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Juni 2011

25 neue Welterbestätten

Ergebnisse der 35. Tagung des UNESCO-Welterbekomitees in Paris

Von Kurt Schlünkes und Frauke Schröder

Das Welterbekomitee der UNESCO hat auf seiner 35. Tagung vom 19. bis 29. Juni 2011 in Paris 25 Stätten neu in die Liste des Welterbes aufgenommen. Davon zählen 21 zum Kulturerbe und drei zum Naturerbe. Eine Stätte gehört sowohl zum Kultur- als auch zum Naturerbe. Erstmals sind Barbados und die Vereinigten Arabischen Emirate in der Welterbeliste vertreten. Die Liste verzeichnet jetzt insgesamt 936 Stätten in 153 Ländern.

Wakas in der Kulturlandschaft der Konso
© UNESCO

Kulturerbestätten

Äthiopien: Die Kulturlandschaft der Konso zeugt von einer 500-jährigen Geschichte. Das 55 Quadratkilometer große Gebiet liegt am äthiopischen Arm des Großen Afrikanischen Grabenbruchs im Südwesten Äthiopiens und ist die Heimat des Volks der Konso. Es umfasst eine Terrassenlandschaft, 21 Siedlungen, zahlreiche Heiligtümer und Schreine und drei heilige Wälder. Hier bauen die Konso Pflanzen für rituelle und medizinische Zwecke an. Im Hochland betreiben sie Landwirtschaft auf mehrstöckigen Terrassen, die durch ein durchdachtes Bewässerungssystem versorgt werden. Innerhalb der terrassierten Landschaft befinden sich die sogenannten "Paletas", mit hohen steinernen Befestigungswällen umgebene Siedlungen, bestehend aus strohgedeckten Wohnhäusern und Wirtschaftsgebäuden. Die "Moras" dienen als Gemeinschaftsräume für religiöse Zeremonien. Von der Verehrung der Toten zeugen "Wakas", hölzerne Statuen zum Gedenken an Verstorbene, die in den heiligen Wäldern errichtet werden. Die Kulturlandschaft der Konso ist ein außergewöhnliches Beispiel für die Interaktion zwischen Mensch und Natur.

Barbados ist mit Bridgetown und seiner Garnison erstmals in der Welterbeliste vertreten. Die Altstadt von Bridgetown ist ein herausragendes Beispiel für die britische Kolonialarchitektur. Die gut erhaltenen Bauwerke aus dem 17., 18. und 19. Jahrhundert im historischen Zentrum der Hauptstadt von Barbados veranschaulichen die Entwicklung der Architektur während der gesamten Zeitspanne der Kolonialherrschaft. Bridgetown wurde nach dem Vorbild mittelalterlicher britischer Handelsstädte angelegt. Der Hafen war über zweihundert Jahre lang ein wichtiger Umschlagplatz für die wertvolle Ware Zucker. Angebaut von Sklaven auf großen Plantagen, wurde er von hier in die ganze Welt verschifft. Etwa zwei Kilometer südlich der Stadt liegt die Garnison. Sie war Teil eines engmaschigen Netzes von Verteidigungsanlagen der Kolonialmacht.

Kulturlandschaft Westsee bei Hangzhou
© Yu Guangming/HAGCH

China: Die Kulturlandschaft Westsee bei Hangzhou ist ein klassisches Beispiel der chinesischen Gartenbaukunst. Die natürliche Seenlandschaft wurde schon seit dem 9. Jahrhundert unter verschiedenen Dynastien modifiziert und verschönert. Dämme und Inseln wurden geschaffen, die Landschaft wurde nach und nach mit Tempeln, Pagoden, Pavillons, Gärten und Zierbäumen gestaltet. Die Fusion von Natur und Kultur inspirierte Künstler und Gelehrte und hatte bedeutenden Einfluss auf die Entwicklung der Gartenbauarchitektur in ganz China und Japan.

