Schriftgröße ändern

Zum Ändern der Schriftgröße verwenden Sie bitte die Funktionalität Ihres Browsers. Die Tastatur-Kurzbefehle lauten folgendermaßen:


[Strg]-[+] Schrift vergrößern
[Strg]-[-] Schrift verkleinern
[Strg]-[0] Schriftgröße Zurücksetzen



schließen
MenüService
Suche
  • Home
  • Schriftgröße

Immaterielles Kulturerbe

UNESCO heute, Zeitschrift der Deutschen UNESCO-Kommission, Ausgabe 1/2007

UNESCO heute 1/2007 - Titelseite

UNESCO heute
Zeitschrift der Deutschen UNESCO-Kommission
Ausgabe 1/2007
Themenheft "Immaterielles Kulturerbe"
80 Seiten
ISSN 0937-924X

Inhaltsverzeichnis

Download in PDF (ca. 3 MB)

Diese Ausgabe von UNESCO heute, der Zeitschrift der Deutschen UNESCO-Kommission, widmet sich dem Immateriellen Kulturerbe. Im Oktober 2003 hat die UNESCO-Generalkonferenz das internationale "Übereinkommen zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes" verabschiedet, im April 2006 ist es in Kraft getreten. Bisher haben 74 Staaten das Übereinkommen ratifiziert (Stand: Februar 2007).

"Es lohnt sich für Europa, sich mit seinem gelebten Kulturerbe auseinanderzusetzen", so Chérif Khaznadar. Er vertritt Frankreich im Zwischenstaatlichen Komitee für das immaterielle Kulturerbe. Im Interview bewertet er das Übereinkommen als notwendiges Bindeglied zwischen der Welterbekonvention der UNESCO von 1972 und dem 2005 verabschiedeten Übereinkommen zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen. Aus diesem Grund habe Frankreich es unterzeichnet.

Marc Jacobs, Vertreter Belgiens im Komitee, erinnert sich an die Anfänge der Debatte in den 70er Jahren um eine stärkere Berücksichtigung von Folklore und traditioneller Kultur im Programm der UNESCO. Erst die Globalisierung brachte es mit sich, dass dieses Thema erneut auf die Tagesordnung der internationalen Kulturpolitik gesetzt wurde. "Das Übereinkommen bietet die Möglichkeit, beispielhafte Modellprojekte zu entwickeln und eine moderne Kultur der Pflege des immateriellen Erbes voranzubringen." Jacobs schildert in seinem Artikel die Entwicklung des Konventionsprojektes von einem "Deus ex machina" zu einem "Meisterwerk der Kompromisse" bis zu seiner politischen Umsetzung.

"Wenn man sich fragt, worum es bei diesem neuen Übereinkommen geht, dann sollte man einen Blick in die Liste der 'Meisterwerke des immateriellen Kulturerbes der Menschheit' werfen, empfiehlt Roland Bernecker, Generalsekretär der Deutschen UNESCO-Kommission. Aus seiner Sicht sprechen drei Gründe für einen Beitritt Deutschlands: "Zum einen ist es im Sinne einer auf langfristige Vertrauensbildung angelegten Außenpolitik wichtig, auch die Sorgen und Prioritäten einer großen Zahl anderer Staaten ernst zu nehmen, die dem drohenden Verlust wichtiger Elemente ihres überlieferten Kulturerbes entgegenarbeiten wollen. Zum andern bietet dieses neue Instrument die Chance, die Bedeutung der auch in Deutschland vorhandenen Fülle volkstümlicher Traditionen und ihre Anbindung an zeitgenössische Formen von Kreativität neu zu entdecken. Schließlich ist zu beachten, dass nur Vertragsstaaten an der Umsetzung dieses neuen Instruments mitwirken und den weiteren Prozess politisch und inhaltlich mitgestalten können."

