Naturkatastrophen: weitere UNESCO-Projekte
Tsunamifrühwarnsysteme im Pazifik, im Indischen Ozean, im Nordostatlantik/Mittelmeer und in der Karibik
Netz seismologischer Stationen für Libyen
Die UNESCO hat Libyen beim Aufbau eines Netzwerks von Stationen zur Messung seismischer Gefahren unterstützt. Es dient zur Erforschung von und zur Warnung vor Erdbeben. Im Rahmen des "Nationalen Seismologischen Netzes" Libyens wurden 15 Stationen aufgebaut, deren im regionalen Maßstab erhobene seismische Daten mit moderner, satellitengestützter Breitband-Kommunikation an das zentrale Datenzentrum in Ghariyan übertragen werden. Das Netz ist seit Ende 2005 in Betrieb. In Trainingsworkshops wurden Wissenschaftler und Techniker für den Betrieb des Netzes ausgebildet. Derzeit wird das Netz zur Messung von heftigen seismischen Erschütterungen erweitert.
Grenzübergreifender Austausch seismischer Daten im Mittelmeerraum
Der Mittelmeerraum ist stark durch Erdbeben gefährdet. RELEMR steht für "Reducing Earthquake Losses in the Eastern Mediterranean Region" ("Minderung von Erdbebenschäden im Mittelmeerraum"). Seit 1993 finden jährlich ein bis zwei Workshops statt, um den grenzüberschreitenden Datenaustausch im Mittelmeerraum zu stärken, gemeinsame Experimente zur Verbesserung der seismischen Datenqualität durchzuführen, Gefahrenbewertungen zu verbessern und die Weiterleitung von Daten zu optimieren. Ebenso sollen die Baustandards für Häuser in der Region verbessert werden. Neben sämtlichen Mittelmeeranrainern und allen Staaten der arabischen Halbinsel hat sich auch Deutschland an dem Projekt beteiligt. Im Vorgängerprojekt von RELEMR namens PAMERAR wurden mit einem Volumen von über 20 Millionen US-Dollar zwischen 1983 und 1993 in zehn arabischen Staaten unter anderem über 300 Messstationen eingerichtet und mehr als 3.000 Manntage Training geleistet.
Grenzübergreifender Austausch seismischer Daten in Südasien
Das RELEMR-Projekt im Mittelmeerraum ist Vorbild für ein vergleichbares Projekt im asiatischen Raum namens RELSAR. Seit 1999 wurde eine Reihe von jährlichen Workshops, unter anderem auf den Philippinen, in Nepal, China und Sri Lanka, durchgeführt, um die jeweiligen nationalen Methoden zu vergleichen, die seismischen Standards zu eichen und die Daten mit Breitbandkommunikation auszutauschen. Ziel ist es, ein regionales seismisches Netzwerk in Südasien aufzubauen.
Katastrophenvorsorge in Mittelamerika
In Staaten wie Costa Rica, Honduras, Guatemala, El Salvador oder der Dominikanischen Republik half das Projekt RAP-CA zwischen 1993 und 2003, vorhandenes Wissen zur Katastrophenvorsorge umfassend zu sichten, durch neue Forschung zu ergänzen und für Entscheidungsträger aufzubereiten. Das Wissen der indigenen Bevölkerung über Naturgefahren wurde zusammengeführt mit naturwissenschaftlich erhobenen Modellen, die zum Beispiel in Geografische Informationssysteme (GIS) integriert wurden. Zusammen mit Nutzern wurden Trainingseinheiten entwickelt. Trainingsmaterial wurde erstellt, Fallstudien auf nationaler Ebene und Pilotprojekte zur Gefahrenbewertung wurden durchgeführt.
Koordination, Studien und Forschung
Nach Katastrophen wie dem Erdbeben im iranischen Bam 2003 hilft die UNESCO, den Import von Messinstrumenten zu ermöglichen, den Einsatz von Experten zu koordinieren, verlässliche Statusberichte herauszugeben und im Anschluss die Lehren aus der Katastrophe und den Wiederaufbau mit Entscheidungsträgern vor Ort zu diskutieren.
Für die Vulkaninsel Ambae, die zum Inselstaat Vanuatu im Pazifik gehört, hat das UNESCO-Büro Apia gemeinsam mit einem Forscherteam aus Neuseeland, der Regierung von Vanuatu und der Inselverwaltung von 1999 bis 2003 Vorbereitungsmaßnahmen für mögliche Vulkanausbrüche durchgeführt. Dazu wurden geowissenschaftliches und indigenes Wissen zusammengeführt, eine Gefahrenlandkarte angefertigt und die Maßnahmen der Bevölkerung in mehreren Workshops vorgestellt. Bei einem wenig gefährlichen Vulkanausbruch 2005 wurden die Maßnahmen umgesetzt. Ausführlicher Bericht in "A World of Science" 5-4.