Deutschland: Das Fagus-Werk in Alfeld gilt als Schlüsselwerk der Moderne. Im Auftrag des Fabrikanten Carl Benscheidt entwarf Walter Gropius im niedersächsischen Alfeld eine völlig neuartige Architektur. Seine Konstruktion mit stützenlosen, vollständig verglasten Ecken wurde zum Markenzeichen des Neuen Bauens. Das dreistöckige Fassadengebäude mit seiner schwerelosen Eleganz veranschaulicht die revolutionierenden Ideen des späteren Stararchitekten des Bauhauses. Das Gebäude wurde von Gropius und seinem Mitarbeiter Adolf Meyer in drei Bauabschnitten von 1911 bis 1925 errichtet, eine letzte Erweiterung wurde 1938 von Peter Neufert ausgeführt.

Pfahlbauten am Lac de Chalain im französischen Jura
© P. Pétrequin

Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich, Schweiz, Slowenien: Die Prähistorischen Pfahlbauten rund um die Alpen gewähren einzigartige Einblicke in die Welt der frühen Bauern, deren Alltagsleben, Landwirtschaft, Viehzucht und technische Innovationen. Einbäume, Räder und Wagen vermitteln wichtige Erkenntnisse zu Handel und Mobilität in Siedlergemeinschaften der Jungsteinzeit und der Metallzeiten. Zum Welterbe zählen auch 18 Pfahlbaustationen am Bodensee, in Oberschwaben, südlich von Augsburg und am Starnberger See. Zusammen mit 93 weiteren Pfahlbaufundstellen in den anderen fünf Alpenländern repräsentieren sie ein archäologisches Erbe, das bis 5000 v. Chr. zurückreicht. Zu den bedeutenden Funden aus Pfahlbaustationen gehören die ältesten Textilien sowie die ältesten Radfunde Europas aus der Zeit um 3000 v. Chr.

Frankreich: Causses und Cevennen. Die Cevennen sind eine waldreiche Bergkette aus Schiefer und Granit, die Causses eine karge Kalkstein-Hochebene. Trotz aller Gegensätze bilden die zwei Gebiete eine zusammenhängende Kulturlandschaft, in der seit Jahrtausenden Landwirtschaft und Viehzucht betrieben wird. Die Landschaft ist aus der Wechselwirkung zwischen der Natur und der Kultur der dort siedelnden und wirtschaftenden Menschen entstanden. Die Causses illustrieren die Entwicklung des Agropastoralismus, den die Mitglieder des Templerordens vom 12. bis 14. Jahrhundert und danach die Johanniter im großen Stil betrieben. Der Mont Lozère ist darüber hinaus eines der wenigen Gebiete Europas, in dem heute noch Fernweidewirtschaft betrieben wird.

Persische Gärten
© M. Ghadiri & Archive

Iran: Die Persischen Gärten in Behshahr, Birjand, Isfahan, Mahan, Mehriz, Shiraz und Yazd sind mythisch-religiöse Orte, deren Ursprünge bis in die Zeit um 600 v. Chr. reichen. Sie sind nach den Prinzipien der persischen Gartenbaukunst angelegt. Ihre geometrische Anordnung steht symbolisch für die kosmische Ordnung der Welt. Die Gärten stellen das Paradies auf Erden dar und spiegeln die Elemente Himmel, Erde, Wasser und Pflanzen aus der zarathustrischen Lehre wider. Ein außergewöhnliches Zeugnis früher Ingenieurskunst ist die Wasserversorgung der Gärten. Schmelzwasser von den Bergen wird durch unterirdische Tunnel, sogenannte Qanats, über Tausende von Metern zu den Gärten geführt und speist die Brunnen und Fontänen.

