Deutsche UNESCO Kommission e.V.

Umwelt- und Landnutzungsforschung in China

Loess Plateau in Zentralchina (silverlinedwinnebago, Flickr CC)

Im Norden Chinas brennen große Kohlenflöze, an langen Abschnitten der ostchinesischen Küsten sind die Böden versalzen, große Gebiete Zentralchinas leiden unter starker Erosion. Zugleich verlangt das Wirtschaftswachstum nach immer höheren Erträgen der Landwirtschaft und die chinesischen Städte wachsen nahezu ohne Rücksicht auf die Natur. Es steht heute außer Zweifel, dass ökonomische Umwälzungen eines Landes grenzüberschreitend die Umwelt beeinflussen. Hat der Begriff Globalisierung heute noch vor allem wirtschaftliche Assoziationen, geraten die globalen ökologischen Folgen des Wachstums immer mehr in den Blick. Dazu trägt auch das 2001 initiierte deutsch-chinesische Projekt ERSEC (Ecological Research for Sustaining the Environment in China) unter dem Dach der UNESCO bei.

Ziel von ERSEC ist die Förderung der Umwelt- und Landnutzungsforschung in China. Gemeinsam mit Entscheidungsträgern aus Politik und Wirtschaft werden sowohl politische als auch technische Ansätze entwickelt, um die Umwelt zu schützen und nachhaltige Entwicklung zu fördern. Wissenschaftliche Erkenntnisse werden in den politischen Diskurs eingebracht und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Netzwerke werden vor allem zwischen deutschen und chinesischen Wissenschaftlern aufgebaut, Konferenzen organisiert und Fachpublikationen herausgegeben. ERSEC bildet das Dach für fünf bilaterale Forschungsprojekte von deutschen und chinesischen Wissenschaftlern, die zu folgenden Themen arbeiten:

  • Die Chinesische Landwirtschaftsuniversität und die Universität Hohenheim untersuchen gemeinsam, wie intensive Landwirtschaft für eine wachsende Bevölkerung mit höheren Ansprüchen nachhaltig und umweltschonend betrieben werden kann.
  • Die Jiangsu Planungskommission und die Universität Stuttgart suchen nach Kriterien, wie in Nanjing Wertschätzung für den ökologischen Wert eines Raumes entwickelt werden kann, ohne wirtschaftliche und gesellschaftliche Anforderungen außer Acht zu lassen. Vor allem sind dringend gute Kriterien nötig, um nicht unnötig ökologisch wertvolles Land zu besiedeln.
  • Die Zhejiang-Universität und die TU Dresden untersuchen das Potenzial von Agroforstwirtschaft für die salzigen Küstenböden der Zhejiang-Provinz im Osten Chinas.
  • Die Nordwestliche Agrar- und Forstuniversität Chinas und die TU München versuchen, Wiederaufforstung und Agroforstwirtschaft auf dem zentralchinesischen Lössplateau nördlich von Xi’An voranzubringen. Hintergrund: Das ehemals sehr fruchtbare Lössplateau ist heute wegen Überbewirtschaftung von starker Erosion betroffen und daher heute eine der wirtschaftlich am wenigsten entwickelten Regionen Chinas.
  • Das chinesische Wissenschaftsministerium und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) untersuchen Methoden, um Kohlebrand in Nordchina vorzubeugen, aufzuspüren und zu verhindern. Kohle ist leicht entzündlich und freiliegende Flöze können sich spontan aufgrund des Luftsauerstoffs entzünden und über Jahrzehnte brennen. Man schätzt, dass durch solche Brände in China pro Jahr etwa 200 Millionen Tonnen Kohle für den Bergbau unbrauchbar werden, die Luft verschmutzen und enorme Mengen CO2 freisetzen (etwa 1 Promille der gesamten Treibhausgasemissionen weltweit).

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat ERSEC in mehreren Tranchen seit dem Projektstart 2001 bis zum Projektende 2009 finanziert – chinesischer Hauptpartner ist das dortige Bildungsministerium und seit 2008 auch das Wissenschaftsministerium. Das UNESCO-Büro in Beijing setzt das Projekt um: Es bildet den Schirm für bilaterale Projekte der Umweltforschung, organisiert internationale, interdisziplinäre Konferenzen, verleiht einen Preis für Nachwuchswissenschaftler und gibt die „Ecological Book Series“ heraus. Das UNESCO-Büro Beijing wendet sich mit den Forschungsergebnissen insbesondere an Raumplaner und Entscheidungsträger, um sie in die internationalen Forschungskooperationen einzubeziehen.

Im Rahmen von ERSEC wurden acht Bände der „Ecological Book Series“ publiziert und acht Konferenzen organisiert, die die Projektergebnisse einem internationalen Publikum vorstellten.

  • Intensive Landwirtschaft und Nachhaltigkeit: Konferenz im April 2004 in Beijing mit dem Titel „Sustainable Resource Management for Intensive Agricultural Systems – promoting environmentally friendly agricultural production in China“ sowie eine zweibändige Publikation mit gleichem Titel
  • Raumplanung und Nachhaltigkeit: Konferenz im Mai 2004 in Beijing mit dem Titel „Land use planning and policy – Sustainable land use decisions in economically dynamic and densely populated areas“ sowie eine zweibändige Publikation mit gleichem Titel
  • Ökologische Instandsetzung und Ressourcenmanagement auf dem zentralchinesischen Lössplateau: Konferenz im September 2004 in Yangling mit dem Titel „Land Resource Management and Ecological Restoration in the Loess Plateau – Rural Development Strategy“ sowie eine zweibändige Publikation mit gleichem Titel.
  • Kohlebrand: Konferenz im November 2005 in Beijing mit dem Titel „Coal Fire Research on Understanding, Extinction and Prevention of Spontaneous Coal Seam Fires“ sowie eine zweibändige Publikation mit gleichem Titel.
  • Wasserknappheit und Nachhaltigkeit: Workshop im November 2006 mit dem Titel „Sustainable Water Management and Policy-Problems and Solutions under Water Scarcity“
  • Nachhaltige Landnutzung und Wasserbewirtschaftung: Konferenz vom 8. bis 10. Oktober 2008 in Beijing mit dem Titel "Sustainable Land Use and Water Management"
  • Nachhaltige Landnutzung und Ökosystemschutz: vom 4. bis 7. Mai 2009 in Beijing mit dem Titel "Sustainable Land Use and Ecosystem Conservation

Das Projekt arbeitete auch mit dem deutsch-chinesischen GTZ-Projekt “Participatory Approaches in Agriculture and Forestry” (2000 bis 2006) in der Provinz Shan’Xi zusammen und anderen deutsch-chinesischen Kooperationen zusammen.

Die Entscheidungen in ERSEC werden durch ein Steuerungskomitee getroffen, in dem Vertreter der deutschen und der chinesischen Regierung vertreten sind, deutsche und chinesische Wissenschaftler, das UNESCO-Büro Beijing und die chinesische UNESCO-Kommission.

Publikationen der „Ecological Book Series” online:

Ausgabe 1 über Intensive Landwirtschaft und Nachhaltigkeit

Ausgabe 2 über Raumplanung und Nachhaltigkeit

Ausgabe 3 über Ressourcenmanagement auf dem Lössplateau

Ausgabe 4 über Kohlenbrand

Ausgabe 5 über nachhaltige Wassernutzung im Fall von Wassermangel

Ausgabe 6 über nachhaltige Land- und Wassernutzung