Deutsche UNESCO Kommission e.V.

SCHRIFTGRÖSSE

Juni 2010

Erweiterung des Biosphärenreservats Berchtesgaden

Nachhaltige Entwicklung jetzt auf doppelter Fläche

Bereits im Jahr 1990 hat die UNESCO den Nationalpark Berchtesgaden und sein unmittelbares Vorfeld als Biosphärenreservat anerkannt. Wie alle UNESCO-Biosphärenreservate ist das Gebiet in drei Zonen gegliedert: Kern-, Pflege- und Entwicklungszone. Die Entwicklungszone in Berchtesgaden nahm bisher nur gut die Hälfte der 467 Quadratkilometer Fläche des Biosphärenreservats ein – weniger als von der UNESCO empfohlen. Jetzt genehmigte der in Paris tagende Internationale Koordinierungsrat des MAB-Programms eine deutliche Gebietserweiterung.

© Regierung von Oberbayern

Auf Wunsch der beteiligten Kommunen umfasst das Biosphärenreservat künftig mit 840 Quadratkilometer den gesamten Landkreis Berchtesgadener Land. Die Erweiterung der Entwicklungszone nach Norden steigert die Möglichkeiten, nachhaltige Land- und Forstwirtschaft sowie nachhaltige Siedlungs- und Verkehrsstrukturen zu entwickeln. Mit Modellprojekten soll für den Umstieg auf nachhaltige Wirtschaftsweisen geworben werden. Dazu zählt etwa die Schaffung von Einkommensalternativen für Landwirte im Bereich Erneuerbare Energien.

Durch die Gebietsvergrößerung kann das Biosphärenreservat den ökologischen Wechselwirkungen und auch den etablierten ökonomischen Wechselbeziehungen zwischen den Alpen und dem Alpenvorland besser Rechnung tragen. Die Verwaltung des Biosphärenreservats verspricht: Bei der Planung und Umsetzung der umweltgerechten Nutzung der Region wird die lokale Bevölkerung umfassend beteiligt.

Kern- und Pflegezone des Biosphärenreservats sind weitgehend identisch mit dem Nationalpark Berchtesgaden, der die Hochgebirgsregionen im Süden des Gebiets umfasst. Hier wird die Dynamik der natürlichen Abläufe nicht oder kaum gestört – eine Nutzung ist nur zu Erholungszwecken und für "sanfte" Wirtschaft in der Pflegezone erlaubt. Insbesondere das Potenzial für nachhaltigen Tourismus ist im südöstlichen Zipfel Bayerns groß und soll nun ausgebaut werden. Mit dem Königssee, der Wallfahrtskirche St. Bartholomä, der weltweit ersten Kunsteisbahn und dem Watzmann beherbergt das Biosphärenreservat bundesweit bekannte Sehenswürdigkeiten. Auch abseits dieser beliebten Ausflugsziele locken vielfältige Freizeitangebote im Winter wie Sommer, landschaftliche Schönheiten und ein reiches kulturelles Erbe Feriengäste an.

© Regierung von Oberbayern

In der nun erweiterten Entwicklungszone leben mehr als 100.000 Menschen in 15 Städten und Gemeinden, darunter Berchtesgaden, Bad Reichenhall und Freilassing. Die Region erhofft sich durch die Fokussierung auf nachhaltige Entwicklung einen Vorteil im Standortmarketing. Biosphärenreservate sind insbesondere auch Lernorte. Entsprechende Maßnahmen der Bildung für nachhaltige Entwicklung vermitteln Alternativen zu umweltbelastenden Denk- und Handelsweisen und erhalten künftig noch mehr Raum in der Arbeit der Biosphärenreservatsverwaltung.

Deutschlands einziges alpines Biosphärenreservat steht im Weltnetz repräsentativ für die Nördlichen Kalkalpen, einschließlich der Voralpen und Jungmoränenlandschaft. Höhenunterschiede von rund 2.300 Metern sind wesentliche Ursache für vielfältige Biotoptypen im Biosphärenreservat Berchtesgaden: Wälder, Magerrasen, Moore und Gewässer in den tiefen und mittleren Lagen; Bergmischwald, Almweiden und alpine Matten in den höheren Lagen. Sie bieten Lebensräume für besondere Tier- und Pflanzenarten, wie Edelweiß, Enzian, Tauernblümchen, Murmeltier, Gämse, Steinadler, Schneehuhn und Seeforelle.


unesco heute online • Redaktion: Dieter Offenhäußer / Kurt Schlünkes
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