Italien: Machtzentren der Langobarden. Im 6. Jahrhundert wanderte der germanische Stamm der Langobarden in das Römische Reich ein und eroberte bis Ende des 8. Jahrhunderts große Teile des heutigen Italiens. In dieser Zeit errichteten die Langobarden bedeutende Bauten zur Demonstration ihrer Macht. Castelseprio ist ein Beispiel für ein römisches Militärlager, das die Langobarden übernommen haben. Städtische Beispiele für die Architektur ihrer Herrschaftszeit zeigt Cividale del Friuli. Klösterliche Komplexe in Brescia und Beneveto zeugen von der Adaption des Christentums durch die heidnischen Germanen. Ein eindrucksvolles Beispiel für die kulturelle Synthese ist in Monte Sant' Angelo zu sehen, einem alten Wallfahrtsort zu Ehren des Erzengels Michael. In ihm erkannten die Langobarden Charakteristika ihres Gottes Wotan wieder und führten seine Anbetung fort. Noch heute weist der Name der Region Lombardei auf die Zeit der Besiedlung durch die Langobarden hin.

Tempel Chûson-ji
© UNESCO

Japan: Hiraizumi – Tempel, Gärten und archäologische Stätten des Reinen Land-Buddhismus. Hiraizumi, im Nordosten der Insel Honshu gelegen, war im 11. und 12. Jahrhundert die Residenz der Familie Oshu Fujiwara, dem nördlichen Zweig des zu der Zeit regierenden Clans. Die Stadt entwickelte sich schnell zu einem florierenden politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Zentrum. Nach dem Ende ihrer Blütezeit im Jahr 1189 wurde die Stadt weitgehend zerstört. Erhalten sind Reste von Tempeln, öffentlichen Gebäuden und buddhistischen Gartenanlagen. Die heiligen Gärten sind die letzten erhalten Beispiele für die Kultur des "Reinen-Land-Buddhismus" (Amitabha-Buddhismus), einer aus Indien stammenden buddhistischen Lehre, die im 6. Jahrhundert über China und Korea nach Japan gekommen war. Von herausragender Bedeutung ist der "Goldene Saal" des Tempels Chûson-ji. Das hölzerne Gebäude aus dem Jahr 1124 diente zunächst als Buddha-Halle, später dann als Mausoleum der Herrscherfamilie. Von außen eher unscheinbar, ist es im Inneren mit Perlmutt und Rosenholz dekoriert und mit chinesischen Arabesken verziert. Einzigartig ist der enorm aufwendige Besatz der Wände mit Blattgold. Zusammen mit den Tempeln und Gärten von Hiraizumi wurde auch der heilige Berg Kinkeisan in die Liste des Welterbes eingetragen.

Kenia: Das Fort Jesus in Mombasa wurde nach Plänen des italienischen Architekten Giovanni Battista Cairati Ende des 16. Jahrhunderts von den Portugiesen erbaut. Es ist Teil eines Systems von Befestigungsanlagen entlang der Küste und diente vorrangig dem transkontinentalen Handel mit afrikanischen Ressourcen zwischen Afrika und dem Osten sowie der Arabischen Halbinsel. Aufgrund seiner Lage an der Handelsroute nach Indien war Mombasa ein wichtiger strategischer Punkt. Fort Jesus wurde im Laufe der Zeit von Portugiesen, Türken, Arabern, Niederländern, Briten und Afrikanern besetzt. Trotz teils heftiger Kämpfe und Bombardements ist seine Grundstruktur mit vier Bastionen, die um einen zentralen Innenhof angeordnet sind, erhalten geblieben.

Die Kaffee-Kulturlandschaft von Kolumbien ist ein außergewöhnliches Beispiel für eine nachhaltige und produktive Kulturlandschaft. In die Welterbeliste wurden sechs repräsentative Kaffeeanbaugebiete in Westkolumbien in den Ausläufern der Cordillera de los Andes aufgenommen. Sie spiegeln die hundertjährige Tradition des Kaffeeanbaus wider und illustrieren, wie sich die Kaffeebauern an die schwierigen Bedingungen in der Gebirgslandschaft angepasst haben. Die Region wird auch als "Kaffee-Dreieck" bezeichnet, circa 35 Prozent des kolumbianischen Kaffees werden hier produziert. Die Stätte zeigt, wie sehr ein Produkt eine ganze Region prägen kann und so eine Kulturlandschaft entsteht. Für die etwa 80.000 Menschen, die in dem Gebiet leben, ist der Kaffeeanbau Teil ihrer kulturellen Identität. Er begann, als sich im 19. Jahrhundert Siedler aus der nördlichen Region Antioquia an den Ausläufern der Anden niederließen, um den spanischen Eroberern zu entgehen. Einflüsse der spanischen Kolonialisierung zeigen sich in der Architektur der Kaffeestädte, aber auch Spuren der indigenen Bauweise. So sind in einigen Gebieten bis heute Strohlehm und Zuckerrohr für die Wände und Lehmziegel für die Dächer bevorzugte Baumaterialien.

