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Neueinträge in die UNESCO-Listen des Immateriellen Kulturerbes 2017

Orgelbau und Orgelmusik in Deutschland sind Immaterielles Kulturerbe der Menschheit

Das UNESCO-Komitee für Immaterielles Kulturerbe hat im südkoreanischen Jeju 39 traditionelle Fertigkeiten und Wissensformen neu in die UNESCO-Listen des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen, sechs davon gelten als gefährdet. Neben dem Orgelbau und der Orgelmusik in Deutschland gehören zum Immateriellen Kulturerbe der Menschheit beispielsweise das Krugfest 'Kumbh Mela' in Indien, die Kunst des neapolitanischen 'Pizzaiuolo' in Italien und das traditionelle System der Wasserrichter im peruanischen Corongo. Damit umfasst die Liste, die die Vielfalt des Immateriellen Kulturerbes weltweit abbilden soll, nun 399 Kulturformen. Die Liste des dringend erhaltungsbedürftigen Immateriellen Kulturerbes beinhaltet 52 Einträge. Zwei Programme wurden neu ins Register Guter Praxisbeispiele aufgenommen. Der Zwischenstaatliche Ausschuss zum Immateriellen Kulturerbe tagt noch bis zum 9. Dezember.

Neueinträge in die Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit

© UNESCO/Gagik Ginosyan

Armenien: Kochari, traditioneller Gruppentanz. Kochari ist ein traditioneller Tanz, der überall in Armenien anlässlich von Festtagen und speziellen Zeremonien aufgeführt wird. Die Weitergabe erfolgt beispielsweise im Schulsystem aber auch außerhalb. 2004 wurde der Kurs "Volkslied und Volkstanz" in die Curricula von Gesamtschulen aufgenommen. Bildungsprogramme bringen die Tradition in Jugendkunstzentren. Volkstanzgruppen sind seit den 1960er Jahren auch in verschiedenen Gemeinden aktiv. NGOs veranstalten regelmäßig Tanzkurse. 

© UNESCO/Ministry of Culture and Tourism of Azerbaijan

Aserbaidschan: Die Tradition der Herstellung und des Teilens von Dolma. Die Dolma-Tradition umfasst Wissen und Fähigkeiten bezüglich der Zubereitung der traditionellen Mahlzeit "Dolma": Kleine Portionen werden in Blätter gewickelt oder in Gemüse eingefüllt. Das Essen wird in Familien oder innerhalb lokaler Gemeinschaften geteilt, es drückt Solidarität, Respekt und Gastfreundschaft aus. Die Tradition wird von Generation zu Generation weitergegeben und überschreitet ethnische und religiöse Grenzen innerhalb des Landes. Ihre Lebendigkeit wird durch zahlreiche Aktivitäten sichergestellt, unter anderem Festivals, Berufsschulen, die die Tradition lehren, und Veröffentlichungen.

© UNESCO/Monirul Masum

Bangladesch: Traditionelle Kunst des Shital-Pati-Webens von Sylhet. Shital Pati ist die traditionelle Kunst, eine handgefertigte Matte herzustellen. Dazu werden Streifen einer grünen Rohrpflanze namens Murta miteinander verbunden. Das Produkt wird von Menschen in ganz Bangladesch als Sitzmatte, Tagesdecke oder Gebetsmatte verwendet. Die Beherrschung der Technik schafft soziales Prestige. Die Regierung fördert das Bewusstsein für Shital Pati durch lokale und nationale Handwerksmessen. Auch werden Shital-Pati-Gemeinden zunehmend in Genossenschaften organisiert, um die effiziente Erhaltung und Weitergabe des Handwerks zu gewährleisten. 

© UNESCO/Loza

Bolivien: Rituelle Reisen in La Paz während des Alasita-Fests. Anlässlich der rituellen Reisen erwerben die Teilnehmenden „Glücks“-Miniaturen. Diese werden mit Ekeko, dem wohltätigen Fruchtbarkeitsgott der Stadt La Paz, in Verbindung gebracht. Die Reisen beginnen mit der Suche und dem Erwerb der Miniaturen, gefolgt von ihrer Weihe im Rahmen verschiedener Andenrituale oder ihrer Segnung durch die katholische Kirche. Die Menschen tauschen die Miniaturen auch untereinander, um symbolisch Schulden zu bezahlen. Spenden und die Bezahlung von Schulden, auch wenn sie symbolisch sind, verringern Spannungen zwischen den Menschen und sozialen Schichten. 

