Deutsche UNESCO Kommission e.V.

Erneuerbare Energien

© Alessandro Ronchi (Flickr CC)
Foto des fertig gestellten SESAME-Gebäudes

Energie ist im Fokus der Weltpolitik des 21. Jahrhunderts. Zwei entgegengesetzte Herausforderungen stellen sich:

  • Für den wirtschaftlich-sozialen Fortschritt und die Erreichung der MDGs ist eine angemessene Energieversorgung entscheidend. Weltweit leben rund zwei Milliarden Menschen ohne Elektrizität.
  • Die Weltgemeinschaft muss ihren Kohlendioxid-Ausstoß wegen des Klimawandels drastisch reduzieren.

Erneuerbare Energien lösen den scheinbaren Konflikt. Solarstrom, Windenergie und moderne Biomasse können auch abgelegene Gebiete mit Energie versorgen - zugleich fällt dabei kaum Kohlendioxid an. 

Erneuerbare Energien - UNESCO-Aufgabe seit den 1950er Jahren

Die UNESCO befasst sich seit ihrer Gründung mit der Erforschung alternativer Energiequellen und mit der Verbreitung von Wind- und Solarenergie. Sie war eine der ersten Organisationen, die sich mit diesem Thema auf globaler Ebene auseinandersetzte. Das "International Arid Zone Programme“ der UNESCO untersuchte über mehrere Jahre bis 1962 die Energieversorgung von wasserarmen Regionen. Das Programm organisierte 1954 ein internationales Symposium zu Wind- und Solarenergie im indischen Neu Delhi.

© greenery (Flickr CC)
Eine Hütte mit Solaranlage am Titicacasee

Die Ölkrise der frühen 1970er machte die Begrenztheit fossiler Brennstoffen und die Notwendigkeit eines vielfältigen Energiemixes offenbar. Vor diesem Hintergrund organisierte die UNESCO 1973 den ersten Weltkongress zu erneuerbaren Energien unter dem Motto „Die Sonne im Dienste der Menschheit“ (The sun in the service of mankind). Diese Konferenz gab den erneuerbaren Ernergien einen wichtigen Impuls, denn sie brachte viele jeweils für sich arbeitende Experten und Initiativen zusammenbrachte und bündelte Aktivitäten.

Ein weiterer Meilenstein war das „Treffen hochrangiger Experten auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien“ 1993. Der Welt-Solar-Gipfel in Zimbabwe drei Jahre später mit Vertretern aus über 100 Staaten führte zum Welt-Solarprogramm der Vereinten Nationen 1996-2005. Bei allen Initiativen war die UNESCO maßgeblicher Initiatior. Gerade das Welt-Solarprogramm war ein wirkungsvolles Instrument zur Verbreitung erneuerbarer Energien. Es veranlasste viele Regierungen, Strategien zu erneuerbaren Energien zu entwickeln und umzusetzen.

UN Energy

Was die UNESCO heute zum Thema erneuerbare Energien leistet, ist eng verbunden mit den Aktivitäten anderer UN-Organisationen und anderer UNESCO-Wissenschaftsprogramme wie MAB, IHP oder MOST. Die UNESCO ist Mitglied von „UN Energy“, dem Koordinierungsgremium aller 20 UN-Organisationen mit Energie-Programmen, vom UN-Umweltprogramm bis zur Internationalen Atomenergiebehörde. Dort koordiniert die UNESCO den Bereich „Politikberatung Erneuerbare Energien“.

Konkrete Beiträge der UNESCO

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Eine Hütte mit Solaranlage am Titicaca-See

In Pilotprojekten bringt die UNESCO erneuerbare Energien in ländliche Gebiete, die von der nationalen Stromversorgung abgeschnitten sind. In "Solardörfern" zeigt sie exemplarisch, wie die Elektrifizierung von Schulen und Krankenhäusern die Lebensbedingungen verbessern kann. Mit Elektrizität können in Krankenhäusern Kühlschränke für Impfungen betrieben werden, warmes Wasser führt zu deutlich mehr Hygiene. Schülern können in elektrifizierten Schulen auch noch abends lernen. Solardörfer beweisen praktisch den Nutzen von Sonnenenergie für die kommunale und regionale Politik.

Schwerpunkt der UNESCO-Arbeit zu erneuerbaren Energien ist die berufliche Aus- und Weiterbildung. Das „Globale Bildungs- und Trainingsprogramm zu erneuerbaren Energien“ (GREET) bietet Training für einzelne Experten, aber mehr noch für ganze Einrichtungen. GREET möchte weltweit Fähigkeiten stärken, erneuerbare Energien auf- und auszubauen, die technischen Anlagen an lokale Bedürfnisse anzupassen und instand zu halten. Seminare vermitteln Entscheidungsträgern, Ingenieuren und Forschern theoretisches Wissen über erneuerbare Energien und machen sie zugleich praktisch-konkret mit den Technologien vertraut. Insbesondere sollen Multiplikatoren erreicht werden, die später eigene Schulungen anbieten. Als Beispiel: Allein 2004-2005 profitierten etwa 500 Personen in 27 verschiedenen Ländern von der Aus- und Weiterbildung durch GREET. Zudem entwickelte und verbreitete die UNESCO Lehr- und Lernmaterialien.

Aus Deutschland stammt der gemeinsam mit der UNESCO entwickelte Vorschlag zur Gründung einer „Open University For Renewable Energies“ (OPURE). Der Vorschlag wurde auf der Internationalen Konferenz für Erneuerbare Energien 2004 in Bonn begrüßt. OPURE soll Ausbildungsprogramme erarbeiten, Forschungsförderung vernetzen und Wissenstransfer stärken. OPURE wird getragen von EUROSOLAR und WCRE und vom Kasseler Institut für Solarenergie (ISET) umgesetzt. Im Sommer 2007 ging mit REnKnow.Net das erste greifbare Element von OPURE online. Ein wichtiges neues Element des UNESCO-Programms in den erneuerbaren Energien ist das 2007 gegründete "International Sustainable Energy Development Centre” in Moskau (www.isedc.com).

© lamusa (Flickr CC)

Den Erfahrungs- und Informationsaustausch fördern auch 12 UNESCO-Lehrstühle zum Thema erneuerbare Energien, zum Beispiel in Bahrain, Malawi, Niger, Rumänien, Sambia, Togo oder Vietnam. Einen besonderen Schwerpunkt legt die UNESCO auch bei erneuerbaren Energien auf Afrika. In mehr als 24 afrikanischen Staaten sind bereits Dörfer mit Solar-Strom-Anlagen ausgestattet worden. Die UNESCO unterstützt den „Konsolidierten Aktionsplan“ für Wissenschaft und Technologie in Afrika von NEPAD/AU. Die UNESCO unterstützte die Afrikanische Energie-Kommission (AFREC) bei der Erstellung eines umfassenden Informationssystems zu Energiefragen in Afrika und dem Aufbau einer Energiedatenbank.

Website der UNESCO

Website von UN Energy

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