unesco aktuell

Pressemitteilung der Deutschen UNESCO-Kommission

Deutsche UNESCO Kommission e.V.

SCHRIFTGRÖSSE

Pressemitteilung, 25. November 2008

Deutsches "Memory of the World"-Forum gegründet

Die Institutionen, die für die zehn deutschen Beiträge zum Weltdokumentenerbe der UNESCO Verantwortung tragen, schließen sich in einem bundesweiten "Memory of the World"-Forum zusammen. Dies haben die Teilnehmer eines Symposiums am 25. November 2008 in Mannheim beschlossen, zu dem die Deutsche UNESCO-Kommission ins Landesmuseum für Technik und Arbeit eingeladen hat.

Das UNESCO-Register des dokumentarischen Erbes der Menschheit (Memory of the World) umfasst wertvolle Buchbestände, Handschriften, Partituren, Unikate, Fotos, Bild-, Ton- und Film- und Fernsehdokumente aus aller Welt. Ziel ist es, dieses "Gedächtnis der Menschheit" zu bewahren, digital aufzubereiten und auf neuen informationstechnischen Wegen weltweit zugänglich zu machen. Deutschland ist mit zehn Einträgen im Memory of the World-Register der UNESCO vertreten. Sie dokumentieren die Vielfalt deutscher Beiträge zur Kultur- und Wissensgeschichte in der Verschiedenheit der Inhalte, Formen und Orte der Überlieferung.

Auf dem Symposium in Mannheim zogen die Vertreter der zehn deutschen am Memory of the World-Programm beteiligten Archive, Bibliotheken und Museen eine Bilanz der bisherigen Umsetzung des UNESCO-Programms in Deutschland. In einem Werkstattgespräch diskutierten sie Bekanntheitsgrad und Sichtbarkeit, Zielgruppen und Öffentlichkeit, Fragen des Zugangs, Kommunikationsstrategien sowie die Rolle von Fachverbänden und Fachnetzen in Deutschland, Europa und international für das Memory of the World-Programm.

Der Vorsitzende des Deutschen Nominierungskomitees Prof. Dr. Joachim-Felix Leonhard, Staatssekretär a.D., Präsident der von Behring-Röntgen-Stiftung in Marburg, hielt den Eröffnungsvortrag zum Symposium. Er wertete es als großen Erfolg, dass von bisher zwölf deutschen Vorschlägen für das UNESCO-Register zehn Anerkennung fanden. Leonhard begrüßte den Beschluss zur Gründung des nationalen Memory of the World-Forums: "Das Forum bietet den Institutionen, die an der Umsetzung des UNESCO-Programms in Deutschland mitarbeiten, einen ausgezeichneten Rahmen für den gegenseitigen Erfahrungs-, Wissens- und Informationsaustausch. Dies ermöglicht es, die Expertise zu Fragen der Erhaltung und des öffentlichen Zugangs zum Weltdokumentenerbe in einem Fachnetzwerk zu bündeln." Aufgabe des Forums sei es auch, die Sichtbarkeit des Programms zu stärken und die Bedeutung des dokumentarischen Erbes in der Öffentlichkeit bewusst zu machen. Die Gründung des Forums sei eine wichtige Initiative zur Netzwerkzusammenarbeit im Memory of the World-Programm in Deutschland und darüber hinaus, so Leonhard.

Das Deutsche Nominierungskomitee, dessen Aufgabe es ist, deutsche Vorschläge für die Aufnahme in das UNESCO-Register des Weltdokumentenerbes zu prüfen und einzureichen, wird im Jahr 2009 zehn Jahre bestehen. Aus diesem Anlass wird im September 2009 ein Festakt organisiert.

Seit 1992 setzt sich die UNESCO mit dem Programm "Memory of the World" weltweit für die Erhaltung des vielfältigen Dokumentenerbes ein. Deutschland arbeitet seit 1999 an der Umsetzung dieses Programms mit. Das Deutsche Nominierungskomitee hat seither zehn Einträge erfolgreich in das UNESCO-Weltregister eingebracht: die ältesten Tondokumente traditioneller Musik 1893-1952 (Edison-Zylinder), Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks, Goethes literarischen Nachlass, Beethovens 9. Sinfonie, Fritz Langs Stummfilmklassiker "Metropolis", die Reichenauer Handschriften aus ottonischer Zeit, die Hausmärchen der Brüder Grimm, die Waldseemüllerkarte von 1507 (als gemeinsamen amerikanisch-deutschen Beitrag), die Renaissance-Bibliothek des Mathias Corvinus "Bibliotheca Corviniana" (gemeinsam mit Belgien, Frankreich, Italien, Österreich und Ungarn) und den Briefwechsel des Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz.

Christine M. Merkel, Leiterin des Referats Kultur und Memory of the World der Deutschen UNESCO-Kommission: "Das UNESCO-Weltregister sagt uns nicht nur etwas über wichtige kulturelle Wendepunkte der Menschheit, es lehrt uns auch, unsere eigene Geschichte im Spiegel anderer Kulturen zu sehen. So repräsentieren zum Beispiel die Göttinger Gutenberg-Bibel und der koreanische Frühdruck Jikji die gemeinsame Geschichte des Buchdrucks."

Das UNESCO-Register umfasst bisher 158 dokumentarische Zeugnisse von weltweiter Bedeutung, darunter auch die 21 Thesen der Solidarnosc, die Archive des Warschauer Ghettos, die Kolonialarchive Benins, Senegals und Tansanias, der Azteken-Codex in Mexiko und das älteste noch erhaltene Manuskript des Korans "Mushaf von Othman" aus Usbekistan.

Weitere Informationen im Internet unter www.weltdokumentenerbe.de sowie www.unesco.org/webworld/mow

Ansprechpartnerin: Christine M. Merkel, Leiterin des Referats für Kultur und Memory of the World der Deutschen UNESCO-Kommission, Telefon: 0228 - 60497-0,
E-Mail: sekretariat(at)unesco.de


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