unesco aktuell

Pressemitteilung der Deutschen UNESCO-Kommission

Deutsche UNESCO Kommission e.V.

SCHRIFTGRÖSSE

Pressemitteilung, 07. April 2006

Deutsche Nominierungen für das UNESCO-Programm Memory of the World

Leibniz-Briefwechsel und Dokumente zur Berliner Mauer vorgeschlagen

Das deutsche Nominierungskomitee für das UNESCO-Programm „Memory of the World“ (MOW) hat fristgerecht zum 31. März 2006 den Briefwechsel von Gottfried Wilhelm Leibniz sowie Dokumente zu Bau und Fall der Berliner Mauer offiziell zur Aufnahme in das Weltdokumentenerbe der UNESCO vorgeschlagen. Im Herbst 2007 entscheidet der Generaldirektor der UNESCO abschließend über die Neueinträge in das Weltregister des „Memory of the World“.

Der Briefwechsel des Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) stellt ein einzigartiges Zeugnis der europäischen Gelehrtenrepublik im Übergang vom Barock zur frühen Aufklärung dar. Er umfasst mit rund 15.000 Briefen an 1.100 Korrespondenten alle wichtigen Bereiche der Wissenschaften.

Die Bedeutung der Korrespondenz liegt in ihrem weltumspannenden Themenspektrum. Sie spiegelt das Hineinwachsen Russlands nach Europa in der Zeit Zar Peters I. ebenso wie den Kulturaustausch mit China wider. Der Briefwechsel stellt ein Gründungsdokument der europäischen Moderne dar und markiert einen Wendepunkt in der Entwicklung von Technik und Denken der Zeit. Leibniz etablierte ein weltweites Korrespondentennetz, das Hannover zu einem Mittelpunkt der wissenschaftlichen Gemeinschaft machte. Die Nominierung zum Weltdokumentenerbe wurde eingereicht in Zusammenarbeit mit der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek - Niedersächsische Landesbibliothek, Hannover.

Ansprechpartner:
Dr. Georg Ruppelt, Direktor der  Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek – Niedersächsische Landesbibliothek, Waterloostraße 8, 30169 Hannover
Tel. 0511-1267-303, Email: direktion@gwlb.de

Der Bau der Berliner Mauer im August 1961 und ihr Fall im November 1989 stellen die Symbole für die Teilung und Wiedervereinigung Deutschlands dar. International steht die Mauer für die Trennung der Welt in Ost und West zu Zeiten des Kalten Krieges. Exemplarische Bild-, Ton- und Schriftdokumente aus dieser Zeit sind Teil des kollektiven Gedächtnisses Deutschlands, Europas und der ganzen Welt. Als politisches Zeugnis wurde der Zwei-plus-Vier-Vertrag vom 12. September 1990 als Meilenstein internationaler Diplomatie vorgeschlagen. Er dokumentiert den friedlichen Abschluss dieser Ära.

Das erste der insgesamt fünf eingereichten AV-Dokumente besteht aus einer Tonaufnahme vom 15. Juni 1961 und enthält Walter Ulbrichts berühmte Antwort auf eine Frage der Journalistin Annemarie Doherr: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“. Als Filmdokumente wurden außerdem Bilder vom Bau und Einriss der Mauer eingereicht, darunter der Filmausschnitt mit dem Soldaten, der im August 1961 mit seinem Gewehr über Maschendraht springt. Die letzte Aufnahme zeigt die Pressekonferenz Günther Schabowskis vom 9. November 1989. Darin erklärt er eher beiläufig die Lockerung des Grenzübertritts und damit faktisch den Anfang vom Ende der deutschen Teilung. Der Vertragstext des Zwei-plus-Vier-Vertrags vom 12. September 1990 steht für den diplomatisch erfolgreichen Abschluss dieses Prozesses. Die Nominierung entstand in Zusammenarbeit mit dem Haus der Geschichte Bonn.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Joachim-Felix Leonhard, Staatssekretär Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Rheinstraße 23-25, 65185 Wiesbaden
Tel. 0611-323250, Email: sts@hmwk.hessen.de
Christine M. Merkel, Referentin für Kultur und Kommunikation/ MOW, Deutsche UNESCO-Kommission, Colmantstraße 15, 53115 Bonn
Tel. 0228-604 97-18, Email: merkel@unesco.de

Von der Nominierung 2006 zur Entscheidung 2007

Das deutsche Nominierungskomitee hat die beiden Nominierungen auf seinen Sitzungen 2005 unter Vorsitz von Staatssekretär Prof. Dr. Joachim-Felix Leonhard beschlossen. Ab April 2006 prüft die UNESCO die Nominierungen in technischer und wissenschaftlicher Hinsicht und unter Hinzuziehung von Fachverbänden wie dem Internationalen Archivrat, dem Weltverband der Bibliotheken usw.

Bei seiner nächsten Sitzung 2007 erstellt das Internationale Beraterkomitee (International Advisory Committee), ein internationales Gremium von vierzehn Experten, die vom Generaldirektor der UNESCO berufen werden, eine Empfehlungsliste von Neueinträgen in das Weltregister des Memory of the World. Im Herbst 2007 entscheidet der Generaldirektor der UNESCO abschließend über die Neueinträge.

 
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Redaktion: Dieter Offenhäußer, Colmantstraße 15, 53115 Bonn
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