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Januar 2013

Jakob Muth-Preis für inklusive Schule

Schulen aus Bonn, Jena und Kassel ausgezeichnet

Zum vierten Mal wurde am 23. Januar 2013 der Jakob Muth-Preis verliehen. Diesjährige Preisträger sind die Ketteler-Grundschule in Bonn, die Grundschule an der Trießnitz in Jena und die Offene Schule in Kassel. Unter dem Motto "Gemeinsam lernen – mit und ohne Behinderung" zeichnet der Jakob Muth-Preis Schulen aus, in denen Kinder mit und ohne Förderbedarf vorbildlich gemeinsam lernen.

Gemeinsam lernen – mit und ohne Behinderung
© Ulfert Engelkes

Der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, die Deutsche UNESCO-Kommission, die Sinn-Stiftung und die Bertelsmann Stiftung würdigen mit dem Preis die Leistung von Schulen, die besonders überzeugende Konzepte zur inklusiven Bildung entwickelt haben. 2009 hat Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention ratifiziert. Die Konvention fordert auch für Kinder mit besonderem Förderbedarf Zugang zu Regelschulen. Das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung ist eines der meistdiskutierten Themen in der Schulpolitik.

Die Bonner Kettelerschule und die Jenaer Grundschule treiben seit Jahren die Entwicklung zur inklusiven Schule intensiv voran. Die Kasseler Gesamtschule blickt bereits auf 20 Jahre gemeinsames Lernen zurück. Alle drei Preisträger sind Ganztagsschulen, in denen feste Teams aus Fach- und Förderlehrern, Sozialpädagogen und Erziehern die jeweilige Lerngruppe über die gesamte Schulzeit betreuen. Die Schulen setzen im Unterricht auf verschiedene Lernformen und Methoden, um jedes Kind optimal in seiner Entwicklung zu begleiten.

"Qualität wichtiger als Geschwindigkeit"

"Der Weg zur Inklusion braucht engagierte Kollegien, gut ausgebildete Lehr- und Fachkräfte, schlüssige Konzepte und auch Zeit", sagte Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung. Das Vertrauen der Eltern entstehe nur, wenn kein Schüler unter- oder überfordert werde. "Bei inklusivem Lernen ist Qualität wichtiger als Geschwindigkeit", so Dräger.

Rund eine halbe Million Kinder in Deutschland haben sonderpädagogischen Förderbedarf. Doch noch immer besuchen 78 Prozent dieser Kinder eine Förderschule, werden also getrennt unterrichtet. "Die Gewinner des Jakob Muth-Preises machen allen Schulen Mut, mehr Inklusion zu wagen", sagte Hubert Hüppe, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen.

Ute Erdsiek-Rave, Vorsitzende des Expertenkreises "Inklusive Bildung" der Deutschen UNESCO-Kommission, betonte, dass die erfolgreiche Arbeit in vielen Schulen vor Ort einen unentbehrlichen Beitrag zur Umsetzung inklusiver Bildung in Deutschland leistet. "Denn es gibt noch viel zu tun, bis wir die Verpflichtungen der UN-Behindertenrechtskonvention erfüllen", so Erdsiek-Rave. Christian Rauschenfels, Vorstandsvorsitzender der Sinn-Stiftung, zeigte sich zufrieden, dass "immer mehr LebensLernOrte eine Kultur gelebter Inklusion erfahrbar machen – so wie es unsere Preisträgerschulen täglich leisten."

Der Preis ist mit jeweils 3.000 Euro dotiert und wird seit 2009 jährlich vergeben. Benannt ist er nach dem Pädagogen Jakob Muth (1927-1993), einem Vorkämpfer und Wegbereiter des gemeinsamen Lernens von behinderten und nicht behinderten Kindern. Mit der Auszeichnung wollen die Projektträger positive Beispiele für gemeinsamen Unterricht bekannt machen und zur Nachahmung anregen. In diesem Jahr hatten sich 70 Schulen aus ganz Deutschland für den Jakob Muth-Preis beworben.

Weitere Informationen: www.jakobmuthpreis.de

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