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Weltprogramm für Menschenrechtsbildung

Überarbeiteter Entwurf des Aktionsplans für die erste Stufe (2005–2007)

angenommen durch Resolution A/RES/59/113B am 2. März 2005 durch die 59. Generalversammlung der Vereinten Nationen

 
I. Einführung

A.        Kontext und Definition der Menschenrechtsbildung
B.        Zielsetzungen des Weltprogramms für    Menschenrechtsbildung
C.        Grundsätze für Aktivitäten im Bereich der Menschenrechtsbildung

II. Die erste Stufe (2005 – 2007): ein Aktionsplan für Menschenrechtsbildung im Primar- und Sekundarschulbereich

A.        Gesamtzusammenhang
B.        Menschenrechtsbildung im Schulsystem
C.        Spezifische Zielsetzungen des Aktionsplans

III. Strategie zur Umsetzung auf nationaler Ebene

A.        Einführung
B.        Stufen der Umsetzungsstrategie
C.        Mindestmaßnahmen
D.        Akteure
E.        Finanzierung

IV. Koordination der Umsetzung des Aktionsplans

A.        Nationale Ebene
B.        Internationale Ebene

V. Internationale Zusammenarbeit und Unterstützung

VI. Evaluation

ANHANG: Elemente der Menschenrechtsbildung in der Primar- und Sekundarschulbildung


I. Einführung

"Die Weltkonferenz über Menschenrechte sieht Bildung, Ausbildung und öffentliche Informationen über die Menschenrechte als wichtig zur Förderung und Schaffung von stabilen und harmonischen Beziehungen zwischen Gemeinschaften sowie zur Förderung des gegenseitigen Verständnisses der Toleranz und des Friedens" (Erklärung von Wien und Aktionsplan, Teil II.D, Para 78).

A. Kontext und Definition der Menschenrechtsbildung*

1. Die internationale Gemeinschaft ist sich in zunehmendem Maße darüber einig, dass die Menschenrechtsbildung wesentlich zur Verwirklichung der Menschenrechte beiträgt. Mit der Menschenrechtsbildung soll ein Verständnis für unsere gemeinsame Verantwortung entwickelt werden, Menschenrechte in jeder Gemeinschaft und jeder Gesellschaft zu verwirklichen. Damit trägt sie zur langfristigen Verhinderung von Verstößen gegen die Menschenrechte und von gewalttätigen Konflikten, zur Förderung der Chancengleichheit, zur nachhaltigen Entwicklung und zur Förderung der Mitwirkung der Menschen an Entscheidungsprozessen in einem demokratischen System bei, wie dies in der Resolution 2004/71 der Menschenrechtskommission erläutert wird.

2. Bestimmungen zur Menschenrechtsbildung sind Bestandteil zahlreicher internationaler Instrumente, dazu gehört auch die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (Artikel 26), der Internationale Pakt über Wirtschaftliche, Soziale und Kulturelle Rechte (Artikel 13), das Übereinkommen über die Rechte des Kindes (Artikel 29), das Übereinkommen über die Beseitigung jeder Form von Diskriminierung gegen Frauen (Artikel 10), das Internationale Übereinkommen über die Beseitigung jeder Form von Rassendiskriminierung (Artikel 7), die Erklärung und das Aktionsprogramm von Wien (Teil I, Para 33-34 und Teil II, Para 78-82) und die Erklärung und das Aktionsprogramm der Weltkonferenz gegen Rassismus, Rassendiskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und ähnliche Intoleranz, die 2001 in Durban, Südafrika, stattfand (Erklärung, Para 95-97 und Aktionsprogramm, Para 129-139).

3. Auf der Grundlage dieser Instrumente, die Elemente für eine Definition der Menschenrechtsbildung vermitteln, wie sie von der internationalen Gemeinschaft festgelegt wurden, kann die Menschenrechtsbildung als Bildung, Ausbildung und Information definiert werden, die dazu beitragen soll, durch Wissensaustausch, die Weitergabe von Kenntnissen und die Ausformung von Verhaltensweisen eine universale Kultur der Menschenrechte herzustellen, um Folgendes zu bewirken:

(a) Die Stärkung der Achtung der Menschenrechte und Grundfreiheiten;

(b) Die Sicherstellung der vollständigen Entwicklung der menschlichen Persönlichkeit und des Gefühls für die menschliche Würde;

(c) Die Förderung von Verständnis, Toleranz, Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern und Freundschaft unter allen Nationen, indigenen Völkern und rassischen, nationalen, ethnischen, religiösen und sprachlichen Gruppen;

(d) Die Unterstützung aller Menschen, effektiv in einer freien und demokratischen Gesellschaft mitzuwirken, die von Rechtsstaatlichkeit geprägt ist;

(e) Den Aufbau und die Erhaltung von Frieden;

(f) Die Förderung einer auf den Menschen ausgerichteten nachhaltigen Entwicklung und der sozialen Gerechtigkeit.

4. Die Menschenrechtsbildung beinhaltet Folgendes:

(a) Kenntnisse und Fähigkeiten – der Erwerb von Kenntnissen über Menschenrechte und Mechanismen zu ihrem Schutz sowie von Fähigkeiten, sie im täglichen Leben anzuwenden;

(b) Wertvorstellungen, Einstellungen und Verhaltensweisen – die Entwicklung von Wertvorstellungen und die Verstärkung von Einstellungen und Verhaltensweisen, die den Menschenrechten dienen;

(c) Das Handeln – das Eintreten zum Schutz und zur Förderung von Menschenrechten.

5. Um Initiativen zur Menschenrechtsbildung zu fördern, haben die Mitgliedstaaten verschiedene spezifische internationale Aktionsrahmen beschlossen wie beispielsweise die weltweite öffentliche Informationskampagne über Menschenrechte, die sich auf die Entwicklung und Verbreitung von Informationsmaterial über Menschenrechte konzentriert, die Dekade der Vereinten Nationen für Menschenrechtsbildung, 1995 – 2004 und ihren Aktionsplan, der die Formulierung und Umsetzung umfassender, effektiver und nachhaltiger Strategien für Menschenrechtsbildung auf nationaler Ebene fördert und die internationale Dekade für eine Kultur des Friedens und der Gewaltlosigkeit für die Kinder der Welt (2001 – 2010).

6. Im Jahr 2004 hat der Wirtschafts- und Sozialrat unter Bezug auf Resolution 2004/71 der Menschenrechtskommission die Generalversammlung gebeten, auf ihrer 59. Sitzung ein Weltprogramm für Menschenrechtsbildung auszurufen, das am 1. Januar 2005 beginnen und sich in mehrere aufeinander folgende Phasen gliedern soll, um nationale Anstrengungen zur Menschenrechtsbildung stärker auf spezifische Sektoren/Problembereiche zu fokussieren, die periodisch von der Menschenrechtskommission benannt werden.

B. Zielsetzungen des Weltprogramms für Menschenrechtsbildung

7. Das Weltprogramm für Menschenrechtsbildung verfolgt die nachstehenden Ziele:

(a) Förderung einer Kultur der Menschenrechte;

(b) Förderung eines gemeinsamen Verständnisses auf der Grundlage internationaler Instrumente über Grundsätze und Methoden der Menschenrechtsbildung;

(c) Herausstellung der prioritären Rolle der Menschenrechtsbildung auf nationaler, regionaler und internationaler Ebene;

(d) Bereitstellung eines gemeinsamen Aktionsrahmens für alle Beteiligten;

(e) Verstärkung der Partnerschaft und Zusammenarbeit auf allen Ebenen;

 (f) Auflistung und Unterstützung bestehender Programme zur Menschenrechtsbildung, um erfolgreiche Ansätze herauszustellen und einen Anreiz zu schaffen, sie fortzusetzen und/oder auszuweiten und neue zu entwickeln.

C. Grundsätze für Aktivitäten im Bereich der Menschenrechtsbildung1

8. Bildungsaktivitäten im Rahmen des Weltprogramms sollen folgenden Grundsätzen entsprechen:

(a) Hervorhebung der Interdependenz, Unteilbarkeit und Universalität der Menschenrechte, dazu gehören auch bürgerliche, politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte und das Recht auf Entwicklung;

(b) Förderung der Achtung und Wertschätzung von Unterschieden und Widerstand gegen Diskriminierung aufgrund von Rasse, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder anderer Meinung, nationaler, ethnischer oder sozialer Herkunft, physischer oder psychischer Verfassung und aus anderen Gründen;

(c) Förderung der Untersuchung von wiederkehrenden und neuen Menschenrechtsproblemen (dazu gehören Armut, gewalttätige Konflikte und Diskriminierung), um auf diese Weise zu Lösungen zu gelangen, die mit den Grundsätzen der Menschenrechte übereinstimmen;

(d) Befähigung von Gemeinschaften und Einzelpersonen, ihre Bedürfnisse als Menschenrechte

(e) Aufbau auf den Menschenrechtsgrundsätzen, wie sie jeweils in den verschiedenen kulturellen Kontexten verankert sind und Berücksichtigung historischer und sozialer Entwicklungen im jeweiligen Land; zu artikulieren und sicherzustellen, dass sie beachtet werden;

(f) Förderung der Kenntnisse und Fähigkeiten, lokale, nationale, regionale und internationale Menschenrechtsinstrumente und –mechanismen zum Schutz der Menschenrechte einzusetzen;

(g) Einsatz partizipativer Bildungsmethoden, die Kenntnisse, die kritische Analyse und den Erwerb von Fähigkeiten zur Förderung der Menschenrechte beinhaltet;

(h) Förderung von Lehr- und Lernumfeldern, die frei von Not und Furcht sind und die Teilhabe, die Inanspruchnahme der Menschenrechte und die vollständige Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit, fördern;

(i) Berücksichtigung der Bedürfnisse des täglichen Lebens all derjenigen, denen diese Bildung vermittelt wird, dabei sollten diese mit entscheiden können, wie Menschenrechte so gestaltet werden können, dass sie nicht nur abstrakte Normen wiedergeben, sondern Teil des tatsächlichen sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Umfeldes der Menschen werden.
 

II. Die erste Stufe (2005 – 2007): Ein Aktionsplan für Menschenrechtsbildung im Primar- und Sekundarschulbereich

"Die Weltkonferenz über Menschenrechte bekräftigt, dass die Staaten gehalten sind, sicherzustellen, dass Bildung darauf abzielt, die Achtung der Menschenrechte und Grundfreiheiten zu verstärken [und dass] dies sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene in die Bildungspolitiken integriert werden sollte" (Erklärung und Aktionsprogramm von Wien, Teil I, Para 33).

9.  In Übereinstimmung mit Resolution 2004/71 der Menschenrechtskommission wird sich die erste Stufe (2005 – 2007) des Weltprogramms für Menschenrechtsbildung auf den Primar- und Sekundarschulbereich konzentrieren.

A. Gesamtzusammenhang

10. Der Aktionsplan stützt sich auf die Grundsätze und Rahmenvorgaben, die von internationalen Menschenrechtsinstrumenten wie beispielsweise der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, dem Übereinkommen über die Rechte des Kindes und den damit zusammenhängenden Richtlinien, die vom Ausschuss für die Rechte des Kindes angenommen wurden (insbesondere der allgemeine Kommentar Nr. 1 (2001) über Bildungsziele), die Erklärung und das Aktionsprogramm von Wien und die Erklärung und der integrierte Aktionsrahmen über Erziehung zu Frieden, Menschenrechten und Demokratie. Er bezieht sich ebenfalls auf internationale Erklärungen und Programme zur Bildung.

