Schriftgröße ändern

Zum Ändern der Schriftgröße verwenden Sie bitte die Funktionalität Ihres Browsers. Die Tastatur-Kurzbefehle lauten folgendermaßen:


[Strg]-[+] Schrift vergrößern
[Strg]-[-] Schrift verkleinern
[Strg]-[0] Schriftgröße Zurücksetzen



schließen
MenüService
Suche
  • Home
  • Schriftgröße

AG "Inklusion an Oldenburger Schulen" – Oldenburg (Niedersachsen)

Preisträger des Jakob Muth-Preises für inklusive Schule 2017

Wenn sich die AG ‚Inklusion an Oldenburger Schulen‘ trifft, sind das nicht immer dieselben Leute. Und es sind nicht immer dieselben Themen. Und genau das zeichnet die Arbeitsgruppe aus, seit sie Anfang 2012 gegründet worden ist: Sie will mit genau den Menschen, die es betrifft, stadtweite Lösungen für alle Fragen schulischer Inklusion finden. Anlass waren die Änderungen im Niedersächsischen Schulgesetz im März 2012 zum Recht auf gemeinsames Lernen. Die daraufhin gegründete AG diente mit ihrer sehr besonderen Arbeitsweise als Vorreiter für den gesamtstädtischen Prozess, der auf dem Ratsbeschluss der Stadt Oldenburg mit dem Titel „Oldenburg will Inklusion“ beruht.

Nehmen wir zum Beispiel die Herausforderung, vor der die Helene-Lange-Gesamtschule gerade steht: Die Jugendlichen mit dem Förderbedarf Geistige Entwicklung werden hier bis zur zehnten Klasse inklusiv beschult. Sie fühlen sich wohl und würden gerne mit ihren Klassenkameraden bis zu ihrem Abschluss zusammenbleiben. Eigentlich müssten sie jetzt aber an eine Förderschule, weil sie bisher nicht in die Oberstufe der Gesamtschule gehen dürfen. Das finden sie, ebenso wie ihre Eltern und ihr Schulleiter, Diedrich Smidt, nicht gut. Smidt sagt: „Ein Schulwechsel zu dem Zeitpunkt würde für sie wieder eine andere Herausforderung bedeuten, aber sie würden keinen inklusiven Kontext vorfinden“. Wie also können sie erreichen, dass die Jugendlichen ihre Abschlussstufe an der Helene-Lange-Schule verbringen können? Und wie können sie das möglichst so umsetzen, dass die heutigen Zehntklässler nach dem Sommer weiter an der Schule bleiben können? In den meisten anderen Städten müsste die Schule wohl einzelne Ämter anschreiben und für sich selbst kämpfen. In Oldenburg ist das anders. Gemeinsam wenden sich Jugendliche, Eltern und Schulleitung an die AG ‚Inklusion an Oldenburger Schulen‘.

Die AG trifft sich einmal im Monat auf einer öffentlichen Sitzung. Gastgeber für die öffentlichen Sitzungen ist jedes Mal eine andere Schule, die sich zu Beginn der Sitzung kurz vorstellt. Alle Oldenburger Schulen beteiligen sich an der AG. Die Beteiligungsstruktur der AG hat Prof. Dr. Holger Lindemann konzipiert. Er leitet auch die öffentlichen Sitzungen. Die Koordination der AG liegt bei Frau Jessica Lucht vom Amt für Schule und Bildung der Stadt Oldenburg. Zu den öffentlichen Sitzungen kann jeder kommen, der an den aktuellen Themen interessiert ist, aus allen Bereichen: Schule, Verwaltung, Politik, Zivilgesellschaft – jeder ist willkommen. Und von jedem kann ein Anliegen rund um Schule und Inklusion eingebracht werden. Dann kann auf zwei Arten geholfen werden: Entweder gibt es bereits Antworten, Anlaufstellen, Menschen, Gruppen oder Einrichtungen, die bei genau dieser Frage helfen können. Dadurch, dass die AG so vielfältig besetzt ist und meist genau die da sind, die sich mit dem aktuellen Thema besonders gut auskennen, können solche Anlaufstellen identifiziert, Kontakte hergestellt oder auch Fragen direkt geklärt werden. Oder es gibt zu diesem Punkt noch keine Ansätze, Ansprechpartner oder gar Lösungen. Dann wird eine Unter-Arbeitsgruppe gebildet, die es sich zum Ziel setzt, stadtweite Lösungen für wesentliche Fragen zu finden.

Für die Frage der Helene-Lange-Schule gab es noch keine Antworten – aber andere Schulen, Jugendliche und Eltern, die von demselben Problem berichteten. Entsprechend wurde eine Unter-AG zu dem Thema gegründet. In der Unter-AG treffen sich diejenigen, die das Thema besonders beschäftigt und bearbeiten es intensiv.

Eine der wichtigsten Fragen zu Beginn der Arbeit in einer Unter-AG ist immer: „Wer fehlt noch, damit wir das Thema aus möglichst vielen Perspektiven bearbeiten können?“ Dies ist einer der Leitgedanken der Arbeit in der AG, denn: „Wer Teilhabe als Ergebnis haben möchte, muss auch schon auf dem Weg dorthin Teilhabe möglich machen“, so Lindemann. Jan Reinder Freede, Bereichsleitung Schulentwicklung der Stadt Oldenburg, beschreibt das so: „Wir brauchen die Menschen für die vielen Themen, die wir bespielen wollen. Weil jeder seine Erfahrungen und seine Kompetenzen mitbringt und wir so gemeinsam zu guten Lösungen kommen“. Damit sind die Fragen nicht mehr Probleme jeder einzelnen Schule, sondern können gemeinsam angegangen werden. Die Vorteile liegen auf der Hand: durch die vielen Perspektiven erweitert sich der Lösungsraum, durch das gemeinsame Agieren wird nachhaltig mit Ressourcen umgegangen. Die Ergebnisse aus der Unter-AG werden dann in der allgemeinen AG vorgestellt.