© UNESCO/Rukotvorine doo

Bosnien und Herzegowina: Konjic-Holzschnitzerei. Die Holzschnitzerei ist ein Kunsthandwerk mit langer Tradition in der Gemeinde Konjic. Die Produkte, zu denen Möbel, raffinierte Interieurs und kleine dekorative Objekte gehören, zeichnen sich durch ihre handgeschnitzten Motive und ihre visuelle Gesamtidentität aus. Die Holzschnitzerei ist ein konstitutiver Teil der Kultur der lokalen Gemeinschaft, ein Maß für die Schönheit und Annehmlichkeit von Wohnräumen und eine Tradition, die ein Gefühl von Gemeinschaft und Zugehörigkeit schafft. Die Praxis spielt jedoch nicht nur auf Gemeindeebene in Konjic eine sehr wichtige Rolle, sondern auch landesweit und in Diasporagemeinschaften. 

© UNESCO/Ministry of Culture

Bulgarien, ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien, Moldau, Rumänien: Kulturelle Praktiken des 1. März. Dieser länderübergreifende Brauchkomplex feiert den Beginn des Frühlings. Im Zentrum steht die Praxis, eine rot-weiße Kordel herzustellen, weiterzugeben und zu tragen. Diese bietet symbolischen Schutz vor Gefahren, wie launischem Wetter, und sorgt für einen sicheren Übergang vom Winter zum Frühling. Auch Reinigungsrituale sind Teil der Praxis. Die Praxis stärkt sozialen Zusammenhalt und fördert intergenerationellen Austausch. 

© UNESCO/Aka Konin

Côte d’Ivoire: Zaouli, Musik und Tanz der Guro. Zaouli verbindet populäre Musik mit einem speziellen Tanz. Die Tänzer sind dabei stets verkleidet, tragen eine Maske und ein Kostüm. Die Dorfältesten spielen eine Schlüsselrolle im Prozess der Weitergabe. Zaouli hat eine erzieherische, spielerische und ästhetische Funktion. Mehrmals pro Woche werden Veranstaltungen von den Gemeinschaften organisiert, um Zaouli zu praktizieren. Wettbewerbe und Festivals zwischen Dörfern dienen der weiteren Förderung der Praxis, ebenso werden Forschungs- und Dokumentationsmaßnahmen zum Erhalt der Tradition durchgeführt.

© UNESCO/Dorothea Burkhardt

Deutschland: Orgelbau und -musik. Das Orgelhandwerk und die Orgelmusik prägen seit Jahrhunderten die Musiklandschaft und den Instrumentenbau in Deutschland. Orgelbau und Orgelmusik sind eng miteinander verbunden, da jedes Instrument speziell für den architektonischen Raum geschaffen wurde, in dem es gespielt wird. Die hochspezialisierten Kenntnisse und Fertigkeiten im Zusammenhang mit der Praxis wurden von Kunsthandwerkern, Komponisten und Musikern entwickelt. Es gibt heute rund 400 mittelständische Orgel-Handwerksbetriebe in Deutschland sowie einige größere Familienwerkstätten. Auszubildende erwerben praktische Erfahrungen und theoretisches Wissen in Betrieben, an Berufsschulen, in Universitäten und Musikakademien. 

© UNESCO/Greek Ministry of Culture and Sports

Griechenland: Rebetiko. Rebetiko ist eine musikalische Aufführungspraxis, die Gesang und Tanz umfasst. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts zunächst in der städtischen Arbeiterklasse verbreitet, gehören Rebetiko-Lieder heute zum Standart-Repertoire bei fast allen gesellschaftlichen Anlässen. Rebetiko-Lieder enthalten Hinweise auf verschiedene griechische Bräuche, Praktiken und Traditionen; vor allem aber ist die Praxis eine lebendige Musiktradition mit starkem symbolischen und künstlerischen Ausdruck. Seit etwa zehn Jahren wird Rebetiko zunehmend in Musikschulen, Konservatorien und Universitäten unterrichtet. 

© UNESCO/S.A. Murugesan (IAS)

Indien: Kumbh Mela. Das „Krugfest“ ist die größte Versammlung von Pilgern auf der Erde. Nach der Legende werden Pilger durch das Baden im Ganges von Sünden befreit. Zur Gemeinschaft der Praktizierenden gehören Asketen, Heilige, Sadhus, Aspiranten, Kalpavasis sowie Besucherinnen und Besucher. Das Fest findet alle vier Jahre in den Städten Allahabad, Haridwar, Ujjain und Nasik statt und wird von Millionen Menschen besucht. Kumbh Mela umfasst Elemente von Astronomie, Astrologie, Spiritualität, rituellen Traditionen sowie sozialen und kulturellen Bräuchen und Praktiken. Die Weitergabe erfolgt nach dem Lehrer-Schüler-Prinzip, mittels alter religiöser Manuskripte, mündlicher Überlieferungen, historischer Reiseberichte und Texten von Historikern.