11. Der Aktionsrahmen von Dakar über Bildung für Alle: Erfüllung unserer gemeinsamen Verpflichtungen, der vom Weltbildungsforum 20002 angenommen wurde, ist eine der wichtigsten internationalen Grundlagen und die gemeinsame Verpflichtung zur Verwirklichung der Zielsetzungen einer Bildung für Alle (EFA). Hier wird eine Vorstellung von Bildung bekräftigt, die von der Allgemeinen Erklärung über Menschenrechte und dem Übereinkommen über die Rechte des Kindes gestützt wird und darauf ausgerichtet ist, das Zusammenleben zu lernen. Im Aktionsrahmen von Dakar wird Bildung als Schlüssel "für eine nachhaltige Entwicklung sowie für Frieden und Stabilität" angesehen (Para. 6), indem sie den sozialen Zusammenhalt fördert und Menschen in die Lage versetzt, sich aktiv in die Prozesse des sozialen Wandels einzubringen. Ziel 6 des Aktionsrahmens von Dakar ist es, die Bildung in all ihren Aspekten qualitativ hochwertig zu gestalten, um Lesen, Rechnen und wichtige Basisqualifikationen sicherzustellen.3 Er vermittelt die Grundlage für ein Konzept einer qualitativ hochwertigen Bildung, die über das Lesen, Schreiben und das Rechnen hinausgeht und auch wenn sie notwendigerweise dynamisch ist, entschieden auf Rechten aufbaut und entschlossen demokratische Bürgerschaft, Wertvorstellungen und Solidarität anstrebt.

12.  Eine qualitativ hochwertige Bildung, die auf Rechten aufbaut, beinhaltet das Konzept einer Bildung für nachhaltige Entwicklung, das auch im Umsetzungsplan des Weltgipfels über nachhaltige Entwicklung enthalten ist. Bildung wird als Prozess angesehen, im Rahmen dessen wichtige Fragen behandelt werden können, wie beispielsweise ländliche Entwicklung, Gesundheitsfürsorge, Beteiligung der Gemeinschaft, Kampf gegen HIV/AIDS, Umweltschutz, traditionelles und indigenes Wissen und umfassende ethische Fragen, wie beispielsweise menschliche Werte und Menschenrechte. Darüber hinaus wird festgestellt, dass Erfolg im Kampf für nachhaltige Entwicklung einen Bildungsansatz erfordert, der "unseren Einsatz zur Unterstützung anderer Wertvorstellungen stärkt – insbesondere Gerechtigkeit und Fairness – und unser Bewusstsein, dass wir ein gemeinsames Schicksal mit anderen teilen".4 Das Weltprogramm für Menschenrechtsbildung würde Synergien mit der Dekade der Vereinten Nationen über Bildung für Nachhaltige Entwicklung herstellen (2005 – 2014) und damit die Bemühungen verstärken, Lösungen für Probleme von gemeinsamen Interesse zu finden.

13. Eines der Milleniumsentwicklungsziele, die von der internationalen Gemeinschaft anlässlich des Millenniums-Gipfels der Vereinten Nationen 2000 verabschiedet wurden, ist die Förderung allgemeinen Zugangs zur Primarbildung, eine weiterhin bestehende große Herausforderung. Obwohl die Einschulungsrate in verschiedenen Regionen gestiegen ist, bleibt die Qualität der Bildung für viele zu niedrig. Beispielsweise können geschlechtsspezifische Ungleichgewichte, Bedrohungen der physischen und emotionalen Sicherheit von Mädchen und nicht-geschlechtsspezifische Curricula zu ernsthaften Hindernissen für die Verwirklichung des Rechts auf Bildung werden (A/56/326, Para. 94). Mit diesem Aktionsplan soll die Erreichung des Milleniumsentwicklungsziels durch die Förderung einer qualitativ hochwertigen Bildung auf der Grundlage von Rechten sichergestellt werden

14. Der Aktionsplan steht ebenfalls im Zusammenhang mit den Aktivitäten der Mitgliedstaaten und anderer, das allgemeine Recht auf Alphabetisierung zu verwirklichen, insbesondere im Rahmen der Alphabetisierungsdekade der Vereinten Nationen (2003 – 2012), dabei ist die Alphabetisierung ein wichtiges Lerninstrument, um das Recht auf Bildung zu verwirklichen.

B. Menschenrechtsbildung im Schulsystem

15. Menschenrechtsbildung wird weithin als integraler Bestandteil des Rechtes auf Bildung angesehen. Wie der Ausschuss für die Rechte des Kindes in seinem allgemeinem Kommentar Nr. 1 bereits feststellte, "ist die Bildung, auf die jedes Kind ein Recht hat, eine Bildung, die darauf abzielt, das Kind mit Basisqualifikationen auszustatten, seine Fähigkeit zu stärken, das gesamte Spektrum der Menschenrechte zu nutzen und eine Kultur zu fördern, die von den entsprechenden Menschenrechtswerten geprägt wird" (Para. 2). Eine derartige Bildung "stellt für jedes Kind ein unerlässliches Instrument für seine Bemühungen dar, im Laufe seines Lebens eine ausgewogene, menschenrechtsfreundliche Reaktion auf die Herausforderungen zu finden, die eine Periode grundlegenden Wandels begleiten, der von der Globalisierung, neuen Technologien und damit zusammenhängenden Phänomenen angetrieben wird" (Para. 3).

16. Wie bereits auch im allgemeinen Kommentar hebt der Ausschuss für die Rechte des Kindes besonders den Prozess hervor, durch den die Bildung gefördert werden soll: "Die Bemühungen um die Inanspruchnahme anderer Rechte, dürfen nicht behindert werden, sie sollten vielmehr verstärkt werden durch die Wertvorstellungen, die im Bildungsprozess vermittelt werden. Dazu gehören nicht nur Curriculuminhalte, sondern auch Bildungsprozesse, pädagogische Methoden und das Umfeld, in dem die Bildung stattfindet".5 Dementsprechend sollten Menschenrechte gleichzeitig durch inhaltliche Kenntnisse und durch Erfahrung vermittelt werden und auf allen Ebenen des Schulsystems angewendet werden.

17. In diesem Sinne fördert die Menschenrechtsbildung einen auf den Rechten aufbauenden Bildungsansatz; sie sollte als Prozess verstanden werden, der Folgendes beinhaltet:

(a) "Menschenrechte durch Bildung": Es sollte sichergestellt werden, dass alle Elemente und Prozesse des Lernens, dazu gehören auch Curricula, Unterrichtsmaterialien, Methoden und Ausbildung, zum Erlernen der Menschenrechte, beitragen;

(b) "Menschenrechte in der Bildung": Es sollte sichergestellt werden, dass die Menschenrechte aller Beteiligten geachtet und im Bildungssystem angewandt werden.

18. Deshalb beinhaltet die Menschenrechtsbildung in der Primar- und Sekundarschulbildung Folgendes:

(a) Politische Maßnahmen – partizipative Entwicklung und Annahme einer kohärenten Bildungspolitik sowie von Gesetzen und Strategien, die auf den Menschenrechten aufbauen, dazu gehört auch die Verbesserung des Curriculums und der Ausbildungspolitiken für Lehrer und anderes Bildungspersonal;

(b) Umsetzung der Politik – Planung der Umsetzung der oben genannten Bildungspolitik durch Einleitung geeigneter organisatorischer Maßnahmen und durch Erleichterung der Beteiligung aller Mitwirkenden;

(c) Lernumfeld – Das Schulumfeld selbst sollte Menschenrechte und Grundfreiheiten achten und fördern. Es gibt allen Schulakteuren (Schüler, Lehrer, Personal und Verwalter und Eltern) die Möglichkeit, Menschenrechte durch das Erleben zu verwirklichen. Es ermöglicht Kindern, ihre Ansichten frei und ungehindert auszudrücken und am schulischen Leben teilzunehmen;6

(d) Lehren und Lernen – Alle Lehr- und Lernprozesse und Instrumente bauen auf Rechten auf (beispielsweise Inhalt und Ziele des Curriculums, partizipative und demokratische Praktiken und Methoden, geeignete Materialien, dazu gehört die Überprüfung und Überarbeitung vorhandener Schulbücher etc.);

(e) Aus- und Weiterbildung von Lehrern und anderem Bildungspersonal – Vermittlung der notwendigen Kenntnisse, von Verständnis und Fähigkeiten und Kompetenzen, um das Erlernen und die Ausübung von Menschenrechten in Schulen zu erleichtern an Lehrer und Schulleiter gleichzeitig mit der Schaffung von geeigneten Arbeitsbedingungen und eines entsprechenden beruflichen Status.

Hierzu wird im Anhang als Referenz eine detaillierte Beschreibung der fünf Elemente und der damit verbundenen Aktionsmöglichkeiten vermittelt.

19. Dadurch, dass die Menschenrechtsbildung eine Bildung fördert, die auf Rechten aufbaut, ermöglicht sie es den Bildungssystemen, ihre grundlegende Aufgabe zu erfüllen, d.h. qualitativ hochwertige Bildung für Alle, sicherzustellen. Auf diese Weise trägt sie dazu bei, die Effektivität des gesamten nationalen Bildungssystems zu verbessern, dies wirkt sich wiederum auf die wirtschaftliche, soziale und politische Entwicklung eines jeden Landes aus und bringt u.a. die nachstehenden positiven Auswirkungen mit sich:

(a) Verbesserung der Qualität der Lernergebnisse durch Förderung von kinderzentrierten und partizipativen Lehr- und Lernpraktiken und –prozessen sowie eine neue Rolle für die Lehrer;

(b) Verbesserung des Zugangs zur Bildung und stärkere Beteiligung an schulischen Aktivitäten durch Schaffung eines Lernumfeldes, das auf Rechten aufbaut, inklusiv ist und allgemeine Werte, Chancengleichheit, Vielfalt und Nicht-Diskriminierung fördert;

(c)  Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt und zur Konfliktprävention durch Unterstützung der sozialen und emotionalen Entfaltung von Kindern und durch die Sensibilisierung für demokratische Bürgerschaft und Wertvorstellungen.

20. Alle Bemühungen im Schulsystem um Erziehung zum Frieden, zur Bürgerschaft und Werteerziehung, sowie die multikulturelle und globale Bildung oder die Bildung für nachhaltige Entwicklung stützen sich in Inhalt und Methoden auf die Menschenrechte. Deshalb sollte dieser Aktionsplan als Referenz für alle diese Ansätze benutzt werden und diese sollten Bildungspolitiken fördern, die auf Rechten aufbauen und über Lehren und Lernen hinausgehen. Damit sollte der Boden für die systemische Verbesserung des Bildungsbereichs im Rahmen der nationalen Bildungsreformen bereitet werden.

