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Wasser- und Landnutzungsforschung in Usbekistan

Foto: AudreyH (flickr CC)

"Weißes Gold“ wird die Baumwolle in Usbekistan auch genannt. Auf etwa 45 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzflächen wird Baumwolle angebaut – immer noch unter starker Kontrolle des Staates und nach weitgehend veralteten Methoden, wie unter dem Sowjetregime. Heute trägt die Landwirtschaft 30 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei – und Usbekistan ist der zweitgrößte Baumwollexporteur weltweit (Stand 2009 und 2010).

Baumwolle ist jedoch zugleich Segen und Fluch für Usbekistan. Die massive Entnahme von Wasser aus den Zuflüssen des Aralsees zur Maximierung der Baumwollproduktion führte zu  ökologisch katastrophalen Bedingungen in der gesamten Region. Zuflüsse trockneten aus, wodurch die Oberfläche des Aralsees heute nur noch zwei Drittel so groß ist wie in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Der Nord- und der Südteil des Sees wurden außerdem durch einen Damm getrennt. Viele Experten sagen heute voraus, dass der Südteil in naher Zukunft völlig austrocknen wird. Außerdem verursachen die vom Wind verstreuten Mineralien und Salze in der Bevölkerung der Region ernste gesundheitliche Probleme.

Foto: Jojo Cence (Flickr CC)

Die meisten Landwirte in Usbekistan sind nach der Unabhängigkeit nicht auf ihre Rolle als Anbieter am Markt vorbereitet worden. Außerdem entfielen mit dem Ende der Planwirtschaft auch staatliche Dienstleistungen und Rahmenstrukturen in der Landwirtschaft wie Mikrokreditsysteme oder Weiterbildungsmöglichkeiten für Bauern in modernen Landbaumethoden. Insgesamt ist die Wandlung der Planwirtschaft zu einem liberalisierten Markt in Usbekistan noch nicht weit fortgeschritten. Hierdurch fehlen den Bauern auch die Flexibilität und Möglichkeiten, sich an veränderte Weltmarktstrukturen oder die Auswirkungen des Klimawandels  anzupassen.

In der Region Khorezm im Nordwesten Usbekistans entwickelt ein internationales Forschungsprojekt zu nachhaltiger ökonomischer und ökologischer Land- und Wassernutzung politik- und praxisorientierte Lösungswege. Das Projekt wird seit 2001 vom Bundesministerium für Forschung und Bildung (BMBF) finanziert und vom Zentrum für Entwicklungsforschung der Universität Bonn (ZEF) in enger Zusammenarbeit mit der UNESCO umgesetzt. Zwar findet sich in der Region Khorezm am Unterlauf des (ehemaligen) Aralsee-Zuflusses Amu Darya nur ein Bruchteil der usbekischen Agrarflächen: 275.000 Hektar bewässertes Ackerland, 16.000 km Bewässerungs- und 7.700 km Entwässerungskanäle. Das Gebiet ist jedoch repräsentativ für die Ökologie und landwirtschaftliche Produktion im gesamten Tiefland des Aralseebeckens.

Foto: Tierecke (Flickr CC)

Das ZEF/UNESCO Projekt hat zum Ziel, beispielhaft für das gesamte Aralseegebiet nachhaltige Land- und Wassernutzungsmethoden zu entwickeln. Hierdurch soll sowohl die Effizienz der landwirtschaftlichen Produktion in der Region Khorezm erhöht als auch die Armut in der Bevölkerung reduziert werden. Auch sollen Wege aufgezeigt werden, wie Ökosysteme und ihre Dienstleistungen stabilisiert und verbessert werden können. Das Projekt strebt an, auf regionaler und nationaler Ebene Unterstützung für Entscheidungen der Landwirtschaftspolitik zu leisten. Zudem entwickeln die Forscher moderne Technologien für ein effizientes und nachhaltiges Land- und Wassermanagement. Sie erforschen die institutionellen Rahmenbedingungen der Landwirtschaft und entwickeln entsprechende Empfehlungen.