© Ulfert Engelkes

Bei der ersten Sitzung der Unter-AG: „Inklusive Beschulung in den Klassen 11 und 12“ haben sich drei Dinge herausgestellt:

  • Erstens: Es gibt gleich zwei wichtige Fragen, nicht, wie gedacht, eine. Nämlich:
    Wie kann es in Oldenburg zügig gelingen, dass Jugendliche mit dem Förderbedarf Geistige Entwicklung auch nach der 10. Klasse an ihren inklusiven Schulen verbleiben können?
    Wie kann die berufliche Bildung besonders von Jugendlichen mit dem Förderbedarf Lernen und GE in Jahrgang 8 bis 10 noch besser unterstützt werden?
  • Zweitens: Auf die Frage „Wer fehlt?“ wurde deutlich, dass niemand von den berufsbildenden Schulen teilgenommen hat.
  • Drittens: Die Helene-Lange-Gesamtschule hat schon eine Idee: Sie möchte eine Abschlussstufe für Jugendliche mit dem Förderbedarf Geistige Entwicklung einrichten.

Das Ergebnis der ersten Unter-AG-Sitzung war deshalb:

  • In der Unter-AG werden künftig zwei Themen behandelt, das Thema „Inklusive Beschulung in den Klassen 11 und 12“ und das Thema „Inklusive Berufsorientierung“
  • Für die Frage der beruflichen Bildung tragen alle Schulen beim nächsten Treffen zusammen, was sie bisher in diesem Bereich schon tun.
  • Die berufsbildenden Schulen werden zum nächsten Treffen der Unter-AG(s) explizit eingeladen.
  • Der Vorschlag der Helene-Lange-Schule findet große Zustimmung. Da die Zeit bis zum neuen Schuljahr knapp ist, soll direkt in der nächsten Sitzung der Gesamt-AG beschlossen werden, dass die AG das Vorhaben unterstützt. Dieser Beschluss wird dann zeitnah dem Schulausschuss vorgelegt, so dass die Helene-Lange-Gesamtschule eine verbindliche politische Zusage für die Einrichtung einer Abschlussstufe bekommt.
© Ulfert Engelkes

Mit diesem Vorgehen – offene Einladung, Beteiligung aller Interessierten, Klärung spezifischer Fragen in Unter-AGs etc. - konnte die AG schon viel erreichen, um Inklusion an Oldenburger Schulen voranzubringen. So wurden etwa:

  • Raumstandards für inklusive Schulen entwickelt, auf die hin jede Schule überprüft wird,
  • Vereinbarungen zur Beförderung von Kindern mit Förderbedarf mit den Fahrunternehmen getroffen, um ständige Wechsel, die belasten, zu vermeiden,
  • Richtlinien für den Übergang Kita-Schule entwickelt,
  • die budgetierte Schulbegleitung eingeführt, die den gezielten und flexiblen Einsatz von Schulbegleitungen dort ermöglicht, wo sie tatsächlich gebraucht werden.

Die Liste ließe sich fortsetzen. Im ‚Praxishandbuch zur Inklusion an Oldenburger Schulen‘ sind alle bisherigen Ergebnisse zusammengefasst; eine Aufstellung sämtlicher Unter-AGs ist auf der Website der Stadt Oldenburg einzusehen (www.oldenburg.de/schule). Durch die Beteiligung aller wichtigen Gruppen rund um ein Thema genießt die AG ‚Inklusion an Oldenburger Schulen‘ sowohl bei den Betroffenen als auch in Politik und Verwaltung eine hohe Akzeptanz. Jeder kann seine Anliegen vorbringen, neue Sichtweisen eröffnen und sich aktiv beteiligen. Frau Jeack, Leitung der Elternkontaktgruppe Downsyndrom, fasst die Arbeit der AG so zusammen: „Das Schöne an der AG Inklusion ist diese gemeinschaftliche Entwicklung, also diese Prozessbegleitung der Inklusion, dass wirklich alle Seiten gehört werden, dass die Interessen der Eltern genauso wichtig sind wie die Interessen der Stadt“. Und Diedrich Smidt sagt: „Das erleichtert das Geschäft der Schule, wenn man weiß, man hat diese Standards und muss sie nicht jedes Mal neu verhandeln, sondern kann darauf zurückgreifen“. Und es bleibt eben nicht nur in der Schule, wie Cordula Seeber, die Rektorin der Grundschule Krusenbusch, erläutert: „Ich finde so toll, dass die Stadt Oldenburg hier sagt, wir wollen nicht nur inklusive Schulen, sondern wir wollen eine inklusive Stadt werden. Da muss noch irre viel Arbeit geleistet werden, aber das Ziel ist etwas, was sich wirklich lohnt.“ In Oldenburg ist deshalb klar: Inklusion ist gemeinsame Sache!

Kontakt:
Amt für Schule und Bildung
Bergstraße 25
26105 Oldenburg

Koordinatorin für Inklusion an Oldenburger Schulen:
Frau Jessica Lucht
Telefon: 0441 235-2336
E-Mail: jessica.lucht(at)stadt-oldenburg.de

Webseite:
http://www.oldenburg.de/de/microsites/schule/institutionen-rund-um-schule/arbeitsgruppen/ag-inklusion-an-oldenburger-schulen.html

Suche

Newsletter

Abonnieren Sie unsere verschiedenen Newsletter. mehr...