C. Spezifische Zielsetzungen des Aktionsplans 

21. Unter Berücksichtigung der umfassenden Zielsetzungen des Weltprogramms für Menschenrechtsbildung (siehe Abschnitt I) sollen mit diesem Plan die nachstehenden spezifischen Ziele erreicht werden:

(a) Förderung der Einführung und Ausübung der Menschenrechte in der Primar- und Sekundarschulbildung;

(b) Unterstützung der Entwicklung, Annahme und Umsetzung von umfassenden, effektiven und nachhaltigen nationalen Menschenrechtsstrategien in Schulsystemen und/oder Überprüfung und Verbesserung vorhandener Initiativen;

(c) Aufstellung von Richtlinien zu bestimmten Schlüsselelementen der Menschenrechtsbildung im Schulbereich;

(d) Erleichterung der Unterstützung der Mitgliedstaaten durch internationale, regionale, nationale und lokale Organisationen;

(e) Unterstützung der Vernetzung und Zusammenarbeit zwischen lokalen, nationalen, regionalen und internationalen Organisationen;

22. Dieser Plan:

(a) vermittelt eine Definition der Menschenrechtsbildung im schulischen Bereich auf der Grundlage international anerkannter Grundsätze;

(b) ist eine benutzerfreundliche Anleitung zur Entwicklung und/oder Verbesserung der Menschenrechtsbildung im Schulsystem, weil er konkrete Aktionen zur Umsetzung auf nationaler Ebene vorstellt;

(c) ist flexibel genug, um auf verschiedene Kontexte und Situationen übertragen und an verschiedenartige Bildungssysteme angepasst werden zu können.
 

III. Strategie zur Umsetzung auf nationaler Ebene

A. Einführung

23. Der Aktionsplan ist Anreiz und Mittel zur Entwicklung der Menschenrechtsbildung in Primar- und Sekundarschulsystemen auf nationaler Ebene. Es wird vor allem davon ausgegangen, dass ein Prozess des Wandels und der Verbesserung nur stattfinden kann, wenn unterschiedliche simultane Aktionen in verschiedenen Bereichen durchgeführt werden (siehe Anhang). Zur Sicherstellung der Effizienz sollte ein derartiger Prozess in Übereinstimmung mit den Grundsätzen umfassend akzeptierter Stufen eines Entwicklungszyklus organisiert werden. In Übereinstimmung mit dem jeweiligen Umfeld, den Prioritäten und Kapazitäten der jeweiligen Länder müssen realistische Ziele und Mechanismen festgelegt werden, die auf vorhergehenden nationalen Programmen aufbauen (wie beispielsweise diejenigen, die im Rahmen der Dekade der Vereinten Nationen für Menschenrechtsbildung durchgeführt wurden, 1995 – 2004).

24. In diesem Plan und seiner Umsetzungsstrategie wird anerkannt, dass in jedem Land die Situation im Hinblick auf die Menschenrechtsbildung in den Schulen unterschiedlich ist. Es kann beispielsweise vorkommen, dass die Menschenrechtsbildung in einigen Ländern fast vollständig fehlt; andere Länder können bereits nationale Politiken und Programme entwickelt, sie aber noch nicht umgesetzt haben; in wieder anderen Fällen kann es Initiativen und Projekte in Schulen an der Basis geben, die häufig von internationalen Organisationen unterstützt werden, aber nicht unbedingt Bestandteil einer nationalen Politik sind; demgegenüber können sich andere Staaten sehr für die Menschenrechtsbildung eingesetzt und nationale Politiken und Aktionen entwickelt haben. Unabhängig von der Situation und der Art des Bildungssystems muss Entwicklung oder Verbesserung der Menschenrechtsbildung für alle Länder prioritäres Anliegen der Bildungspolitik sein.

25. Die Umsetzungsstrategie betrifft vor allem die Bildungsministerien, die auf nationaler Ebene die Hauptverantwortung für die Primar- und Sekundarschulbildung tragen. Die Bildungsministerien sind deshalb die wichtigsten Ansprechpartner und Akteure. Die Umsetzungsstrategie richtet sich ebenfalls an andere relevante Institutionen (siehe Para. 28 – 30, nachstehend), die in alle Planungs- und Umsetzungsstufen einbezogen werden sollten.

B. Stufen der Umsetzungsstrategie 

26.  In diesem Abschnitt werden vier Stufen vorgeschlagen, die den Prozess der Planung, Umsetzung und Evaluation der Menschenrechtsbildung im Schulsystem erleichtern sollen. Sie geben Richtlinien vor, die den Mitgliedstaaten bei der Umsetzung dieses Planes behilflich sein sollen.

Stufe 1: Analyse der aktuellen Situation der Menschenrechtsbildung im schulischen Bereich

Handlungsvorschlag

Beantworten Sie die Frage: Wo stehen wir?

Analysieren Sie die nachstehenden Punkte anhand der hierzu gesammelten Informationen:

  • Die aktuelle Situation in den Primar- und Sekundarschulen, insbesondere im Hinblick auf die Menschenrechte;
  • Historische und kulturelle Hintergründe, die die Menschenrechtsbildung in Schulen beeinflussen können;
  • Initiativen zur Menschenrechtsbildung in Primar- und Sekundarschulen;
  • Erfolge, Defizite und Hindernisse von Initiativen, die im Zusammenhang mit der Dekade der Vereinten Nationen für Menschenrechtsbildung, 1995 – 2004, durchgeführt wurden;
  • Beteiligung verschiedener Akteure, wie beispielsweise Regierungsinstitutionen, nationaler Menschenrechtsinstitutionen, Universitäten, Forschungseinrichtungen und nicht-staatlicher Organisationen, an der Menschenrechtsbildung in Schulen;
  • Beispielhafte Verfahren für Menschenrechtsbildung auf nationaler und regionaler Ebene;
  • Die Rolle der Bildung in verwandten Bildungsbereichen (Bildung für nachhaltige Entwicklung, Erziehung zum Frieden, globale Bildung, multikulturelle Erziehung, politische Bildung und Werteerziehung) in Ihrem Land.
  • Stellen Sie anhand der im Anhang aufgeführten Referenzinstrumente fest, welche Maßnahmen und Elemente der Menschenrechtsbildung bereits vorhanden sind. Andere Referenzelemente sind die nationalen Berichte, die den Vertragsorganen der Vereinten Nationen übermittelt werden sowie die Berichte, die im Rahmen der Dekade auf nationaler und internationaler Ebene erstellt wurden.
  • Ermitteln Sie Schlüsselelemente und -bereiche durch die Analyse von Vor- und Nachteilen und von Möglichkeiten und Grenzen für die Aufnahme der Menschenrechtsbildung in das Schulsystem.
  • Erstellen Sie eine Bilanz der Situation und der Umsetzung der Menschenrechtsbildung
  • Untersuchen Sie, wie man auf den erzielten Ergebnissen und gewonnenen Erfahrungen aufbauen kann und wie die sich bietenden Möglichkeiten genutzt werden können.
  • Ziehen Sie Veränderungen und Maßnahmen in Betracht, die zur Überwindung von Schwierigkeiten und Hindernissen notwendig sind.

Ergebnis

Nationale Studie über Menschenrechtsbildung in der Primar- und Sekundarschulbildung.

Umfassende Verbreitung der Ergebnisse dieser Studie auf nationaler Ebene, beispielsweise durch Veröffentlichungen, eine Konferenz oder öffentliche Debatten, um Orientierungen für die nationalen Umsetzungsstrategie für Menschenrechtsbildung im Schulsystem zu erarbeiten.

Stufe 2: Aufstellung von Prioritäten und Entwicklung einer nationalen Umsetzungsstrategie

Handlungsvorschlag

  • Beantworten Sie die Frage: Was wollen wir erreichen und wie?
  • Formulieren Sie Zielvorstellungen, d. h. das Hauptziel für die Umsetzung der Menschenrechtsbildung im Schulsystem.
  • Legen Sie Ziele fest, verwenden Sie dafür den Anhang als Bezugsrahmen.
  • Stellen Sie Prioritäten auf der Grundlage der Ergebnisse der nationalen Studie auf. Diese Prioritäten könnten die dringendsten Bedürfnisse und/oder zur Verfügung stehenden Möglichkeiten berücksichtigen.
  • Konzentrieren Sie sich auf Bereiche, in denen tatsächlich eine Wirkung zu erwarten ist: Was können wir wirklich tun?
  • Wählen Sie vorzugsweise Maßnahmen, die einen nachhaltigen Wandel gegenüber ad hoc-Aktivitäten sicherstellen.
  • Legen Sie die Ausrichtung der nationalen Umsetzungsstrategie fest und verbinden Sie die Zielsetzungen mit den vorhandenen Ressourcen, indem Sie folgende Elemente definieren:
  • Beiträge: Zuweisung der zur Verfügung stehenden (menschlichen, finanziellen, zeitlichen) Ressourcen;
  • Aktivitäten (Aufgaben, Zuständigkeiten, Zeitrahmen und Meilensteine);
  • Resultate: konkrete Produkte (beispielsweise neue Gesetze, Studien, kapazitätsfördernde Seminare, Bildungsmaterialien, Überarbeitung von Schulbüchern etc.);
  • Ergebnisse: erzielte Ergebnisse.

Ergebnis

Eine nationale Umsetzungsstrategie für Menschenrechtsbildung in der Primar- und Sekundarschulbildung, die Zielsetzungen und Prioritäten aufstellt und für den Zeitraum 2005 – 2007 zumindest einige Umsetzungsaktivitäten vorsieht.

Stufe 3: Umsetzung und Überwachung

Handlungsvorschlag

  • Der Leitgedanke sollte sein: das Ziel zu erreichen.
  • Verbreitung der nationalen Umsetzungsstrategie.
  • Einleitung der Umsetzung der im Rahmen der nationalen Umsetzungsstrategie geplanten Aktivitäten.
  • Überwachung der Umsetzung anhand von festgelegten Meilensteinen.

Ergebnis

Abhängig von den Prioritäten der nationalen Umsetzungsstrategien kann dies beispielsweise zu Folgendem führen: Gesetzen, Mechanismen zur Koordinierung der nationalen Umsetzungsstrategien, neuen oder überarbeiteten Schulbüchern und Unterrichtsmaterialien, Ausbildungskursen, Methoden partizipativen Lehrens und/oder Lernens oder nicht-diskriminierenden Politiken, die alle Mitglieder der Schulgemeinschaft schützen.

Stufe 4: Evaluation

Handlungsvorschlag

  • Beantworten Sie die Frage: Wurde das Ziel erreicht und mit welchem Erfolg?
  • Sehen Sie die Evaluation als Methode an, um Rechenschaft abzulegen, um Lehren zu ziehen und um eine möglicherweise nachfolgende Aktivitätsphase besser zu bewältigen.
  • Verwenden Sie die Selbst-Evaluation ebenso wie eine unabhängige, externe Evaluation, um die Umsetzung zu überprüfen.
  • Überprüfen Sie die Erreichung der gesetzten Ziele und untersuchen Sie den Umsetzungsprozess.
  • Bewerten Sie die erreichten Ergebnisse, verbreiten sie und begrüßen Sie sie.

Ergebnis

Nationaler Bericht über die Ergebnisse der nationalen Strategie zur Umsetzung der Menschenrechtsbildung in der Primar- und Sekundarschulbildung.

Empfehlungen für künftige Aktionen auf der Grundlage der im Laufe des Umsetzungsprozesses gesammelten Erfahrungen.

