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Juni 2015

UNESCO-Weltbildungsforum in Korea

Weltgemeinschaft bestätigt Rahmenplan für künftige Bildungsagenda

Interview mit Prof. Dr. Christoph Wulf, Vizepräsident der Deutschen UNESCO-Kommission

Vom 19. bis 22. Mai 2015 fand das UNESCO-Weltbildungsforum in Incheon, Republik Korea, statt. 1.500 Regierungsvertreter und Experten, darunter 130 Minister, verabschiedeten die Incheon-Erklärung und bekräftigten den von der UNESCO vorgelegten Entwurf eines Aktionsrahmens zur Rolle der Bildung in der Post-2015-Agenda für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen. Prof. Dr. Christoph Wulf, Vizepräsident der Deutschen UNESCO-Kommission und Mitglied der deutschen Delegation in Incheon, steht unesco heute online Rede und Antwort zum Weltbildungsforum.

Prof. Dr. Christoph Wulf
© DUK

unesco heute online: Welche Bedeutung hatte das UNESCO-Weltbildungsforum in der Vorbereitung der neuen Agenda der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung?

Christoph Wulf:  Die sogenannten Sustainable Development Goals (SDGs) werden im September bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York verabschiedet. Sie lösen dann die Millennium Development Goals ab. Bildung soll in den SDGs eine zentrale Rolle spielen. In den aktuell laufenden Verhandlungen liegt die Formulierung "Ensure inclusive and equitable quality education and promote lifelong learning opportunities for all" für den Bildungsbereich auf dem Tisch. So hat eine Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen das Bildungsziel als eines von 17 geplanten Zielen beschrieben. Dieses Ziel, seine sieben Unterziele und drei Umsetzungsmechanismen waren Thema der Konferenz in Incheon. 15 Jahre nach dem Weltbildungsforum in Dakar, auf dem das Weltaktionsprogramm "Bildung für alle" (2000-2015) beschlossen wurde, haben Regierungsvertreter und Experten aus aller Welt in Korea diskutiert, welche Implikationen die neue Bildungsagenda für die Jahre 2015 bis 2030 mit sich bringt.

uho: Was ist aus Ihrer Sicht das zentrale Ergebnis des Weltbildungsforums?

Wulf: Ein zentrales Ergebnis ist, dass die Weltgemeinschaft sich hinter dem universellen, übergreifenden VN-Bildungsziel versammelt hat und dieses sowie die Unterziele unterstützt. Klar bestätigt wurde auch, dass Bildung integraler Bestandteil der SDG-Agenda sein soll. Diese Punkte betont auch die verabschiedete Incheon-Erklärung. Mitgliedstaaten, internationale Organisationen und Zivilgesellschaft haben ihre volle Unterstützung für die Bildungsagenda bekundet. So kündigte die Weltbank beispielsweise weit höhere Bildungsausgaben für die Zukunft an.

Das Weltbildungsforum bot außerdem wichtigen Raum, um die Details der Umsetzung der zukünftigen Agenda zu diskutieren. Dazu hatte die UNESCO einen Rahmenplan zur Umsetzung vorgelegt, den die Konferenz ebenfalls bestätigt hat. Dieser soll nach Verabschiedung der SDGs dann im November von der UNESCO-Generalkonferenz verabschiedet werden.

uho: Wie wird die künftige globale Bildungsagenda aussehen und wird das Konzept "Bildung für nachhaltige Entwicklung" darin eine Rolle spielen?

Wulf: Nach dem aktuellen Verhandlungsstand wird der Fokus der Bildungsagenda auf Qualität, Chancengleichheit, Inklusion und lebenslangem Lernen liegen. Diese Schwerpunkte sind auch in der Incheon-Erklärung festgehalten. Diesen guten Verhandlungsstand verdanken wir einem intensiven zweijährigen Konsultationsprozess, den die UNESCO hervorragend geleitet hat. In der Vergangenheit hatte man sich zu stark auf den Zugang zu Bildung, insbesondere zu Grundschulbildung, konzentriert. Dies kritisiert auch der UNESCO-Weltbildungsbericht 2015. Er fordert unter anderem, massiv in die Qualität der Bildung zu investieren. Diese und weitere Empfehlungen hat man sich bei der Schwerpunktsetzung innerhalb des Bildungsziels zu Herzen genommen.

