UNESCO-Lehrstuhl für internationale Beziehungen
Prof. Sabine von Schorlemer, Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst des Freistaates Sachsen
Gründung des UNESCO-Lehrstuhls
Der UNESCO-Lehrstuhl für Internationale Beziehungen wurde am 21. April 2009 in einem Festakt an der Technischen Universität Dresden eröffnet, nachdem es bereits am 25. März in Paris im Beisein des Prorektors der TU Dresden zur feierlichen Urkundenübergabe durch den UNESCO-Generaldirektor gekommen war. Es gelang der TU Dresden somit, den weltweit ersten UNESCO-Lehrstuhl in internationalen Beziehungen einzuwerben.
Inhaberin des Lehrstuhls
Inhaberin des UNESCO-Lehrstuhls ist die Völkerrechtlerin, Politik- und Kunstwissenschaftlerin Prof. Dr. Dr. Sabine von Schorlemer. Sie hat im internationalen Kulturgüterschutz promoviert und wurde 1993 als Mitglied des "Cultural Heritage Law Committee" der International Law Association (ILA) berufen. Als Expertin für internationale Beziehungen hat sie unter anderem in der Expertenkommission der UNESCO zur Konvention zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen mitgearbeitet (2003/04) und war als Rechtsberaterin Mitglied der deutschen Regierungsdelegation bei den internationalen Vertragsverhandlungen in Paris (2004/05). Sie hat zahlreiche Veröffentlichungen zum Thema kulturelles Erbe und kulturelle Vielfalt verfasst. Im Herbst 2009 wurde sie in den Beirat des internationalen World Heritage Investment Project berufen, das sich für eine bessere Nutzung des Potenzials von UNESCO-Welterbestätten einsetzt.
Aufgaben des UNESCO-Lehrstuhls
Zu den zentralen Aufgaben des UNESCO-Lehrstuhls zählt die Forschung hinsichtlich der Implementierung von UNESCO-Konventionen und normativen Instrumenten, vor allem auf dem Gebiet des kulturellen Erbes und der Vielfalt der kulturellen Ausdrucksformen sowie der Streitbeilegung.
Der UNESCO-Lehrstuhl hat insbesondere das Ziel dazu beizutragen, den Reichtum, der durch die kulturelle Vielfalt in unserer Welt gegeben ist, bekannter zu machen, sich daraus ergebende Chancen zu nutzen und zivilgesellschaftliche Akteure, Wissenschaftler und Praktiker zu vernetzen, um so eine Plattform für den Austausch zu bieten.
Aktivitäten des UNESCO-Lehrstuhls
Das UNESCO-Übereinkommen zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen, welches das Recht der Staaten auf eine eigenständige Kulturpolitik sowie eine Intensivierung des kulturellen Austausches vorsieht, wurde im Oktober 2005 in Paris verabschiedet. In Kooperation mit der Universität Göttingen (Professor Peter-Tobias Stoll) und der Deutschen UNESCO-Kommission (DUK) wird ein Rechtskommentar zur Konvention herausgegeben, an dem international anerkannte Völkerrechtler, Kunst- und Kulturrechtsexperten mitwirken. Daneben werden von der UNESCO Lehrstuhlinhaberin zahlreiche Dissertationsprojekte zu UNESCO Themen in den internationalen Beziehungen betreut.
Der UNESCO-Lehrstuhl für Internationale Beziehungen führt ferner regelmäßig Seminare, Tagungen, Gastvorträge und Workshops zu Themen mit UNESCO-Bezug durch. Die Veranstaltungen werden sowohl für Bachelor- als auch für Masterstudierende der beiden Studiengänge "Internationale Beziehungen" und "Law in Context" sowie Promotionsstudenten angeboten.
So fand im Sommersemester 2009 eine von Frau Professor von Schorlemer und Herrn Professor Klaus Hüfner (Präsident a.D. der Deutschen UNESCO Kommission (DUK)) gemeinsam gehaltene Lehrveranstaltung "UNESCO - Recht und Politik" statt, die nicht nur von den Studierenden des Studienganges "Internationale Beziehungen", sondern auch von Studierenden anderer Fachrichtungen und Praktikern besucht wurde. Sie stieß auf reges Interesse.
Zudem hielt Frau Dr. Nina Christiane Lück, wissenschaftliche Mitarbeiterin am UNESCO-Lehrstuhl, ein Kolloquium zum UNESCO-Übereinkommen über Maßnahmen zum Verbot und zur Verhütung der unzulässigen Ausfuhr und Übereignung von Kulturgut von 1970, das von der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 2007 ratifiziert wurde (Thema: ("Current legal and socio-political aspects of the 1970 UNESCO Convention on the means of prohibiting and preventing the illicit import, export and transfer of ownership of cultural property”). Das Kolloquium wurde durch eine Exkursion zum Kulturbürgermeister der Stadt Dresden abgerundet, mit dem die Studierenden über aktuelle Fragen der Dresdner Kulturpolitik lebhaft diskutierten.
Auch im Rahmen von Seminaren wird die Tätigkeit der UNESCO thematisiert. Beispielsweise wurde ein Seminar mit dem Titel "Der Erhalt des UNESCO-Weltkulturerbes – Rechtsprobleme und Praxis" angeboten.
Neben den Lehraktivitäten vernetzt sich der Lehrstuhl im Rahmen von internationalen Konferenzen mit anderen Wissenschaftlern und Praktikern, die auf dem Gebiet des Schutzes und der Förderung kultureller Vielfalt tätig sind. Vom 31. August bis 3. September 2009 nahm Frau Heidrun Groß an der von der Commission on Legal Pluralism in Zürich veranstalteten Konferenz "Legal Pluralist Perspectives on Development and Cultural Diversity" teil. Mit der Teilnahme an dieser Tagung wurde die interdisziplinäre Kompetenz des Lehrstuhls erweitert. Weiterhin arbeitete Frau Heidrun Groß als Vertreterin des Lehrstuhls auf der Klausurtagung (12.-15. November 2009) des interdisziplinären DFG-Forschungsprojektes "Cultural Property. Actors, Discourses, Context, Rules" als externer Teilnehmer in Göttingen mit.
Der UNESCO Lehrstuhl hat sich zudem das Ziel gesetzt, seinen Forschungsgegenstand den Studierenden und Mitarbeitern der Fakultät sowie externen Gästen anschaulich zu präsentieren. Vor diesem Hintergrund veranstaltet der Lehrstuhl Ausstellungen, wie beispielsweise die Ausstellung von Werken syrischer und deutscher Baudenkmäler von Dr. Mohamed Jamal Meslmani anlässlich des Welterbetages in der Juristischen Fakultät der TU Dresden.
Auch im Bereich der Förderung der Menschenrechte ist der Lehrstuhl aktiv. Seit längerem veranstaltet Frau Sylvia Maus, wissenschaftliche Mitarbeiterin am UNESCO-Lehrstuhl, im Bereich der Bildung / Erziehung, regelmäßig Workshops zum Thema "Menschenrechte" für Schülerinnen und Schüler der fünften bis elften Klassen an Dresdner Schulen.
In der kommenden Zeit wird der UNESCO-Lehrstuhl sich neben Forschung und Lehre zu UNESCO-Themen verstärkt der Vernetzung mit anderen UNESCO-Lehrstühlen widmen und Dresden als host city für ein Treffen vorschlagen.