60 Jahre deutsche Mitarbeit in der UNESCO
Die 60-jährige deutsche Mitgliedschaft in der UNESCO wurde am 23. Juni 2011 mit einem Festakt in Berlin begangen. Zu der Feier im Auswärtigen Amt werden Staatsministerin Cornelia Pieper und UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova sowie rund 300 Gäste erwartet, darunter Botschafter der UNESCO-Mitgliedstaaten und Vertreter der UNESCO-Netzwerke in Deutschland.
Deutschland in der UNESCO
- Beitritt Deutschlands in die UNESCO vor 60 Jahren am 11. Juli 1951 war für die junge Republik ein wichtiger Schritt zur Wiedereingliederung in die internationale Staatengemeinschaft nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Die UNESCO – die UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation – hat derzeit 194 Mitgliedstaaten. Sie arbeitet als einzige UN-Organisation weltweit mit 197 Nationalkommissionen.
- Die Deutsche UNESCO-Kommission ist eine Mittlerorganisation der deutschen Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. Sie "vermittelt" zwischen Bundesregierung, Zivilgesellschaft und UNESCO. Seit den 1950er Jahren binden ihre Netzwerke die vorhandene Expertise zu UNESCO-Themen national wie international wirkungsvoll ein.
- Deutschland hat heute eine der aktivsten UNESCO-Nationalkommissionen weltweit. Die insgesamt 195 nationalen Kommissionen leisten einen wertvollen und unverzichtbaren Beitrag zur erfolgreichen Arbeit der UNESCO. Ohne den stetigen Input der fachlichen Expertise aus den Mitgliedstaaten und der Zivilgesellschaft könnten die Programme der UNESCO nicht die geforderte Qualität haben.
- Seit 1948 hat die UNESCO 30 internationale Übereinkommen verabschiedet. Rund zwei Drittel dieser Übereinkommen hat Deutschland ratifiziert. Dazu gehören das UNESCO-Übereinkommen zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen (2005), die Konvention gegen Doping im Sport (2005), das Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt (1972) und das Welturheberrechtsabkommen (1952).
Schwerpunkte in Deutschland
- Biosphärenreservate: Der Klimawandel und die Bedeutung von Biosphärenreservaten stehen im Mittelpunkt einer Tagung der UNESCO im Juni in Radebeul. Zu dem Treffen am 27. und 28. Juni 2011 werden 200 Teilnehmer aus allen 193 Mitgliedstaaten der Organisation erwartet. In Deutschland gibt es heute 15 UNESCO-Biosphärenreservate, die Nachhaltigkeit in allen Dimensionen umsetzen und fördern.
- Welterbestätten: Deutschland kandidiert 2011 für einen Sitz im Welterbekomitee. Heute stehen 33 Kultur- und Naturstätten aus Deutschland auf der Welterbeliste, darunter die Altstädte von Lübeck, Stralsund und Wismar, der Kölner Dom und das Wattenmeer.
- UNESCO-Projektschulen: In Deutschland gibt es über 200 UNESCO-Projektschulen. Sie engagieren sich für eine Kultur des Friedens, für den Schutz der Umwelt, für eine nachhaltige Entwicklung und für einen gerechten Ausgleich zwischen Arm und Reich. Das Schulleben gestalten sie im Sinne des interkulturellen Lernens. Das weltweite Netzwerk der UNESCO-Projektschulen umfasst 8.500 Bildungsinstitutionen.
- Inklusive Bildung: Inklusion im Bildungsbereich bedeutet, dass allen Menschen die gleichen Möglichkeiten offen stehen, an qualitativ hochwertiger Bildung teilzuhaben und ihre Potenziale entwickeln zu können, unabhängig von besonderen Lernbedürfnissen, Geschlecht, sozialen und ökonomischen Voraussetzungen. Die Deutsche UNESCO-Kommission setzt sich mit ihrem Expertenkreis "Inklusive Bildung" nachdrücklich für die Umsetzung dieses Bildungsleitbilds in Deutschland ein.
- Bildung für nachhaltige Entwicklung: 2005 bis 2014 ist die UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung". Die UNESCO ist international federführend. In Deutschland koordiniert die DUK auf der Grundlage eines einstimmigen Bundestagsbeschlusses die Aktivitäten zur UN-Dekade. Sie hat ein Nationalkomitee berufen, dem rund 30 Institutionen und Experten angehören. Es zeichnet gute Praxis als "Dekade-Projekte" aus. Die deutsche Umsetzung der Dekade steht unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten und gilt weltweit als modellhaft.
