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Juli 2015

Enthusiastisch, engagiert und zukunftsweisend

Young Experts Forum 2015: "Towards a Sustainable Management of World Heritage Sites"

Von Sina Wohlgemuth

Im Vorfeld der 39. Tagung des UNESCO-Welterbekomitees organisierte die Deutsche UNESCO-Kommission zusammen mit dem Land Rheinland-Pfalz das World Heritage Young Experts Forum 2015. Vom 18. bis 29. Juni trafen sich in Koblenz und Bonn Nachwuchsexperten aus 31 Ländern, um über künftige Herausforderungen des Welterbe-Managements zu diskutieren und welche Rolle die junge Generation dabei spielt. Das Young Experts Forum, Teil des Bildungsprogramms des UNESCO-Welterbezentrums, wurde vom Auswärtigen Amt finanziert und in Kooperation mit der Nichtregierungsorganisation European Heritage Volunteers durchgeführt.

Die Teilnehmer mit UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova und der diesjährigen Vorsitzenden des Welterbekomitees, Staatsministerin Maria Böhmer
© DUK/Kolja Matke

"Ahh, nice to meet you finally!" Aus 31 Ländern aller Weltregionen reisten die 32 jungen Welterbe-Experten ins Obere Mittelrheintal. Manche waren über einen Tag unterwegs aus Peru, von den Philippinen oder aus Tanzania. Andere aus Finnland oder Tunesien hatten es nicht ganz so weit. Schon die erste Begrüßung war wie ein Wiedersehen – denn via Facebook sind die 20- bis 30-jährigen Teilnehmenden schon lange Freunde. Gemeinsame Interessen gibt es viele auszutauschen – zum Beispiel über die Zugvögel, die Sven im Wattenmeer beobachtet, wenn sie im Herbst in Richtung Mauretanien fliegen, wo Tahra die Vögel in ihrem Winterquartier, der Weltnaturerbestätte Banc d’Arguin, begrüßt. An Gesprächsstoffen rund um das Welterbe und Nachhaltigkeit mangelt es nicht bei den Architektur-, Biologie- oder Heritage-Studierenden und den jungen Berufstätigen, die in Museen, an Welterbestätten oder in Regierungsorganisationen arbeiten. Sie sind nach Deutschland gekommen, um sich im Young Experts Forum zu vernetzen und gemeinsam zukunftsweisende Ideen für ein nachhaltiges Management von Welterbestätten zu entwickeln.

Workshop
© DUK

"Towards a Sustainable Management of World Heritage Sites" –  zu diesem Thema diskutierten die jungen Experten in Workshops und Gesprächsrunden mit Welterbe-Managern, führten zusammen mit der lokalen Bevölkerung praktische Erhaltungsmaßnahmen im Oberen Mittelrheintal durch und simulierten eine Sitzung des Welterbekomitees, bei der sie eine Deklaration verabschiedeten. "Als junge Experten ist es unsere Verantwortung, aktiv zu sein und uns für das nachhaltige Management von Welterbestätten einzusetzen. Es ist die Verantwortung von jedem – der Gesellschaft und im speziellen des Welterbekomitees, die Jugend zu unterstützen, sich einzubringen", sagt Rui, ein junger Bauingenieur aus Portugal. Um genau diesen Einfluss nehmen zu können, haben die jungen Experten ihre gemeinsam während des Forums entwickelten Visionen für das Welterbe in einer Deklaration festgehalten, deren fünf wichtigsten Thesen sie dem Welterbekomitee während der Eröffnungsveranstaltung vorstellten.

Gemeinsamer Einsatz für das Welterbe Oberes Mittelrheintal

Mähgeräte brummen, Steine klopfen aufeinander, Holzspäne fliegen und Bleistifte kritzeln – so klingt es während der Hands-on-Aktivitäten im Oberen Mittelrheintal. Zusammen mit Tischlern aus der Region, Landschaftspflegern und Weinbauern setzen sich die internationalen Nachwuchsexperten aktiv für die Kulturlandschaft ein. Vier Workshops thematisierten die traditionelle Holzfensterbearbeitung, die Biotoppflege, den Trockenmauerbau sowie die Vermessung von historischen Gebäuden mit den Methoden der Bauforschung. Die Teilnehmenden lernten die verschiedenen Erhaltungstechniken praktisch kennen. Dabei wurde bewusst, wie wichtig und weitergebenswert zum einen die traditionellen Verfahren wie das händische Bauen der jahrhundertealten Trockenmauern in den Weinbergen sind, und wie notwendig auch moderne Technologien wie die Vermessung von historischen Gebäuden als Vorbereitung für die Denkmalpflege sind.

Hands-on-Einsatz
© DUK/Sarah Larissa Heuser

"Man wird es niemals wertschätzen können, wie herausfordernd und schwierig der Erhalt von Welterbestätten ist, außer man engagiert sich selbst. Nur dann lernt man, wie wichtig es ist, biologische Farbe für jahrhundertalte Fenster zu benutzen, um eine Welterbestätte nachhaltig in all ihren Aspekten zu managen und sie für die Zukunft zu erhalten", resümiert Pagna aus Kambodscha ihren Hands-on-Einsatz. Zusammen mit Tischlern aus dem Rheinland restaurierte sie Fenster mit rein traditionellen und lokalen Mitteln. Neben konkreten Erhaltungstechniken lernten die internationalen Teilnehmerinnen und Teilnehmer aber vor allem die lokale Bevölkerung kennen und zeigten sich begeistert über das bestehende Engagement und die rheinische Gastfreundschaft bei leckerem "Dippekuchen" mit Apfelmus.  