© UNESCO/Ministry of Education and Culture

Indonesien: Pinisi, die Kunst des Bootsbaus in Süd-Sulawesi. In Indonesien und darüber hinaus ist Pinisi zum Inbegriff des indigenen Segelschiffs des Archipels Süd-Sulawesi geworden. Rund 70 Prozent der lokalen Bevölkerung bestreiten ihren Lebensunterhalt durch Bootsbau und Schifffahrt. Beides ist Mittelpunkt des täglichen Lebens und prägend für die Identität der Gemeinschaften. Das entsprechende Wissen und Können wird meist innerhalb von Familien weitergegeben. Die Gemeinschaften engagieren sich aktiv für den Erhalt der Kulturform, beispielsweise durch Marketingkampagnen oder Veröffentlichungen.

© UNESCO/Iranian Cultural Heritage, Handicrafts and Tourism Organization (ICHHTO)

Iran: Chogān, ein Reitspiel begleitet von Musik und Geschichtenerzählen. Chogān hat im Iran eine mehr als 2.000-jährige Tradition. Zwei Reitermannschaften treten gegeneinander an und versuchen, einen Ball mit einem Holzstab durch die Torpfosten des Gegners zu führen. Chogān beinhaltet das Hauptspiel, eine entsprechende musikalische Darbietung und das Erzählen von Geschichten. Es hat eine starke Präsenz in der Literatur, in Sprichwörtern und selbst im Kunsthandwerk. Chogān gilt darüber hinaus als Praktik, die die Gesundheit von Körper und Seele fördert und eine Verbindung zwischen Natur, Mensch und Pferd herstellt. Traditionell erfolgte die Weitergabe in der Familie. In den letzten Jahrzehnten wurden zusätzlich auch Chogān-Vereinigungen gegründet.

© UNESCO/Ministry of Culture and Tourism of Azerbaijan

Iran, Aserbaidschan: Die Kunst des Baus und Spielens des Kamantcheh-/Kamancha-Streichinstrument. Das Streichinstrument Kamantcheh/Kamancha („kleiner Bogen“) gibt es seit über 1.000 Jahren. Im Iran und in Aserbaidschan ist es ein wichtiges Element klassischer und folkloristischer Musik, bei Aufführungen nimmt es einen zentralen Platz ein. Die Spielenden können einzeln oder als Teil von Orchestern auftreten. Die Gemeinschaft der Traditionsträgerinnen und -träger besteht aus Handwerkern, Amateur- und Profispielern sowie Lehrerenden und Lernenden. Heute wird das Wissen über das Spiel und die Herstellung von Kamantcheh/Kamancha sowohl innerhalb von Familien als auch in staatlich geförderten Musikinstitutionen und Schulen vermittelt. 

© UNESCO/NPU

Irland: Das Dudelsackspiel ‚Uilleann Piping‘. Irische Volksmusik wird häufig mittels der „Uilleann Pipes“, der irischen Version des Dudelsacks, gespielt. Diese musikalische Praxis spielt eine tragende Rolle anlässlich bedeutender Lebensereignisse wie Hochzeiten oder Beerdigungen. Sie vermittelt ein Gefühl von Heimat und Identität, auch für die irische Diaspora weltweit. Die Weitergabe erfolgt nach dem Meister-Schüler-Prinzip sowie durch moderne Lehrmethoden wie Video- und DVD-Tutorien. Ein Erhaltungsprogramm bestehend aus Forschung, Veröffentlichungen, Unterricht und Training hat zu einem starken Anstieg der Nutzung und Wertschätzung des Instruments und seiner Musik beigetragen. 

© UNESCO/Sebillo

Italien: Die Kunst des neapolitanischen ‚Pizzaiuolo‘. Die Kunst des neapolitanischen Pizzabäckers ist eine kulinarisch-handwerkliche Praxis. Die Tradition stammt aus Neapel, wo heute etwa 3.000 Pizzaiuoli leben und wirken. Die Tradition fördert soziale Zusammenkünfte und intergenerationellen Austausch. Jedes Jahr veranstaltet die Vereinigung Neapolitanischer Pizzaiuoli Kurse, die sich mit der Geschichte, den Hilfsmitteln und den Techniken dieser Kunst befassen. Kenntnisse und Fertigkeiten werden hauptsächlich in der „Bottega“ vermittelt, wo junge Lehrlinge Meister bei der Arbeit beobachten und das Handwerk erlernen.

