Schriftgröße ändern

Zum Ändern der Schriftgröße verwenden Sie bitte die Funktionalität Ihres Browsers. Die Tastatur-Kurzbefehle lauten folgendermaßen:


[Strg]-[+] Schrift vergrößern
[Strg]-[-] Schrift verkleinern
[Strg]-[0] Schriftgröße Zurücksetzen



schließen
MenüService
Suche
  • Home
  • Schriftgröße

Kulangsu: Eine historische internationale Siedlung

Eine Fusion unterschiedlichster Architekturstile: In seiner 41. Sitzung schrieb das UNESCO-Welterbekomitee die chinesische Insel Kulangsu als außergewöhnliches Beispiel des Zusammenspiels multikultureller Einflüsse architektonischer, städtebaulicher und landschaftsplanerischer Elemente in die UNESCO-Welterbeliste ein. Die historische internationale Siedlung ist Zeugnis interkultureller Austauschbeziehungen im frühen 20. Jahrhundert sowie Ursprungsort des Amoy Deco Stiles.

Kulangsu aus der Luft
CC BY-ND, Kulangsu Administrative Committee

Die Welterbestätte umfasst die vor der südchinesischen Küstenstadt Xiamen gelegene Insel Kulangsu sowie die sie umgebenden Gewässer mit Korallenriffen. Somit ist sowohl die auf der Insel gelegene internationale Siedlung als auch ihre natürliche Umgebung, welcher eine besondere kulturelle Bedeutung für lokale Traditionen zugesprochen wird, integraler Bestandteil der Kulturerbestätte.

Die Insel stellte seit der Eröffnung des Handelshafens von Xiamen 1843 und der Einrichtung Kulangsus als internationale Siedlung 1903 einen wichtigen Austauschpunkt zwischen China und der Welt dar. Dies spiegelt sich in den vielfältigen Architekturstilen ebenso wie in der Siedlungsstruktur und der Gestaltung der Gärten wider, welche insbesondere von internationalen Siedlern und aus dem Ausland zurückgekehrten Chinesen beeinflusst wurden. Die knapp 1.000 historischen Bauten umfassen neben Wohneinheiten auch öffentliche Gebäude, religiöse Einrichtungen des Buddhismus, Taoismus, Christentums sowie alter lokaler Traditionen, Bildungseinrichtungen und weitere funktionale Gebäude. Die internationale Siedlung ist somit Ausdruck der Begegnung zwischen architektonischen Werten Chinas, Süd-Ost-Asiens und Europas (Kriterium ii).

„In this, the settlement illustrates the encounters, interactions and fusion of diverse values during an early Asian globalization stage.“ (Statement of Outstanding Universal Value, 2017)

Ursprungsort eines neuen Architekturstils

Kulangsu, Villa der Huang-Familie
CC BY-ND, Cultural Heritage Conservation Center of THAD

Kulangsu ist jedoch nicht nur Begegnungsort architektonischer und kultureller Traditionen. Die Insel ist auch Ursprungsort und zugleich eindrücklichstes Beispiel des sogenannten Amoy Deco Stils, welcher sich in Folge in ganz Süd-Ost-Asien verbreitet hat (Kriterium iv). Der Stil verbindet Inspirationen aus lokalen Bautraditionen, aus frühen westlichen Einflüssen des Jugendstils (Art Deco) und der Architektur der Moderne sowie aus der Kultur der Migranten aus Süd-Fujian. Damit verkörpert der Amoy Deco Stil die Weiterentwicklung und Vollendung des Gedankens des architektonischen und kulturellen Austausches in dieser historischen internationalen Siedlung.

Tourismus als Segen und Fluch zugleich

Kulangsu, Shuzhuan-Garten
CC BY-ND, Kulangsu Administrative Committee

In den letzten Jahren hat Kulangsu einen deutlichen Einwohnerrückgang verzeichnet, so dass die Insel 2012 nur noch etwa 3.500 Bewohner zählte. Zugleich erfährt die Kulturstätte seit einigen Jahren wachsende Popularität bei Touristen, die durch die Einschreibung in die UNESCO-Welterbeliste voraussichtlich noch steigen wird. Sowohl ICOMOS als auch die verantwortliche Verwaltung der Stätten in China sehen Massentourismus daher als größte Gefahr für die historischen Bauten und die Natur der Insel, neben der Bedrohung durch Naturkatastrophen wie Taifune und Erdbeben.

Massentourismus hat sich auch für andere Welterbestätten, beispielsweise Venedig, Dubrovnik oder Machu Picchu, zur Herausforderung und sogar Bedrohung entwickelt. Ein nachhaltiges Management der Besucherzahlen und -ströme ist zur Notwendigkeit für den langfristigen Erhalt vieler Welterbestätten geworden. So wurden für Kulangsu bereits Beschränkungen der maximalen Besucherzahl pro Tag festgelegt, weitere Maßnahmen wie ein neues Leitsystem zur besseren Lenkung und Verteilung der Besucher und die verstärkte Zusammenarbeit mit Anwohnern und lokalen Akteuren sind in Planung. Ziel ist dabei, den außergewöhnlichen universellen Wert der Stätte langfristig zu bewahren und zugleich die Zugänglichkeit des Welterbes und somit auch dessen Vermittlung zu ermöglichen.

Porträtserie 2017

In einer Porträtserie stellen wir die 2017 im Rahmen der 41. Sitzung des Welterbekomitees neu eingeschriebenen UNESCO-Welterbestätten vor. Weitere Porträts lesen.

Weitere Informationen:

Kulangsu, a Historic International Settlement – Webseite des UNESCO-Welterbezentrums (engl./frz.)
Welterbe und Nachhaltiger Tourismus
Nachhaltiger Tourismus zum Schutz und Erhalt des Welterbes – Interview mit P. Debrine vom UNESCO-Welterbezentrum

(Artikel erstellt am 22. August 2017)

Suche

Newsletter

Abonnieren Sie unsere verschiedenen Newsletter. mehr...