Auf dem Gelände des lokalen Projektspartners der Universität Urgench wurde ein modernes Bürogebäude gebaut, das mit einem GIS-Labor ausgestattet ist. Hier werden beispielsweise Bilder, die der Projektpartner DLR erfasst hat, ausgewertet. Mit Hilfe dieser Bilder und weiteren GIS Daten können Ernten in Khorezm besser vorhergesagt und Landwirte bei ihrer Planung unterstützt werden.

Die Projektstrategie zielt auf mehrere Ebenen ab. Zielgruppen sind nationale sowie kommunale Entscheidungsträger und lokale Bauern. Außerdem liegt ein Schwerpunkt auf der Förderung von Nachwuchswissenschaftlern. Mehr als 80 internationale Wissenschaftler sind im Projekt involviert - ein Großteil von ihnen kommt aus der Region. Unter ihnen sind über 20 Doktoranden. Durch Training und lokale Infrastrukturmaßnahmen leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zum Aufbau von menschlichen und institutionellen Kapazitäten in der Region.

Wirtschaftspolitisch ist noch nicht absehbar, in welche Richtung sich Usbekistan entwickelt. Durch die hohe Bedeutung des Baumwollexports ist das Land von den Gesprächen um den weiteren Abbau von Handels- und Zollschranken in der WTO massiv betroffen.

Foto: rperlin83 (Flickr CC)

Auch das ZEF/UNESCO Projekt befasst sich mit wirtschaftlichen Fragen. So wurden Untersuchungen über den Einfluss des Wasserpreises auf die landwirtschaftliche Produktion durchgeführt, sowie über den ökonomischen Mehrwert einer lokalen Baumwoll-Weiterverarbeitung, über das Potenzial von alternativen Feldfrüchten, von verbessertem Düngereinsatz und von Fruchtwechsel sowie über Folgen einer Liberalisierung des usbekischen Baumwollmarktes. Hierbei stellte sich heraus, dass eine zu abrupte Liberalisierung zu ernsthaften sozialen Problemen u.a. für die Landwirte führen kann. Das jetzige, teilweise noch staatlich kontrollierte System bildet zumindest minimale Formen der Absicherung.

Eine der im Projekt entwickelten alternativen Landnutzungsmethoden baut auf besseren Bewässerungssystemen und auf Wiederaufforstung mit endogenen Baumarten auf und kann der Degradierung und Versalzung der Böden entgegenwirken.

Eine Verbesserung der gegenwärtigen Situation kann langfristig nur durch kooperatives Handeln aller Akteure auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene erreicht werden. Als wissenschaftliche Kooperation stellt das ZEF/UNESCO-Projekt ein Musterbeispiel eines multidisziplinären und internationalen Ansatzes dar: Unter den deutschen und usbekischen Partnerinstitutionen sind nicht nur das ZEF und die UNESCO, sondern auch das DLR, die Universität von Urgench, das internationale Zentrum für die Verbesserung der Mais- und Weizenqualität (CYMMIT), das internationale Zentrum für landwirtschaftliche Forschung in Trockengebieten (ICARDA), das Zentralasiatische Forschungsinstitut für Bewässerung (SANIRI), das Institut für Bewässerung und Mechanik in Taschkent, das usbekische Uzgipromeliovodkhoz Institut, der DAAD, die GTZ und die Universität Würzburg.

Das Khorezm-Projekt ist in drei Phasen unterteilt. Die erste Phase startete in 2001, momentan befindet sich das Projekt in der dritten Phase, die bis 2011 läuft. In dieser dritten Phase werden die bisher gesammelten wissenschaftlichen Erkenntnisse umgesetzt, u.a. auf einem ausgewählten Landschaftssegment, und Instrumente der wissenschaftlichen Unterstützung politischer Entscheidungen entwickelt.

Weitere Informationen unter: www.khorezm.uni-bonn.de

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