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August 2010

Oberharzer Wasserwirtschaft ist Weltkulturerbe

Von Farid Gardizi

Das UNESCO-Welterbekomitee hat die Oberharzer Wasserwirtschaft in die Liste des Kultur- und Naturerbes aufgenommen. Damit wird die Welterbestätte "Bergwerk Rammelsberg und Altstadt von Goslar" erweitert.  Die Wasserwirtschaft war vom Mittel- bis ins Industriezeitalter der einzige Energielieferant für den Oberharzer Bergbau. Das Komitee würdigte das System als Meisterwerk früher Bergbau- und Ingenieurskunst.

Oberharzer Wasserwirtschaft, Teichkaskade Hirschler Teich/Pfauenteiche
© Harzwasserwerke/Justus Teicke

Die Oberharzer Wasserwirtschaft gehörte vor achthundert Jahren zu den weltweit größten Energiesystemen in der vorindustriellen Zeit. Es versorgte den regionalen Bergbau mit Wasserkraft, um Entwässerungs-Pumpen anzutreiben, Erze zu verhütten und Material zu transportieren. Über Jahrhunderte entstand so ein einzigartiges Wasserleitsystem aus kilometerlangen Gräben, künstlichen Teichen und unterirdischen Wasserwegen. Das System war maßgeblich für die technischen Innovationen des Bergbaus in ganz Europa. Es gibt in der Slowakei, Norwegen und bei Freiberg in Sachsen-Anhalt weitere Wassersysteme für den Bergbau – das Oberharzer System jedoch gilt als älter, ausgeklügelter und komplexer.

Mönche leisten Pionierarbeit

Die Väter der Oberharzer Wasserwirtschaft waren die Zisterziensermönche in Kloster Walkenried, sie hatten bereits im frühen 13. Jahrhundert erste Teich- und Grabensysteme konstruiert. Ihr Kloster führte einen Wirtschaftshof, zu dem auch der Bergbau und das Hüttenwesen gehörten, wo die Mönche als Ingenieure technische Pionierarbeit leisteten. Um ihr Bergbaugeschäft in der Region zu fördern, leiteten sie Wasser aus entfernten Bächen in Teiche, von dort floss es weiter durch ober- und unterirdische Wasserläufe zu ihren Bergwerken, wo Wasserräder die benötigte Energie lieferte. Schon damals besaßen die Mönche ein kleines, voll funktionsfähiges Wasserversorgungssystem, das mit allen wichtigen Elementen ausgestattet war.

Die Mönche waren über Jahrhunderte die bedeutendsten Bergherren am Rammelsberg und im Oberharz. Doch Wirtschaftskrisen, Überfälle und Pestepedimien führten ab dem 14. Jahrhundert zum langsamen Niedergang des Klosters. Der Bergbau stagnierte wegen politischer Wirren und Wassermangel in der gesamten Region. Eine neue Blütezeit begann im 16. Jahrhundert. Was im Kleinen angefangen hatte, bauten Bergleute zu einem großen Energieversorgungssystem aus. Zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert entstand eines der bis heute weltweit größten wasserwirtschaftlichen Netzwerke: Generationen von Oberharzer Bergleuten bauten über 150 künstliche Teiche, 500 Kilometer Gräben, 30 Kilometer unterirdische Wasserläufe und 150 Kilometer Wasserlösungsstollen.

Harzbergbau einst technologisch führend

Das Prinzip war dasselbe: Da es auf der Hochfläche keine Flüsse oder Bäche gab, sammelten die Bergleute über kilometerlange Grabensysteme Wasser in Speichern, von dort wurde es zu den Bergwerken und Hütten geleitet, wo es unzählige Wasserräder über- und untertage antrieb. Damit gewannen sie Energie, um mit hölzernen Pumpen eingesickertes Wasser aus den Gruben zu befördern, das oft den Abbau von Silber, Kupfer und Zink behinderte, zeitweise unmöglich machte. Oder die Bergleute betrieben mit Hilfe der Wasserkraft ihre Hütten und Fahrstuhlanlagen.

Der Bergbau im Harz, der in bis dahin unerreichte Tiefen vorstieß, galt in der frühen Neuzeit als technologisch führend in Europa. Die Bergleute erreichten um 1700 Schachttiefen von 300 Metern, ab 1830 gruben sie bereits 600 Meter tief. Die Region entwickelte sich zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert zu einem der bedeutendsten Metallreviere Deutschlands. Der Einsatz der Wasserkraft war im Oberharz so effektiv, dass die Dampfmaschine dort kaum eine Chance hatte. Die Bergleute gingen von der Wasserkraft direkt auf den Einsatz elektrischer Energie über.

Grube Samson in St. Andreasberg
© Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege/ Reinhard Roseneck

Wasserwirtschaft heute noch in Betrieb

Die Oberharzer Wasserwirtschaft besteht heute aus 107 historischen Teichen, 310 Kilometer Gräben und 31 Kilometer Wasserläufe. Ein Teil der weitläufigen Anlage wird noch als Kulturdenkmal in Funktion erhalten. Hier wird Wasser gesammelt, gespeichert und abgeführt – unter anderem in eine der Trinkwassertalsperren des Harzes. Die Wege neben den Gräben sind heute bei Wanderern und Spaziergängern beliebt. Zur Welterbestätte gehören neben dem gotischen Zisterzienserkloster Walkenried auch die Grube Samson aus dem 16. Jahrhundert und drei kleine Schachtanlagen aus dem 19. Jahrhundert. Seit 1978 stehen alle Anlagen der Oberharzer Wasserwirtschaft unter Denkmalschutz.

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