Juni 2011
Gute Bildungspolitik ist Friedenspolitik
60 Jahre deutsche Mitarbeit in der UNESCO
Von Farid Gardizi
Seit 60 Jahren engagiert sich Deutschland in der UNESCO und ist heute drittgrößter Beitragszahler der UN-Organisation. Mit einem Empfang beim Bundespräsidenten und einem Festakt im Auswärtigen Amt wurde die 60-jährige Mitarbeit in der UNESCO am 23. Juni 2011 in Berlin gefeiert. An der Feier nahmen Staatsministerin Cornelia Pieper und UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova teil.
Die Aufnahme Deutschlands in die UNESCO – am 11. Juli 1951 – war ein bedeutender Schritt: Sie war ein sichtbares Zeichen, die junge Republik nach dem Zweiten Weltkrieg wieder in die internationale Staatengemeinschaft aufzunehmen. Vorausgegangen war dem Beitritt in die UNESCO die Gründung der Deutschen UNESCO-Kommission am 12. Mai 1950.
Bundespräsident Christian Wulff erinnerte in seiner Festrede vor 100 Gästen im Schloss Bellevue, dass eine effektive Arbeit der UNESCO kaum möglich wäre, wenn es keine Nationalkommissionen wie die Deutsche UNESCO-Kommission gäbe. "Erst sie stellen sicher, dass es zu einer Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft in den jeweiligen Ländern kommt. Sie wirken als Scharnier zwischen UNESCO und Mitgliedstaaten und beraten ihre Regierungen in allen die UNESCO betreffenden Fragen", sagte Bundespräsident Christian Wulff.
In einer Zeit, in der sich Innen- und Außenpolitik zunehmend verschränken, steht die Deutsche UNESCO-Kommission für ein wichtiges Element in der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik: Mit ihren 195 nationalen Kommissionen hat die UNESCO als einzige UN-Organisation ein Politikmodell, das systematisch die weltweite zivilgesellschaftliche Expertise einbindet. Rund 100 Mitglieder gehören der Deutschen UNESCO-Kommission an, darunter Einrichtungen und Vereinigungen aus Politik, Kultur, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien.
Staatsministerin Cornelia Pieper sprach ebenfalls ihre Anerkennung für die Arbeit der Deutschen UNESCO-Kommission aus. Bei einem Festakt im Auswärtigen Amt dankte sie Präsident Walter Hirche, Generalsekretär Dr. Roland Bernecker und den vielen ehrenamtlichen Mitarbeitern für ihren leistungsstarken Einsatz als Mittler für die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik. "Deutschland ist ein verlässlicher und konstruktiver Partner der UNESCO. Wir werden auch in Zukunft unseren Beitrag leisten, damit die UNESCO ihre wichtige Aufgabe im UN-System erfüllen kann", sagte Staatsministerin Pieper vor den 300 Gästen.
Deutschland wünsche sich eine starke und effizient arbeitende UNESCO, die einen wirkungsvollen Beitrag zur humanen Gestaltung der Globalisierung leiste. Sie ermutigte deshalb Generaldirektorin Bokova, die begonnenen Reformen mit Nachdruck weiter umzusetzen. "Gute Bildungspolitik ist Friedenspolitik", betonte Staatsministerin Pieper.
UNESCO-Generaldirektorin Bokova hob in ihrer Rede das deutsche Engagement für nachhaltige Entwicklung hervor. Seit 2005 koordiniert die Deutsche UNESCO-Kommission die Aktivitäten zur UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" in Deutschland. "Der Sachverstand deutscher Experten spielt in der Arbeit der einzigen weltweiten Organisation für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation eine entscheidende Rolle", sagte UNESCO-Generaldirektorin Bokova. "Deutschland hat heute eine der aktivsten UNESCO-Nationalkommissionen weltweit."
Seit den 1950er Jahren arbeitet Deutschland aktiv in der UNESCO mit. Das Land ist heute drittgrößter Beitragszahler nach Japan und den USA. Es beteiligt sich an den zwischenstaatlichen Programmen der UNESCO und wirkt in Komitees und Expertengremien aktiv mit. Deutschland ist seit 1954 mit Ausnahme der Jahre 2005 und 2006 kontinuierlich im UNESCO-Exekutivrat vertreten und hatte von 2003 bis 2005 dessen Vorsitz inne. Seit 2009 ist Botschafterin Martina Nibbeling-Wrießnig stellvertretende Vorsitzende des Exekutivrates. 2011 kandidiert Deutschland für einen Sitz im UNESCO-Welterbekomitee.
Weitere Informationen:
Rede von Staatsministerin Cornelia Pieper zum 60. Jahrestag des deutschen UNESCO-Beitritts
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