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Von Babylon nach Berlin

kulturweit-Workshop für Geflüchtete

Von Sarah Kolls

Ehemalige kulturweit-Freiwillige lassen sich zu Welterbe-Teamerinnen fortbilden, um die Idee vom gemeinsamen Menschheitserbe weiterzugeben. Im Dezember richteten sie zwei Workshops für junge Geflüchtete in Berlin und Potsdam aus.

© Deutsche UNESCO-Kommission
Exkursion zur Berliner Museumsinsel

Erst einmal werden die Handys gezückt und Fotos gemacht: von sich selbst, von der Gruppe und von der Berliner Museumsinsel. Eigentlich sollen keine Fotos gemacht werden. Die 20 Teilnehmer des Workshops sind noch minderjährig und unbegleitet in Deutschland. Ihre Vormundschaft liegt beim Berliner Senat. Sie sind zwar registriert, warten aber noch auf die letzten Dokumente, die ihre 'Ankunft' in Berlin bestätigen, seit Monaten. Termine dafür sind nicht zu bekommen, besonders nicht jetzt vor den Feiertagen.

Aber das spielt hier und jetzt keine Rolle. Jetzt geht es vielmehr um die Frage, warum das Alte Museum an diesem Ort steht und zu welchem Zweck es gebaut wurde. Französische Revolution? Klar wissen alle, was gemeint ist. Umbruch von Staaten? Auch das ist ihnen bekannt; nur zu gut: die meisten von ihnen sind im Irak oder in Syrien geboren, alle sprechen Arabisch.

Nach einer Einführung zur UNESCO und zur Welterbekonvention von 1972 besucht die Gruppe die Museumsinsel. Es geht um Welterbe und die Frage, was das mit jedem einzelnen zu tun hat. Gestellt wird sie in zwei Workshops, die von kulturweit-Alumni geplant und durchgeführt wurden. Die Exkursion zu einer Welterbestätte ist Teil des Programms. Die Gruppe morgen besucht die Schlösser und Parks in Potsdam.

Wissen weitergeben

Agnesa, Verena und Luis teamen die Runden. Als kulturweit-Freiwillige haben sie die Arbeit verschiedener Kulturmittler im Ausland unterstützt. Jetzt nehmen sie an einer Weiterbildung des Freiwilligendienstes teil, die es ihnen und 20 anderen ehemaligen Freiwilligen ermöglicht, die Idee des UNESCO-Welterbes in die Gesellschaft zu tragen.

CC BY-SA 2.0, Gus Wallen
Skulptur des Löwen von Babylon

"Ich komme aus der Nähe von Babylon", sagt einer der Teilnehmer, als die Gruppe vor dem Ischtar-Tor im Vorderasiatischen Museum steht. Ein Satz, auf den Fragen folgen: über Herkunft, Identität, über Heimkehr, Rückkehr und Sicherheit. Es werden wieder Fotos gemacht, Dinge neu- und wiedererkannt, Fragen gestellt und Geschichten erzählt.

Eine Frage lässt die Gruppe nicht los: Wie sind die Exponate nach Deutschland gelangt, ohne Schaden zu nehmen, und was passiert hier mit ihnen? Die blauen Ziegel des Ischtar-Tors faszinieren einen der Teilnehmer sehr. Er will alles ganz genau wissen und fragt Markus Hilgert, den Direktor des Vorderasiatischen Museums, so lange aus, bis er ihn zu einer Besichtigung der Restaurierungswerkstatt einlädt. Die Teilnehmer selbst sind monatelang gelaufen. Sie wollten hier ihre Schule beenden, studieren oder eine Ausbildung machen. Danach wieder zurück in ihre Heimat und dort alles mit aufbauen, als Ärzte oder Restauratoren.

Zuhause auf Zeit

Langsam wird es Zeit, und die Gruppe fährt wieder in ihre Unterkunft. Dort leben die Teilnehmer des Workshops. Die unbegleiteten Minderjährigen werden in Berlin-Zehlendorf von den Vereinen Zephir und FAMOS betreut, auf den Schulbesuch vorbereitet und lernen Deutsch – jede sinnvolle Freizeitgestaltung ist willkommen.

Am zweiten Seminar-Tag sprechen die Teilnehmenden Farsi. Fieberhaft arbeiten sie an Plakaten zu Welterbestätten ihrer Herkunftsländer und sind so bei der Sache, dass Pausen unwichtig werden. Ein Teilnehmer möchte einen Tanz seiner Heimat für das immaterielle Kulturerbe vorschlagen: der gehöre zur Identität der Menschen, die im Norden seines Heimatlands geboren sind. Die anderen stimmen ihm zu. Natürlich zeigt er den Tanz. Die Musik kommt aus dem Smartphone. Alle klatschen mit, aber es geht gleich weiter, die anderen möchten auch ihre Plakate, ihr Erbe vorstellen.

Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Erbe und dem anderer Menschen ist ein Grundstein für gegenseitiges Verständnis. Das zeigt sich auch am Ende des Workshops, als sich ein Teilnehmer wünscht, dass der kulturelle Reichtum seiner Heimat Afghanistan wieder als Identifikation dient – nicht die Gewalt.

(Artikel erstellt am 1. Februar 2016)

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