Felsmalereien im Altai-Gebirge
© Institut für Archäologie Mongolei

Mongolei: Die Felsmalereien im mongolischen Altai-Gebirge illustrieren über 12.000 Jahre Kultur- und Menschheitsgeschichte. Die frühesten Felszeichnungen zeigen vorwiegend Jagdmotive. Sie stammen aus der Zeit zwischen 11.000 bis 6.000 v.Chr., als das Gebiet noch bewaldet war. Spätere Zeichnungen reflektieren den Zeitraum, als das Altai-Gebirge sich in eine Steppenlandschaft verwandelte und sich die Herdenhaltung entwickelte. Die jüngsten Felsbilder aus der Zeit um 1.000 v.Chr. veranschaulichen den Übergang von einer sesshaften Gesellschaft zum berittenen Nomadentum, was anhand vermehrter Darstellungen von Pferden und Reitszenen abzulesen ist. Die Felsmalereien und Grabstätten im Altai-Gebirge sind wichtige Quellen zur Zivilisationsgeschichte Eurasiens.

Nicaragua: Die Kathedrale von Léon wurde im 18. Jahrhundert von Diego José de Porres Esquivel gebaut. Sie ist ihrer äußeren Form nach typisch für den Architekturstil vieler Gotteshäuser aus jener Zeit, der durch einen ausgeprägten Stilmix gekennzeichnet ist. An der Fassade mischen sich Elemente aus Barock, Neoklassizismus und Renaissance. In der Apsis sind Komponenten aus der barocken Kolonialarchitektur vorherrschend. Was die Kathedrale zu einer Besonderheit macht, ist der außergewöhnlich helle Innenraum, der durch Öffnungen in den Gewölben vom Tageslicht durchflutet wird. Die Kathedrale beherbergt wichtige sakrale Kunstwerke, ein flämisches Altargemälde und eine Reihe alter Statuen. Der Kreuzweg wurde von dem nicaraguanischen Künstler Antonio Sarria gestaltet. Zum Zeitpunkt des Baus der Kathedrale vermischten sich in León die Traditionen der indigenen Bevölkerung mit denen der spanischen Eroberer und ihrer afrikanischen Sklaven. Als Nicaragua 1821 die Unabhängigkeit von Spanien erlangte, wurde León die Hauptstadt und Sitz der größten geistlichen und weltlichen Würdenträger. Die Kathedrale war der Sitz des Bischofs von Nicaragua und Costa Rica.

Muschelinsel im Saloum-Delta
© Sébastien Moriset

Senegal: Das Saloum-Delta an der senegalesischen Atlantikküste ist eine seit über zwei Jahrtausenden besiedelte Kulturlandschaft, in der die Menschen im Einklang mit der Natur leben. Der Reichtum an Fischen, Austern und Muscheln an der Mangrovenküste im Mündungsgebiet der Flüsse Sine und Saloum hat von je her ihr Leben bestimmt. Ein außergewöhnliches Zeugnis hierfür sind die über 200 Muschelinseln: Unmengen von Muschelschalen wurden im Laufe der Zeit ins Meer geschüttet, um Land zu gewinnen. Als die Muschelberge hoch genug waren, begann man, darauf Häuser und Getreidespeicher zu errichten. Auf einigen Muschelinseln befinden sich Jahrhunderte alte Grabstätten.