C. Mindestmaßnahmen

27. Die Mitgliedstaaten werden gebeten, als in der ersten Phase (2005 – 2007) des Weltprogramms mindestens Folgendes durchzuführen:

(a) Eine Analyse der aktuellen Situation der Menschenrechtsbildung im Schulsystem (Stufe 1);

(b) Festlegung von Prioritäten und Entwicklung der nationalen Umsetzungsstrategie (Stufe 2);

(c)  Beginn der Umsetzung der geplanten Aktivitäten.

D. Akteure

28. Die Hauptverantwortung für die Umsetzung dieses Aktionsplans liegt bei den Bildungsministerien, die sich über ihre zuständigen Organe mit folgenden Fragen befassen:

(a) Bildungspolitik;

(b) Programmplanung;

(c) Curriculumentwicklung;

(d) Entwicklung von Lehr- und Lernmaterial;

(e) Grundausbildung und Weiterbildung von Lehrern und anderen pädagogischem Personal;

(f)  Lehr- und Lernmethoden;

(g) Integrative Bildung;

(h) Regionale/provinzielle/lokale Verwaltung;

(i) Forschung;

(j) Verbreitung von Informationen.

29. Die Umsetzung dieses Aktionsplans setzt die enge Zusammenarbeit mit anderen Institutionen voraus, d.h.:

(a) Lehrerbildungseinrichtungen und erziehungswissenschaftliche Fakultäten an Universitäten;

(b) Lehrerverbände, Berufsverbände und Akkreditierungseinrichtungen;

(c) Nationale, föderale, lokale und staatliche legislative Organe, dazu zählen auch parlamentarische Ausschüsse für Bildung, Entwicklung und Menschenrechte;

(d) Nationale Menschenrechtsinstitutionen, wie Mediatoren und Menschenrechtskommissionen;

(e) Nationale UNESCO-Kommissionen;

(f) Nationale/lokale Gruppen/Organisationen, dazu zählen beispielsweise nationale Komitees für UNICEF und andere lokale Organisationen;

(g) Nationale Ableger internationaler Nicht-Regierungsorganisationen (NROs);

(h) Elternverbände;

(i) Schüler-/Studentenverbände;

(j) Bildungsforschungsinstitute;

(k) Nationale und lokale Dokumentationszentren und Ausbildungszentren über Menschenrechte.

30. Darüber hinaus ist ebenfalls die Unterstützung durch andere Akteure erforderlich:

(a) andere betroffene Ministerien (Soziales, Arbeit, Justiz, Frauen, Jugend);

(b) Jugendorganisationen;

(c) Medienvertreter;

(d) Religiöse Einrichtungen;

(e) Verantwortliche aus den Bereichen Kultur, Soziales und Gemeinschaft;

(f) indigene Völker und Minderheitengruppen;

(g) die Wirtschaft.

E. Finanzierung

31. Wie bereits schon in Abschnitt II erwähnt, kann die Menschenrechtsbildung im nationalen Bildungssystem ebenfalls dazu beitragen, die Effektivität des Systems zu verbessern. Sie vermittelt einen Satz von Richtlinien zur Unterstützung von Bildungsreformen und trägt dazu bei, auf aktuelle Herausforderungen, denen die Bildungssysteme weltweit gegenüber stehen, zu reagieren, wie beispielsweise Zugang zu Bildung und Chancengleichheit in der Bildung, den Beitrag der Bildung zur sozialen Integration und zum Zusammenhalt, die Rolle und den Status der Lehrer, die Relevanz der Bildung für Schüler und Gesellschaft, die Verbesserung schulischer Leistungen und des Bildungsmanagements.

32. Unter Berücksichtigung des Vorgenannten kann die Finanzierung der Menschenrechtsbildung ebenfalls aus den Ressourcen erfolgen, die für das allgemeine nationale Bildungssystem bereitgestellt werden, insbesondere durch:

(a) die Optimierung bereits freigegebener nationaler Fonds für qualitativ hochwertige Bildung, um diesen Plan umzusetzen;

(b) die Koordinierung externer Fonds und ihre Zuweisung auf der Grundlage der in diesem Plan festgesetzten Aktionen;

(c) Schaffung von Partnerschaften zwischen öffentlichem und privatem Bereich.
 

IV. Koordination der Umsetzung des Aktionsplans

A. Nationale Ebene

33. In jedem Land sollte vor allem das Bildungsministerium für die Umsetzung des Plans verantwortlich sein. Das Ministerium sollte eine Abteilung oder eine Einheit benennen oder verstärken, die für die Koordination der Erarbeitung, Umsetzung und Überwachung der nationalen Umsetzungsstrategie verantwortlich ist.

34. Die Koordinierungsabteilung oder –einheit könnte dann die betreffenden Abteilungen des Bildungsministeriums, sowie andere Ministerien und nationale Akteure (siehe Abschnitt III, Para. 28 – 30 oben) in die Erarbeitung, Umsetzung und Überwachung der internationalen Umsetzungsstrategie einbeziehen. Hierbei könnte die Gründung einer Menschenrechtsbildungskoalition dieser Akteure helfen.

35. Die Koordinierungsabteilung oder -einheit sollte dem Koordinierungskomitee der Vereinten Nationen aktualisierte und detaillierte Informationen darüber übermitteln, welche Fortschritte in diesem Bereich auf nationaler Ebene erzielt wurden (siehe Para. 38).

36. Darüber hinaus könnte die Koordinierungsabteilung oder –einheit eng mit den entsprechenden nationalen Stellen zusammenarbeiten, die für die Ausarbeitung von Länderberichten an die Vertragsorgane der Vereinten Nationen zuständig sind, um sicherzustellen, dass in diesen Berichten die Fortschritte im Bereich der Menschenrechtsbildung enthalten sind.

37. Die Mitgliedstaaten werden ebenfalls gebeten, ein Dokumentationszentrum zu bestimmen und zu unterstützen, das auf nationaler Ebene Initiativen und Informationen über Menschenrechtserziehung sammelt und verbreitet (good practice in verschiedenen Situationen und Ländern, Bildungsmaterialien, Veranstaltungen).

B. Internationale Ebene

38. Es wird ein Koordinierungsausschuss der Vereinten Nationen eingesetzt, der sich aus dem OHCHR, UNESCO, UNICEF, dem Programm der Vereinten Nationen für Entwicklung (UNDP) und anderen relevanten internationalen Organisationen, dazu gehört auch insbesondere die Weltbank, zusammensetzt, der für die internationale Koordination der Aktivitäten im Rahmen dieses Aktionsplans zuständig sein soll. Das Sekretariat für diesen Ausschuss wird vom OHCHR gestellt.

39. Der Ausschuss wird regelmäßig zusammentreffen, um die Umsetzung dieses Aktionsplans zu verfolgen, Ressourcen zu mobilisieren und Aktionen auf Länderebene zu unterstützen. Hierzu kann er zu einem Treffen ad hoc andere relevante internationale und regionale Institutionen, Experten und Akteure einladen, wie beispielsweise Mitglieder der Vertragsorgane der Vereinten Nationen, den Sonderberichterstatter der Menschenrechtskommission, über das Recht auf Bildung und andere.

40. Der Ausschuss ist für den Kontakt zu den Länderteams der Vereinten Nationen oder Vertretern internationaler Organisationen in den Ländern zuständig, um die Nachbereitung des Aktionsplans und die umfassende Unterstützung der nationalen Umsetzungsstrategien im System der Vereinten Nationen in Übereinstimmung mit dem Reformprogramm des Generalsekretärs sicherzustellen, das koordinierte Aktionen der Vereinten Nationen auf Länderebene vorsieht, um nationale Menschenrechtsschutzsysteme unterstützen. (A/57/387 und Corr.1, Aktion 2).

41. Die Vertragsorgane der Vereinten Nationen werden bei ihrer Überprüfung der Berichte der Mitgliedstaaten gebeten, besonders die Verpflichtung der Vertragsstaaten zu beachten, die Menschenrechte in den Schulsystemen umzusetzen und diesen Aspekt in ihren abschließenden Beobachtungen zu berücksichtigen.

42. Darüber hinaus werden alle relevanten thematischen und länderspezifischen Mechanismen der Menschenrechtskommission (dies betrifft ebenfalls die Sonderberichtserstatter und Vertreter, insbesondere den Sonderberichtserstatter über das Recht auf Bildung sowie die Arbeitsgruppen) gebeten, in ihren Berichten systematisch, die Erfolge in der Menschenrechtsbildung in Schulen zu beschreiben, insofern dies mit ihrem Mandat übereinstimmt.

43. Der Ausschuss kann auch regionale und subregionale Institutionen und Organisationen um Hilfe bitten, um die Umsetzung dieses Aktionsplans effizienter zu überwachen.
 

V. Internationale Zusammenarbeit und Unterstützung

44. Die internationale Zusammenarbeit und die Unterstützung bei der Umsetzung dieses Aktionsplans wird sichergestellt durch:

(a) das System der Vereinten Nationen;

(b) andere internationale zwischenstaatliche Organisationen;

(c) regionale zwischenstaatliche Organisationen;

(d) regionale Organisationen der Bildungsminister;

(e) internationale und regionale Foren der Bildungsminister;

(f) internationale und regionale nicht-staatliche Organisationen;

(g) regionale Dokumentationszentren für Menschenrechte;

(h) Internationale und regionale Finanzinstitutionen (Weltbank, regionale Entwicklungsbanken, etc.) sowie bilaterale Finanzierungsorgane.

45. Diese Akteure müssen eng zusammenarbeiten, um die Ressourcen maximal zu nutzen, Doppelarbeit zu vermeiden und Kohärenz bei der Umsetzung dieses Aktionsplans sicherzustellen.

46. Durch die internationale Zusammenarbeit und Unterstützung sollen die nationalen und lokalen Kapazitäten zur Menschenrechtsbildung in der Primar- und Sekundarschulbildung im Rahmen der nationalen Umsetzungsstrategie, die in Abschnitt III dieses Aktionsplans behandelt wird, gestärkt werden.

47. Die oben genannten Organisationen und Institutionen könnten evtl. planen, u.a. folgende Aktionen durchzuführen:

(a) Unterstützung der Bildungsministerien bei der Erarbeitung, Umsetzung und Überwachung der nationalen Umsetzungsstrategie, dazu gehört auch die Entwicklung von damit zusammenhängenden speziellen Mechanismen;

(b) Unterstützung der anderen nationalen Akteure, insbesondere der nationalen und lokalen nicht-staatlichen Organisationen, Berufsverbände und anderer Organisationen der Zivilgesellschaft;

(c) Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Beteiligten auf nationaler, regionaler und internationaler Ebene durch Ermittlung, Sammlung und Verbreitung von Informationen über good practice sowie über vorhandene Hilfsmittel, Einrichtungen und Programme auf traditionellem und elektronischem Wege.

(d) Unterstützung bestehender Netzwerke zwischen den Akteuren in der Menschenrechtsbildung und Förderung des Aufbaus von neuen Netzen auf nationaler, regionaler und internationaler Ebene;

(e) Unterstützung einer effektiven Menschenrechtsausbildung (dazu gehört die Ausbildung in partizipativen Lehr- und Lernmethoden) für Lehrer, ihre Ausbilder, Bildungsverwalter und Angestellte nicht-staatlicher Organisationen;

(f) Unterstützung von Untersuchungen zur Umsetzung der nationalen Menschenrechtsbildung in Schulen, dazu gehören auch Untersuchungen zu konkreten Maßnahmen für ihre Verbesserung.

