Deutsche UNESCO Kommission e.V.

SCHRIFTGRÖSSE

Forschung in deutschen Biosphärenreservaten

Die deutschen Biosphärenreservate bieten exzellente Bedingungen, um über biologische Vielfalt, nachhaltige Landnutzung, erneuerbare Energien, über Anpassung an den Klimawandel oder über sozioökonomische Fragen zu forschen.

Übersicht über Forschung in deutschen Biosphärenreservaten

Das Bundesamt für Naturschutz hat 2008 eine Broschüre publiziert, die einen Überblick über 15 laufende und kürzlich abgeschlossene Forschungsprojekte in deutschen Biosphärenreservaten gibt. Die Broschüre informiert über die Attraktivität der Biosphärenreservate als Untersuchungsgebiete für viele aktuelle Forschungsfragen, stellt Schwerpunkte von Forschung und Monitoring vor und wirbt um Partner und Förderer, um Projekte in die Gebiete zu lenken. Beispiele der vorgestellten Projekte:

  • Länderübergreifendes Umweltmonitoring der drei Wattenmeer-Biosphärenreservate seit 1997
  • Monitoring der Einwanderung der Pazifischen Auster
    seit 2003 durch das Forschungsinstitut Senckenberg
  • Erforschung des Meeresspiegelanstiegs auf Südost-Rügen seit 2007 durch Universität Greifswald
  • Seit 2007/2008: Strategien zur Klimaanpassung am Schaalsee, gefördert auch durch private Partner
  • Flussauenmanagement an der Elbe, gefördert durch die EU von 2006 bis 2009
  • Elche als Landschaftspfleger, im Anschluss an ein BMBF-Projekt Umsetzung in der Oberlausitz
  • Großflächige Beweidung zur Grünlanderhaltung in der Rhön, Universität Marburg,
    gefördert von BMBF und DBU (2005-2008)
  • Auswirkung der globalen Erwärmung auf die Alpen im Biosphärenreservat Berchtesgaden,
    DFG, 2002-2006

Download der Broschüre des Bundesamts für Naturschutz

Biodiversitäts-Exploratorien

Weltweit schwindet rapide die Biodiversität, also die Vielfalt von Genen, Arten und Lebensgemeinschaften. Ein drängendes Problem ist das nicht nur ethisch, ästhetisch und kulturell. Der Biodiversitätsverlust hat auch große wirtschaftliche Folgen und verändert viele Ökosysteme.

Die DFG hat seit Juli 2006 erstmals drei langfristige "Biodiversitäts-Exploratorien" eingerichtet. Dies sind offene "Forschungsplattformen" für Wissenschaftler aus ganz Deutschland. Zwei der drei Exploratorien finden sich in Biosphärenreservaten: Schorfheide-Chorin und Schwäbische Alb; dazu kommt der thüringische Nationalpark Hainich. Die Exploratorien werden koordiniert von Prof. Dr. Markus Fischer von der Universität Potsdam und von Forschern aus Jena, Ulm und Würzburg. Etwa 250 Mitarbeiter sind in über 50 Arbeitsgruppen tätig.

Pro Exploratorium wurden insgesamt 1.000 Flächen aus ausgewählten Landschaftsbereichen untersucht. In diesen Flächen werden die Häufigkeit von Pflanzenarten sowie Landnutzungstypen und -intensität dokumentiert und Bodenproben entnommen. Jeweils 100 Flächen werden intensiver untersucht: sie repräsentieren Grünland und Wald und einen Gradient der Landnutzungsintensität. Hier wurden die Diversitäten z.B. von Bienen und anderen Tiergruppen untersucht, sowie Prozesse wie Wachstum der Wälder, Bodenatmung sowie Kohlenstoff- und Stickstoffanteile verschiedener Pflanzenteile. Zudem findet eine Vielzahl an Experimenten statt.

Website der Biodiversitäts-Exploratorien

Besondere Forschungsstellen

C-BRA

Das "Global Research Centre for Biosphere Reserve Advancement" (C-BRA) ist eine Einrichtung der Universität Greifswald. Es wird koordiniert durch den im Januar 2009 gegründeten Verein für Biosphärenreservatsforschung und -kommunikation. C-BRA wird geleitet von Prof. Dr. Susanne Stoll-Kleemann. Projekte von C-BRA sind

  • das Projekt Governance of Biodiversity (GoBi) von 2004-2010,
  • das Projekt "Gesellschaftliche Prozesse zur Integration von Schutz und nachhaltiger Nutzung: Komparative Analyse in drei deutschen Biosphärenreservaten im Hinblick auf ein aktives adaptives Management", ab Mai 2009 von der DBU gefördert,
  • der Aufbau der interaktiven "Biosphere Reserve" platform ab 2009 und
  • eine DAAD-Sommerschule im Vorfeld der UNESCO-Weltkonferenz "Bildung für nachhaltige Entwicklung".

Website von C-BRA

 

Forschungsstelle Region und Nachhaltigkeit 

Die Forschungsstelle der Hochschule Fulda ist eng mit der Wissenschaftlichen Sammlung des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön in der Hochschul- und Landesbibliothek Fulda verbunden. Die Forschungsstelle publiziert die jährlich erscheinende Schriftenreihe "Beiträge Region und Nachhaltigkeit". Die Sammlung erschließt Fachliteratur und Archivalien zum UNESCO-Biosphärenreservat Rhön seit der Gründung im Jahr 1991 und älteres Schrifttum. Das Sammelprofil wird durch Dokumente des MAB-Programms ergänzt.

Die Forschungsstelle und die Sammlung arbeiten zusammen mit den Verwaltungsstellen des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön. Auf regionaler Ebene stehen sie allen Interessierten offen und sind beispielgebend ist für die wissenschaftliche Dokumentation von UNESCO-Biosphärenreservaten. Leiter des Projekts ist Prof. Dr. Erich Ott.

Website der Forschungsstelle


Nachwuchsgruppe "Ökosystemleistungen"

Kulturlandschaften stellen Nahrungsmittel und Nutzholz bereit, aber auch weitere Leistungen, die typischerweise nicht von der Gesellschaft anerkannt werden: „Ökosystemleistungen“ wie Bewahrung von Artenreichtum oder klarem Wasser, Bodenbildung oder die Bestäubung von Nutzpflanzen. Erst in jüngerer Zeit beginnt man, diese Leistungen zu messen und monetär zu bewerten, z.B. durch staatliche und private Anreizsysteme, die aber auch die Kulturlandschaften verändern. Die Nachwuchsgruppe der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften untersucht Beziehungen von marktbasierten Instrumenten und Ökosystemleistungen, unbeabsichtigte Nebeneffekte und die Auswirkungen auf die Lebensqualität.

Die Untersuchungsgebiete liegen in den UNESCO-Biosphärenreservaten Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft und Schwäbische Alb, da Ökosystemleistungen dort gebündelt auftreten, unterschiedliche Politikinstrumenten etabliert sind und sie sich zur Demonstration innovativer Ansätze nachhaltiger Landnutzung eignen.

Website der Nachwuchsgruppe

Forschung in einzelnen deutschen Biosphärenreservaten

Forschung und Monitoring sind Kernaufgaben von Biosphärenreservaten, daher setzen die meisten der deutschen Gebiete hierauf auch einen Schwerpunkt. Beispiele sind die Rhön, der Schaalsee oder die Flusslandschaft Elbe. Einige Biosphärenreservate organisieren eigene Wissenschaftskonferenzen, so am 5. März 2009 Schorfheide-Chorin oder am 29. September 2009 die Flusslandschaft Elbe.