© UNESCO/Studio 'Mergen'

Kasachstan: Traditionelle kasachische Assyk-Spiele. Bei diesem traditionellen Spiel hat jeder Spieler seinen eigenen Satz von „Assyks“, Spielsteine, die aus dem Talusknochen eines Schafes hergestellt werden, und einen bunten „Saka“. Die Spieler benutzen ihren Assyk, um andere Assyks vom Feld zu schlagen. Das Spiel wird vom größten Teil der Bevölkerung Kasachstans, darunter sehr viele Kinder und Jugendliche, gespielt. Es handelt sich um eine Aktivität im Freien, die dazu beiträgt, Freundschaften und soziale Inklusion zu fördern. Häufig wird es bei Festen und Versammlungen gespielt. Assyk wird von Älteren durch Beobachtungen sowie durch Rundfunk- und Fernsehdokumentationen an die Jüngeren weitergegeben.

© UNESCO/National Kok-Boru Federation

Kirgisistan: Das traditionelle Pferdespiel ‚Kok Boru‘. Kok Boru ist ein traditionelles Spiel von zwei berittenen Mannschaften. Die Spieler versuchen, einen Ziegenkadaver (heutzutage durch einen Gegenstand ersetzt) in das gegnerische Tor zu manövrieren. Die Gemeinschaft der Praktizierenden umfasst Spieler, die in höheren Liga-, Halbprofi- und Amateurteams zusammengeschlossen sind, sowie die allgemeine Öffentlichkeit. Kok Boru trägt dazu bei, Gemeinschaften unabhängig von ihrem sozialen Status zu vereinen und eine Kultur der Teamarbeit, Verantwortung und des Respekts zu fördern. Der 1998 gegründete nationale Kok-Boru-Verband spielt eine Schlüsselrolle bei der Weitergabe der Tradition.

© UNESCO/Juan Carlos Borjas

Kuba: Punto. Punto ist die Musik und Poesie kubanischer Bauern. Es fördert Dialog und bringt die Gefühle, das Wissen und die Werte der praktizierenden Gemeinschaften zum Ausdruck. Landesweit werden Seminare, Workshops, Wettbewerbe, Festivals und weitere Veranstaltungen zur Erhaltung und Weitergabe von Punto organisiert. Den Trägern und Praktizierenden wurde mittlerweile sogar eine eigene Berufsbezeichnung verliehen. 

© UNESCO/Département du cinéma auprès du Ministère de l'information, de la culture et du tourisme

Laos: Die Khaen-Musik der Laoten. Die Khaen ist ein traditionelles Blasinstrument und zählt zu den asiatischen Mundorgeln. Sie gilt als das musikalische Nationalsymbol der Laoten und wird aus Bambus unterschiedlicher Länge hergestellt. Die Musik, die mit der Khaen gespielt wird, ist integraler Bestandteil des laotischen Lebens und fördert den familiären und sozialen Zusammenhalt. Familien spielen eine wichtige Rolle bei der Weitergabe der Kunst. Darüber hinaus gibt es in vielen Gemeinden Vereine, durch die junge Leute die Fähigkeiten des Khaen-Spielens erlernen können.

© UNESCO/Malawi National Commission for UNESCO

Malawi: Nsima, kulinarische Tradition Malawis. Nsima ist sowohl der Überbegriff für die Gesamtheit der kulinarischen Traditionen in Malawi als auch der Name des populärsten Gerichts, das aus Maismehl zubereitet wird. Der Prozess zur Herstellung von Nsima ist aufwendig und erfordert spezifisches Wissen. Das Essen ist eine kommunale Tradition in Familien. Mädchen und Jungen werden früh in die Zubereitung und die dazugehörigen Bräuche einbezogen. Die Gemeinschaften sichern die Tradition durch kontinuierliche Praxis, Publikationen, Festivals und andere Aktivitäten.