48. Um Ressourcen zur Umsetzung dieses Aktionsplans zu mobilisieren, werden internationale und regionale Finanzinstitutionen sowie bilaterale Finanzierungsorgane gebeten, zu untersuchen, wie sie ihre Finanzierungsprogramme im Bereich der Bildung mit diesem Aktionsplan und mit der Menschenrechtsbildung verbinden können.
 

VI. Evaluation

49. Nach Abschluss der ersten Stufe (2005 – 2007) des Weltprogramms führt jedes Land eine Evaluation der Aktionen durch, die im Rahmen dieses Aktionsplans umgesetzt wurden. Die Evaluation soll die Fortschritte berücksichtigen, die in einer Reihe von Bereichen erzielt wurden, wie beispielsweise in Rechtsrahmen und Politiken, in Curricula, Lehr- und Lernprozessen und bei den Instrumenten, bei der Überarbeitung von Schulbüchern, der Lehrerausbildung und der Verbesserung des Schulumfeldes, etc. Die Mitgliedstaaten werden gebeten, dem Ausschuss der Vereinten Nationen zur interinstitutionellen Koordination ihren abschließenden nationalen Evaluierungsbericht zu übermitteln.

50. Dabei werden die internationalen und regionalen Organisationen Hilfestellung leisten, um nationale Evaluierungskapazitäten aufzubauen oder vorhandene zu stärken.

51. Das interinstitutionelle Koordinierungskomitee wird einen abschließenden Evaluationsbericht auf der Grundlage der nationalen Evaluationsberichte in Zusammenarbeit mit den zuständigen internationalen, regionalen und nicht-staatlichen Organisationen erstellen. Der Bericht soll der Generalversammlung auf ihrer 63. Sitzung (2008) vorgelegt werden. 


* Anmerkung der Übersetzerin: "Human rights education" wurde in der Vergangenheit meist als Menschenrechtserziehung übersetzt, in jüngster Zeit wird vermehrt Menschenrechtsbildung verwendet.

Fußnoten

1) Der Abschnitt über die Grundsätze der Aktivitäten im Bereich der Menschenrechtsbildung baut auf den Richtlinien für nationale Aktionspläne für Menschenrechtsbildung auf, die im Rahmen der Dekade der Vereinten Nationen für Menschenrechtsbildung entwickelt wurden, 1995 – 2004 (A/52/469/Add.1 und Corr.1).

2) Siehe UNESCO, Abschlussbericht des Weltbildungsforums, Dakar, Senegal, 26.-28. April 2000, Paris 2000.

3) Nach dem allgemeinen Kommentar Nr. 1 (2001) des Ausschusses über die Rechte des Kindes über die Ziele der Bildung beinhalten die Basisqualifikationen "die Fähigkeit, ausgewogene Entscheidungen zu treffen; Konflikte gewaltlos zu lösen und gesund zu leben, gute soziale Beziehungen zu pflegen sowie Verantwortungsgefühl, kritisches Denken, kreative Talente und andere Fähigkeiten zu entwickeln, die Kindern die Instrumente an die Hand geben, die sie benötigen, um ihre Optionen im Leben zu erfüllen" (Offizielle Aufzeichnung der Generalversammlung, 57. Sitzung, Supplement Nr. 41 (A/57/41), Anhang VIII, Anhang para. 9).

4) UNESCO, "Bildung für Nachhaltigkeit: von Rio bis Johannesburg: Erfahrungen aus einer Dekade des Engagements" (Paris, 2002).

5) Im allgemeinen Kommentar Nr. 1 stellte der Ausschuss über die Rechte des Kindes ebenfalls fest, "es sollte hervorgehoben werden, dass eine Unterrichtsform, die vor allem darauf abzielt, Wissen zu erwerben und dadurch Wettbewerb auslöst und zu einer großen Arbeitsbelastung für die Kinder führt, die harmonische Entwicklung des Kindes zur vollen Entfaltung seiner Fähigkeiten und Talente behindern kann" (Offizielle Aufzeichnung der Generalversammlung, Siebenundfünfzigste Sitzung, Supplement Nr. 41 (A/57/41), Anhang VIII, appendix, para. 12).

6) Dieser allgemeine Kommentar Nr. 1 stellt ebenfalls fest, dass "die Beteiligung der Kinder am schulischen Leben, die Schaffung von Schulgemeinschaften und Schülerräten, die Bildung und Beratung durch Gleichaltrige und die Beteiligung von Kindern an disziplinarischen Verfahren in Schulen als Teil des Lernprozesses und als Erfahrung bei der Verwirklichung von Rechten gefördert werden sollte" (Ibid., para. 8).


ANHANG

Elemente der Menschenrechtsbildung in der Primar- und Sekundarschulbildung

1. Die Situation in jedem einzelnen Land hat einen erheblichen Einfluss auf seine Möglichkeiten und Strategien zur Förderung der Einbeziehung und Ausübung der Menschenrechtsbildung in Schulen. Jedoch können über die sich daraus ergebende Vielfalt hinaus gemeinsame Tendenzen und Methoden zur Entwicklung der Menschenrechtsbildung ermittelt werden. Die fünf allgemeinen Elemente, die in dem vorliegenden Anhang vorgestellt werden, ergeben sich aus weltweiten erfolgreichen Erfahrungen sowie auf Studien und Forschungsarbeiten, dazu gehören auch die Beratungen, die in Vorbereitung des vorliegenden Aktionsplans und der mittelfristigen (2000) und der abschließenden (2004) Evaluation der Dekade der Vereinten Nationen für Menschenrechtsbildung 1995 – 2004 durchgeführt wurden. Sie enthalten die Beispiele für good practice, um deren Umsetzung sich die Hauptakteure dieses Aktionsplans immer stärker bemühen sollten. Diese Elemente sollen nur als Hinweise dienen und sind nicht verpflichtend. Sie schlagen Optionen vor, empfehlen Handlungsalternativen Aktionswege und sollten als Referenzinstrumente angesehen werden. Sie müssen jedem Kontext angepasst werden und auf die nationalen Bildungssysteme in Übereinstimmung mit der nationalen Umsetzungsstrategie dieses Aktionsplans übertragen werden.

A. Politische Maßnahmen

2. Bildungspolitiken sollten klare und kohärente Aussagen über die Verpflichtungen sein. Sie werden auf der zuständigen Regierungsebene erstellt, vor allem auf nationaler Ebene, aber auch auf regionaler Ebene und Gemeindeebene und in Zusammenarbeit mit allen Beteiligten, sie enthalten Grundsätze, Definitionen und Zielsetzungen und dienen als normative Referenz für das gesamte Bildungssystem und für alle Akteure im Bildungsbereich.

3. Menschenrechtsbildung, die einen den auf Rechten aufbauenden Ansatz zur Bildung fördert, muss explizit in die Zielsetzungen der bildungspolitischen Entwicklung und Reform, ebenso wie in Qualitätsstandards der Bildung, aufgenommen werden.

4. Der auf Rechten aufbauende Ansatz setzt voraus, dass sich das Schulsystem der Menschenrechte und Grundfreiheiten bewusst wird. Die Menschenrechte finden Eingang in das gesamte Bildungssystem und werden in ihm sowie in allen Lernumfeldern umgesetzt. Die Menschenrechte werden sowohl als Bildungsziel als auch als Qualitätskriterium der Bildung in Schlüsseltexte aufgenommen, wie beispielsweise in die Verfassung, bildungspolitische Rahmenwerke, Bildungsgesetze und nationalen Curricula und Programme.

5. Deshalb entsprechen die nachstehenden Maßnahmen den wichtigsten Aspekten der Entwicklung einer Politik für die Menschenrechtsbildung im Schulsystem:

(a) Übernahme eines partizipativen Ansatzes zur Politikentwicklung durch Einbeziehung von Nicht-Regierungsorganisationen (NROs), Lehrerverbänden und Gewerkschaften, Berufsverbänden und Forschungsinstituten, Organisationen der Zivilgesellschaft und anderen an der Erarbeitung von Bildungspolitik Beteiligten;

(b) Erfüllung internationaler Verpflichtungen zur Menschenrechtsbildung:1

(i) Förderung der Ratifizierung internationaler Instrumente über das Recht auf Bildung;

(ii) Aufnahme von Informationen über die Menschenrechtsbildung in die nationalen Berichte an die relevanten internationalen Überwachungsmechanismen, dazu gehört auch der Ausschuss über die Rechte des Kindes und der Ausschuss der Vereinten Nationen über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte;

(iii) Zusammenarbeit mit NROs, anderen Bereichen der Zivilgesellschaft und Experten für Menschenrechtsbildung bei der Erstellung der o.g. nationalen Berichte;

(iv) Veröffentlichung und Einhaltung der Empfehlungen, die von den internationalen Überwachungsmechanismen abgegeben wurden;

(c) Erarbeitung von Gesetzen und Politiken für eine auf den Rechten aufbauende Bildung und für Menschenrechtsbildung:

(i)  Berücksichtigung der Menschenrechtsbildung in Bildungsgesetzen;

(ii) Abstimmung der gesamten Gesetzgebung mit den Grundsätzen der Menschenrechtsbildung und Aufdeckung mangelnder Übereinstimmung in der Gesetzgebung;

(iii) Verabschiedung spezifischer Gesetze über die Menschenrechtsbildung;

(iv) Sicherstellung, dass Politiken auf einschlägiger Forschung zur Menschenrechtsbildung aufbauen;

(v) Bereitstellung von Mitteln, die Schulen und Schulleitern Autonomie in der Entscheidungsfindung und Innovationen ermöglichen;

(vi) Sicherstellung, dass Politiken zur Berichterstattung über Bildungsleistungen (Rechenschaftspflicht) mit Menschenrechtsgrundsätzen übereinstimmen und Entwicklung spezifischer Politiken zur Überprüfung der Menschenrechtsbildung;

(vii) Aufstellung von Richtlinien für lokale Behörden über ihre Rollen und Zuständigkeiten bei der Umsetzung und Unterstützung der Menschenrechtsbildung;

(d) Sicherstellung der Kohärenz in der Entwicklung von Politiken:

(i) Aufnahme der Menschenrechtsbildung in nationale sektorale Pläne für Primar- und Sekundarschulbildung; in nationale Pläne für Bildung für Alle (EFA) und in nationale politische Rahmenwerke als Teil der Dekade über Bildung für nachhaltige Entwicklung (2005 – 2014);

(ii) Aufnahme der Menschenrechtsbildung in nationale Pläne über Menschenrechte, in nationale Aktionspläne gegen Rassismus, Rassendiskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und ähnliche Intoleranz und in nationale Strategien zur Verringerung von Armut;

(iii) Sicherstellung von Kohärenz, von Verbindungen und Synergien zwischen den verschiedenen Plänen und ihren jeweiligen Abschnitten zur Menschenrechtsbildung;

(iv) Verknüpfung der Politiken zur Menschenrechtsbildung mit anderen sektoralen politischen Maßnahmen (z.B. im Rechts-, Sozial-, Jugend- und Gesundheitsbereich);

(e) Aufnahme der Menschenrechtsbildung in das Curriculum:

(i) Es sollte sichergestellt werden, dass die Politiken auf einschlägiger Forschung zur Menschenrechtsbildung aufbauen;

