Juli 2010
Bundesumweltministerium fördert Schutz von UNESCO-Weltnaturerbe auf Sumatra
Aus den Einnahmen des Kohlendioxid-Emissionshandels finanziert das BMU auf der indonesischen Insel Sumatra ein Projekt zur Anpassung an den Klimawandel. Die Tropischen Regenwälder, denen die Gelder zugute kommen, stehen seit dem Jahr 2004 unter dem Schutz der UNESCO-Welterbekonvention. Partner des BMU und Koordinator des Projekts ist das UNESCO-Büro Jakarta.
Seit 2008 fließen aus der Versteigerung von CO2-Emissionszertifikaten in Deutschland Projektmittel in den Bundeshaushalt. Auf Beschluss des Bundestags werden mit diesen Mitteln in der "Klimaschutzinitiative" (www.bmu-klimaschutzinitiative.de) sowohl nationale wie auch internationale Projekte gefördert.
Der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) stehen jährlich 120 Millionen Euro zur Verfügung, auch um die internationale Diskussion um die Ausgestaltung der künftigen Klimafinanzarchitektur voran zu bringen. Die meisten IKI-Mittel werden in bilateralen Projekten eingesetzt, aber auch Vorhaben multilateraler Organisationen können gefördert werden, zum Beispiel durch Treuhandmittel des BMU. Solche Mittel setzt die UNESCO ein, etwa für das Management natürlicher Ressourcen, zur Erhaltung von Tropenwäldern oder für Projekte zur Umweltbildung.
Das Projektgebiet
Die Welterbestätte "Tropische Regenwälder Sumatras" umfasst die drei Nationalparks Gunung Leuser, Kerinci-Seblat und Bukit Barisan Selatan. Das Gebiet ist von herausragendem biologischen Wert: Es deckt ein Waldgebiet von über 2,5 Millionen Hektar ab und ist die Heimat weltweit bedrohter Arten, wie Tiger, Sumatra-Nashorn, Elefanten und Orang-Utans.
Die drei Nationalparks sind von weiteren bewaldeten Gebieten umgeben, die die Gesamtfläche des als Kohlenstoffsenken wertvollen Waldes noch einmal verdoppeln. Diese umliegenden Wälder haben ebenfalls eine hohe Biodiversität und dienen als natürliche Pufferzone für die Welterbestätte, werden aber vielfach genutzt. Abholzung oder auch nicht-nachhaltige Aufforstung verringern die natürliche Widerstandskraft gegen die Auswirkungen des Klimawandels. Trotz des Welterbe-Status ist der Regenwald dadurch insgesamt bedroht.
Das vom BMU mit 760.000 US-Dollar geförderte Vorhaben, das die UNESCO und Indonesien als Pilotprojekt der REDD-Strategie vorgeschlagen haben, integriert frühzeitig Anpassungsstrategien an die Auswirkungen des Klimawandels in die Bewirtschaftungspläne des gesamten Gebiets.
Projektmaßnahmen
Das seit Oktober 2009 laufende Projekt ist vielschichtig: Zunächst wurde das gesamte Naturerbegebiet digital kartiert. Der Vergleich mit Karten und Daten aus den Jahren 2000 und 1990 ergibt einen detaillierten Überblick über den verlorenen Waldbestand. Gleichzeitig wurden mehrere Szenarien (heißer/kälter; trockener/feuchter) für die künftige Entwicklung des Gebiets entwickelt. Sie ermöglichen Vorhersagen über die Auswirkungen der Klimaveränderungen auf den künftigen Waldbestand und die Formulierung von Anpassungsstrategien.
Weitere Komponenten des Projekts sind die Entwicklung eines lokalen Klimawandel-Monitorings und die Anpassung der Managementpläne für das Gebiet. Viele illegal angepflanzte Ölpalmbäume wurden bereits entfernt, als Bestandteil des auf dieser Basis entwickelten Maßnahmenkatalogs.
Bis zum Ende des Projekts 2011 sollen weitere konkrete Waldschutzmaßnahmen entwickelt und zusammen mit der regionalen Verwaltung umgesetzt werden. Die Finanzierung soll ebenfalls durch CO2-Fördermittel erfolgen. Ein grundlegendes Ziel des Projekts ist es, dauerhaft finanzielle Mittel aus Kohlendioxidhandelszertifikaten für das Management der Waldgebiete zu nutzen. Dafür werden indonesische Gesetze auf ihre Verträglichkeit mit dem Access-and-Benefit-Sharing-Mechanismus des UN-Übereinkommens zur biologischen Vielfalt (CBD) sowie die Erhebung von Kohlendioxidsteuern in Indonesien geprüft. Die Provinzen würden damit weltweit eine Vorreiterrolle einnehmen.
Bestandteile des Projekts sind auch Kommunikation und Capacity-Building. Diejenigen, die künftig an der Umsetzung der nunmehr entwickelten Maßnahmen beteiligt sein werden, insbesondere Politiker und Verwaltungsmitarbeiter aus der Region, werden zu Themen wie Klimawandel, Anpassungsstrategien und Waldmanagement geschult.
Gemeinsam mit dem UNESCO-Büro Jakarta setzen mehrere Organisationen das Projekt um: das Orangutan-Informationszentrum (OIC), die Wildlife Conservation Society (WCS) und die Abteilung Lebenswissenschaften des indonesischen Forschungsinstituts LIPI.
Beitrag zur globalen Schutzgebietsinitiative "LifeWeb"
Das Projekt "Adaptive and Carbon-financed forest management in the Tropical Rainforest Heritage of Sumatra", wie es mit vollem Titel heißt, stellt auch einen Beitrag zur globalen Schutzgebietsinitiative „LifeWeb“ der CBD dar. Auf den Internetseiten der CBD ( www.cbd.int/lifeweb) können Entwicklungs- und Schwellenländer, gegebenenfalls zusammen mit multilateralen Organisationen, Projekte präsentieren, die ihnen helfen, ihre nationalen Schutzgebietssysteme aufzuwerten und somit auf ihrem Staatsgebiet die biologische Vielfalt zu bewahren. Geberländer des Nordens, die wie auch die Bundesregierung Mittel für solche Zwecke zur Verfügung stellen, können so auf einfache Weise Projekte finden, die sie für unterstützenswert halten. Die Einrichtung der Plattform wurde im Jahr 2008 maßgeblich von der deutschen Bundesregierung angeregt.
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