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Auf ein Wort: Das UNESCO-Projektschulnetzwerk hat sich erneuert

Interview mit Stefan Engel, Schulleiter der Humboldtschule Bad Homburg

Mit welchem Bildungsverständnis arbeiten Sie an Ihrer UNESCO-Projektschule?

Die Humboldtschule Bad Homburg fördert ihre mehr als 1.600 Schülerinnen und Schüler auf dem Weg der Selbständigkeit, Eigenverantwortung, Toleranz und Weltoffenheit. Hierzu gehört ein qualitativ hochwertiges und vielfältiges Bildungsangebot, das jeweils besondere Stärken in allen drei Fachbereichen hat: von der Schwerpunktschule Musik und einem hochklassigen Angebot auch in den Fächern Darstellendes Spiel und Kunst bis zur individuellen Förderung der Schülerinnen und Schüler durch den Experimentalunterricht in den Naturwissenschaften oder auch besonderen bilingualen Angeboten in den Gesellschaftswissenschaften. Durch unsere Orientierung als UNESCO-Projektschule bilden zudem auch besondere Projekte – wie etwa die bereits seit über 20 Jahren bestehende Schulpartnerschaft mit unserer Partnerschule in Tansania und den daraus erwachsenden Dialogprojekten oder auch die stark ausgeprägte Tradition der Bildung für nachhaltige Entwicklung – wichtige Teile unseres Bildungs- und Selbstverständnisses an der Humboldtschule.

Was sind Erfolgsfaktoren für eine gute Schule?

Zu den entscheidenden Erfolgsfaktoren für eine gute Schule gehört meines Erachtens ein Schulklima, das von Wertschätzung und Respekt im gegenseitigen Umgang getragen ist, und zugleich Anreize und Herausforderungen zur individuellen Entwicklung und Entfaltung aller Schülerinnen und Schüler, aber natürlich auch der Lehrkräfte zu setzen vermag. Wichtige Faktoren für die Möglichkeit des Angebots einer hochwertigen und chancengerechten Bildung bestehen natürlich in den zur Verfügung stehenden Ressourcen personeller wie auch materieller Art. Um dies nur an zwei Beispielen zu verdeutlichen: die mediale Ausstattung der Schulen bedarf auch weiterhin einer Verbesserung, um die mit dem Stichwort der digitalen Bildung verbundenen Aufgaben und Chancen angehen zu können. Hinsichtlich der personellen Ressourcen besteht zum Beispiel ein deutlicher Bedarf auch für die sozialpädagogische und psychologische Beratung und Begleitung von Schülerinnen und Schülern, aber natürlich auch für Fragen der Beratung und Supervision innerhalb des Kollegiums. Wir sind froh, dass wir an der Humboldtschule auch für diese Bereiche bereits einige Angebote und Möglichkeiten mit einer Kinder- und Jugendtherapeutin geschaffen haben, die zumindest an zwei Tagen in der Woche eine offene Sprechstunde anbietet. Darüber hinaus haben wir seit kurzem nunmehr auch ein spezifisches Coachingangebot für Schülerinnen und Schüler mit Lernschwierigkeiten oder Prüfungsangst, das von einer hierfür speziell ausgebildeten Kollegin betreut und gut angenommen wird.

Was muss eine gute Schulleitung heute können?

Eine gute Schulleitung freut sich an einer gelingenden Schule – und sucht hierfür auf allen Ebenen auch entsprechende Weichen zu stellen und Impulse zu setzen: von der Gestaltung der Atmosphäre im Geist des Vertrauens und der Wertschätzung gegenüber allen Teilen der Schulgemeinde bis hin zum vernünftigen Einstehen für die Interessen der eigenen Schule auch gegenüber dem Schulträger oder dem Kultusministerium. Auf dieser Basis ist es möglich, sich gemeinsam mit allen Beteiligten an Erfahrungen des Gelingens zu erfreuen. Zugleich muss eine gute Schulleitung im Team agieren und selbstverständlich auch das Kollegium als Ganzes mit seinen unterschiedlichen Ebenen und Akteuren einbinden. In diesem Sinne sind gute Strukturen, Teamwork und die Fähigkeit zum Delegieren unerlässliche Qualitätsmerkmale einer guten Schulleitung.

Noch immer spukt in manchen Köpfen das Bild des alleinherrschenden Lehrers im Klassenzimmer. Wie fördert man eine Kultur der Zusammenarbeit im Kollegium?

Engel: Eine Kultur der Zusammenarbeit sollte auch von Seiten der Lehrkräfte her mit Leben gefüllt werden. Hierzu gehört eine Kultur der gegenseitigen Beratung ebenso wie auch die bewusste Nutzung der verschiedenen Kompetenzen des Kollegiums – von der Förderung besonders begabter Schülerinnen und Schüler bis hin zur seelsorgerlichen Expertise für den Umgang mit Tod und Trauer im Leben der Schulgemeinde. Außerdem lassen sich natürlich auch bewährte Mittel wie etwa ein Pädagogischer Tag oder auch die Gestaltung besonderer Projekte etwa am UNESCO-Projekttag oder im Rahmen von deutsch-tansanischen Dialogprojekten explizit auch unter der Perspektive fächerübergreifender Zusammenarbeit oder auch des gemeinsamen Teamteaching betrachten und fördern.

Was waren für Ihre Schule die zentralen Erkenntnisse der UNESCO-Projektschulleitertagung im April 2017 im Auswärtigen Amt?

