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März 2015

Auszeichnung von 27 Kulturformen als Immaterielles Kulturerbe in Deutschland

Genossenschaftsidee wird Ende März bei der UNESCO in Paris nominiert

Am 16. März 2015 wurden in Berlin die Träger der ersten 27 Traditionen und Wissensformen im bundesweiten Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes ausgezeichnet, darunter die Morsetelegrafie, der Rheinische Karneval und die Orgelbautradition. Eine entsprechende Urkunde erhielten die Vertreter der Initiativen und Vereine von der Staatsministerin für Kultur und Medien Monika Grütters.

Gruppenfoto der ausgezeichneten Projektträger mit der Kulturstaatsministerin Monika Grütters
© DUK/Christoph Löffler

"Das immaterielle Kulturerbe muss in den Köpfen und Herzen fortbestehen, um erhalten zu bleiben", sagte Grütters in der Landesvertretung Schleswig-Holstein in Berlin. "Ohne Menschen, die Traditionen leben, geht es nicht – und ohne gesellschaftliche Wertschätzung für diejenigen, die Traditionen leben, werden es immer weniger. Das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes sorgt für Wertschätzung, indem es uns bewusst macht, dass unser Reichtum nicht allein in unserem Wohlstand begründet liegt, sondern auch in der Vielfalt unserer Kultur", so Grütters.

Seit 2003 entwickelt sich das UNESCO-Übereinkommen zu einer Plattform für den Erhalt von gelebten Traditionen und Wissensformen. Das bundesweite Verzeichnis soll die Vielfalt an kulturellen Ausdrucksformen abbilden – von Festen über Künste bis zu Naturwissen und Organisationsformen in und aus Deutschland. "Die ersten Einträge zeigen eindrucksvoll, was für Schätze unsere Alltagskultur zu bieten hat", sagte Brunhild Kurth, Präsidentin der Kultusministerkonferenz und sächsische Kultusministerin. "Die jetzt ausgezeichneten Traditionen stehen für die Kreativität der Menschen in den Regionen und sind Ausdruck ihres sozialen Zusammenhalts."

Erste deutsche Nominierung für die Repräsentative Liste

Ende März reicht Deutschland erstmals auch einen Vorschlag für die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit bei der UNESCO ein. Die Vertreter der "Genossenschaftsidee" übergaben ihr Nominierungsdossier im Rahmen der Veranstaltung an Andreas Meitzner, stellvertretender Leiter der Abteilung für Kultur und Kommunikation des Auswärtigen Amts. "Mit der Nominierung der Genossenschaften wollen wir einen neuen Akzent für die  Vielfalt auf der UNESCO-Liste setzen", sagte Meitzner. "Diese in Deutschland weit verbreitete Organisationsform findet als Idee der Selbsthilfe heute weltweit Resonanz. Die ethischen Prinzipien der Genossenschaften wie Fairness und Solidarität haben Einfluss auf Denken und Handeln in unserer Gesellschaft."

Fachtagung "Wissen. Können. Weitergeben."

Unter dem Motto "Wissen. Können. Weitergeben." trafen sich im Anschluss an die Auszeichnung Vertreter der Initiativen und Vereine mit Experten zu einer Fachtagung. Die Deutsche UNESCO-Kommission veranstaltete die Tagung in Partnerschaft mit dem Deutschen Kulturrat und dem Deutschen Städtetag. Ergebnisse der vier parallelen Gesprächsrunden zum Thema „Potenziale“

Professor Christoph Wulf, Vizepräsident der Deutschen UNESCO-Kommission: "Viele Menschen verbinden mit dem Begriff Kultur etwas Elitäres, das nur bestimmten Gruppen der Bevölkerung vorbehalten ist. Wir wünschen uns jedoch eine breite Debatte darüber, was lebendige Kultur in und aus Deutschland ausmacht. Was ist uns heute wichtig und was kann uns morgen wichtig sein?"

Fachtagung 'Wissen. Können. Weitergeben.'

alle Fotos © DUK/Christoph Löffler

Neue Bewerbungsrunde gestartet

Interessierte Initiativen und Vereine können sich wieder für einen Eintrag in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes bewerben. Die Bundesländer und die Deutsche UNESCO-Kommission starteten jetzt die neue Bewerbungsrunde. Bis zum 30. Oktober 2015 können Gruppen und Gemeinschaften ihre Vorschläge im jeweiligen Bundesland einreichen. Damit eine Ausdrucksform in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wird, sind klare Kriterien zu erfüllen: Die Tradition muss Identität stiften und Zugehörigkeit vermitteln. Das Wissen und Können muss weitergegeben werden und sich weiterentwickeln können. Zudem muss jede und jeder Interessierte an der Tradition teilnehmen können. 

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