Spanien: Die Kulturlandschaft Serra de Tramuntana liegt in einem Gebirgszug, der sich entlang der Nordwestküste Mallorcas erstreckt. Die Landschaft ist durch die Jahrtausende währende Landwirtschaft geprägt. Unter schwierigen Bedingungen haben Bauern die karge Landschaft kultiviert, die Böden fruchtbar gemacht, Terrassenfelder angelegt und ein in seiner Form einzigartiges Bewässerungssystem mit Wassermühlen geschaffen. Durch den Schutz der Kulturlandschaft bleiben die Traditionen, das technische Wissen und die Legenden der Serra de Tramuntana erhalten.

Archäologische Stätten der Insel von Meroe
© UNESCO/Maria Gropa

Sudan: Archäologische Stätten der Insel von Meroe. Als "Insel von Meroe" wird das vom Hauptstrom des Nils und dem Fluss Atbara umschlossene Gebiet in der Halbwüste im Norden des Sudans bezeichnet. Es war das Kernland des Königreichs von Kusch, der vom 8. Jahrhundert v. Chr. bis ins 4. Jahrhundert n. Chr. herrschenden Großmacht. Zu den archäologischen Stätten zählen Meroe als ehemalige Hauptstadt des Königreichs und die antiken Städte Naqa und Musawwarat es Sufra. Die Überreste von Pyramiden, Tempeln, Wohngebäuden und Bewässerungsanlagen veranschaulichen die Bedeutung des einstigen Reichszentrums. Das riesige Reich der Könige von Kusch erstreckte sich vom Mittelmeer bis ins Herz Afrikas. Die Stätten der Insel Meroe zeugen vom Austausch der beiden Regionen in Architektur, Kunst, Religion und Sprache.

Syrien: Die Antiken Dörfer in Nordsyrien stammen aus der Zeit vom 1. bis 7. Jahrhundert, als sich Bauern im Norden Syriens ansiedelten, um der römischen Herrschaft zu entfliehen, und das karge Land urbanisierten. Auf acht archäologische Parks verteilen sich Heidnische Tempel und christliche Kirchen, Begräbnisstätten, Badehäuser, Wohnhäuser und öffentliche Gebäude. Dank des bemerkenswerten Erhaltungszustands vermitteln sie eindrücklich die Kultur und Lebensweise über einen Zeitraum mehrerer Epochen. Römische Einflüsse auf Architektur und Landwirtschaft sind ebenso zu erkennen wie Phasen von wirtschaftlicher Stagnation durch Kriege und Zeiten des Aufschwungs unter den byzantinischen Machthabern. Die sakralen Bauten sind ein eindrucksvolles Zeugnis der Christianisierung des Ostens.

Selimiye-Moschee
© UNESCO/Ömer Sak

Türkei: Die Selimiye-Moschee aus dem Jahr 1575 dominiert schon von weitem das Stadtbild von Edirne, der ersten Hauptstadt des Osmanischen Reichs. Die Moschee ist das Meisterwerk des Architekten Sinan, des Hofbaumeisters von Sultan Selim II. Vier schlank aufsteigende Minarette umgeben eine Kuppel, größer als die der Hagia Sophia in Istanbul. Für den Bau der Moschee wurden nur auserwählte Materialien wie feiner Marmor und die berühmten Fliesen aus Iznik verwendet. Mit ihrer prunkvollen Architektur und aufwendigen Innenausstattung markiert die Selimiye-Moschee einen Höhepunkt der islamischen Baukunst. Neben der Moschee wurde der sie umgebende Gebäudekomplex in die Welterbeliste aufgenommen: eine Bibliothek, zwei islamische Schulen ("Madrasas"), ein großer überdachter Basar und ein historischer Friedhof. Das Gebäudeensemble ist in der originalen Bausubstanz erhalten.

Ukraine: Die ehemalige Residenz der orthodoxen Metropoliten der Bukowina und Dalmatiens in Czernowitz ist ein herausragendes Beispiel für den frühen Historismus. Erbaut wurde sie zwischen 1864 und 1882 nach den Plänen des tschechischen Architekten Josef Hlávka. Er schuf ein Meisterwerk der Synergie unterschiedlicher Stilepochen mit dominierenden Motiven der byzantinischen und romanischen Architektur. Der Gebäudekomplex besteht aus einer Seminarkirche, einem Priesterseminar, einem Kloster und einem malerischen Park. Die Residenz verkörpert die Präsenz der orthodoxen Kirche während der Herrschaft der Habsburger und spiegelt deren Politik der religiösen und kulturellen Toleranz wider. Heute ist in den historischen Gebäuden die staatliche Universität untergebracht.

