Geschichte des IGCP
Als das IGCP 1972 gegründet wurde, waren es im Wesentlichen zwei Grundgedanken, die die Initiatoren leiteten:
- Förderung der grenzüberschreitenden wissenschaftlichen Zusammenarbeit und die Umsetzung eines breiten Spektrums geowissenschaftlicher Grundlagenforschung und
- Transfer wissenschaftlichen Know-hows besonders für Entwicklungsländer, zum Beispiel für die Erkundung von Rohstofflagerstätten.
Der bis 2002 gültige und heute noch im Akronym fortlebende Name des IGCP lautete International Geological Correlation Programme. Der wissenschaftliche Schwerpunkt lag deutlich stärker auf der Grundlagenforschung, genauer auf Herstellung von geologischen Korrelationen. In einem Teilgebiet der Geologie, der Stratigraphie, geht es um die Aufstellung einer Zeitskala zur Datierung der vergangenen geologischen Vorgänge auf der Erde. Durch Korrelation wird die Abfolge geologischer Schichten länder- und kontinentübergreifend verglichen und damit die Entstehung der Gesteine, Rohstoffe und der Oberflächenbeschaffenheit des Planeten Erde im globalen Maßstab rekonstruiert. Wichtig war und ist diese Korrelation, weil in allen Staaten unterschiedliche Standards gelten bzw. galten, wie geologische Ablagerungen kategorisiert werden. Daher galten in den 1970ern unterschiedliche, nicht vergleichbare geologische Zeitskalen.
Die klassische stratigraphische Analyse von weltgeschichtlichen Naturereignissen auf Kontinenten oder in den Ozeanen hat das Ziel, Erdgeschichte zu rekonstruieren, zu verstehen und möglicherweise künftig vorhersagen zu können. Oft katastrophale Ereignisse (zum Beispiel Meteoriten-Einschläge) wurden durch die Korrelation von terrestrischen und marinen Sedimenten erhellt. Ein Grundthema des IGCP seit den 1970er Jahren lautet, Datierungen in der Erdgeschichte zu präzisieren.
Geologische Prozesse und Strukturen orientieren sich jedoch nicht an nationalen Grenzen. Daher war zunächst eine Hauptaufgabe des IGCP, einen global vergleichbaren Datenstandard zu schaffen. Zusätzlich war es bis 1990 kaum möglich, dass Geologen aus Staaten des Warschauer Paktes mit westlichen Forschern kooperierten - außer eben im Rahmen des IGCP. Nach 1990 stand die Förderung der Kooperationen zwischen Nord und Süd, also zwischen Wissenschaftlern aus Industrie- und Entwicklungsländern im Vordergrund.
Da in jedem Staat verschiedene erdgeschichtliche Zeiten unterschiedlich gut zu Tage treten, entschieden sich die Initiatoren des IGCP für ein Programm auf Antragsbasis. Dadurch wurde die Kreativität der Forschergemeinschaft genutzt, die in über 500 Projekten arbeiteten und unter anderem Korrelationen fast aller erdgeschichtlichen Zeitabschnitte im globalen Maßstab herstellten. Auch deswegen sind heute globale geowissenschaftliche Karten in beeindruckender Qualität verfügbar, wie sie heute, in enger Kooperation mit der UNESCO, von der "Kommission für die geologische Karte der Welt" (CGMW) vorgelegt werden.
Neben stratigraphischer Grundlagenforschung beschäftigte sich das IGCP schon seit Beginn intensiv mit angewandten Fragen wie mineralischen Lagerstätten, Petrologie und Katastrophenforschung. Grenzen überschreitet das IGCP auch im Sinne der Multidisziplinärität der Projekte. Forschungsprojekte wurden durchgeführt zu Klima- und Meeresspiegel-Schwankungen, zur Vereisungs-Geschichte der Erde und globalem Umweltwandel in der Vergangenheit. "Grundwasser in der Sahara" oder der "Messinian Event" (die Austrocknung, Versalzung und Vergipsung des Mittelmeers vor 5 bis 6 Millionen Jahren) waren ebenso Themen des IGCP wie anthropogene Einflüsse auf die Umwelt und Kultur-Objekte oder die seit Milliarden Jahren wirkenden exogenen Prozesse auf die Verwitterung. Aus einem relativ abgegrenzten IGCP-Projekt, das sich von 1998 bis 2002 dem Schutz von Weltkulturerbestätten gegen Erdrutschungen widmete, ist mittlerweile ein globales Forschungs- und Schutzkonsortium erwachsen. Aber auch Rohstoff-Forschung, Geochemie und Metallogenie von Erzen und Phosphoriten zählen seit 1977 zu Themen des IGCP.
Praktisch jeder global wichtige Geowissenschaftler war schon einmal Leiter eines IGCP-Projekts. Auch führende deutsche Forscher wie der Bonner Paläontologe Prof. Dr. Heinrich Karl Erben haben bei der Ausgestaltung des IGCP eine wichtige Rolle gespielt (Erben war in den 1980er Jahren Präsident der DUK, der einzige Naturwissenschaflter bislang auf dieser Position). Der Potsdamer Geologe Prof. Dr. Karl-Bernhard Jubitz von der Akademie der Wissenschaften der DDR war der erste deutsche IGCP-Projektleiter gewesen; der Mainzer Wirbeltier-Paläontologe Prof. Dr. Heinz Tobien war in den 1970ern der erste Westdeutsche in dieser Funktion.
Komplette Übersicht der IGCP-Projekte seit 1974
Weitere Informationen zum Beginn des IGCP
(mit Dank an Dr. Franz Wolfgang Eder, über viele Jahre Abteilungsleiter der UNESCO für Geowissenschaften)