© UNESCO/George Abungu

Mauritius: Sega tambour der Insel Rodrigues. Sega Tambour ist eine pulsierende rhythmische Aufführung von Musik, Gesang und Tanz. Die Haupttrommel, der Tambour, wird kraftvoll geschlagen, während ein Triyang von der Seite angeschlagen wird und die Bwat und Mayos hin- und her bewegt werden. Es wird überall auf der Insel Rodrigues gespielt und hat seinen Ursprung in den ehemaligen Sklavengemeinschaften. Wettbewerbe und Proben werden in Gemeindezentren organisiert, Aufführungen gibt es auch in touristischen Einrichtungen. Das Wissen und Können wird durch Nachahmung und Beobachtung von den Älteren an die Jugend weitergegeben. Die Fähigkeiten zur Herstellung der Instrumente werden im Rahmen einer Ausbildung erlernt.

© UNESCO/Združenie Festival Proletni Veselbi

Ehem. jugoslawische Republik Mazedonien, Türkei: Das Frühlingsfest Hıdrellez. Das Frühlingsfest Hıdrellez findet jährlich am 6. Mai statt, der als Frühlingstag bzw. ‚Tag des Erwachens der Natur‘ bezeichnet wird. Zu dem Fest werden verschiedene Zeremonien und Rituale im Zusammenhang mit der Natur durchgeführt, die das Wohlergehen von Familie und Gemeinschaft gewährleisten sowie Vieh und Feldfrüchte für das kommende Jahr schützen sollen. Das Fest ist ein wichtiger Teil der kulturellen Identität der lokalen Bevölkerungen. Das dazugehörige Wissen und Können wird innerhalb der Familie und zwischen den Mitgliedern der lokalen Gemeinschaften weitergegeben.

© UNESCO/Huisinga Fotografie

Niederlande: Handwerk des Müllers, der Wind- und Wassermühlen betreibt. Mühlen und das Müllerhandwerk spielen in den Niederlanden eine bedeutende soziale und kulturelle Rolle. Es gibt derzeit ungefähr vierzig hauptamtliche Müller in den Niederlanden; gemeinsam mit Ehrenamtlichen halten sie das Handwerk lebendig. Die 1972 gegründete Innung Ehrenamtlicher Müller umfasst rund 100 Ausbildende sowie elf Meistermüller. Sie führen zum Erhalt des Handwerks Weiterbildungen, Exkursionen, Konferenzen und pädagogische Maßnahmen in Schulen durch. Seit Gründung der Innung haben fast 2.000 Interessierte eine Müllerqualifikation erworben.

© UNESCO/MICI

Panama: Handwerkliche Prozesse und Pflanzenfasertechniken zum Weben von Talcos, Crinejas und Pintas zur Herstellung der Pintao-Hüte. Der traditionelle und populäre Pintao-Strohhut wird aus den Fasern von Palmblättern, Schilf oder Agaven geflochten. Er ist landesweit fester Bestandteil regionaler Outfits und kann, je nachdem wie er getragen wird, sogar Auskunft über die Gemütslage seinen Trägers geben. Vor einiger Zeit wurde ein Pintao-Gedenktag eingeführt. Es gibt zahlreiche Bemühungen das spezifische handwerkliche Wissen und Können zu erhalten, unter anderem durch die Organisation von Handwerksmärkten, Messen und Webe-Wettbewerben.

© UNESCO/Ministry of Culture of Peru

Peru: Traditionelles System der Wasserrichter von Corongo. Das System, das bis in die Zeit vor den Inka zurückreicht, dient der gerechten und nachhaltigen Verteilung der Ressource Wasser. Es reguliert die landwirtschaftliche Praxis der lokalen Bauern und entspricht deren Grundprinzipien von Solidarität, Gerechtigkeit und Respekt vor der Natur. Die höchste Autorität ist der Wasserrichter, der das Wasser verwaltet und auch Feste in Corongo organisiert. Funktion, Bedeutung und Wert des Systems werden innerhalb der Familie und durch die Öffentlichkeit weitergegeben. 

© UNESCO/Município de Estremoz

Portugal: Tonfiguren-Handwerk in Estremoz. Dieses Handwerk ist stark mit der Region Alentejo verbunden; die Mehrheit der Tonfiguren stellt natürliche Gegebenheiten, lokale Ereignisse oder Volkstraditionen dar. Über mehrere Tage werden die Figuren zusammengebaut, in einem elektrischen Ofen gebrannt und anschließend bemalt und mit Lack überzogen. Die Weitergabe der Techniken wird durch Bildungswerkstätten, pädagogische Initiativen der Handwerker und das Zentrum zur Förderung und zum Erhalt der Estremoz-Tonfiguren sichergestellt. Kunsthandwerker beteiligen sich auch aktiv an Erhaltungsmaßnahmen in Schulen, Museen und auf Messen.