(ii) In nationalen Curricula und Bildungsstandards sollten die Wertvorstellungen, Kenntnisse und Verhaltensweisen, die sich aus den Menschenrechten ergeben, ebenso als Basisqualifikationen angesehen werden wie Lese-, Schreib- und Rechenfähigkeiten;

(iii) Es sollte ein nationales Curriculum für Menschenrechtsbildung erarbeitet werden, das Konzepte und Aufgaben, Lehr- und Lernziele sowie Unterrichtsansätze beinhaltet;

(iv) Die Stellung der Menschenrechtsbildung im Curriculum sollte abhängig von der Schulstufe und ggf. im Hinblick darauf definiert werden, ob sie optional, fachbezogen und/oder interdisziplinär vermittelt wird, (dadurch würden die Menschenrechte in alle Fächer des Curriculums integriert);

(v) Das Lehren und Lernen der Menschenrechte sollte zu einem eigenständigen und expliziten Unterrichtsbestandteil, insbesondere der politischen Bildung, der Sozialkunde und der Geschichte, werden;

(vi) Das Lehren und Lernen der Menschenrechte sollte zu einem eigenständigen und expliziten Element des Schulcurriculums werden (Lehr- und Lernprogramme, die von den Schulen selbst festgelegt werden);

(vii) Die Menschenrechtsbildung sollte in die berufliche Bildung und Ausbildung integriert werden;

(viii) Es sollten Richtlinien zur Überarbeitung von Schulbüchern angenommen werden, damit diese mit Menschenrechtsgrundsätzen übereinstimmen und zur Entwicklung von speziellen Schulbüchern für Menschenrechtsbildung führen;

(ix) In der Schulverwaltung sollte eine Vorgehensweise gefördert werden, die beim Schulmanagement, disziplinarischen Verfahren, Integrationspolitiken und anderen Regelungen und Praktiken, die die Schulkultur und den Zugang zur Bildung betreffen, auf den Menschenrechten aufbaut;

(x) Es sollten geeignete Verfahren zur Bewertung von Schülerleistungen im Hinblick auf Wertvorstellungen, Kenntnisse und Verhaltensweisen auf der Grundlage der Menschenrechte entwickelt werden;

(f) Es sollte eine umfassende Ausbildungspolitik über Menschenrechtsbildung entwickelt werden, die Folgendes beinhaltet:

(i)  Die Ausbildung von Ausbildern, die Ausbildung von Schulleitern, die Grundausbildung und Weiterbildung von Lehrern und die Ausbildung von anderem Bildungspersonal;

(ii) Informationen über die Rechte, Aufgaben und Mitwirkung von Schülern und Lehrern in allen Politiken und Programmen zur Grundausbildung und Weiterbildung für Lehrer;

(iii) Anerkennung, Akkreditierung und Unterstützung von NROs und anderen Sektoren der Zivilgesellschaft, die Ausbildungsaktivitäten in Menschenrechtsbildung anbieten;

(iv) Berücksichtigung der Menschenrechtsbildung als Kriterium zur Qualifikation, Akkreditierung und Karriereentwicklung des Bildungspersonals und Akkreditierung der Ausbildungsaktivitäten von NROs.

B. Planung der Umsetzung der Politik

6. Eine effektive Entwicklung und Reform der Bildungspolitik erfordert explizite politische Aussagen und eine kohärente Umsetzungsstrategie, in der die Maßnahmen, Mechanismen, Zuständigkeiten und Ressourcen genau festgehalten werden. Eine derartige Umsetzungsstrategie soll die Kohärenz, Überprüfbarkeit und Rechenschaftsfähigkeit der Politiken sicherstellen. Sie trägt dazu bei, die Kluft zwischen Politik und Praxis, zwischen Rhetorik und Realität zu schließen und verhindert Situationen, in denen diese Maßnahmen, wenn sie überhaupt existieren, ungeordnet oder unkonsistent, zu selten oder nur auf freiwilliger Basis erfolgen.

7. Die Menschenrechtsbildung erfordert Veränderungen im gesamten Bildungssystem. Aber für Wandel im Bildungsbereich  sind mehr als nur politische Erklärungen und Verpflichtungen erforderlich. Die Planung der politischen Umsetzung ist ein Schlüsselelement für eine effektive Menschenrechtsbildung.

8. Die Umsetzung von Politiken zur Menschenrechtsbildung muss übereinstimmen mit aktuellen Trends im Bildungsmanagement im Hinblick auf eine Aufteilung der Zuständigkeiten, demokratisches Management, Schulautonomie und die Aufteilung von Rechten und Pflichten im Bildungssystem. Die Zuständigkeit für das Bildungssystem kann oder sollte angesichts der unterschiedlichen Beteiligten nicht nur beim Bildungsministerium liegen: beispielsweise lokale Behörden und Schulbezirk, Schulleiter, Lehrer und anderes Bildungspersonal, ihre Organisationen und Gewerkschaften, Schüler und Eltern, Forschungs- und Ausbildungseinrichtungen, NROs, andere Sektoren der Zivilgesellschaft und der Gesellschaft

9. Die Tatsache, dass sowohl nationale Behörden als auch die lokale/schulische Ebene für Bildungsmanagement, Verbesserung und Innovation zuständig sind, bringt spezifische Aufgaben für jede Ebene mit sich: es ist Aufgabe der zentralen Behörden, gemeinsame politische Rahmenwerke zu entwickeln sowie Umsetzungs- und Überprüfungsmechanismen. Die Rolle der lokalen/schulischen Ebene ist es, Wege zu finden, um die lokale Vielfalt und die verschiedenen Bedürfnisse zu berücksichtigen, zu erfüllen und spezifische Schulprofile zu entwickeln, dazu gehören auch die Menschenrechte. Darüber hinaus muss sichergestellt werden, dass sich die Lehrer und anderes Bildungspersonal, die Eltern und Schüler die Bildungsziele und die Einführung von neuen Lehr- und Lernmethoden zu eigen machen.

10. In diesem Zusammenhang können die nachstehenden Aspekte für die Organisation der politischen Umsetzung und für wichtige Umsetzungsmaßnahmen durch nationale Behörden hilfreich sein:

(a) Organisation der politischen Umsetzung:

(i) Erarbeitung einer nationalen Umsetzungsstrategie für die Menschenrechtsbildung hinsichtlich der verschiedenen Maßnahmen, der Aufteilung der Aufgaben und Zuständigkeiten zwischen den betroffenen Bildungsinstitutionen, der Kommunikations- und Kooperationsverfahren zwischen diesen Institutionen, der Fristen für die politische Umsetzung mit genau festgelegten Meilensteinen (siehe hierzu auch Stufe 2 der nationalen Umsetzungsstrategie dieses Aktionsplans);

(ii) Benennung oder Stärkung einer Abteilung/Einheit im Bildungsministerium, die für die Koordinierung der nationalen Umsetzungsstrategie zuständig ist;

(iii) Sicherstellung der Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Sektoren und Abteilungen, die mit den Menschenrechten und der Menschenrechtsbildung befasst sind, dazu gehören insbesondere diejenigen, die sich mit sozialen und rechtlichen Fragen, Jugend, Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern etc. befassen;

(iv) Erleichterung der Aufstellung einer Koalition für Menschenrechtsbildung, an der sich alle relevanten Akteure aus diesem Bereich beteiligen, um eine kohärente Umsetzung sicherzustellen;

(b) Maßnahmen zur Umsetzung der Politik:

(i) Zuweisung ausreichender (finanzieller, humaner, zeitlicher) Ressourcen für Menschenrechtsbildung;

(ii) Erarbeitung geeigneter Mechanismen, damit die Beteiligten voll und effektiv in die Entwicklung und Umsetzung der Politik eingebunden werden können;

(iii) Veröffentlichung und Verbreitung der o.g. nationalen Umsetzungsstrategien und Sicherstellung, dass sie von den relevanten Akteuren, Nutznießern und dem breiten Publikum erörtert und befürwortet wird;

(iv) Organisation der Kommunikation und Kooperation zwischen denjenigen, die politisch für die verschiedenen Pläne zuständig sind, die in Abschnitt A, Para. 5 (d), oben vorgestellt werden;

(v) Untersuchung der Möglichkeit, das Konzept der Menschenrechtsbildung in einer Reihe von ausgewählten Schulen in Pilotversuchen zu erproben, bevor es auf das gesamte Bildungssystem übertragen wird;

(vi) Auswahl und Unterstützung eines Dokumentationszentrums für die Sammlung und Verbreitung von Initiativen und Informationen (good practice aus verschiedenen Kontexten und Ländern, Bildungsmaterialien, Veranstaltungen) über Menschenrechtsbildung auf nationaler Ebene;

(vii) Unterstützung und Förderung von Forschung, beispielsweise hinsichtlich der Kenntnisse über Menschenrechte und der Ausübung von Menschenrechtsbildung in Schulen, der Lernergebnisse von Schülern und die Auswirkungen der Menschenrechtsbildung;

(viii) Unterstützung von Untersuchungen über Menschenrechtsbildung in Hochschuleinrichtungen, die sich speziell mit den Menschenrechten befassen sowie durch Zusammenarbeit zwischen Schulen, Forschungsinstituten und Universitäten;

(ix) Mitwirkung an internationalen Umfragen und Vergleichsstudien;

(x) Schaffung eines Qualitätssicherungssystems, das auf den Rechten aufbaut (dazu gehört die Selbstevaluation von Schulen und Entwicklungsplanung, Schulinspektion etc.) für die Bildung im allgemeinen und Entwicklung von spezifischen Mechanismen zur Qualitätssicherung in der Menschenrechtsbildung;

(xi) Direkte Einbindung von Lernenden und Pädagogen in den Prozess der Überprüfung und Evaluation, um die Selbstbestimmung und Eigenverantwortlichkeit zu steigern.

C. Das Lernumfeld2

11. Menschenrechtsbildung geht über das kognitive Lernen hinaus und trägt zur sozialen und emotionalen Entwicklung aller am Lern- und Unterrichtsprozess Beteiligten bei. Sie will eine Kultur der Menschenrechte fördern, in der die Menschenrechte innerhalb der Schulgemeinschaft und durch die Interaktion mit der sie umgebenden Gemeinschaft ausgeübt und gelebt werden.

12. Hierzu muss sichergestellt werden, dass Lehren und Lernen der Menschenrechte in einem Lernumfeld stattfinden, das auf Menschenrechten aufbaut. Es muss sichergestellt werden, dass Bildungsziele, -praktiken und Organisation der Schulen mit den Werten und Grundsätzen der Menschenrechte übereinstimmen. Ebenso wichtig ist es, dass die Kultur und die Gemeinschaft in der Schule und auch außerhalb von ihr diese Grundsätze verinnerlicht.

13. Eine Schule, die auf Rechten aufbaut, zeichnet sich durch gegenseitiges Verständnis, Achtung und Verantwortungsgefühl aus. Sie fördert gleichermaßen Chancengleichheit, ein Zugehörigkeitsgefühl, Autonomie, Würde und Selbstachtung unter allen Mitgliedern der Schulgemeinschaft. In dieser Schule steht das Kind im Mittelpunkt und die Menschenrechte gelten für alle explizit und eindeutig als Lernziele und als Schulphilosophie/Ethos.