Auch Bildung für nachhaltige Entwicklung soll in der künftigen globalen Bildungsagenda eine zentrale Rolle spielen. Das Konzept ist in einem der sieben Unterziele genannt. Zudem ist es natürlich für die Umsetzung aller anderen Sustainable Development Goals wichtig. Der Anspruch einer Bildung für nachhaltige Entwicklung dabei ist, nicht nur Wissen zu sozialen, ökologischen und ökonomischen Nachhaltigkeitsthemen zu vermitteln, sondern das Lehren und Lernen auf interaktive Weise und mit Fokus auf den Lernenden zu gestalten.

uho: Herrschte unter den Konferenzteilnehmern in Incheon Resignation aufgrund der nicht erreichten "Bildung für alle"-Agenda – oder war eine Aufbruchstimmung zu spüren?

UNESCO-Weltbildungsforum 2015 in Südkorea
© UNESCO

Wulf: Auch wenn "Bildung für alle" nicht erreicht werden konnte, wurden im Rahmen des Programms in den letzten 15 Jahren weltweit viele Fortschritte in der Bildung gemacht. In Korea war der Wille, darauf aufzubauen, ebenso deutlich zu spüren wie die Entschlossenheit, aus den Unzulänglichkeiten der "Bildung für alle"-Agenda zu lernen. Entschieden will man sich nun um benachteiligte Gruppen kümmern, denn häufig gibt es sogar innerhalb eines Landes große Unterschiede bei Bildungsbeteiligung und -erfolg. Deutlich wurde weiterhin der neue Fokus auf Bildungsqualität, die bisher zu stark vernachlässigt wurde. Die Aufbruchstimmung wurde auch transportiert durch die hochrangige Beteiligung an der Konferenz, die unter anderem vom Generalsekretär der Vereinten Nationen, der UNESCO-Generaldirektorin, dem Weltbankpräsidenten und der Staatspräsidentin Koreas eröffnet wurde und an der über 130 Minister teilnahmen.

uho: Sie haben es erwähnt: Über 130 Minister reisten zu der Veranstaltung in die Republik Korea. Warum war kaum ein europäischer Minister unter ihnen zu finden?

Wulf: Das Aktionsprogramm "Bildung für alle" wurde nach seiner Verabschiedung im Jahr 2000 schnell als Programm für Entwicklungsländer wahrgenommen – auch weil sich die parallel laufende Millenniumsentwicklungsagenda auf den Zugang zur Grundschulbildung fokussierte. Die zukünftige Agenda wird hingegen universell sein, sich also an Entwicklungs- und Industrieländer gleichermaßen richten. Jedes Land – auch Deutschland – wird sich seine eigenen Zielwerte setzen müssen. Dies ist ein enormer Paradigmenwechsel, der noch nicht bis zuletzt vollzogen ist.

uho: Neben der UNESCO waren UNICEF, UNDP, UNFPA, UN WOMEN, UNHCR und die Weltbankgruppe Mitorganisatoren des Forums. Warum sind so viele UN-Organisationen mit Bildung befasst und welche Rolle sollte die UNESCO bei der Umsetzung der künftigen Bildungsagenda spielen?

Wulf: Der Weltbildungsbericht 2013/2014 stellte fest, dass Bildung weltweit in der Krise steckt: 250 Millionen Kinder weltweit lernen nicht die Grundlagen des Lesens und Rechnens, obwohl die Hälfte von ihnen mindestens vier Jahre die Schule besucht hat. Diese Krise zu überwinden ist eine Mammutaufgabe, an der Mitgliedstaaten, Zivilgesellschaft und UN-System gemeinsam arbeiten müssen. Die UNESCO als zwischenstaatliche Sonderorganisation der Vereinten Nationen für Bildung hat hier eine herausragende Bedeutung. Sie wird, so ist es geplant, die Koordinierung für die Bildungsagenda übernehmen, die Umsetzung leiten, die Fortschritte überprüfen und das Zusammenwirken mit den anderen Zielen der UN-Agenda für nachhaltige Entwicklung im Auge behalten. Die von Ihnen weiterhin genannten Programme der UN nehmen in der Implementierung wichtige Spezialaufgaben wahr und kümmern sich zum Beispiel um Bildung für Flüchtlinge.

uho: Wie soll in Zukunft überprüft werden, ob die Ziele der neuen Bildungsagenda erreicht werden?

Wulf: Geplant ist ein Weltbildungsbericht unter dem Dach der UNESCO – der Global Education Monitoring Report (GEMR). Er wird der Nachfolger des UNESCO Global Monitoring Reports (GMR) sein, der seit 2002 sehr erfolgreich die Bildungsziele global überprüft und der in dieser Zeit zu dem Referenzdokument für den Stand der Bildung weltweit geworden ist.

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