Vereinigte Arabische Emirate: Kulturstätten von Al Ain. Die Wüstenstadt Al Ain liegt im Emirat Abu Dhabi an der Grenze zum Oman. Die Kulturstätten Hafit, Hili, Bida Bint Saud und die Oasensiedlungen in Al Ain und Umgebung illustrieren die Besiedlung dieser Wüstenregion seit dem Neolithikum und zeugen vom Übergang der Kulturen vom Jagen und Sammeln zur Sesshaftigkeit. Die Wurzeln der Oasensiedlungen reichen über 5.000 Jahre zurück. Aus dieser Zeit sind zahlreiche Gräber, Brunnen und aus Lehmziegeln gebaute Wohnhäuser, Türme und Paläste erhalten. Hili bietet eines der ältesten Beispiele für das Aflaj-Bewässerungssystem, das in der Eisenzeit in zahlreichen Oasen der Region die Grundlage für die Landwirtschaft bildete.

Vietnam: Die Zitadelle der Ho Dynastie in Vinh Loc ist nach den Prinzipien des Feng Shui gestaltet und zeugt von der Blütezeit des Neokonfuzianismus im Vietnam des späten 14. Jahrhunderts. Feng Shui handelt von der Harmonisierung des Menschen mit seiner Umgebung. In Ostasien hatte diese philosophische Lehre bedeutenden Einfluss auf die Architektur und Landschaftsgestaltung. Die Zitadelle ist auf markante Punkte in ihrer Umgebung ausgerichtet. Sie liegt auf einer Ebene zwischen den Flüssen Ma und Boui und ist eingebettet in eine Landschaft von Seen und Sandsteinfelsen. Sie ist aus massiven Sandsteinblöcken gebaut und von einem Festungsgraben und einem äußeren Erdwall umgeben. Die Zitadelle ist ein herausragendes Beispiel für einen neuen Baustil südostasiatischer Reichsstädte, der Elemente der konfuzianischen Philosophie mit einer buddhistisch geprägten Kultur verbindet. Die Zitadelle ist eng mit den Legenden der Ho Dynastie verknüpft.

Walhai im Ningaloo-Riff
© Tourism WA

Naturerbestätten

Australien: Ningaloo-Küste. Das fast 300 Kilometer lange Ningaloo-Riff ist eines der größten Riffe der Welt. Es ist der Lebensraum für eine Vielzahl von Meerespflanzen, über 300 Korallenarten und unzählige Tierarten, darunter Seekühe, Meeresschildkröten, Haie und Wale. Ein spektakuläres Naturschauspiel bietet sich zwischen März und Juni, wenn bis zu 500 Walhaie auf ihren jährlichen Wanderungen das Gebiet passieren. Neben dem Riffsystem wurde ein Küstenstreifen an der abgeschiedenen Westküste Australiens als Naturerbe anerkannt. Die Küstenlandschaft ist geprägt von spektakulären Kalkstein-Formationen. Über 500 Höhlen bieten seltenen Vogel- und Reptilienarten einen natürlichen Schutzraum.

