Deutsche UNESCO Kommission e.V.

SCHRIFTGRÖSSE

Oktober 2009

Schillers 250. Geburtstag in Weimar

Von Farid Gardizi und Christoph Seemann

Seit 1799 lebte Friedrich Schiller in Weimar. Zwar verbrachte er hier nur seine letzten sechs Lebensjahre, aber die Weimarer Jahre waren eine äußerst produktive Zeit. Die Welterbestätte "Klassisches Weimar" und die Klassik Stiftung Weimar erinnern im Schillerjahr an Leben und Werk des Dichters.

Schillers Strahlkraft ist ungebrochen. Bis heute gehören Stücke wie "Kabale und Liebe" oder "Die Räuber" zum Repertoire des deutschsprachigen Theaters. Auch als Lyriker war Schiller erfolgreich – seine Balladen zählen zu den beliebtesten deutschen Gedichten. Grund genug für die Klassik Stiftung Weimar, von deren Institutionen zwölf seit 1998 zur Welterbestätte "Klassisches Weimar" gehören, den 250. Geburtstag des Dichters zu feiern. Schiller lebte und wirkte von 1799 bis zu seinem frühen Tod im Jahre 1805 in Weimar. Neben Goethe, Wieland und Herder ist er der wichtigste Vertreter der Weimarer Klassik – einer Epoche, die wohl wie keine andere die deutsche Literaturgeschichte prägte.

Schillers Wohnhaus, 2. Etage, Salon/Spielzimmer
© Klassik Stiftung Weimar / Georg Seifert

Für Schiller waren die Weimarer Jahre eine Zeit äußerst produktiven Schaffens. Obwohl er in seinen letzten Lebensjahren an schweren Erkrankungen litt, entstanden in rascher Folge die Dramen "Maria Stuart" (1800), "Die Jungfrau von Orléans" (1801), "Die Braut von Messina" (1803), "Wilhelm Tell" (1803/04) und das "Demetrius"-Fragment (1805).

Schiller stand zu dieser Zeit in ständigem Kontakt mit den anderen Schriftstellern der Weimarer Klassik. Die wichtigste Verbindung Schillers war diejenige zu Goethe. Der Briefwechsel zwischen Goethe und Schiller, der zum Weltdokumentenerbe "Memory of the World" der UNESCO gehört, umfasst über 1.000 erhaltene Schriftstücke.

Die große Dichterfreundschaft fasziniert viele bis heute. Goethe und Schiller waren zwei durch und durch verschiedene Charaktere, die in einem regen kreativen Wettstreit lagen. Der Briefwechsel begann, als Schiller 1794 Goethe einlud, an der Zeitschrift "Die Horen" mitzuarbeiten. Elf Jahre dauerte der geistige Austausch. Beide Schriftsteller diskutierten in dieser Zeit leidenschaftlich über ihre Werke, Arbeitsmethoden und philosophische Fragen – sie profitierten sehr voneinander. 1805 stirbt der lungenkranke Schiller. Goethe überlebt Schiller um 27 Jahre. Der Briefwechsel erscheint noch zu dessen Lebzeiten im Jahr 1828.

Friedrich Schiller auf dem Totenbett, Kreidezeichnung von Ferdinand Carl Christian Jagemann (1780-1820), 10. Mai 1805
© Klassik Stiftung Weimar

Nach Schillers frühem Tod begann eine seinerzeit ungewöhnliche Verehrung des Nationaldichters – sie ging soweit, dass der Weimarer Bürgermeister Schwabe 1826 im Kassengewölbe zwischen zerborstenen Särgen nach den Überresten des Dichters suchte. Er identifizierte anhand der Totenmaske einen ungewöhnlich großen Schädel. Sein Fund war der Beginn einer abenteuerlichen Geschichte, denn die Echtheit des Schädels wurde immer wieder in Frage gestellt und konnte erst 2008 durch moderne DNA-Untersuchungen geklärt werden.

Die molekulargenetischen Analysen erwiesen: Der sogenannte "Schwabe-Schädel" gehört nicht dem Dichter. Schillers Sarg, der seit 1827 in der Weimarer Fürstengruft liegt, ist heute ein Scheingrab, ein Kenotaph, das ausschließlich der Erinnerung dient.

Die Welterbestätte "Klassisches Weimar" ist ein einzigartiges Zeugnis einer vergangenen Kulturepoche. Die UNESCO begründete die Aufnahme in die Welterbeliste mit der großen kunsthistorischen Bedeutung der Gebäude und Parklandschaften aus der Blütezeit des klassischen Weimar. Die Rolle Weimars als intellektuelles Zentrum ist um 1800 herausragend gewesen. Zum Welterbe gehören elf, zumeist "assoziative" Denkmäler, deren Wert sich aus der Verbindung von historischem Geschehen, Architektur und authentischer Ausstattung zusammensetzt. Dazu gehört auch das Wohnhaus Schillers, in dem er seine letzten Lebensjahre verbrachte.

Ausstellungen:

  • Schillers Schädel – Physiognomie einer fixen Idee
    bis 31. Januar 2010, Schiller-Museum, Weimar
  • Schiller in Thüringen – Schillers Leben und Werk seit seiner Flucht aus Stuttgart im Jahre 1782: Einführende Ausstellung im Schiller-Wohnhaus
  • Zweiheit im Einklang – Der Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe
    bis 17. Januar 2010, Renaissancesaal der Herzogin Anna Amalia Bibliothek

Informationen zu den Ausstellungen und Veranstaltungen rund um das Schillerjahr sind unter www.klassik-stiftung.de/schillergeburtstag zu finden.


unesco heute online • Redaktion: Dieter Offenhäußer / Kurt Schlünkes
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