
Kultur- und Kreativwirtschaft
Kulturwirtschaft – das heißt Kreativbranchen wie u.a. Verlagswesen, Musik, Film, Design und Kunsthandwerk – ist ein stetig wachsender Wirtschaftszweig. Sie gehört zu den wachstumsstärksten Branchen der Weltwirtschaft. Die heute global agierenden Kulturakteure bewegen sich im internationalen Kulturdialog immer häufiger zwischen Kulturförderung und Kulturwirtschaft.
Mit dem UNESCO-Übereinkommen zur Vielfalt kultureller Ausdrucksformen wird die "duale Natur" von kulturellen Gütern und Dienstleitungen erstmals völkerrechtlich anerkannt. In der Präambel heißt es: "Kulturelle Aktivitäten, Güter und Dienstleitungen haben sowohl eine wirtschaftliche als auch eine kultureller Natur, da sie Träger von Identitäten, Werten und Sinn sind, und daher nicht so behandelt werden dürfen, als hätten sie nur einen kommerziellen Wert". Die Präsenz kultureller Angebote in einer Gesellschaft darf nicht ausschließlich den ökonomischen Kriterien des Marktgeschehens unterliegen. Das UNESCO-Übereinkommen gibt den Vertragsstaaten das Recht, mit kulturpolitischen Instrumenten fördernd, erhaltend und diversifizierend in das Geschehen einzugreifen. Gleichzeitig stärkt das Übereinkommen Kreativität durch bessere Nutzung der wirtschaftlichen Vorteile von kultureller Vielfalt.
Initiativen der UNESCO
Bereits im Jahr 2002 hat die UNESCO das Pilotprojekt der Global Alliance for Cultural Diversity ins Leben gerufen, um Entwicklungsländer beim Aufbau nachhaltiger Kreativindustrien zu unterstützen. Dieser internationale Zusammenschluss von verschiedenen kulturwirtschaftlichen Unternehmen und Institutionen soll im Rahmen der Umsetzung des Artikels 15 des Übereinkommens zur Vielfalt kultureller Ausdrucksformen ("Modalitäten der Zusammenarbeit") als Plattform für innovative Partnerschaften weiterentwickelt werden.
Das von der UNESCO 2004 initiierte Programm Creative Cities vernetzt weltweit Städte, die Erfahrungen, Ideen und Best Practice für kulturelle, soziale und wirtschaftliche Entwicklung austauschen wollen. Mitglieder des Netzwerks können durch das Programm ihren Standort als Exellenzzentren in einer der sieben Branchen – Film, Musik, Design, Gastronomie, Medienkunst, Handwerk, Literatur – stärken.
Kulturwirtschaft international
Internationale, regionale und nationale Kulturwirtschaftsberichte tragen der weltweit wachsenden Bedeutung der Kultur- und Kreativindustrie Rechnung. Eine europaweite Studie zur Kulturwirtschaft "The Economy of Culture in Europe" wurde im Oktober 2006 im Auftrag der Europäischen Kommission von der Agentur KEA European Affairs veröffentlicht. Diese Studie stellt einen ersten Versuch dar, die direkten und indirekten sozioökonomischen Auswirkungen der Kulturbranche in Europa zu ermitteln und ihren Beitrag zur Lissabon-Strategie der EU hinsichtlich Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit, Schaffung von Arbeitsplätzen, nachhaltiger Entwicklung und Innovation einzuschätzen.
Die Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD) hat auf ihrer 12. Sitzung in Accra, Ghana, im April 2008 den Creative Economy Report 2008 veröffentlicht. Dieser wurde in Zusammenarbeit mit der UNESCO, WIPO, UNDP und ITC erarbeitet. Der Bericht arbeitet die entwicklungspolitische Dimension und Bedeutung von Kultur- und Kreativwirtschaft heraus. Es ist der erste UN-Bericht, der kulturelle und wirtschaftliche Aspekte vereint und weltweit untersucht.
Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland
Im Herbst 2007 hat die Bundesregierung die Initiative "Kultur- und Kreativwirtschaft" ins Leben gerufen. Ziel der Initiative ist die Erschließung positiver Zukunftsperspektiven der Kultur- und Kreativwirtschaft durch Stärkung ihrer Wettbewerbsfähigkeit und bessere Ausschöpfung und Entwicklung ihres Arbeitsplatzpotenzials. Der Schlussbericht der Enquete-Kommission "Kultur in Deutschland" hat dem Thema "Kultur- und Kreativwirtschaft" ein eigenes Kapitel gewidmet. Zunehmend geben einzelne Bundesländer in Deutschland Kulturwirtschaftsberichte heraus. (Überischt der Kulturwirtschaftsberichte).
Die Deutsche UNESCO-Kommission hat im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft 2007 das Handbuch "Kulturwirtschaft in der Auslandsförderung von Kultur" sowie die Broschüre "Culture and Creative Industries in Germany" veröffentlicht. Publikationen
Weitere Informationen:
UNESCO-Portal zur Kreativität
Website Kreativwirtschaft Deutschland
www.kreativwirtschaft-deutschland.de