An der Tagung im Auswärtigen Amt hat mein Stellvertreter teilgenommen und im Anschluss begeistert von den Eindrücken und Begegnungen dieses besonderen Tages berichtet. Zu den von ihm herausgehobenen Erkenntnissen dieses Tages gehörte dabei insbesondere die Relevanz des Diskurses um die globalen Nachhaltigkeitsziele der Sustainable Development Goals und die von der Tagung ausgehende Ermutigung, Schule im Sinne einer starken Partizipation von Schülerinnen und Schülern zu gestalten.

Wie profitieren Sie vom Austausch im Rahmen des UNESCO-Projektschulnetzwerkes?

Der Austausch im Netzwerk der  UNESCO-Projektschulen bietet Inspirationen und Impulse für die eigene Arbeit vor Ort. Das gilt für die Lehrkräftebenso wie für die Schülerinnen und Schüler, die an den Aktivitäten des Netzwerks auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene teilnehmen. Darüber hinaus bietet das Netzwerk der UNESCO-Projektschulen eine Struktur, in der Aufbruch und Innovationsgeist ebenso wie Verlässlichkeit und Tradition miteinander eine sehr gute Mischung bilden. Durch den Austausch im Netzwerk über Schulformen und Bundesländer hinweg gewinnen wir zudem auch ganz konkrete kleine und große Ideen, die dabei helfen, die eigene Schule zu gestalten. Diese können von der Idee eines Aufrufs an die gesamte Schulgemeinde, Selfies oder Fotos von allen in den Ferien bereisten Welterbestätten zu machen, bis hin zu Hinweisen auf Planspiele und Bildungsmaterialien zu den Globalen Nachhaltigkeitszielen oder außerschulische Lernorte und Projektpartner in der regionalen Bildungslandschaft gehen, die sich inhaltlich für die Gestaltung von guten Workshops anbieten. Durch die beständige Präsenz unserer Orientierung an grundlegenden Werten wie Demokratie, Frieden, Menschenrechten, der nachhaltigen Entwicklung oder auch einem Zusammenleben in Vielfalt bilden die Ideale der UNESCO-Projektschulen darüber hinaus auch einen sehr wertvollen ideellen Rahmen, in dem sich die einzelne Schule als Ganzes, aber auch jeder und jede Einzelne der Schulgemeinde immer neu verorten und identifizieren kann. Die genannten Aspekte – Ort der Impulse, Inspirationen und Begegnungen, der Ideenbörse, der Begleitung und Orientierung – zeigen, wie wertvoll das Netzwerk der UNESCO-Projektschulen für die Humboldtschule ist.

Wo wollen Sie hin als Netzwerk?

Das Netzwerk der UNESCO-Projektschulen hat sich in den vergangenen Jahren erneuert und durch die Diskussion und Festlegung von Qualitätsstandards an UNESCO-Projektschulen an Kontur und Substanz gewonnen. Zu dieser Erneuerung gehören ganz wesentlich auch die Chancen für unsere Schülerinnen und Schüler im Rahmen der internationalen Deutsch-Afrikanischen Jugendakademien sowie anderer nationaler und internationaler Programme wertvolle Erfahrungen als „global citizens“ im Sinne des Ansatzes der Global Citizenship Education zu machen. Die Wertschätzung für die Partizipation der Schülerinnen und Schüler und damit auch die Förderung ihrer Selbstständigkeit wie auch die Entwicklung experimenteller Formate wie der Akademien und Dialogprojekte zeichnen die UNESCO-Projektschulen und ihr Netzwerk in besonderer Weise aus. Ein herausragendes Beispiel für die Innovationskraft und Relevanz des UNESCO-Netzwerks ist das von 2017 bis 2019 angelegte Climate Action Project, mit dem auch die internationale Vernetzung der UNESCO-Projektschulen noch greifbarer und sichtbarer wird.

Was haben Sie sich mit Ihrer Schule für das Jahr 2018 vorgenommen?

Im Kontext des UNESCO-Profils der Humboldtschule stehen im Jahr 2018 drei besondere Highlights an: Die Mitwirkung als Pilotschule im Climate Action Project der Deutschen UNESCO-Kommission und die entsprechende Gestaltung von Aktivitäten, Maßnahmen und Untersuchungen bei uns vor Ort im Sinne der Entwicklung hin zu einer klimafreundlichen Schule. Ein weiteres Vorhaben ist die Fortsetzung der Recherchearbeiten der UNESCO-AG der Oberstufe unter Leitung unseres UNESCO-Koordinators Klaus Schilling zur Geschichte einer Bad Homburger jüdischen Familie, für die im Herbst 2018 Stolpersteine an ihrem letzten Wohnort vor der Deportation durch die Nazis verlegt werden sollen. Bereits jetzt hat die UNESCO-AG Gespräche mit ehemaligen Nachbarn und Klassenkameradinnen geführt sowie Materialien im Hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden herausgesucht. Der Weg für die Verlegung der drei Stolpersteine für Mina, Berta und und Julius Stein ist somit geebnet. Und nicht zuletzt werden wir den Internationalen UNESCO-Projekttag an der Humboldtschule vor dem Horizont der Globalen Nachhaltigkeitsziele gestalten. Dabei können wir bereits auf verschiedene bewährte außerschulische Partner im Feld der Bildung für nachhaltige Entwicklung und des Globalen Lernens aus dem Rhein-Main-Gebiet zurückgreifen, die uns auch 2018 helfen werden, gemeinsam einen spannenden und attraktiven UNESCO-Projekttag für die Humboldtschule auszurichten.

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