© UNESCO/Ahmad AlSheme

Saudi-Arabien: Al-Qatt Al-Asiri, traditionelle Innenwanddekoration durch Frauen in Asir. Al-Qatt Al-Asiri ist eine traditionelle Kunst der Dekoration von Innenwänden, die charakteristisch für die Region Asir ist. Die Kunsttechnik wird vor allem von Frauen angewendet und weitergegeben, die als Künstlerinnen, Designerinnen und Architektinnen arbeiten. Die Kunst fördert die sozialen Bindungen und die Solidarität zwischen den Frauen innerhalb der Gemeinschaft. Sie wird meist durch familiäre Beziehungen weitergegeben; durch Beobachtung, Übung und Ausprobieren erlangen Interessierte die Kenntnisse und Fähigkeiten zur traditionellen Dekoration von Innenwänden.

© UNESCO/Ethnographic Museum in Belgrade

Serbien: Traditioneller Volkstanz ‚Kolo‘. Beim Kolo tanzen Jung und Alt zu Musik in einem Kreis. Der Volkstanz hat eine wichtige integrative soziale Funktion. Er wird zu wichtigen Feierlichkeiten aufgeführt. Seine Lebendigkeit wird auch durch die Organisation lokaler, regionaler und nationaler Messen, Festivals und Wettbewerbe gewährleistet. Lernen durch direkte Teilnahme ist die gängigste Art, das Können zu vermitteln. Das Wissen um die Praxis kann auch durch das formale Bildungssystem und in Ballett- und Musikschulen erworben werden.

© UNESCO/Slovak Intangible Cultural Heritage Centre

Slowakei: Mehrstimmiger Gesang der Region Horehronie. Diese Gesangsform ist durch eine variable Solomelodie und mehrere statische Chorantworten gekennzeichnet. Der Gesang gipfelt in ineinander verschlungenen parallelen Melodien mit reichen Variationen, die zwei- oder dreistimmig sind. Die meisten Lieder thematisieren landwirtschaftliche Arbeit, die Familie und spezielle Ereignissen im Jahresverlauf. Neue Lieder entstehen in Reaktion auf gesellschaftliche Ereignisse. Die Praxis wird vor allem in Familienkreisen und lokalen Folkloregruppen weitergegeben.

© UNESCO/Andrej Brence

Slowenien: Die ‚Tür-zu-Tür-Runden‘ der Kurent. Bei diesem bedeutenden Fastnachtsbrauch laufen zottelige wilde Gestalten, die Kurent, von Haus zu Haus, bilden einen Kreis und springen um die Bewohnerinnen und Bewohner herum. Laut Legende verjagen sie alle bösen Wintergeister und bringen denen, die sie besuchen, Glück. Männer, Frauen und Kinder sind an allen Aspekten des Brauchs beteiligt. Ein wichtiger Träger ist die Föderation der Kurent-Verbände. Die Praxis trägt dazu bei, zwischenmenschliche Bindungen zu stärken und ist für die regionale Identität von entscheidender Bedeutung. Auch Kindergärten, Schulen und Museen fördern die Tradition.

© UNESCO/basel-foto

Schweiz: Basler Fasnacht. Die Basler Fasnacht ist der größte Karneval der Schweiz, der am Montag nach Aschermittwoch beginnt und 72 Stunden dauert. Zwei Paraden bringen kostümierte Karnevalisten zusammen. Für Kinder gibt es einen eigenen Erlebnistag. Rund 20.000 Menschen nehmen aktiv an der Fasnacht teil, etwa 200.000 Schweizer und ausländische Besucherinnen und Besucher kommen zu dem Fest. Der Karneval trägt zum sozialen Zusammenhalt bei, fördert Toleranz durch Gesellschaftskritik und trägt auch zur Wahrung des lokalen Dialekts bei. Er wurde in den vergangenen Jahrzehnten erfolgreich durch Maßnahmen der Trägergemeinschaften und die kontinuierliche Unterstützung der Behörden gesichert.

© UNESCO/Secretariat of the Turkmen National Commission for UNESCO

Turkmenistan: Kushtdepdi-Ritual des Singens und Tanzens. Zu diesem Ritual gehört kreative Poesie. Die Aufführungskunst dient als Medium für die Übermittlung guter Wünsche und ist ein untrennbarer Bestandteil von Zeremonien und Festen. Die Praktizierenden sind Meistersänger und -tänzer. Das Kushtdepdi-Ritual wirkt als Brücke zwischen den Generationen und basiert auf geteilten spirituellen und kulturellen Werten. Das Wissen und Können wird traditionell von Meistersängern an Amateure weitergegeben. Das Erlernen ist auch in Musikschulen und Kulturzentren möglich. Die Kulturträgergruppen beteiligen sich an der Zusammenstellung von Lehrmitteln über die Praxis.

