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Oktober 2012

Nachhaltiger Tourismus an deutschen Welterbestätten

Jahrestagung der UNESCO-Welterbestätten in Würzburg

Welterbestätten wie Venedig, die Akropolis oder das Wattenmeer ziehen Touristen magnetisch an. Doch die Besucherströme können den Stätten auch schaden. Die "nachhaltige Nutzung der Welterbestätten im wirtschaftlichen, touristischen und öffentlichen Kontext" war Thema der Jahrestagung des UNESCO-Welterbestätten Deutschland e.V., die vom 24. bis 26. Oktober 2012 in Würzburg stattfand. Vertreter der 37 deutschen Welterbestätten und Experten aus Politik, Denkmalpflege und Tourismus diskutierten Konzepte zum Schutz und Erhalt des Welterbes.

Zur Eröffnung der Jahrestagung sprachen Gerhard Eck, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium des Innern, Horst Wadehn, Vorsitzender des UNESCO-Welterbestätten Deutschland e.V., Walter Hirche, Präsident der Deutschen UNESCO-Kommission, und Georg Rosenthal, Oberbürgermeister der Stadt Würzburg (v.l.n.r.)
© UNESCO-Welterbestätten Deutschland e.V.

Im barocken Kaisersaal der Würzburger Residenz wurde die Tagung durch den Vorsitzenden des Welterbevereins Horst Wadehn eröffnet. Gerhard Eck, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium des Innern, und der Würzburger Oberbürgermeister Georg Rosenthal begrüßten die rund 150 Teilnehmer. Der Präsident der Deutschen UNESCO-Kommission Minister a.D. Walter Hirche hielt die Festrede über "das deutsche Welterbe im 40. Jahr der UNESCO-Konvention".

Hervorgegangen ist die Konvention aus der internationalen Rettungsaktion für die Tempel von Abu Simbel. Als in den 1960er Jahren der Assuan-Staudamm gebaut wurde, drohten die Tempel im Wasser zu versinken. Ägypten bat die UNESCO um Hilfe, und in einer weltweiten Solidaritätsaktion wurden 80 Millionen Dollar gesammelt, um die Felsentempel zu retten. Rückblickend würdigte Hirche die Verabschiedung der Welterbekonvention im Jahr 1972 als die "revolutionäre Idee, dass der Schutz und die Erhaltung herausragender Kulturleistungen und einzigartiger Naturphänomene in die Obhut der gesamten Menschheit gestellt werden muss". Mit der Unterzeichnung der Welterbekonvention habe die Völkergemeinschaft die kollektive Verantwortung für das gemeinsame Menschheitserbe übernommen. Das Welterbeprogramm sei zur bisher größten Erfolgsgeschichte der kulturellen Zusammenarbeit zwischen den Völkern geworden. Weltweit beteiligen sich heute 962 Stätten aus 157 Staaten an der Umsetzung der Welterbeidee.

Seit 1981 steht die Würzburger Residenz auf der UNESCO-Welterbeliste
© UNESCO-Welterbestätten Deutschland e.V.

Deutschland gehöre mit 37 Kultur- und Naturerbestätten zu den "Top Ten" der auf der Welterbeliste vertretenen Länder und trage damit eine besondere Verantwortung für den Schutz des Welterbes, so Hirche. "Die Welterbestätten sind einmalige UNESCO-Botschafter, die touristisches Staunen und weltweit Aufmerksamkeit erregen für die herausragenden kulturellen Errungenschaften und einmaligen Naturlandschaften in Deutschland." Zum Schutz der Stätten vor einer touristischen Übernutzung forderte Hirche einen "hochwertigen Kulturtourismus". Die Entwicklung von Richtlinien für eine vernünftige Nutzerlenkung und Programme zur Sensibilisierung von Touristen für die Werte des Welterbes müssten Bestandteil der Agenda jeder Welterbestätte sein. Hirche dankte dem UNESCO-Welterbestätten Deutschland e.V. "für seinen unermüdlichen Einsatz zur Förderung eines behutsamen und hochqualifizierten Tourismus im denkmalverträglichen Ausmaß".

