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Goldener Brief der Leibniz-Bibliothek Hannover ist UNESCO-Weltdokumentenerbe

Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission überreicht Urkunde

Prof. Dr. Verena Metze-Mangold, Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission, hat im Auftrag der UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova am 29. März die Urkunde zur Aufnahme des Goldenen Briefs in das UNESCO-Register des Weltdokumentenerbes an die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek in Hannover überreicht.

Goldener Brief
© Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek, Jutta Wollenberg

Der Brief des birmanischen Königs Alaungphaya an König Georg II. von Großbritannien und Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg verbindet geschichtsträchtigen Inhalt und einzigartige künstlerische Gestaltung. Geschrieben auf reinem Gold, besetzt mit Rubinen und verstaut in einem Elefantenstoßzahn, ging er im Mai 1756 auf seine über 20.000 Kilometer lange, fast zwei Jahre andauernde Reise von Myanmar nach Großbritannien – und von dort unbeantwortet weiter in die Königliche Bibliothek von Hannover. 2015 wurde er als UNESCO-Weltdokumentenerbe ausgezeichnet.

© Jutta Wollenberg

Bei dem Festakt anlässlich der Übergabe der UNESCO-Urkunde in der Gottfried Leibniz Bibliothek in Hannover sprachen die Niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur Gabriele Heinen-Kljajić, die Direktorin der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek Anne May sowie die Botschafterin der Republik der Union Myanmar in Berlin, eine Vertreterin der British Library und weitere Experten. Prof. Dr. Jürgen Nagel von der FernUniversität Hagen und Prof. Dr. Joachim-Felix Leonhard, Staatssekretär a.D. und Vorsitzender des deutschen Nominierungskomitees für das Memory of the World-Programm hielten einen Festvortrag.

„Der Goldene Brief ist ein einzigartiges Zeugnis der birmanischen und europäischen Geschichte. Er spiegelt die asiatisch-europäischen Beziehungen im 18. Jahrhundert und die politischen Verhältnisse im Europa jener Zeit wider. Als gemeinsames Erbe dreier Länder inspiriert dieser kunstvoll gearbeitete Brief, uns mit der Vergangenheit zu beschäftigen und daraus Lehren für die Gegenwart und Zukunft zu ziehen“, betonte Prof. Dr. Verena Metze-Mangold, Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission.

„Der Goldene Brief ist ein bedeutender Teil des Kulturerbes in Niedersachsen. Er dokumentiert die jahrhundertealte Verbindung mit dem britischen Königreich“, sagte die Niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur Gabriele Heinen-Kljajić. „Die Landesregierung misst der Wahrung des kulturellen Erbes hohe Priorität bei. Daher haben wir in den vergangenen Jahren viel investiert, um Landesbibliotheken und -museen gut für die Zukunft aufzustellen.“

Anne May, Direktorin der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek, bedankte sich für die Auszeichnung und betonte die Verpflichtung, die mit ihr verbunden ist: „Sie unterstützt uns in unserem Auftrag, das Kulturerbe Niedersachsens, das wichtiges Quellenmaterial für die Forschung ist, zu erhalten, es zu erschließen und zu digitalisieren, um es in Forschungsinfrastrukturen oder öffentliche Portale, wie das Kulturerbeportal Niedersachsen, einzubinden und für alle Interessierten sichtbar und nutzbar zu machen.“

© Jutta Wollenberg

Prof. Dr. Joachim-Felix Leonhard unterstrich in seinem Festvortrag: „Dieser in jeder Hinsicht kostbare Brief wird künftig in einer besonderen Liga spielen, in der der multilaterale Aspekt beständigen Bemühens um gegenseitiges Verstehen und Toleranz in der Welt immer wichtiger wird. Dass dieser Brief hat nominiert werden können, ist das Ergebnis wirkungsvoller Kooperation von gleich drei Mitgliedstaaten der UNESCO.“

Goldener Brief mit Elfenbeindose
© Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek, Jutta Wollenberg

Im Goldenen Brief unterbreitete der birmanische König Alaungphaya dem britischen König Georg II. einen Vorschlag zur Gründung einer Handelskolonie in seinem Machtbereich. Der Siebenjährige Krieg (1756–63) ist der Hintergrund des diplomatischen ost-westlichen Austauschs. Alaungphaya führte einen innerbirmanischen Krieg, um sein Herrschaftsgebiet militärisch und institutionell zu sichern, und suchte neue Bündnispartner. In der handelspolitischen Verbindung mit Großbritannien sah er die Chance, eine Brücke von Asien nach Europa zu schlagen. Georg II. leitete den Brief jedoch unbeantwortet und ohne die Übersetzung an die damals königliche Bibliothek in Hannover weiter. Dort wurde er zunächst als indisches Objekt eingeordnet. Erst im Jahr 2009 wurden die birmanischen Schriftzeichen entschlüsselt.

Der Goldene Brief wird in der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek / der niedersächsischen Landesbibliothek in Hannover verwahrt. Die Nominierung wurde gemeinsam von der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek – Niedersächsische Landesbibliothek, dem Kulturministerium der Republik der Union Myanmar und der Nationalbibliothek des Vereinigten Königreichs (British Library) eingereicht.

Hintergrundinformationen zum UNESCO-Dokumentenerbe

Das UNESCO-Register „Memory of the World“ wurde 1992 ins Leben gerufen. Es ist ein globales digitales Netzwerk mit herausragenden Dokumenten: Buchbeständen, Handschriften, Partituren, Unikaten, Bild-, Ton- und Filmdokumenten. Ziel des Registers ist: dokumentarische Zeugnisse von außergewöhnlichem Wert in Archiven, Bibliotheken und Museen sichern und zugänglich machen. 348 Dokumente aus allen Weltregionen zählen derzeit zum internationalen Register „Memory of the World“, darunter die 21 Thesen der Solidarnosc, die Kolonialarchive Benins, Senegals und Tansanias, die Sammlung indigener Sprachen in Mexiko, die Archive des Warschauer Ghettos sowie als erste Zeugnisse des Buchdrucks die Göttinger Gutenberg-Bibel und der koreanische Frühdruck Jikji (Anthologie der Zen-Lehre). Deutschland verzeichnet 22 Eintragungen im UNESCO-Weltdokumentenregister. Alle zwei Jahre werden neue Dokumente aufgenommen.

Weitere Informationen:

DUK-Webseite Dokumentenerbe   

Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek  

Festvortrag von Prof. Dr. Joachim-Felix Leonhard

(Artikel erstellt am 29. März 2017)

 

 

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