Der Weltbildungsbericht zum Thema
Auf dem Weltbildungsforum (Dakar, 2000) verabschiedeten 164 Staaten den Aktionsplan "Bildung für alle" (Education for All, EFA), dessen sechs Ziele bis 2015 erreicht werden sollen. Der jedes Jahr erscheinende Weltbildungsbericht der UNESCO misst die Fortschritte der Staaten bei der Erreichung der sechs EFA-Ziele.
Das 1. EFA-Ziel lautet: Frühkindliche Förderung und Erziehung soll ausgebaut und verbessert werden, insbesondere für benachteiligte Kinder.
Der Weltbildungsbericht 2007 definiert den Begriff der frühkindlichen Förderung und Erziehung holistisch. Erfasst werden damit alle Maßnahmen, die die kognitive, soziale, körperliche oder emotionale Entwicklung eines Kindes von der Geburt bis zur Grundschule unterstützen.
Ergebnisse des Weltbildungsberichts
- Gesundheit und ausreichende Ernährung sind Grundlagen für Bildung. Maßnahmen zur Bekämpfung der Sterblichkeit und Unterernährung von Kindern sind damit der erste Schritt hin zu einer umfassenden frühkindlichen Förderung und Erziehung.
- Die am weitesten verbreitete Form öffentlicher frühkindlicher Förderung und Erziehung ist die vorschulische Bildung für Kinder ab drei Jahren. In 70 Prozent aller Länder gilt das dritte Lebensjahr als deren offizieller Beginn, relativ wenige Angebote finden sich für jüngere Kinder. Weltweit hat sich die Zahl der Kinder, die vorschulische Programme besuchen, im Laufe der letzten drei Jahrzehnte verdreifacht: Sie stieg von 44 Millionen (um 1975) auf 124 Millionen im Jahre 2004.
- Trotz des weltweiten Anstiegs finden sich im Bereich der vorschulischen Bildung deutliche regionale Unterschiede: In den Industrie- und Schwellenländern lag die Teilnahmerate bei vorschulischen Programmen 2004 bei 73 Prozent, während sie in den Entwicklungsländern nur 32 Prozent erreichte. In Afrika südlich der Sahara liegt die Rate vieler Länder immer noch bei weniger als 10 Prozent.
- Der Zugang zu vorschulischen Programmen ist gerade für jene Kinder erschwert, welche dieser am meisten bedürfen. Insgesamt zeigt sich bei der vorschulischen Bildung eine Benachteiligung von Kindern in ländlichen Regionen. Auch Armut, ein niedriges Bildungsniveau der Mutter, eine Behinderung und Unterernährung wirken sich negativ auf die Teilnahme an vorschulischen Programmen aus.
- Das Lehr- und Betreuungspersonal ist ein wichtiger Qualitätsfaktor. In fast allen Entwicklungsländern erhält es eine weniger fundierte Ausbildung als GrundschullehrerInnen. In Industrieländern findet sich eine deutliche Trennung in hoch qualifizierte Lehrkräfte und kaum ausgebildete Betreuer.
- Viele Entwicklungsländer maßen der frühkindlichen Förderung und Erziehung unter den EFA-Zielen bislang eine untergeordnete Bedeutung zu. Daher mangelt es häufig an umfassenden politischen Leitlinien und klaren Verantwortungszuweisungen für die verschiedenen Akteure in diesem Bereich.
- Auch innerhalb der Entwicklungspolitik hat frühkindliche Förderung und Erziehung keine Priorität. Weniger als 0,5 Prozent ihrer gesamten Entwicklungshilfe entfällt bei vielen Gebern auf den Bereich der frühkindlichen Förderung und Erziehung. Bei der Vergabe von Entwicklungshilfe für Bildung werden die ärmsten Länder noch nicht vorrangig behandelt.
Der Weltbildungsbericht 2008, der als Halbzeitbericht den Zwischenstand bei allen sechs Zielen misst, zeigt folgenden aktuellen Stand bei der frühkindlichen Förderung und Erziehung:
- Insgesamt ist der Anteil an Kindern, die an Programmen zu frühkindlicher Förderung teilnehmen, zwischen 1999 und 2005 von 33 Prozent auf 40 Prozent gestiegen. Dabei bleiben regionale Unterschiede sehr hoch: 83 Prozent in der Karibik stehen 14 Prozent in Subsahara-Afrika gegenüber.
- Die Kindersterblichkeit seit 1995 ist weltweit zurückgegangen, von 92 von 1000 Kindern unter fünf Jahren auf 78. Insbesondere in Subsahara-Afrika bleibt sie aber hoch. Insgesamt starben 2005 fast zehn Millionen Kinder unter fünf Jahren.
- Nur 53 Prozent der Länder bieten Programme zur frühkindlichen Förderung und Erziehung für Kinder unter drei Jahren.
Auf dieser Grundlage fordert der Weltbildungsbericht der UNESCO, das Thema frühkindliche Förderung und Erziehung auf die nationalen und internationalen Agenden zu setzen.
Hierzu bedürfe es seitens der Regierungen nationaler politischer Programme mit messbaren Zielsetzungen, klaren Finanzrahmen und Qualitätskontrollen. Die öffentlichen Ausgaben müssten erhöht und stärker auf die Bedürfnisse der am stärksten benachteiligten Kinder ausgerichtet werden. In etlichen Ländern müssten darüber hinaus Aus- und Fortbildung sowie Arbeitsbedingungen des Lehr- und Betreuungspersonals verbessert werden.
Weltbildungsbericht Kurzfassung 2007 "Solide Grundlagen: Frühkindliche Förderung und Erziehung"