Welterbe vermitteln

In Workshops und Gesprächen unter anderem mit dem Landrat des Rhein-Lahn-Kreises, dem Zweckverband Oberes Mittelrheintal und dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur Rheinland-Pfalz wurden die Herausforderungen des nachhaltigen Managements diskutiert – zum Beispiel wie welterbeverträglich der geplante Brückenbau im Oberen Mittelrheintal ist – und Best Practices ausgetauscht. Um die Identifikation mit der Region zu stärken, schlugen die jungen Experten spezielle Bildungsangebote vor, wie das Volunteering.

Exkursion im Mittelrheintal
© DUK/Sarah Larissa Heuser

Neben dem Oberen Mittelrheintal und seinen Burgen besuchten die Teilnehmer auch die Welterbestätte "Grenzen des römischen Reiches" und erkundeten bei einer archäologischen Entdeckungsreise im Römerkastell Pohl die Überreste des Limes. Dort lag der Schwerpunkt auf der Vermittlung von einem archäologischen, transnationalen und seriellen Erbe, das zu großen Teilen nicht mehr sichtbar ist. Im Limes-Informationszentrum in Rheinbrol konnten die Teilnehmenden Alltagsgegenstände aus römischer Zeit wie Helme und Tonkrüge in Augenschein nehmen und das Bogenschießen ausprobieren. Anschließend wurden Möglichkeiten der Erlebnispädagogik für die Vermittlung des Welterbes diskutiert.

Die Zukunft des Welterbes gestalten

Simulation einer Debatte im Welterbekomitee
© DUK/Sarah Larissa Heuser

"Honorable delegates, please come to a consensus", verkündet Nevena, die Teilnehmerin aus Serbien in der Rolle der deutschen Komiteevorsitzenden. In einem Simulationsspiel wenden die jungen Experten die Rules of Procedures des Welterbekomitees an und verhandeln auf Basis der Welterbekonvention den fiktiven Fall des Fonta Reserve. In informellen Debatten sowie in Plenarsitzungen besprechen die jungen Delegierten einen State of Conservation, bei dem es um verschiedene Aspekte der Nachhaltigkeit einer Naturerbestätte geht. Themen sind unter anderem, wie die traditionelle Lebensweise, wirtschaftliche Entwicklung und der Schutz des Naturerbes vereinbar sind und gleichermaßen berücksichtigt werden können. Dabei begeben die jungen Experten sich in die Rolle von Staatenvertretern und setzen ihr Empathievermögen ein, wenn es darum geht, trotz verschiedener Interessen das gemeinsame Welterbe zu schützen. "Durch das Simulationsmodell habe ich gelernt, Gesprächspartner zu überzeugen, und ich habe gleichzeitig erfahren, wie wichtig Kompromisse sind in einer solch diversen Gruppe", reflektiert ein Teilnehmer seine Lernerfahrung.

Plenum
© DUK/Kolja Matzke

Ausgerüstet mit politischen Verhandlungstechniken aus dem Modell, erarbeiteten die Teilnehmenden eine Deklaration. Sie resümiert das Ergebnis des Forums. In der Deklaration vermitteln die jungen Experten ihre Visionen für die nachhaltige Gestaltung des Welterbes. Mit der Deklaration richten sich die Nachwuchsexperten an das Welterbekomitee und die Vertragsstaaten der Welterbekonvention. Sie weisen auf die Notwendigkeit der Einbeziehung der lokalen Gemeinschaft hin und nennen als eine Maßnahme dafür Volunteerprogramme. Projekte zur Welterbebildung müssten gefördert werden, um das Zugehörigkeitsgefühl zum Welterbe zu stärken. Um die Zukunft des Welterbes mitzugestalten, fordern die jungen Experten Jugendrepräsentationen in UNESCO-Nationalkommissionen.

Netzwerk junger Welterbeexperten

Um diese Aspekte umzusetzen, wollen die diesjährigen Teilnehmenden ein Netzwerk gründen. Gemeinsam planen sie Projekte in der ganzen Welt, um das Engagement junger Menschen für das Welterbe zu stärken. Mit ihrem Aktionsgeist für die internationale Zusammenarbeit für das Welterbe setzen sich die Teilnehmenden des Young Experts Forums 2015 für die Zukunft des Welterbes ein.

In diesem Sinne trägt das Young Experts Forum im Rahmen der Post-2015-Agenda der Vereinten Nationen zu einer nachhaltigen Entwicklung bei. Junge Menschen verbinden sich mit verschiedenen Akteuren auf lokaler und internationaler Ebene mit dem gemeinsamen Ziel, Welterbestätten zu Orten der nachhaltigen Entwicklung zu machen, an denen in Respekt vor der Vergangenheit und den bestehenden Ressourcen gemeinsam und kreativ die Zukunft gestaltet wird.

"Wir kommen aus verschiedenen Teilen der Welt, aber wir haben alle dasselbe Ziel: das Welterbe zu schützen und zu erhalten", sagt Ritika aus Indien. "Für uns ist Welterbe die Verbindung, die Kulturen und Generationen zusammenbringt. Es verleiht uns ein Gefühl der Identität: Wer wir sind und wer wir in der Vergangenheit waren. Es ist unsere Verantwortung, Welterbe nachhaltig zu managen, sodass wir es weitergeben können an zukünftige Generationen."

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