Deutsche UNESCO Kommission e.V.

SCHRIFTGRÖSSE

Juni 2010

Welterbetag auf Zollverein

Zum sechsten Mal hat die Deutsche UNESCO-Kommission am 6. Juni 2010 zum bundesweiten UNESCO-Welterbetag eingeladen. Das diesjährige Motto lautete "UNESCO-Welterbe SPIELend entdecken". Gastgeber der zentralen Veranstaltung war die Zeche Zollverein in Essen – Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010.

Welterbetag 2010 auf der Zeche Zollverein
© Stiftung Zollverein

15.000 Besucher kamen zum UNESCO-Welterbetag auf der Zeche Zollverein. Sie gehört seit 2001 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Zollverein war die größte und modernste Steinkohleförderanlage der Welt. 1986 wurde die Zeche nach 140 Jahren stillgelegt, sie gilt heute als "repräsentatives Beispiel für die Entwicklung der Schwerindustrie in Europa". Die Gebäude im modernen Bauhausstil beherbergen mehrere Ausstellungen und Museen, die Schule für Management und Design und zahlreiche Ateliers. Am Welterbetag unter der Schirmherrschaft des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Dr. Jürgen Rüttgers präsentierte die Zeche Zollverein ihren ganzen Facettenreichtum von Architektur und Industriegeschichte, über Kunst, Theater, Musik bis hin zu neuen Medien.

Zur Eröffnung sprachen der Minister für Bauen und Verkehr des Landes Nordrhein Westfalen Lutz Lienenkämper, der Vizepräsident der Deutschen UNESCO-Kommission Prof. Dr. Christoph Wulf, der Oberbürgermeister der Stadt Essen Reinhard Paß, der Vorsitzende des UNESCO-Welterbestätten Deutschland e.V. Horst Wadehn und Hermann Marth, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Zollverein.

Welterbe spielend entdecken
© Stiftung Zollverein

Den ganzen Tag über bot die Stiftung Zollverein mit ihren Kooperationspartnern ein vielfältiges Programm rund um Zeche und Kokerei. Ideenwettbewerbe, Erlebnisstationen und Workshops luden Kinder und Jugendliche zum Mitmachen ein. Das Kulturprogramm bot Konzerte, Ausstellungen und Vorträge. Höhepunkte waren die Eröffnung der Ausstellung "Der Industrie ihre Kathedralen" und ein Konzert des irischen Chors "Cois Cladaigh" aus Galway.

Kulturpolitisches Forum

Großes Interesse fand das Kulturpolitische Forum des WDR 3 zum Thema "Wie viel Tourismus verträgt das Welterbe?" Der Tourismus berge natürlich auch Risiken für das Welterbe, so Dieter Offenhäußer, stellvertretender Generalsekretär der Deutschen UNESCO-Kommission. Die Welterbe-Stadt Venedig verzeichne zum Beispiel pro Jahr 18 Millionen Besucher bei nur 100.000 Einwohnern. "Aber ein Welterbe ohne Besucher ist wie ein Buch ohne Leser": Der Tourismus sei "ein wichtiger Partner des Welterbes, wenn er die Prinzipien der Nachhaltigkeit erfüllt, das heißt wenn er nicht nur ökonomisch einträglich, sondern auch ökologisch verträglich und sozial erträglich ist." Die Einnahmen aus dem Tourismus sollten verstärkt auch dem Erhalt der Welterbestätten zugute kommen.

Eine Aufzeichnung des Kulturpolitischen Forums des WDR 3 "Segen oder Fluch - Ruhm und Rummel? Wie viel Tourismus verträgt das Welterbe?" steht auf der Website des WDR als Podcast zur Verfügung. David Eisermann diskutierte mit Prof. Gottfried Kiesow (Deutsche Stiftung Denkmalschutz), Hermann Marth (Stiftung Zollverein), Dieter Offenhäußer (Deutsche UNESCO-Kommission) und Horst Wadehn (UNESCO-Welterbestätten Deutschland) - Aufzeichnung von der Zeche Zollverein am "Tag des Welterbes" Podcast (MP3)

 
Auf Initiative der Deutschen UNESCO-Kommission und des UNESCO-Welterbestätten Deutschland e.V. wird der Tag des Welterbes seit 2005 an jedem ersten Juni-Sonntag gefeiert. Er soll die 33 UNESCO-Denkmäler in Deutschland für die Menschen vor Ort erlebbar machen. Dazu tragen die Welterbestätten an diesem Tag bundesweit mit besonderen Veranstaltungen und Aktionen bei.

Von Stralsund bis Steingaden organisierten die Welterbestätten ein attraktives Kulturprogramm. Die Hansestädte Stralsund und Wismar luden zu kostenlosen Welterbe-Stadtführungen ein. Die Welterbestätte Bamberg organisierte Ritterspiele in der Alten Hofhaltung. Der Trierer Dom veranstaltete eine Führung für Kinder bis 6 Jahre: "Was macht die Maus im Dom?". Die Wieskirche in Steingaden widmete dem Welterbetag ein mehrtägiges Programm, unter anderem mit einer Blütenwallfahrt.

Museumsinsel Berlin – 10 Jahre UNESCO-Welterbe

In Berlin stand der Welterbetag ganz im Zeichen des zehnjährigen Jubiläums der Aufnahme der Museumsinsel in die Welterbeliste. Die UNESCO hat die Berliner Museumsinsel als "ein einzigartiges Ensemble von Museumsgebäuden" 1999 zum Weltkulturerbe erklärt. "Sie nimmt die Besucher mit auf eine Reise durch die Menschheitsgeschichte, aber auch durch die Museumsgeschichte", sagte der Präsident der Deutschen UNESCO-Kommission, Walter Hirche, auf dem Festakt anlässlich des Jubiläums. Die Museumsinsel illustriert die Entwicklung der modernen Museumsgestaltung über einen Zeitraum von mehr als einem Jahrhundert.

Museumsinsel Berlin
© Hans-J. Aubert

Teil der Bewerbung um den Welterbetitel war ein Masterplan zur Wiederherstellung und zeitgemäßen Entwicklung des Museumsensembles, den die Stiftung Preußischer Kulturbesitz im Juni 1999 beschlossen hatte. Seitdem sind drei der fünf historischen Häuser saniert worden: 2001 die Alte Nationalgalerie, 2006 das Bode-Museum und 2009 das Neue Museum. Ingeborg Berggreen-Merkel, Abteilungsleiterin beim Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, sagte: "Die Museumsinsel hat in den vergangenen zehn Jahren ihre einstige Würde und Ausstrahlung zurückerhalten".

Nach dreijähriger Sanierung ist nun auch der Kolonnadenhof zwischen Alter Nationalgalerie und Neuem Museum wiederhergestellt, den Prof. Dr. Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, am Welterbetag feierlich eröffnete.

unesco heute online • Redaktion: Dieter Offenhäußer / Kurt Schlünkes
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