Die Ergebnisse der zivilgesellschaftlichen Fachberatungen, die die Deutsche UNESCO-Kommission in den Jahren 2005/2006 mit rund hundert Expertinnen und Experten geführt hat, sind in dem Memorandum "Immaterielles Kulturerbe in der Arbeit der UNESCO: neue Aufgaben, neue Herausforderungen" zusammengefasst. (Das Memorandum ist auch online verfügbar www.unesco.de/ike-memorandum.html).

Die Vielfalt des immateriellen Erbes veranschaulichen Beispiele aus der "Liste der Meisterwerke", die in dem Heft porträtiert werden: das Kutiyattam Sanskrit Theater (Indien), das traditionelle Holzhandwerk der Zafimaniry (Madagaskar), die Kunqu-Oper (China), der Samba de Roda (Brasilien) oder der Tenorgesang der sardischen Schäfer (Italien).

Vorgestellt werden ebenso Initiativen in Deutschland und Europa zur Bewahrung und Pflege des lebendigen Erbes. Dazu gehören beispielsweise das Musikfestival "Creole - Weltmusik", das im Mai 2007 in Dortmund stattfindet. Frankreich feiert das "Festival de l'Imaginaire". "Echos" heißt eine Initiative in der Schweiz zum Thema "Volkskultur für morgen". Europaweit ist das Interesse für kulinarische Kultur (Europarat) und "Living Music Tradition" (Europäischer Musikrat). Eine Synthese handwerklichen Könnens und alter Theatertradition schafft das Puppentheater. In einer Sonderausstellung "Vereinte Nationen Puppenspiel" präsentiert das Augsburger Puppentheatermuseum "Die Kiste" Puppentheaterformen, die auf der UNESCO-Liste der "Meisterwerke" verzeichnet sind, unter anderem das Schattentheater "Sbek Thom" aus Kambodscha (Sonderschau von 17. bis 30. April 2007 in Augsburg). Einige Motive der Ausstellung sind auf Fotos in diesem Heft zu sehen.

Perspektiven zur aktuellen Neubewertung des immateriellen Erbes haben die Beiträge zu einer Fachtagung der Deutschen UNESCO-Kommission 2006 aufgezeigt: Christoph Wulf beleuchtet die Rolle des immateriellen Erbes im Bildungsprozess. Thomas Wohlfahrt thematisiert die Bedeutung des Kulturguts Sprache und der mündlichen Tradition am Beispiel der Poesie. Immaterielles Erbe hat aber durchaus Hand und Fuß. Christine Ax und Dieter Horchler weisen auf die Bedeutung des Handwerks hin: "Kultur ist nicht nur der Genuss oder der Erhalt derselben, sondern das lebendige Vermögen, sie herzustellen." Bei Kultur denken wir sofort an Oper, Museen, Vernissagen oder historische Kulturdenkmäler. Wir jubeln über die Leistungen der Orchester und bedeken nicht die Kunst des Instumentenbaus.

Einen Blick zu den Nachbarn bieten Beiträge von Maria Walcher, Madeleine Viviani und Maria Tacaks. Österreich und die Schweiz haben das Ratifizierungsverfahren eingeleitet. In Österreich wurde eine Nationalagentur für das immaterielle Kulturerbe eingerichtet, die Schweizer UNESCO-Kommission hat ein "Forum für das immaterielle Kulturerbe" gegründet.

Kulturelle Vielfalt spiegelt sich in lebendigen Ausdrucksformen: Tanz und Theater, Musik und mündliche Literaturformen, Sprachen, Bräuche, Feste, Handwerkstechniken und Wissensformen. Dieses oft über Jahrhunderte hinweg überlieferte Erbe, das von menschlichem Können getragen wird, hat die UNESCO in den Blickpunkt gerückt. Dieses neue Themenheft der Deutschen UNESCO-Kommission ist ein Beitrag zur Diskussion über die mögliche deutsche Ratifizierung des Übereinkommens zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes.

Suche

Newsletter

Abonnieren Sie unsere verschiedenen Newsletter. mehr...