Deutsche UNESCO Kommission e.V.

Inklusive Bildung weltweit

Inklusive Bildung ist ein wichtiges Anliegen der internationalen Staatengemeinschaft. Schon 1990 wurde in der Erklärung von Jomtien (Thailand) über "Bildung für Alle" der universelle Zugang zu Bildung für alle Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen gefordert. Die unterzeichnenden Staaten sprachen sich für die Förderung von mehr Bildungsgerechtigkeit aus.

Ein Meilenstein auf dem Weg zur Verankerung des Rechts auf inklusive Bildung war die Salamanca-Erklärung der UNESCO von 1994. Sie fordert zum ersten Mal, Bildungssysteme inklusiv zu gestalten, um Schulen in die Lage zu versetzen, alle Kinder mit ihren individuellen Lernbedürfnissen gemeinsam zu betreuen. Die Erklärung proklamiert, dass "Regelschulen mit inklusiver Ausrichtung das beste Mittel sind, um diskriminierende Haltungen zu bekämpfen, um Gemeinschaften zu schaffen, die alle willkommen heißen, um eine integrierende Gesellschaft aufzubauen und um ‚Bildung für Alle’ zu erreichen; darüber hinaus gewährleisten inklusive Schulen eine effektive Bildung für die Kinder und erhöhen die Effizienz sowie schließlich das Kosten-Nutzen-Verhältnis des gesamten Schulsystems" (Salamanca-Erklärung der UNESCO, 1994). Inklusion solle übergreifendes Leitprinzip sowohl der Bildungspolitik als auch der Bildungspraxis werden.

Auf dem Weltbildungsforum in Dakar (Senegal) im Jahr 2000 wurde die Vision von "Bildung für Alle“ erneut aufgegriffen. Mit dem Aktionsrahmen von Dakar haben sich 164 Staaten dazu verpflichtet, bis 2015 sechs fundamentale Bildungsziele zu verwirklichen. Dazu zählt auch das Ziel, allen Kindern – insbesondere Mädchen, Kindern in schwierigen Lebensumständen und Kindern, die zu ethnischen Minderheiten gehören – eine unentgeltliche, obligatorische und qualitativ hochwertige Grundschulbildung zu ermöglichen.

Ein weiterer Meilenstein für die Verankerung des Rechts auf inklusive Bildung ist die Verabschiedung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen im Jahr 2006. Artikel 24 der Konvention fordert die Schaffung eines inklusiven Bildungssystems auf allen Ebenen und verankert das Recht auf inklusive Bildung völkerrechtlich. Das Recht auf Zugang zu Bildung, das Recht auf qualitativ hochwertige Bildung und das Recht auf Achtung im Lernumfeld müssen gewährleistet werden. Deutschland und weitere 153 Staaten haben sich mit der Unterzeichnung dazu verpflichtet, die UN-Konvention umzusetzen (Stand 11/2012).

Bestätigung erfuhr das Konzept der inklusiven Bildung auch auf der 48. UNESCO-Weltkonferenz der Bildungsminister in Genf 2008. Die Abschlusserklärung fordert die UNESCO-Mitgliedstaaten erneut dazu auf, Bildungssysteme inklusiv zu gestalten. Inklusive Bildung sei eine Notwendigkeit, um die Ziele des weltweiten Programms "Bildung für Alle" bis 2015 zu erreichen.

Weltweite Entwicklungen

Zum Zeitpunkt der Verabschiedung der Erklärung von Jomtien über "Bildung für Alle“ 1990 konnten fast eine Milliarde Menschen weltweit nicht lesen und schreiben, etwa ein Sechstel der Kinder weltweit besuchte keine Schule. Auch im Jahr 2000 gingen noch 105 Millionen Kinder nicht zur Schule. Gemessen an diesen Zahlen sind in den letzten zehn Jahren große Fortschritte erzielt worden. Weltweit sind die Einschulungsraten von Kindern gestiegen, die Zahl der Kinder, die keine Schule besuchen hat abgenommen. Allein in Süd- und Westasien ist die Zahl der Kinder ohne Schulzugang um 21 Millionen gesunken und wurde damit halbiert. Einige Länder Sub-Sahara-Afrikas können ebenfalls enorme Fortschritte vorweisen. Beispielsweise Benin, das 1999 eine der niedrigsten Einschulungsraten weltweit verzeichnete, kann nach derzeitigem Trend eine universelle Grundschulbildung bis 2015 erreichen.

Dennoch zeigt der UNESCO-Weltbildungsbericht 2012, dass die Weltgemeinschaft noch vor großen Herausforderungen steht: 61 Millionen Kinder im Grundschulalter besuchen noch immer keine Schule. Hinzu kommen 71 Millionen Jugendliche im Sekundarschulbereich, die keine Schulbildung erhalten. Rund ein Drittel dieser Kinder sind Kinder mit Behinderungen. Arbeitende Kinder, Mädchen, Kinder indigener Völker, Kinder aus ländlichen Gegenden, Kinder mit HIV/AIDS und Kinder, die seltene Sprachen sprechen, sind ebenfalls überdurchschnittlich häufig von Exklusion betroffen (UNESCO-Weltbildungsbericht 2012).