© UNESCO/Vietnamese Institute for Musicology

Vietnam: Die Kunst von Bài Chòi in Zentralvietnam. Bài Chòi ist eine vielfältige Kunst, die Musik, Poesie, Schauspiel, Malerei und Literatur verbindet. Sie hat zwei Hauptformen: die Spiele und die Aufführung. Bài Chòi-Spiele beinhalten ein Kartenspiel in Bambushütten während des Neujahrsfestes. Bei Bài Chòi-Aufführungen treten männliche und weibliche Künstler auf. Die Kunst von Bài Chòi ist eine wichtige Kultur- und Freizeitbeschäftigung in den Dorfgemeinschaften. Darstellende und ihre Familien spielen eine wichtige Rolle bei der Erhaltung der Praxis, indem sie den jüngeren Generationen Liederrepertoires, Gesangskenntnisse, Spieltechniken und Kartenherstellungsmethoden beibringen. 

© UNESCO/Phú Thọ Department of Culture, Sports and Tourism

Vietnam: Xoan-Gesang in der Provinz Phú Tho. Als darstellende Kunst umfasst der Xoan-Gesang der Provinz Phú Thọ neben Gesang auch Tanz und Trommelspiel. Die Kulturform ist eng mit der Verehrung der Hung-Könige verbunden, fördert kulturelles Verständnis sowie gemeinschaftlichen Zusammenhalt. Der Xoan-Gesang wird hauptsächlich mündlich weitergegeben, erfahrene Künstler lehren ihn im Rahmen von Seminaren. 2011 wurde diese Kulturform von der UNESCO als gefährdet und dringend erhaltungsbedürftig eingestuft. Durch die intensiven Bemühungen der lokalen Gemeinschaften und der Regierung konnte ihr Erhalt nunmehr sichergestellt werden. 

Neueinträge in die Liste des dringend erhaltungsbedürftigen Immateriellen Kulturerbes

© UNESCO/Legae Digwaamaje

Botswana: Dikopelo-Musik der Volksgruppe Bakgatla-ba-Kgafela in der Gemeinde Kgatleng. Die Dikopelo-Musik besteht aus Gesang im Chor und einstudierten Tänzen. Dikopelo steht auch für eine gemeinsame Vision des gemeinschaftlichen Zusammenlebens. Durch die zunehmende Abwanderung der Landbevölkerung in die Städte ist es schwierig, die Tradition lebendig zu halten. Dikopelo soll nun als Strategie zur Beseitigung sozialer Missstände revitalisiert werden.

© UNESCO/Sebastian Londoño

Kolumbien, Venezuela: Kolumbianisch-venezolanische Arbeitslieder der Llaneros. Die Arbeitslieder sind ein mündlich überliefertes Reservoir der individuellen und kollektiven Geschichten der Llaneros. Die Lieder zeugen von einer engen Beziehung der Gemeinschaft zu ihren Rindern und Pferden sowie von einer Harmonie zwischen Mensch, Tier und Natur. Wirtschaftliche, politische und soziale Veränderungsprozesse haben die Tradition geschwächt. Jedoch gibt es zahlreiche Bemühungen, die Lieder zu erhalten und junge Menschen für die Bedeutung der Kulturform zu sensibilisieren. 

© UNESCO/Association Targa-Aide

Marokko: Taskiwin, Kampftanz im westlichen Hohen Atlas. Der Tanz hat seinen Namen von dem reich verzierten Horn, das jeder Tänzer trägt - dem Tiskt - und beinhaltet die Kunst, die Schultern zum Rhythmus von Tamburinen und Flöten zu bewegen. Die Praxis ist ein wichtiges Mittel der Sozialisierung für junge Menschen. Aufgrund verschiedener Faktoren drohen der Tanz und das handwerkliche Können für den Bau der Instrumente zu verschwinden. Zum Erhalt der Kulturform wurde 1993 der erste eigene Verein in der Region gegründet; eine Initiative, der bereits mehrere andere Dörfer gefolgt sind.

