen geprägte Landschaft in Nordkasachstan. Die Feuchtgebiete des Naturreservats sind von großer Bedeutung für viele vom Aussterben bedrohte Zugvogelarten, darunter der äußerst seltene Sibirische Weißkranich, der Dalmatinische Pelikan und der Bindenseeadler. Zum Welterbe gehören zwei Gruppen von Süß- und Salzwasserseen. Die Steppenlandschaft ist Lebensraum seltener Pflanzenarten und Heimat der gefährdeten Saigaantilope.

Mexiko: Das Biosphärenreservat Mariposa Monarca erstreckt sich auf einer Fläche von über 56.000 Hektar in den Bergwäldern 100 Kilometer nordwestlich von Mexiko City. In jedem Herbst finden sich Millionen, vielleicht eine Milliarde Schmetterlinge aus weiten Teilen Nordamerikas in dem Naturreservat ein. Es ist nach dem Monarchfalter (Mariposa Monarca) benannt. Eine große Population des seltenen Falters überwintert in dem Gebiet.

Schweiz: Die Tektonikarena Sardona umfasst als zentrales Element die Glarner Hauptüberschiebung. Diese Überschiebung gilt als außergewöhnliches Naturphänomen, da hier alte Gesteine auf jungen liegen. Normalerweise ist es umgekehrt. Mehr als 250 Millionen Jahre altes Verrucanogestein wurde auf sehr viel jüngeres, "nur" 35 bis 50 Millionen Jahre altes Flyschgestein geschoben. Diese Erkenntnis revolutionierte zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Verständnis des Baus der Alpen.

Festung von Berat, Albanien
© UNESCO/Ermal Koci

Vier Welterbestätten wurden erweitert:

Albanien: Zusätzlich zur Altstadt von Gjirokastra, die seit 2005 zum Weltkulturerbe zählt, wurde die Altstadt von Berat in die Welterbeliste aufgenommen. Die historischen Zentren von Berat und Gjirokastra repräsentieren gemeinsam das Kulturerbe aus der osmanischen Zeit in der Balkanregion. Als bedeutende Zeugnisse osmanischer Siedlungen sind zahlreiche Moscheen, Kirchen, Klöster und Befestigungsanlagen erhalten.

Großbritannien/Deutschland: Die grenzüberschreitende Welterbestätte "Grenzen des Römischen Reiches", zu der seit 1987 der Hadrianswall und seit 2005 als deutscher Teil der Obergermanisch-Raetische Limes gehören, wurde um den Antoninuswall in Schottland erweitert. Der Römische Kaiser Antoninus Pius ließ den 60 Kilometer langen Wall in den Jahren 142 bis 144 nach Christus zur Verteidigung gegen die "Barbaren" des Nordens erbauen.

Indien: Neben der Himalaya-Gebirgsbahn nach Darjeeling und der Nilgiri-Bergbahn wurde die 96 Kilometer lange Eisenbahnstrecke von Kalka nach Shimla in die Welterbeliste aufgenommen. Die Mitte des 19. Jahrhunderts erbaute, einspurige Bahnstrecke überwindet einen Höhenunterschied von 1.420 Metern (Kalka: 656 Meter, Bahnhof Shimla: 2.076 Meter). Die drei spektakulären Bahnstrecken werden in der Welterbeliste unter der neuen Bezeichnung "Gebirgsbahnen in Indien" geführt.

Spanien: Unter der neuen Bezeichnung "Altsteinzeitliche Höhlenmalereien in Nordspanien" wurden weitere 17 Höhlen mit Zeichnungen aus der Altsteinzeit in die Welterbeliste aufgenommen. Sie entstanden 35.000 bis 11.000 Jahre vor Christus und gehören damit zu den ersten bekannten Kunstwerken der Menschheitsgeschichte. Aufgrund ihrer vor klimatischen Einflüssen geschützten Lage, tief innerhalb der Höhlen, befinden sie sich in einem sehr guten Erhaltungszustand. Die Höhlenmalereien wurden als Erweiterung der seit 1985 in der Welterbeliste geführten Kulturerbestätte "Höhle von Altamira" in die Liste eingeschrieben.

Liste des gefährdeten Welterbes:

Neben der Welterbeliste führt die UNESCO eine "Liste des gefährdeten Welterbes". Nach Artikel 11 (4) der Welterbekonvention werden in diese Liste Güter aufgenommen, die "durch ernste und spezifische Gefahren bedroht" sind, wie zum Beispiel durch die Einwirkung von Krieg oder Naturkatastrophen, durch Verfall, infolge fehlender Schutzmaßnahmen oder durch Bauvorhaben, die mit der Welterbekonvention unvereinbar sind.

Schloss Pillnitz, Kulturlandschaft Dresdner Elbtal
© Hans-J. Aubert

In diesem Jahr verzeichnet die Liste des gefährdeten Welterbes keinen neuen Eintrag, allerdings konnte auch keine der 30 als "besonders gefährdet" eingestuften Welterbestätten aus der Liste gestrichen werden. Weiterhin sind auf der Liste unter anderem die Kulturlandschaft des Bamiyan-Tals in Afghanistan, die Altstadt von Jerusalem und die Galapagos-Inseln in Ecuador verzeichnet sowie aus Deutschland die Kulturlandschaft des Dresdner Elbtals.

Wegen des geplanten Baus der Waldschlösschenbrücke hatte das UNESCO-Welterbekomitee Dresden im Juli 2006 auf die Liste des gefährdeten Welterbes gesetzt. Das Komitee hofft, dass der Bau der vierspurigen Brücke über das Tal gestoppt und die begonnenen Arbeiten, die die Integrität der Kulturlandschaft gefährden, rückgängig gemacht werden. Es beschloss, Dresden für ein weiteres Jahr auf der Liste des gefährdeten Welterbes zu belassen. Wenn die Konstruktion der Brücke nicht gestoppt und der Schaden gutgemacht wird, droht Dresden die Aberkennung des Welterbetitels. Siehe Artikel

Die UNESCO-Welterbekonvention

Das Kultur- und Naturerbe der Menschheit zu schützen, liegt nicht allein in der Verantwortung eines einzelnen Staates, sondern ist Aufgabe der Völkergemeinschaft. Dies ist das Ziel der UNESCO-Welterbekonvention. 185 Staaten haben dieses "Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt" seit seiner Verabschiedung 1972 unterzeichnet und sich damit verpflichtet, die auf ihrem Territorium befindlichen Welterbestätten durch gesetzliche, technische und andere Schutzmaßnahmen langfristig zu erhalten.

Auf seiner jährlichen Tagung entscheidet das Welterbekomitee über die von den Unterzeichnerstaaten vorgelegten Neuanträge. Es prüft, ob die vorgeschlagenen Stätten die in der Konvention festgelegten Kriterien erfüllen. Außerdem muss ein überzeugender Erhaltungsplan vorliegen. Das Welterbekomitee der UNESCO setzt sich aus 21 gewählten Vertretern der Mitgliedstaaten zusammen, die möglichst alle Kontinente und Kulturkreise repräsentieren sollen. Der Internationale Rat für Denkmalpflege (ICOMOS) und die Internationale Naturschutzunion (IUCN) beraten das Komitee bei seiner Arbeit.

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