Deutsche UNESCO Kommission e.V.

Internationales Jahr der Sprachen 2008

Die UN-Generalversammlung hat das Jahr 2008 zum Internationalen Jahr der Sprachen erklärt. Es soll die Bedeutung der sprachlichen und kulturellen Vielfalt hervorheben und mit weltweiten Projekten fördern. Die UNESCO ist die federführende Organisation im System der Vereinten Nationen für das Internationale Jahr der Sprachen.

Am 21. Feburar 2008 anlässlich des Internationalen Tages der Muttersprache hat die UNESCO das Jahr der Sprachen offiziell in Paris eröffnet.

Languages matter!

Das zunehmende Verschwinden insbesondere kleiner Sprachen bedroht die Vielfalt kultureller Ausdrucksformen. Die Sprache eines Volkes spiegelt das traditionelle Wissen über Umwelt und Kultur ihrer Träger wider. Der Untergang einer Sprache bedeutet damit auch den unwiederbringlichen Verlust dieses Wissens und dieser Kultur. Weltweit gibt es gegenwärtig rund 6000 Sprachen. Mehr als die Hälfte dieser Sprachen wird von weniger als 10.000 Menschen gesprochen, ein Viertel von weniger als 1000 Menschen. Jedes Jahr sterben zehn Sprachen aus. Die Erhaltung sprachlicher Vielfalt, der Schutz gefährdeter und indigener Sprachen, Sprache als Mittel für Dialog und Integration und die Förderung mehrsprachiger Ausbildung sind Ziele des Internationalen Jahres der Sprachen 2008.

Im Rahmen des Internationalen Jahrs der Sprachen sind Regierungen, UN-Organisationen, Organisationen der Zivilgesellschaft, Bildungs- und Kultureinrichtungen dazu eingeladen, ihre Aktivitäten zur Förderung und zum Schutz des Kulturgutes Sprache und insbesondere der bedrohten Sprachen auszubauen.

In Deutschland gibt es bereits zahlreiche Initiativen, die sich in den Bereichen Bildung, Wissenschaft, Sozial- und Geisteswissenschaften, Kultur und Kommunikation/Information engagieren:

  1. Der Pflege der deutschen Sprache widmen sich traditionelle Institutionen wie der Duden oder das Institut für Deutsche Sprache in Mannheim. Dabei werden zunehmend auch elektronische Medien genutzt. Insbesondere durch die Duden-Sprachberatung, die nicht nur telefonisch erreichbar ist, sondern sich auch mit einem Podcast, Newslettern und Sprachspielen präsentiert, wird eine breitere Öffentlichkeit erreicht.
  2. Wie man Zweifelsfälle der deutschen Grammatik, Rechtschreibung und Zeichensetzung sowie unschöne Ausdrucksweisen auf amüsante und unterhaltsame Art einem breiten Publikum vorstellen kann, zeigte eindrucksvoll die Buchreihe "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod" von Bastian Sick.
  3. Die Umsetzung der Europäischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen des Europarats bezieht sich in Deutschland auf die Regionalsprache Niederdeutsch und die Sprachen nationaler Minderheiten, der autochthonen Gruppen (dänische Minderheit, friesische Volksgruppe, sorbisches Volk sowie deutsche Sinti und Roma). Hierzu werden auf Länderebene die jeweils erforderlichen Gremien und Kontaktstellen eingerichtet und in Zusammenarbeit mit Organisationen der jeweiligen Sprachgruppen Konferenzen organisiert und Informationsarbeit geleistet. Auch im Schul- und Justizwesen werden die Sprachen entsprechend den Anforderungen der Charta berücksichtigt.
  4. Die Bundesregierung hat 2007 einen Aktionsplan Integration beschlossen. Neben der Förderung der deutschen Sprache als Integrationsvoraussetzung sieht der Aktionsplan unter anderem eine enge Zusammenarbeit mit Migrantenorganisationen bei der Erweiterung des Angebots von muttersprachlichem Unterricht und die Prüfung der Möglichkeit eines deutsch-türkischen Fernsehsenders vor.
  5. Zahlreiche Initiativen aus der Zivilgesellschaft widmen sich der Förderung der Sprachenvielfalt. Besonders hervorzuheben ist hier das Projekt www.lyrikline.org. Es präsentiert zeitgenössische Poesie multimedial in über 44 Sprachen. Die Gedichte liegen als Originaltext, in Übersetzung und als Hörfassung, von den Autoren gesprochen, vor.
  6. Im November 2008 wird in Berlin die Expolingua, eine internationale Messe für Sprachen und Kulturen, stattfinden. 150 Aussteller aus mehr als 20 Ländern präsentieren Lehr- und Lernmittel für Sprachunterricht und Fremdsprachenerwerb. Das Begleitprogramm stellt aktuelle Entwicklungen im Bereich Sprache und Kultur vor.

Das Europäische Jahr des interkulturellen Dialogs 2008 der EU soll den einzigartigen Vorteil, den Europas große sprachliche und kulturelle Vielfalt bedeutet, würdigen. Das EJID wird auf europäischer Ebene ausgewählte Vorzeigeprojekte präsentieren. Außerdem unterstützt die EU in jedem Mitgliedsland ein nationales Projekt und ein Partnerprogramm zur Mobilisierung der Zivilgesellschaft, deren aktive Teilnahme eine Schlüsselrolle bei der Hervorhebung von Good Practices und der Identifizierung von Handlungsbedarf spielen wird.
 

© UNESCO/Maro Haas
Titelbild der UNESCO-Broschüre zum Internationalen Jahr der Sprachen.

Weitere Informationen:

Internet-Portal der UNESCO: Sprachen und Mehrsprachigkeit
www.unesco.org/en/languages/2008

Botschaft des UNESCO-Generaldirektors
zum Internationalen Jahr der Sprachen 2008

UNESCO Courier 1/2008:
"Languages matter"

UNESCO-Broschüre zum Internationalen Jahr
Download

Ankündigung des UNESCO-Instituts für Lebenslanges Lernen (Hamburg) zum Internationalen Tag der Muttersprache und zum Jahr der Sprachen