Best-Practice-Beispiele zur nachhaltigen Nutzung

Wie die Ziele eines nachhaltigen Tourismus praktisch umgesetzt werden können, stand im Mittelpunkt der Diskussion am zweiten Konferenztag. Prof. Dr. Helmut Wachowiak von der Internationalen Hochschule Bad Honnef-Bonn moderierte die Diskussionsveranstaltung im Tagungszentrum Festung Marienberg. Prof. Dr. Marie-Theres Albert, Inhaberin des UNESCO-Lehrstuhls für "Heritage Studies" an der BTU Cottbus, hielt den einleitenden Vortrag zum Thema "Möglichkeiten und Grenzen einer nachhaltigen Nutzung von UNESCO-Welterbestätten". Mit der Kommerzialisierung und Vermarktung als touristische Ware gehe ein Bedeutungsverlust von kulturellem Erbe einher. Zum nachhaltigen Schutz des Kulturerbes seien Konzepte zur Welterbebildung wichtig, die auch die immateriellen Werte des Kulturerbes vermittelten.

In der Weltnaturerbestätte Wattenmeer wird ein sanfter Tourismus gefördert
© Martin Stock/Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein

Viele Welterbestätten haben spezielle Bildungsangebote für Touristen institutionalisiert und arbeiten auch mit Schulen erfolgreich zusammen. Welterbestätten werden so zu Lernorten der eigenen Geschichte, vermitteln Respekt vor der überlieferten Kultur und regen zum Dialog mit anderen Kulturen an. Steffi Behrendt, Welterbe-Managerin der Hansestadt Stralsund, thematisierte in ihrem Vortrag "Bürgerstolz und Identifikation" die Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit der Welterbestadt und zeigte, wie das Bürgerengagement unter anderem in Gestalt eines "Welterbebeirats" und eines "Gestaltungsbeirats" nach der Anerkennung Stralsunds als Welterbe geradezu beflügelt worden ist.

In weiteren Vorträgen wurden Best-Practice-Beispiele zur nachhaltigen Nutzung der Welterbestätten vorgestellt. Wie breit die Facetten hierbei liegen, konnten die Tagungsteilnehmer anhand der Beispiele sehen, die einerseits aus Kulturlandschaften wie dem Gartenreich Dessau-Wörlitz ("Es gibt keinen Besitz, der Nachlässigkeit verträgt", Dr. Thomas Weiss) oder der tschechischen Stadt Cesky Krumlov kamen, andererseits vom "Spannungsfeld zwischen Seelsorge und Tourismus" am Beispiel des Hildesheimer Doms oder von den "Chancen und Perspektiven für Naturschutz und Tourismus" im Weltnaturerbe Wattenmeer berichteten. Der Spannungsbogen von Nachhaltigkeitsaspekten beginnt bei den Ansprüchen von Denkmalpflege, Architektur und Naturschutz, reicht über Fragen des Managements, Marketings und der touristischen Nutzung bis hin zu Identifikationsprozessen bei der Bürgerschaft. Die Kooperation von Welterbestätten mit privatwirtschaftlichen Unternehmen nach Kriterien sozialer und nachhaltiger Verantwortung oder das zukunftsweisende fernerkundungsgestützte Monitoring von Welterbestätten (durch Satelliten) wurden durch Stefan Rennicke und Lutz Möller, beide Fachbereichsleiter in der Deutschen UNESCO-Kommission, thematisiert.

"Die Jahrestagung war ein voller Erfolg", so auch das Fazit Horst Wadehns, Vorsitzender des UNESCO-Welterbestätten Deutschland e.V. "Die Experten aus Tourismus, Denkmalschutz, Verwaltung und Politik haben viele Anregungen und Beispiele von Praktikern aus den Welterbestätten, aus Forschung und Wirtschaft mitnehmen können."

Über 150 Tagungsteilnehmer trafen sich zur Jahrestagung der UNESCO-Welterbestätten in der Festung Marienberg in Würzburg
© UNESCO-Welterbestätten Deutschland e.V.

Auf der Jahrestagung tauschen Vertreter aller 37 deutschen UNESCO-Welterbestätten regelmäßig ihre Erfahrungen aus, knüpfen Kontakte untereinander und diskutieren Konzepte zum nachhaltigen Schutz und Erhalt des Kultur- und Naturerbes. Die diesjährige Tagung in Würzburg stand unter der Schirmherrschaft des Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer. Die nächste Jahrestagung findet im Frühjahr 2013 in Quedlinburg statt.

Weitere Informationen:

Die Jahrestagung der deutschen Welterbestätten 2012 ist auf der Website des Welterbevereins ausführlich dokumentiert. Auch die Vorträge zur Jahrestagung sind dort veröffentlicht.

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