14. Alle Mitglieder der Schulgemeinschaft sind dafür verantwortlich, dass die Schule auf diesen Rechten aufbaut; die Hauptverantwortung hierfür die günstigsten und besten Bedingungen zu schaffen, liegt bei der Schulleitung.

15. Eine Schule, in der die Menschenrechte an erster Stelle stehen, wird das Vorhandensein und die Effektivität folgender Elemente sicherstellen:

(a) Die politischen Stellungnahmen und Bestimmungen zur Umsetzung der Menschenrechte in der Schule müssen eindeutig und ein gemeinsames Anliegen sein und Folgendes beinhalten:

(i) Eine Charta über die Rechte und Pflichten von Schülern und Lehrern, die auf einer eindeutigen Aufteilung der Rollen und Aufgaben aufbaut;

(ii) Einen Verhaltenskodex für eine Schule, die frei ist von Gewalt, sexuellem Missbrauch, Schikane und körperlichen Bestrafungen; er sollte Verfahren zur Konfliktlösung und zur Bewältigung von Gewalt und Mobbing vorsehen;

(iii) Maßnahmen zur Nicht-Diskriminierung, die alle Mitglieder der Schulgemeinschaft schützen, dies betrifft auch Zulassungen, Stipendien, Versetzungen, Förderung, Sonderprogramme, Auswahlkriterien und Möglichkeiten;

(iv) Die Anerkennung und Würdigung von besonderen Leistungen im Bereich der Menschenrechte durch Festveranstaltungen, Belohnungen und Preise;

(b) Die Lehrer in einer Schule, die die Menschenrechte in den Mittelpunkt stellt, gehen von Folgendem aus:

(i) Dass die Schulleitung ihnen ein klares Mandat zur Menschenrechtsbildung erteilt;

(ii) Dass sie in ihrer Ausbildung und im Laufe ihrer Berufslaufbahn eine fortlaufende berufliche Weiterbildung in Menschenrechtsbildungsinhalten und –methodik erhalten;

(iii) Dass ihnen Möglichkeiten zur Entwicklung und Umsetzung neuer und innovativer good practice in Menschenrechtsbildung zur Verfügung stehen;

(iv) Dass sie sich auf Mechanismen zur gemeinsamen Nutzung von good practice stützen können, dazu gehört auch die Vernetzung von Menschenrechtserziehern auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene;

(v) Dass die Politiken zur Einstellung, zum Verbleib und zur Beförderung von Lehrern die Menschenrechtsgrundsätze wiederspiegeln;

(c) Schüler in einer derartigen Schule sollten über Folgendes verfügen können:

(i) Möglichkeiten, sich selbst zu äußern, Verantwortung zu tragen und an Entscheidungsprozessen abhängig vom Alter und den jeweiligen Fähigkeiten mitzuwirken;

(ii) Möglichkeiten, eigene Aktivitäten zu organisieren und ihre Interessen auszudrücken, zu verhandeln und zu vertreten;

(d) Es wird Interaktion zwischen Schule, lokaler Regierung und der breiten Öffentlichkeit mit folgendem Ziel stattfinden:

(i) Sensibilisierung von Eltern und Familien für die Rechte der Kinder und die Grundsätze der Menschenrechtsbildung;

(ii) Einbeziehung der Eltern in Initiativen und Projekte zur Menschenrechtsbildung;

(iii) Mitwirkung der Eltern an schulischen Entscheidungen über die Elternvertretungen;

(iv) Durchführung von außerschulischen Schülerprojekten und Diensten für die Gemeinschaft, insbesondere zu Menschenrechtsproblemen;

(v) Zusammenarbeit mit Jugendgruppen, der bürgerlichen Gesellschaft und der lokalen Regierung zur Sensibilisierung und zur Unterstützung von Schülern;

(vi) Förderung des internationalen Austauschs.

D. Lehren und Lernen

16. Im Schulsystem sind Lehren und Lernen die wichtigsten Prozesse der Menschenrechtsbildung.

17. Die rechtliche und politische Grundlage dafür, was diese Prozesse mit sich bringen und wie sie in der Primar- und Sekundarschulbildung organisiert werden sollten, muss von den Menschenrechtspolitiken und durch die Aus- und Weiterbildung von Lehrern und anderen Pädagogen geschaffen werden.

18. Die Einführung oder Verbesserung der Menschenrechtsbildung in Schulen erfordert einen holistischen Ansatz zum Lehren und Lernen, d. h. Programmziele und –inhalte, Ressourcen, Methoden, die Beurteilung und Bewertung von Programmen müssen integriert werden; der Blick muss über das Klassenzimmer hinaus gehen und es müssen Partnerschaften zwischen verschiedenen Mitgliedern der Schulgemeinschaft hergestellt werden.

19. Die nachstehend aufgeführten Aspekte sind für eine qualitativ hochwertige Menschenrechtsbildung notwendig. Sie sind für politische Entscheidungsträger auf nationaler und schulischer Ebene, Lehrer und anderes Bildungspersonal wichtig:

(a) Inhalte und Ziele des Unterrichts:

(i) Definition der grundlegenden Fähigkeiten und Kompetenzen, die erworben werden müssen;

(ii) Aufnahme der Menschenrechtsbildung in alle Bereiche des Curriculums bereits im Primarbereich;

(iii) Anpassung der Lerninhalte und der -ziele der Menschenrechtsbildung an das Alter und die sich entwickelnden Fähigkeiten der Schüler;

(iv) Gleichwertigkeit von kognitiven Lernergebnissen (Kenntnisse und Fähigkeiten) und sozial/affektiven Lernergebnissen (Wertvorstellungen, Einstellungen, Verhaltensweisen);

(v) Verbindung des Lehrens und Lernens der Menschenrechte mit dem Alltagsleben und den Anliegen der Schüler;

(b) Im Hinblick auf Lehr- und Lernpraktiken und –methoden:

(i) Übernahme eines Unterrichtsstils, der die Menschenrechte, die Würde jedes Schülers und den Grundsatz der Chancengleichheit achtet;

(ii) Schaffung eines kinderfreundlichen, von Vertrauen, Sicherheit und Demokratie geprägten Klimas im Klassenzimmer und in der Schulgemeinschaft;

(iii) Übernahme von schülerzentrierten Methoden und Verfahren, die die Schüler selbständig machen und ihre aktive Mitwirkung fördern, das kooperative Lernen und ein Gefühl von Solidarität, Kreativität und Selbstachtung;

(iv) Übernahme von Methoden, die das Entwicklungsniveau, die Fähigkeiten und Lernstile der Schüler berücksichtigen;

(v) Übernahme von erprobten Lernmethoden, durch die die Schüler die praktische Umsetzung der Menschenrechte erlernen können;

(vi) Annahme von experimentellen Lernmethoden, bei denen  der Lehrer als Helfer, Führer und Berater auftritt;

(vii) Zugang zu beispielhaften Praktiken aus relevanten nicht-formalen und informellen Lernaktivitäten, Ressourcen und Methoden, die bei NROs und in der Gemeinschaft vorhanden sind;

(c) Im Hinblick auf Lehr- und Lernmaterialien:

(i) Es muss sichergestellt werden, dass die Materialien zur Menschenrechtsbildung auf den Grundsätzen der Menschenrechte aufbauen, sowie sie in den jeweiligen kulturellen Kontexten und in der historischen und sozialen Entwicklung verankert sind;

(ii) Förderung der Sammlung, des Austauschs, der Übersetzung und Anpassung von Materialien zur Menschenrechtsbildung;

(iii) Überprüfung und Überarbeitung von Schulbüchern und anderen Bildungsmaterialien des gesamten Curriculums, damit diese mit den Menschenrechtsgrundsätzen übereinstimmen;

(iv) Unterstützung der Entwicklung von unterschiedlichen Bildungsmaterialien und Ressourcen, die mit den Menschenrechtsgrundsätzen übereinstimmen, wie Lehrerhandbücher, Leitfäden, Schulbücher, Comicstrips und ebenso audiovisuelle und kreative Materialien, die die aktive Mitwirkung am o.g. Lehren und Lernen fördern;

(v) Verbreitung von Materialien zur Menschenrechtsbildung in ausreichender Menge und in den entsprechenden Sprachen (in mehrsprachigen Ländern sollte sich dies an der sprachlichen Vielfalt in Schulen ausrichten, so dass die Materialien in Sprachen erstellt werden, die allgemein verstanden werden) und Ausbildung des relevanten Personals in ihrer Anwendung;

(vi) Es sollte sichergestellt werden, dass diese Ressourcen mit den Menschenrechtsgrundsätzen übereinstimmen und dass die beschriebenen Situationen sich auf das wirkliche Leben beziehen, deshalb sollten sie vor der Veröffentlichung von einem spezialisierten nationalen Team überprüft werden;

(vii) Erleichterung der Veröffentlichung, der weit gestreuten Verbreitung und des allgemeinen Zugangs zu einer Vielzahl von Bildungsressourcen, insbesondere zu denjenigen, die von NROs erstellt wurden;

(d) Unterstützung des Lehrens und Lernens:

(i) Sammlung und Verbreitung von Beispielen für good practice in Lehre und Lernen über Menschenrechte;

(ii) Einrichtung von leicht zugänglichen Dokumentationszentren, dazu gehören Büchereien und Datenbanken über das Lehren und Lernen von Menschenrechten;

(iii) Erleichterung der Vernetzung und des Austausches von Menschenrechtsbildungspraktiken unter Pädagogen und unter Schülern;

(iv) Förderung von Forschung zu Lehre und Lernen der Menschenrechte;

(e) Einsatz neuer Informationstechnologien:

(i) Erstellung oder Gestaltung von Webseiten über Menschenrechtsbildung;

(ii) Entwicklung von Fernunterrichtsprogrammen, zu denen die Schulen Zugang haben;

(iii) Ausbildung von Schülern und Lehrern in der Anwendung der Informationstechnologien für Menschenrechtsbildung;

(iv) Unterstützung der Einrichtung von online Diskussionsgruppen über Themen aus dem Bereich der Menschenrechte mit Schülern und Lehrern in anderen Schulen auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene;

(f) Analyse und Evaluation:

(i) Entwicklung von Indikatoren, Ermittlung adäquater Methoden und Gestaltung geeigneter Instrumente zur Überprüfung, Evaluation und Analyse der Prozesse, Ergebnisse und des Nutzens der Menschenrechtsbildung;

(ii) Anwendung von Analyse- und Evaluationsmethoden, die für die Menschenrechtsbildung geeignet sind, wie beispielsweise Beobachtung und Erstellung von Berichten durch Lehrer und Mitschüler; Berichte über die Erfahrungen, die persönliche Arbeit und die von den Schülern erworbenen Fähigkeiten und Kompetenzen (Schülerportfolio) und Selbstbeurteilung durch die Schüler;

(iii) Anwendung von Menschenrechtsprinzipien zur Evaluation und Bewertung der Schülerleistungen in allen Curriculumfächern, wie beispielsweise Transparenz (Erläuterung der Kriterien und Gründe für eine Benotung; Information von Schüler und Eltern), Gleichheit (Anwendung der gleichen Kriterien auf alle Schüler und durch alle Lehrer), Fairness (keine Bestrafung durch Bewertung).

