Deutsche UNESCO Kommission e.V.

Die Genese der UNESCO-Konvention zum immateriellen Kulturerbe

Der Begriff des ‘Kulturerbes’ hat sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt und erweitert. Kulturerbe endet nicht bei Baudenkmälern oder Kulturgutsammlungen. Es umfasst auch Traditionen und lebendige kulturelle Ausdrucksformen, wie z.B. mündlich überlieferte Traditionen, darstellende Künste, gesellschaftliche Gebräuche, Rituale und Feste, Wissen und Praktiken im Umgang mit der Natur und dem Universum und Fachwissen über traditionelle Handwerkstechniken.

© UNESCO
Immaterielles Kulturerbe: Karneval von Oruro

Um die Bedeutung und Vielfalt dieser immateriellen Kulturformen bewusst zu machen, hat die UNESCO 1997 das Arbeitsprogramm "Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Kulturerbes" ins Leben gerufen. In drei Proklamationen in den Jahren 2001, 2003 und 2005 hat die UNESCO 90 besonders erhaltenswerte immaterielle Kulturgüter aus allen Weltregionen zu "Meisterwerken" ernannt. Im Auftrag des damaligen UNESCO-Generaldirektors Koïchiro Matsuura erarbeitete eine internationale Expertengruppe 2001 einen Entwurf für ein internationales Abkommen zum Schutz des immateriellen Kulturerbes.

Innerhalb von zwei Jahren wurde die Konvention von den Mitgliedsstaaten der Konvention verhandelt und von der 32. UNESCO-Generalkonferenz als "Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes" am 17. Oktober 2003 im Konsens (120 Pro-Stimmen, 8 Enthaltungen, keine Gegenstimmen) verabschiedet. Mit Hinterlegung der 30. Ratifizierungsurkunde trat die Konvention am 20. April 2006 in Kraft. Damit wurde das Arbeitsprogramm "Masterpieces" beendet.

 
Weitere Informationen zur Entstehung der Konvention:

Marc Jakobs: Das Konventionsprojekt der UNESCO zum immateriellen Kulturerbe. Von dem "Deux ex machina" und einem "Meisterwerk der Kompromisse" und seiner politischen Umsetzung". In: UNESCO heute 1/2007 "Immaterielles Kulturerbe"