© UNESCO/Ayush Duurenjargal

Mongolei: Traditionelle Praktiken der Verehrung heiliger Stätten in der Mongolei. Die Verehrung heiliger Stätten ist unter den Nomaden der Mongolei eine bedeutende Kulturpraxis. Die Praktiken beruhen auf der Huldigung von Gottheiten des Himmels, der Erde, der Berge und der natürlichen Umgebung. Die Zeremonien schaffen ein Gefühl von Zugehörigkeit und sensibilisieren für die Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt. Zur Zeit des kommunistischen Regimes in der Mongolei war die Verehrung heiliger Stätten verboten. Globalisierung und die rasch voranschreitende Urbanisierung schwächten die Kulturform zusätzlich. Die Gemeinschaften arbeiten jedoch aktiv mit der Regierung zusammen, um die Praxis wiederzubeleben. 

© UNESCO/Ministry of Culture and Tourism of Turkey

Türkei: Pfeifsprache. Mittels Pfeifsprache kann über weite Entfernungen und tiefe Täler kommuniziert werden. Die ländlichen Gemeinschaften betrachten diese Praxis als grundlegenden Bestandteil ihrer kulturellen Identität. Technologische Entwicklungen und sozioökonomische Veränderungen führten jedoch zu einem Rückgang der Anzahl an Praktizierenden. Gegen diese Bedrohungen haben die Gemeinden die Sprachpraxis sowohl national als auch international aktiv gefördert, um ihre Lebendigkeit weiter zu gewährleisten. Auch wird sie immer noch familiär von Generation zu Generation weitergegeben.

© UNESCO/Abou Dhabi Tourism and Cultural Authority

Vereinigte Arabische Emirate: Al Azi, die Kunst des Lobes, des Stolzes und der kraftvollen Dichtkunst. Al Azi ist ein traditioneller Poesievortrag, der von einer Gruppe von Personen aufgeführt wird. Die Praxis stärkt soziale Bindungen und beinhaltet auch tradiertes Naturwissen. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts wurde Al Azi regelmäßig aufgeführt. Durch starke Binnenmigration geriet die Tradition jedoch immer mehr in Vergessenheit. Vor einigen Jahren wurde die Praxis in eine sehr erfolgreiche Theaterproduktion eingebettet. Die Berichterstattung in den Medien hat dazu beigetragen, Al Azi wieder bekannt zu machen und mehr Dichter zu ermutigen, Gedichte nach der Al Azi-Kunst zu entwickeln.

Neueinträge in das Register guter Praxisbeispiele

© UNESCO/Ministry of Culture of Bulgaria/Tsvetan Nedkov

Bulgarien: Bulgarische Kulturzentren ‚Chitalishta‘ – Praktische Erfahrungen in der Erhaltung der Lebendigkeit Immateriellen Kulturerbes. Die kulturellen Gemeindezentren Chitalishta sind über ganz Bulgarien verteilt. Sie werden von Bürgerinnen und Bürgern gegründet und sind offen für jeden. Die ersten Chitalishta entstanden 1856 und sind seither als wichtige kulturelle Organisationseinheit anerkannt. Nach dem Chitalishta-Gesetz von 1996 führen die Einrichtungen kulturelle und pädagogische Aktivitäten durch, um die Traditionen und Bräuche der bulgarischen Bevölkerung zu erhalten und sie mit den Werten und Errungenschaften von Wissenschaft, Kunst und Kultur vertraut zu machen. Chitalishta sind ein effektives Modell zur Erhaltung Immateriellen Kulturerbes und erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. 

© UNESCO/National Commission of Uzbekistan for UNESCO

Usbekistan: Das Marg‘ilon-Handwerkszentrum - Erhalt der traditionellen Herstellungstechnologien von Atlas- und Adras-Stoffen. Historisch war der Ort Marg‘ilan das Zentrum für die Herstellung von Atlas und Adras - feine traditionelle Stoffe wie Seide. Das traditionelle Handwerk durchlief während der Sowjetzeit turbulente Zeiten und drohte in Teilen zu verschwinden. Die lokale Gemeinschaft hat 2007 eine Initiative zur Gründung eines Handwerkszentrums ins Leben gerufen. Dieses hat zum Ziel, die usbekische Handwerkstradition der Stoffherstellung durch Schulungen, Ausstellungen, Handwerksmessen, Textilfestivals und Veröffentlichungen zu revitalisieren und zu fördern. Das Zentrum fördert die Verwendung natürlicher Materialien und unterstützt die Weitergabe von Wissen über die Natur und ihre Rolle für die Gesundheit des Menschen. Der Erfolg des Handwerkszentrums beruht auf dem großen Engagement lokaler Gruppen.

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