E. Grundausbildung und berufliche Entwicklung von Lehrern und anderem pädagogischen Personal

20. Die Einführung der Menschenrechtsbildung in der Primar- und Sekundarschulbildung setzt voraus, dass die Schulen zu einem Modell für das Erlernen und Umsetzen der Menschenrechte werden. In der Schulgemeinschaft spielen Lehrer als Hauptverantwortliche für das Curriculum eine Schlüsselrolle zur Verwirklichung dieses Zieles.

21. Damit die Lehrer diese wichtige Aufgabe effektiv erfüllen können, muss eine Reihe von Faktoren berücksichtigt werden. Erstens haben Lehrer selber Rechte. Damit sie selbst die Menschenrechte fördern können, muss ihr beruflicher Status anerkannt und geachtet und ihre positive Selbsteinschätzung verstärkt werden. Das Schulmanagement und die Schulleitung einerseits und die bildungspolitischen Entscheidungsträger andererseits müssen sie unterstützen und sie mit Mitteln ausstatten, um innovative Unterrichts- und Lernpraktiken einzuführen. Entsprechende Bildungs- und berufliche Entwicklungsmöglichkeiten von Lehrern und anderem Bildungspersonal müssen sichergestellt werden.

22. In der Schulgemeinschaft sollten Möglichkeiten zur Sensibilisierung für die Menschenrechte und für eine Ausbildung in Menschenrechtsbildung nicht nur für Lehrer bestehen, sondern auch für Schulleiter und Mitglieder der Schulverwaltung, für Schulinspektoren, das Verwaltungspersonal in Schulen, Bildungsvertreter aus dem öffentlichen Bereich und Planer in lokalen und nationalen Behörden sowie Eltern.

23. Angesichts der komplexen Ausbildungssysteme und der unterschiedlichen Umfelder sind zahlreiche unterschiedliche Akteure für die Gestaltung und Organisation der Grundausbildung und Weiterbildung zuständig: das Bildungsministerium, die Universitäten über ihre erziehungswissenschaftlichen Fakultäten und andere Fachbereiche, dazu zählen auch die Menschenrechtsinstitute und die UNESCO-Lehrstühle für Menschenrechtsbildung, Lehrerbildungseinrichtungen, Gewerkschaften und Berufsverbände von Lehrern und anderem Personal, nationale Menschenrechtsinstitutionen, NROs und internationale und regionale zwischenstaatliche Organisationen.

24. Die Politik und die rechtlichen Grundsätze bilden den Rahmen zur Umsetzung der Ausbildungsaktivitäten und damit sie eine Menschenrechtskultur widerspiegeln und fördern, müssen Ausbildungscurriculum, Lehr- und Lerninhalte und -praxis sowie Bildungspolitiken kohärent sein.

25. Da die Lehrer als Rollenmodell dienen, setzt die effektive Menschenrechtsbildung voraus, dass sie entsprechende Wertvorstellungen, Kenntnisse, Fähigkeiten, Einstellungen und Praktiken beherrschen und vermitteln. Ihre Aus- und Weiterbildung muss ihre Kenntnisse über Menschenrechte und ihr Engagement und Motivation, sie zu verteidigen, stärken. Ebenso müssen Menschenrechtsgrundsätze die wichtigsten Kriterien für die Berufsausübung und das Verhalten von anderem Bildungspersonal sein.

26. Die Grundausbildung und Weiterbildung von Lehrern und anderem Personal muss auf die jeweilige Situation und Zielgruppe zugeschnitten sein. Dazu gehört die Mobilisierung und Sensibilisierung von Lehrern und anderem Bildungspersonal durch ihre Ausbilder, die Ausbildung der Ausbilder, die Grundausbildung der Lehrer, die berufsbegleitende Weiterbildung, die Ausbildung spezialisierter Lehrer in Menschenrechtsbildung und die Einführung von Menschenrechtsgrundsätzen in das Ausbildungscurriculum aller Lehrer für den Primar- und Sekundarschulbereich.

27. Die Politiken und Praktiken zur Aus- und Weiterbildung von Lehrern und anderem Personal sollten sich auf folgende Elemente und Konzepte stützen:

(a) Entwicklung von Ausbildungscurricula über Menschenrechtsbildung, dazu gehören die folgenden Elemente:

(i) Kenntnisse über Menschenrechte, ihre Universalität, Unteilbarkeit und Interdependenz und über ihre Schutzmechanismen;

(ii) Bildungstheorien, auf denen die Menschenrechtsbildung aufbaut, dazu gehören auch Verbindungen zwischen formaler, nicht-formaler und informeller Bildung3;

(iii) Verbindungen zwischen Menschenrechtsbildung und anderen ähnlichen Bildungsarten (beispielsweise Bildung für nachhaltige Entwicklung, Friedenserziehung, globale Bildung, multikulturelle Bildung, politische Bildung und Werterziehung);

(iv) Die Lernziele der Menschenrechtsbildung, insbesondere Fähigkeiten und Kompetenzen in diesem Bereich;

(v) Lehr- und Lernmethoden für Menschenrechtsbildung und die Rolle der Lehrer in der Menschenrechtsbildung;

(vi) Soziale Fähigkeiten und Führungsstile von Lehrern und anderem Bildungspersonal, die auf der Achtung der Demokratie und der Menschenrechte aufbauen;

(vii) Die Rechte und Pflichten von Lehrern und Schülern und ihre Beteiligung  am Schulleben; Ermittlung und Behandlung von Verstößen gegen die Menschenrechte in Schulen;

(viii) Die Schule als Gemeinschaft, die auf den Menschenrechten aufbaut;

(ix) Beziehungen in der Klasse und zwischen der Klasse, der Schule und der umfassenderen Gemeinschaft;

(x) Methoden der Zusammenarbeit und des Teamworks im Klassenzimmer und in der Schule;

(xi) Evaluation und Beurteilung der Menschenrechtsbildung;

(xii) Information über vorhandene Bildungsmaterialien für Menschenrechtsbildung und die Fähigkeit, sie zu beurteilen, unter ihnen auszuwählen und neue Materialien zu entwickeln;

(xiii) Selbstevaluation der Schule und Entwicklungsplanung auf der Grundlage von Grundsätzen der Menschenrechte;

(b) Entwicklung und Einsatz geeigneter Ausbildungsmethoden:

(i) Geeignete Ausbildungsmethoden für den erwachsenen Lernenden, insbesondere lernerzentrierte Ansätze und Motivation, Selbstachtung und emotionale Entwicklung, die zur Sensibilisierung für Wertvorstellungen und Verhaltensweisen führen;4

(ii) Geeignete Methoden zur Ausbildung in Menschenrechtsbildung, wie beispielsweise partizipative, interaktive, kooperative und erfahrungs- und praxisgestützte Methoden; Verbindung von Theorie und Praxis, Erprobung erlernter Techniken in der Arbeitssituation, insbesondere im Klassenzimmer;

(c) Entwicklung und Verbreitung von geeigneten Ausbildungsressourcen und Materialien:

(i) Sammlung, Verbreitung und Austausch von good practice in der Ausbildung in Menschenrechtsbildung;

(ii) Bestandsaufnahme und Verbreitung von Ausbildungsmethoden, die von nicht-staatlichen Organisationen und anderen Bereichen der Gesellschaft entwickelt wurden;

(iii) Entwicklung von Materialien im Rahmen von berufsbegleitenden Ausbildungsaktivitäten;

(iv) Entwicklung von Materialien und Ressourcen im Internet;

(d) Vernetzung und Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Bildungs- und Ausbildungsanbietern;

(e) Förderung und Mitwirkung an internationalen Bildungs- und Ausbildungsaktivitäten und Austauschaktionen;

(f) Evaluation von Ausbildungsaktivitäten unter Einbeziehung der Selbstevaluation und der Auffassungen der Ausgebildeten über die Relevanz, Nützlichkeit und Auswirkungen der Ausbildungsaktivitäten.

Fußnoten des Anhangs:

[1] Wie sich aus dem Internationalen Übereinkommen über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte, dem Übereinkommen über die Rechte des Kindes, dem Übereinkommen über die Beseitigung aller Form der Diskriminierung gegen Frauen, dem Internationalen Übereinkommen über die Beseitigung jeder Form von Rassendiskriminierung und dem Übereinkommen gegen Diskriminierung in der Bildung ergeben.

[2] In diesem Abschnitt wird der Begriff "Lernumfeld" verwendet, um vor allem Themenkreise anzusprechen, die sich mit Schulmanagement befassen. Er bezieht sich nicht auf andere Aspekte des Lernumfeldes, wie Schulausstattung, sanitäre Anlagen, Gesundheit, Trinkwasser, Ernährung im schulischen Bereich, etc.

[3] Im Allgemeinen bezieht sich "formale Bildung" auf Schulen, berufliche Bildung und Hochschulbildung; "nicht-formale Bildung" bezieht sich auf Erwachsenenbildung und Formen der Bildung, die die vorgenannte ergänzen, wie beispielsweise Gemeinschaftsdienste und extracurriculare Aktivitäten, "informelle Bildung" bezieht sich auf Aktivitäten, die außerhalb des Bildungssystems entwickelt werden, wie beispielsweise diejenigen die von NROs durchgeführt werden.

[4] Siehe die OHCHR-Veröffentlichung Menschenrechtsbildung über grundlegende methodische Grundsätze für die Ausbildung von Erwachsenen.
 

Einleitende Note des Generalsekretärs der Vereinten Nationen zu diesem Dokument
Der Generalsekretär beehrt sich, der Generalversammlung den überarbeiteten Entwurf des Aktionsplans für die erste Stufe (2005 – 2007) des Weltprogramms für Menschenrechtsbildung vorzulegen, die von der Generalversammlung am 10. Dezember 2004 ausgerufen wurde. Der überarbeitete Aktionsplan wird im Anhang des vorliegenden Dokuments vorgestellt und enthält die von den einzelnen Staaten in Übereinstimmung mit Resolution 59/113 der Generalversammlung übermittelten Kommentare.
Der Vorentwurf des Aktionsplans wurde in Übereinstimmung mit Resolution 2004/71 der Menschenrechtskommission, die von dem Wirtschafts- und Sozialrat in seinem Beschluss 2004/268 bekräftigt wurde, der Generalversammlung auf ihrer 59. Sitzung zur Beratung vorgelegt.
Mit ihrer Resolution 59/113 rief die Generalversammlung das Weltprogramm für Menschenrechtsbildung aus und nahm den Entwurf des Aktionsplans für seine erste Stufe (2205 – 2007) zur Kenntnis, der sich auf den Primar- und Sekundarschulbereich bezieht und forderte die Staaten auf, hierzu dem Büro des Hochkommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte (OHCHR) Stellungnahmen zu übermitteln, damit dieser Entwurf so schnell wie möglich angenommen werden kann. Am 21. Dezember 2004 übermittelte das OHCHR allen Regierungen eine Verbalnote und erbat Stellungnahmen zum Entwurf des Aktionsplans bis zum 31. Januar 2005.
In Abstimmung mit der UNESCO hat das OHCHR den Aktionsplan unter Berücksichtigung der bis 11. Februar 2005 eingegangenen Kommentare aus Australien, Aserbaidschan, Deutschland, Griechenland, Japan, Österreich, Schweden und Türkei überarbeitet.


Übersetzt im Sekretariat der Kultusministerkonferenz (I. Veiders)

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