unesco heute online

Newsletter der Deutschen UNESCO-Kommission

Deutsche UNESCO Kommission e.V.

SCHRIFTGRÖSSE

Oktober 2009

Bildung bleibt die oberste Priorität

Ergebnisse der 35. UNESCO-Generalkonferenz
(Paris, 6. bis 23. Oktober 2009)

Das herausragende Ereignis der 35. UNESCO-Generalkonferenz war die Wahl der neuen Generaldirektorin. Am 15. Oktober wurde Irina Bokowa auf Vorschlag des Exekutivrats mit 166 von 173 abgegebenen Stimmen gewählt. Die Generalkonferenz hat das neue Zweijahresprogramm der UNESCO und den Haushalt für 2010-2011 verabschiedet.

Koïchiro Matsuura
© UNESCO

Über 3.000 Vertreter der 193 UNESCO-Mitgliedstaaten, darunter acht Staats- und Regierungschefs und rund 260 Minister und Vizeminister, haben an der Generalkonferenz teilgenommen. Zur Eröffnung sprach Generaldirektor Koïchiro Matsuura, dessen Mandat am 15. November 2009 endet.

Matsuura kann auf eine erfolgreiche, zehnjährige Amtszeit zurückblicken, in der er wichtige Reformen eingeleitet hat. Die Konzentration auf ihre vorrangigen Programme habe die Wirkung und die Glaubwürdigkeit der Organisation gestärkt, so Matsuura. "Heute weiß die Welt, wofür die UNESCO steht. Ihre Stimme ist zu hören, und es wird ihr zugehört."

Die neue Generaldirektorin Irina Bokowa
© UNESCO

Seine Nachfolgerin Irina Bokowa will den von Matsuura eingeleiteten Reformprozess fortsetzen. Die neue Generaldirektorin erklärte in ihrer Antrittsrede: "Ich will versuchen, Brücken zwischen vielen Ländern zu bauen, um den Prozess der Globalisierung gemeinsam zu gestalten. Dieser Prozess fordert Wachsamkeit. Die Globalisierung kann Millionen Menschen neue Chancen eröffnen, sich aus der Armut zu befreien, aber sie birgt auch Risiken. Das größte Risiko ist der Verlust des Reichtums, der in der Vielfalt unserer Welt steckt."

Irina Bokowa rief zu einem "neuen Humanismus", zur Hilfe für die Schwächsten und zu mehr Respekt für die Umwelt auf. "Kulturelle Vielfalt und interkultureller Dialog können dazu beitragen, einen neuen Humanismus entstehen zu lassen." 
(Siehe: Die neue Generaldirektorin)

Beitrag der UNESCO zur nachhaltigen Entwicklung

Nachhaltige Entwicklung war das zentrale Thema zahlreicher Debatten auf der UNESCO-Generalkonferenz. 32 Wissenschaftsminister trafen sich zu einem Runden Tisch, um über ein nachhaltiges Küsten- und Ozeanmanagement zu diskutieren.

Rundtisch der Wissenschaftsminister
© UNESCO

Da die Ozeannutzung eher zu- als abnehme, müssten die Staaten enger zusammenarbeiten, um die ökologischen Funktionen der Meere zu erhalten. Die UNESCO fordert, stärker in die Ozeanwissenschaften zu investieren. Vor allem die langfristigen Auswirkungen des Klimawandels auf die Weltmeere müssten intensiver untersucht werden.

Zum Thema "Bildung für nachhaltige Entwicklung" hat die Deutsche UNESCO-Kommission am 14. Oktober im Rahmen der Generalkonferenz eine Podiumsdiskussion veranstaltet. Im Mittelpunkt stand die Frage: Wie können junge Menschen stärker in Entscheidungsprozesse zur UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" eingebunden werden. "Wir müssen die Energie, die Ideen und die Kreativität junger Menschen stärker nutzen, wenn wir über nachhaltige Entwicklung und die Rolle der Bildung darin sprechen", so Roland Bernecker, Generalsekretär der Deutschen UNESCO-Kommission. Drei Vertreterinnen der "Young ESD Voices" stellten die Aktivitäten des jungen Netzwerks vor, das sich bei der Bonner Weltkonferenz zur Bildung für nachhaltige Entwicklung im Frühjahr 2009 gegründet hat.

Resolutionen

Zur weiteren Umsetzung der UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" hat die UNESCO-Generalkonferenz eine Resolution verabschiedet. Darin unterstreicht sie die Forderungen der "Bonner Erklärung" der Weltkonferenz zur Bildung für nachhaltige Entwicklung. Die Resolution bekräftigt den dringenden Appell an die UNESCO-Mitgliedstaaten, nachhaltige Entwicklung in die Bildungssysteme zu integrieren und die Bildungsqualität zu fördern.

In einer weiteren Resolution betont die UNESCO-Generalkonferenz den wichtigen Beitrag der Biosphärenreservate, um nachhaltige Entwicklung in der Praxis und in den Köpfen der Menschen zu verankern. Von den Biosphärenreservaten könnten auf lokaler wie globaler Ebene wesentliche Impulse ausgehen, um die Ziele der UN-Dekade zu verwirklichen. Die Resolution wurde von Deutschland eingebracht und von mehr als zwanzig Staaten unterstützt. (Siehe: UNESCO-Generalkonferenz stärkt Biosphärenreservate)

Programm der UNESCO für 2010-2011 verabschiedet

Konferenzsaal
© UNESCO

Die Generalkonferenz hat das Programm und den Haushalt der UNESCO für die Jahre 2010-2011 beschlossen. Der reguläre Haushalt der UNESCO für die kommenden zwei Jahre beträgt 653 Millionen US-Dollar. Dies bedeutet ein nominales Wachstum von 3,5 Prozent. Vom Gesamthaushalt entfallen auf das Bildungsprogramm 118,5 Millionen, auf das Wissenschaftsprogramm 89 Millionen (davon Naturwissenschaften: 59 Millionen, Sozial- und Humanwissenschaften: 30 Millionen), auf das Kulturprogramm 53 Millionen und auf das Programm Kommunikation und Information 33 Millionen US-Dollar.