Korallenriff Ogasawara-Inseln
© JWRC/Yuji Takafuji

Japan: Die Ogasawara-Inseln im Westpazifik entstanden vor 48 Millionen Jahren durch tektonische Verschiebungen und vulkanische Aktivitäten. Die insgesamt 30 Inseln bilden eine Fläche von 7.393 Hektar. Die Chichijima-Inseln formen Plateaus, die Mukojima-Inseln sind sehr flach und die Hahajima-Inseln sind bergig mit teils schroffen Steilküsten. Nur zwei der Inseln sind bewohnt. Aufgrund ihrer Lage, weit abgelegen vom Festland, sind die Inseln ein Schaufenster der Evolution mit einem großen Bestand endemischer Arten. Ein Viertel der hier lebenden Schlangenarten ist weltweit einzigartig, wie auch das einzige Landsäugetier der Inseln, der Bonin-Flughund. Darüber hinaus beherbergt die Inselgruppe fast 200 gefährdete Vogelarten, 1.400 Insektenarten und seltene Echsenarten. Das subtropische Klima und häufiger Nebel auf einigen der Inseln begünstigt das Wachstum von seltenen Baumfarnen, Moosen und Epiphyten. Über 400 endemische Pflanzenarten sind dokumentiert.

Flamingos am Bogoriasee
© Nationalmuseum Kenia

Kenia: An den Seen des Great Rift Valley ist eines der faszinierendsten Naturschauspiele der Welt zu beobachten: der Flug der Flamingos. 1,5 Millionen Zwergflamingos leben in dem Gebiet und pendeln auf ihrer Suche nach Futter zwischen dem Elementaitasee, dem Bogoriasee und dem Nakurusee. 20.000 Rosapelikane brüten in dem Seengebiet. Es zählt mit 450 Vogelarten zu den "Important Bird Areas of Kenya", 13 der meistbedrohten Vogelarten finden dort einen Rückzugsort. In der Umgebung der Seen leben Geparden, Löwen, Spitzmaulnashörner, Kudus und Rothschildgiraffen. Die außergewöhnliche geologische Entstehungsgeschichte des Großen Afrikanischen Grabenbruchs spiegelt sich in einem atemberaubenden Landschaftsbild mit Steilstufen, sanften Hügeln und erloschenen Vulkanen wider.

Wüstenlandschaft Wadi Rum
© UNESCO/Alessandro Balsamo

Kultur- und Naturerbe

Jordanien: Das 74.000 Hektar große Schutzgebiet Wadi Rum liegt im Süden von Jordanien, nahe der Grenze zu Saudi-Arabien, auf einem Sandstein-Plateau mit bis zu 1.850 Metern Höhe. Die Natur hat eine abwechslungsreiche Wüstenlandschaft geformt, mit engen Schluchten, Felsbrücken, hoch aufragenden Klippen, Trassen und Höhlen. Die menschliche Besiedlung dieser Hochwüste begann vor 12.000 Jahren. Dies belegen über 25.000 Petroglyphen und Inschriften. Die Felsmalereien zeigen Kampfszenen, Tänze und rituelle Praktiken, auch die Domestizierung von Tieren lässt sich daran ablesen. Über 150 archäologische Stätten, darunter Tempel, Brunnen und Überreste von Dörfern, spiegeln die Entwicklung der Menschen und ihrer Lebensumstände seit prähistorischer Zeit.

Zwei Erweiterungen

Buchenwald Jasmund
© UNESCO/Thomas Stephan

Buchenurwälder in den Karpaten und alte Buchenwälder in Deutschland: Die grenzüberschreitende Naturerbestätte, zu der seit 2007 die Buchenurwälder der Karpaten in der Slowakei und der Ukraine gehören, wurde um fünf deutsche Buchenwaldgebiete erweitert. Zum Weltnaturerbe gehören nun auch der Grumsiner Forst in Brandenburg, der Nationalpark Kellerwald-Edersee in Hessen, der Nationalpark Jasmund und der Serrahner Buchenwald im Müritz-Nationalpark in Mecklenburg-Vorpommern und der Nationalpark Hainich in Thüringen.

Wattenmeer: Das Weltnaturerbe Wattenmeer wurde um den Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer mit den Inseln Neuwerk, Nigehörn und Scharnhörn erweitert. Zum Naturerbe zählen seit 2009 außerdem die Wattenmeer-Nationalparks in Niedersachsen und Schleswig-Holstein und das niederländische Wattenmeer-Schutzgebiet.

Die aktualisierte Liste des Kultur- und Naturerbes der Welt:
www.unesco.de/welterbeliste.html

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