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Dezember 2008

Inklusion: Der Weg der Zukunft

48. UNESCO-Weltkonferenz der Bildungsminister in Genf

Vom 25. bis 28. November 2008 fand die 48. Weltkonferenz der Bildungsminister in Genf statt. Über 1400 Teilnehmer aus 152 Mitgliedstaaten der UNESCO, darunter 65 Bildungsminister, tauschten sich unter dem Motto "Inklusion: Der Weg der Zukunft" über globale Bildungsfragen aus.

Die Ministerin für Bildung und Frauen des Landes Schleswig-Holstein, Ute Erdsiek-Rave, auf der UNESCO-Weltkonferenz der Bildungsminister
© UNESCO

Die Ministerin für Bildung und Frauen des Landes Schleswig-Holstein, Ute Erdsiek-Rave, leitete die deutsche Delegation, der Vertreter der Kultusministerkonferenz, des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, der Deutschen UNESCO-Kommission und der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit angehörten. Den Vorsitz der 48. Weltbildungsministerkonferenz führte Abdusalam Al-Joufi, Bildungsminister des Jemen.

Das auf der Konferenz verabschiedete Abschlussdokument "Conclusions and Recommendations" fordert die Mitgliedstaaten auf, ihre Bildungssysteme inklusiv zu gestalten. Dabei besteht Einigkeit über das Konzept "Inklusion", in welchem die Anpassung der Systeme an die Bedürfnisse aller Lernenden eine bedeutende Rolle spielt. Dieses Ergebnis ist nicht zuletzt vor dem Hintergrund des UNESCO-Weltbildungsberichts 2009 bedeutend, der am 25. November im Rahmen der Konferenz offiziell vorgestellt wurde.

Der Direktor des Berichts, Kevin Watkins, stellte die zentralen Aussagen bei einer Pressekonferenz vor: Einkommen, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Muttersprache und Behinderung führen zu deutlicher Bildungsbenachteiligung. Um die Dakar-Ziele bis zum Jahr 2015 noch zu erreichen, sei es notwendig, dass sich die Regierungen insgesamt stärker für Inklusion einsetzen. Darüber hinaus müssen die Geberländer ihren bereits getroffenen Zusagen für Entwicklungshilfen nachkommen, wenn das Ziel "Bildung für Alle" erreicht werden soll, so der Weltbildungsbericht 2009. 

Ein wichtiges Thema der Konferenz bestand in der Klärung des Begriffes selbst: Inklusion fordert die Bildungsbeteiligung aller benachteiligten Gruppen. Welchen Gruppen der Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung versperrt oder zumindest erschwert wird, variiert in den verschiedenen Regionen der Welt stark. So wurden auch auf der Konferenz die unterschiedlichsten Lernbedürfnisse thematisiert: von den Problemen, mit denen sich Menschen mit Behinderungen in Bildungssystemen konfrontiert sehen, über die besondere Situation von Nomaden bis hin zu fehlenden Bildungschancen für arbeitende Kinder oder Flüchtlinge.

So verschieden die Bedürfnisse auch sind, eines ist inklusiven Bildungssystemen gemeinsam: Nicht der Lernende hat sich in ein bestehendes System zu integrieren, vielmehr bedarf es flexibler Bildungsangebote, die sich an die jeweiligen Bedürfnisse der Lernenden anzupassen vermögen. Insofern sei der Begriff der "Inklusion" dem Begriff der "Integration" vorzuziehen, stimmten die Teilnehmer der Konferenz weitgehend überein.

Vielfalt als Chance – so kann ein weiterer Grundgedanke der Inklusion umschrieben werden. Diesen Gedanken griff Ministerin Ute Erdsiek-Rave, Leiterin der deutschen Delegation, in ihrer Rede bei der Eröffnungsdebatte auf. Sie betonte zudem die Bedeutung von Bildung für die wirtschaftliche Entwicklung und machte deutlich, dass Bildung nicht unter der aktuellen Finanzkrise leiden dürfe.

In zwei Generaldebatten und zwölf Workshops wurde "Der Weg der Zukunft" weiter vertieft. Die Teilnehmer waren sich einig, dass ohne inklusive Bildung die Ziele des UNESCO-Programms Bildung für Alle bis 2015 nicht erreicht werden können. Bildungsqualität und Inklusion schließen sich nicht aus, sondern bedingen sich gegenseitig. Notwendig seien eine umfassende entsprechende Ausbildung der Lehrkräfte und die flexible Gestaltung von Curricula. Inklusion müsse nicht nur den Zugang zu Bildungsangeboten für alle sichern, sondern darüber hinaus auch die aktive Teilnahme aller und letztlich substanzielle Lernerfolge für alle. Nationale und internationale Ausgaben für Bildung dürften auch vor dem Hintergrund der weltweiten Finanzkrise nicht eingeschränkt werden, so der einstimmige Appell der Teilnehmer.

UNESCO-Generaldirektor Matsuura bei der Eröffnung der Konferenz
© UNESCO

Verleihung der Comenius-Medaille

In einer feierlichen Zeremonie wurde am 26. November 2008 die Comenius-Medaille an zehn Preisträger verliehen, die sich international durch herausragende Leistungen und Engagement in der pädagogischen Forschung ausgezeichnet haben. Übergeben wurde dieser Preis, den die UNESCO und das tschechische Bildungsministerium 1992 ins Leben gerufen haben, vom Generaldirektor der UNESCO und der stellvertretenden Bildungsministerin von Tschechien, Eva Bartonova.

Zu den Preisträgern zählen Onerva Mäki aus Finnland, deren Forschungen sich insbesondere auf die Situation von Kindern mit Behinderungen beziehen, Prof. Basu Dev Kafle, Experte für inklusive Bildung aus Nepal, und Prof. Phillip Hughes aus Australien, der sich als Dekan der Universität von Tasmanien und bei der Australischen UNESCO-Nationalkommission seit Jahrzehnten für Bildung eingesetzt hat.

Namensgeber des Preises ist der Philosoph, Theologe und Pädagoge Johann Amos Comenius (1592-1670), der der Pädagogik eine neue, christlich-humanistisch geprägte Richtung gab und bereits im 17. Jahrhundert die Schulpflicht für alle Jungen und Mädchen aller sozialen Schichten forderte.

Abgerundet wurde das Programm der dreieinhalb Tage dauernden Konferenz durch zahlreiche Nebenveranstaltungen rund um das Thema Inklusion, wie Diskussionsforen, Ausstellungen und eine Fernsehübertragung "Young People address Ministers", in der Jugendliche ihre kritischen Fragen und Erfahrungen unter der Moderation des BBC-Journalisten Tim Sebastian direkt an die Bildungsminister richten konnten.

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