UNESCO im 21. Jahrhundert
- UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova forderte bei ihrem Antritt einen neuen Humanismus für das 21. Jahrhundert: "Es braucht weltweit tragfähige Konzepte für politisches Handeln, die zu einer besseren Lebensqualität beitragen. Die Aufgaben der UNESCO erfassen zentrale Fragen unserer Zeit: Bildung und Bildungsqualität, Wissenschaftsethik, Biodiversität, kulturelle Vielfalt, interkultureller Dialog."
- Die Leitidee der UNESCO ist nach wie vor von höchster Aktualität: "Weil Kriege im Geist der Menschen entstehen, muss auch der Frieden im Geist der Menschen verankert werden", so steht es in der Präambel von 1946. Durch internationale Zusammenarbeit in Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation leistet die UNESCO einen Beitrag zu Frieden und Sicherheit.
- Die UNESCO unterstützt mit ihrem Mandat die Lösung internationaler Konflikte und weltweiter Herausforderungen: Dazu gehören langfristige Probleme wie Bildungsarmut, Klimawandel oder Wissenstransfer. Die UNESCO verteidigt die Menschenrechte und die Pressefreiheit. Sie engagiert sich weltweit für eine bessere Bildung, für den freien Zugang zu Information und für den Schutz der biologischen und kulturellen Vielfalt.
- Der Bedarf an multilateraler Verständigung und Zusammenarbeit nimmt zu: Seit dem Ende des Kalten Krieges und durch die damit einhergehende Globalisierung sind unterschiedliche Gesellschaften immer stärker voneinander abhängig. Die UNESCO bietet ein weltweites Forum für den Wissens- und Erfahrungsaustausch.
- Nachhaltige Entwicklung ist eine zentrale Frage unserer Zeit: Für die UNESCO ist Bildung der Schlüssel für nachhaltige Entwicklung. Sie vermittelt Werte, Wissen und Kompetenzen, um die Zukunft verantwortungsvoll zu gestalten. Die Idee der Nachhaltigkeit in der Bildung zu verankern, ist Ziel der UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung".
Meilensteine der UNESCO
- Welterbekonvention: 1972 hat die UNESCO die Welterbekonvention verabschiedet. Sie entwickelte sich zum bedeutendsten globalen Instrument, um Kultur- und Naturstätten zu erhalten. Bis heute sind über 185 Nationen dem Übereinkommen beigetreten. Die Idee zur Welterbekonvention geht auf die UNESCO-Kampagne zur Rettung der nubischen Tempel von Abu Simbel zurück.
- UNESCO-Programm zur Medienförderung: Die UNESCO gründete 1980 das Internationale Programm zur Medienentwicklung (IPDC). Schwerpunkt in den 80er Jahren war der Aufbau von Nachrichtenagenturen in Afrika. Das IPDC ist das einzige Programm der Vereinten Nationen für die Medienförderung in Entwicklungs- und Transformationsländern. Seit seiner Gründung wurden über 1250 Projekte in 140 Ländern mit einem Gesamtvolumen von rund 100 Millionen US-Dollar gefördert.
- Erklärung "Bildung für Alle": Die UNESCO-Weltkonferenz "Bildung für alle" markierte 1990 einen Wendepunkt in der weltweiten Bildungspolitik. 155 Staaten, die UNESCO, UNICEF, UNDP und Weltbank verabschiedeten im thailändischen Jomtien erstmals ein gemeinsames Aktionsprogramm. Angesichts einer Milliarde Analphabeten weltweit forderte die Erklärung "Bildung für Alle" die Halbierung der Analphabetenrate bis zum Jahr 2000 und Grundschulbildung für mindestens 80 Prozent der Kinder im Alter bis 14 Jahre.
- Memory of the World: Wer entscheidet heute, an was wir uns morgen erinnern werden? Seit 1992 geht das UNESCO-Programm "Memory of the World" Fragen des vielfältigen Dokumentenerbes nach. Es ist ein weltumspannendes digitales Netzwerk mit ausgewählten herausragenden Dokumenten: wertvollen Buchbeständen, Handschriften, Partituren, Unikaten, Bild-, Ton- und Filmdokumenten. Das Memory of the World-Register umfasst 238 Dokumente aus aller Welt, darunter das Nibelungenlied und den Film "Metropolis".
- Kulturelle Vielfalt: Die "Konvention zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen" ist 2007 in Kraft getreten. In diesem Übereinkommen wird das Recht aller Staaten auf eine eigenständige nationale Kulturpolitik und öffentliche Kulturförderung verankert. Jeder Staat kann regulatorische Maßnahmen ergreifen, um die kulturelle Vielfalt im eigenen Staatsgebiet zu schützen.
(Stand: Juni 2011)