Bildung bleibt damit die oberste Priorität der UNESCO. Schwerpunkte des Bildungsprogramms sind weiterhin Alphabetisierung und Grundbildung, die Verbesserung der Lehrerausbildung und berufliche Bildung. Zusätzliche Mittel sollen für Projekte in den Ländern bereitgestellt werden, die am weitesten vom Ziel einer "Bildung für alle" entfernt sind. Vor allem in Afrika, aber auch in Asien sollen Projekte und Bildungszentren aufgebaut werden.

Meereswelle
© UNESCO / iStock

Im Wissenschaftssektor liegen die künftigen Schwerpunkte in den Bereichen Katastrophenvorsorge und nachhaltige Entwicklung. Das Programm "Der Mensch und die Biosphäre" (MAB) und die Zwischenstaatliche Ozeanographische Kommission (IOC), die für den Aufbau des globalen Tsunami-Frühwarnsystems verantwortlich ist, sollen stärker unterstützt werden.

Internationale Zentren sollen dabei helfen, das Management der Wasserressourcen zu verbessern. Dazu zählt auch das neue UNESCO-Institut für "Wasserressourcen und globalen Wandel" in Koblenz. Es ist das erste seiner Art in Deutschland und wird seinen Sitz an der Bundesanstalt für Gewässerkunde haben.

Dem UNESCO-Programm für Sozial- und Geisteswissenschaften hat die Generalkonferenz die Aufgabe übertragen, die Zweckmäßigkeit einer allgemeinen Erklärung über ethische Grundsätze im Bezug auf den Klimawandel zu prüfen. Mit dem Bereich "Integration und sozialer Wandel" soll sich ein neues Regionalinstitut in Westafrika befassen, das in Kap Verde aufgebaut wird.

Schwerpunkte des UNESCO-Programms für Kommunikation und Information sind weiterhin die Verteidigung der Pressefreiheit, die Medienförderung in Entwicklungsländern und der Schutz des Weltdokumentenerbes "Memory of the World".

Weltbericht über kulturelle Vielfalt

Das Kulturprogramm wird sich auf zwei Schwerpunkte konzentrieren: die Erhaltung des materiellen und immateriellen Kulturerbes und die Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen. Die Generalkonferenz forderte die Mitgliedstaaten dazu auf, sich am "Internationalen Jahr für die Annäherung der Kulturen" (2010) zu beteiligen.

Im Rahmen der Generalkonferenz wurden die Ausstellung "Kultur und Entwicklung" gezeigt und der UNESCO-Weltbericht über kulturelle Vielfalt vorgestellt. Er trägt den Titel "In kulturelle Vielfalt und interkulturellen Dialog investieren". (Siehe: Kurzvorstellung des Berichts)

Neuwahlen zum Exekutivrat

Bei den Neuwahlen zum Exekutivrat wurden von den 58 Sitzen des Rates 31 Sitze neu vergeben. In die Wahlgruppe Westeuropa/Nordamerika wurden Belgien, Dänemark und Monaco für vier Jahre (bis 2013) neu bzw. wiedergewählt. Aus der westlichen Wahlgruppe gehören dem Exekutivrat weiterhin Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, Spanien und die USA an. Das Mandat dieser Länder endet im November 2011. Eine Wiederwahl auf der nächsten Generalkonferenz ist möglich. (Siehe:  Ergebnisse der Wahlgruppen)

Zwischenstaatliche Komitees der UNESCO

Deutschland wurde erneut in das Zwischenstaatliche Bioethik-Komitee (IGBC) und den Sportausschuss der UNESCO (CIGEPS) gewählt und erhielt einen Sitz im Rat des Internationalen Bildungsbüros der UNESCO (IBE). Darüber hinaus wirkt Deutschland schon seit einigen Jahren in weiteren zwischenstaatlichen Komitees und Programmen der UNESCO mit, unter anderem im Zwischenstaatlichen Rat des Internationalen Hydrologischen Programms (IHP) und im Internationalen Koordinierungsrat für das UNESCO-Programm "Der Mensch und die Biosphäre" (MAB).

Färöer-Inseln der UNESCO beigetreten

Am 12. Oktober sind die Färöer-Inseln der UNESCO als assoziiertes Mitglied beigetreten. Laut der Verfassung der UNESCO können Territorien, die für die Wahrnehmung ihrer internationalen Beziehungen nicht selbst verantwortlich sind, als assoziierte Mitglieder aufgenommen werden. Die zu Dänemark gehörenden Färöer-Inseln sind seit 1948 ein autonomes Gebiet. Dänemark hatte die Aufnahme der Färöer-Inseln beantragt. Der UNESCO gehören jetzt 193 Staaten und sieben assoziierte Mitglieder an.


unesco heute online • Redaktion: Dieter Offenhäußer / Kurt Schlünkes
Deutsche UNESCO-Kommission e.V., Colmantstraße 15, 53115 Bonn
Telefon 0228 / 60497-0, -11  Fax 0228 / 6049730  www.unesco-heute.de