Oktober 2008
Jahrestagung der deutschen UNESCO-Welterbestätten
Die achte Jahrestagung der deutschen UNESCO-Welterbestätten vom 22. bis 23. Oktober 2008 in Eisenach widmete sich dem Thema "Welterbe in Gefahr". Im Mittelpunkt standen das Management von UNESCO-Welterbestätten und die Diskussion über potenzielle Gefahren für das Welterbe durch Bauvorhaben, städtische Entwicklungsprojekte oder durch Umwelteinflüsse. Die Tagung endete mit der Verabschiedung einer "Wartburg-Erklärung". Darin fordern die Teilnehmer der Tagung zur Zusammenarbeit auf, um Gefährdungen von Welterbestätten vorzubeugen und gemeinsam Lösungsstrategien zur Vermeidung von Konflikten zu entwickeln. Der Verein UNESCO-Welterbestätten Deutschland e.V. und die Deutsche UNESCO-Kommission haben die Tagung organisiert. Die Schirmherrschaft hatte der Thüringer Ministerpräsident Dieter Althaus.

- Foto © Hans-J. Aubert
An der Tagung haben rund 250 Teilnehmer aus allen deutschen Welterbestätten teilgenommen. Zur Eröffnung am 22. Oktober auf der Wartburg in Eisenach sprachen Burghauptmann Günter Schuchardt, der Präsident der Deutschen UNESCO-Kommission Minister Walter Hirche, der Vorsitzende des Vereins UNESCO-Welterbestätten Deutschland e.V. Horst Wadehn, der Oberbürgermeister der Stadt Eisenach Matthias Doht, der Kultusminister des Freistaates Thüringen Bernwart Müller und der Beauftragte der Kulturabteilung für das Welterbe im Auswärtigen Amt Thomas Götz. Ministerin Eva-Maria Stange, Präsidentin des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz, hielt die Festrede.
"Welterbe – Titel verpflichtet"
Die Jahrestagung diente vor allem dem Meinungs- und Gedankenaustausch über "best practice" zur Erhaltung und zum Management der Welterbestätten und darüber, welche Verpflichtungen sich aus der Aufnahme in die UNESCO-Liste des Welterbes ergeben. Der stellvertretende Generalsekretär und Pressesprecher der Deutschen UNESCO-Kommission Dieter Offenhäußer moderierte den Eröffnungsdialog der Jahrestagung am 23. Oktober. Zum Thema "Welterbe – Titel verpflichtet" diskutierten die Beauftragte der Kultusministerkonferenz beim UNESCO-Welterbekomitee Birgitta Ringbeck und die Leiterin der Abteilung Nordamerika und Europa im UNESCO-Welterbezentrum Mechtild Rössler. Anschließend stellten Christine Schimpfermann, Planungs- und Baureferentin der Stadt Regensburg, und Gerd Weiß, Präsident des Landesamts für Denkmalpflege Hessen, Konzepte zum Welterbe-Management vor.
Die anschließende Podiumsdiskussion widmete sich dem Thema "Welterbe in Deutschland – Bedrohungen und Lösungsansätze". Teilnehmer waren Karin Dengler-Schreiber, Leiterin des Welterbezentrums Bamberg, Martin Reichert, Büro David Chipperfield Architects Berlin, Hellmut Seemann, Präsident der Klassik Stiftung Weimar, und Giulio Marano, Deutsches Nationalkomitee von ICOMOS. Helge-Heinz Heinker, Journalist und Buchautor, moderierte. Am Beispiel der Welterbestätten in Bamberg, Berlin, Dresden, Oberes Mittelrheintal und Regensburg wurden gute Praxismodelle, aber auch Konflikte debattiert. Zur Vermeidung auftretender Konflikte wurden insbesondere ein effizientes Mediationsverfahren vorgeschlagen und eine frühzeitige Einbindung des UNESCO-Welterbezentrums bei geplanten Bauvorhaben oder Entwicklungsprojekten. Wichtig sei auch die stärkere Einbindung der Bevölkerung. Allgemein wurde ein verbessertes Welterbe-Management gefordert.
"Wartburg-Erklärung" verabschiedet
Nach engagierter und konstruktiver Debatte verabschiedeten die Teilnehmer der Tagung eine "Wartburg-Erklärung". Darin wird das UNESCO-Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt von 1972 (Welterbekonvention) "als ein wirksames und universell anerkanntes Instrument für den fortdauernden Schutz und die dauerhafte Erhaltung des gemeinsamen Erbes der Menschheit" gewürdigt. Die Erklärung bekräftigt die Verantwortung der Bundesrepublik Deutschland als Vertragsstaat der UNESCO-Welterbekonvention, für den Schutz und die Erhaltung der in Deutschland befindlichen Welterbestätten Sorge zu tragen. Es wird betont, dass bei Planungsvorhaben jeder Art höchste Ansprüche an den Schutz der Welterbestätten angelegt werden müssten. Es sei zu gewährleisten, dass die mit der Ratifizierung der Welterbekonvention zugesagten gesetzlichen, administrativen und fachlichen Standards nicht unterschritten werden.
Angesichts dynamischer Entwicklungsprozesse, die den Schutz und die Erhaltung des "außergewöhnlich universellen Wertes" von Welterbestätten zuweilen bedrohen, rufen die Teilnehmer der Tagung alle für das UNESCO-Welterbe in Deutschland politisch und fachlich zuständigen Institutionen zur Zusammenarbeit auf, "um gemeinsam Gefährdungen von Welterbestätten, beispielsweise im Zuge von Stadtentwicklungsmaßnahmen, durch Bauprojekte oder durch Umwelteinflüsse vorzubeugen und gemeinsame Lösungsstrategien für auftretende Probleme und zur Vermeidung von Konflikten zu entwickeln." Die für alle Welterbestätten geforderten Managementpläne sollen weiterentwickelt werden im Hinblick auf die Identifikation möglicher Risiken für die Stätten und Strategien zu ihrer Vermeidung.
Der Text der "Wartburg-Erklärung" ist auf der Website der Deutschen UNESCO-Kommission veröffentlicht unter www.unesco.de/wartburg-erklaerung.html
Weitere Informationen auf der Website des UNESCO-Welterbestätten Deutschland e.V. unter www.unesco-welterbe.de
unesco heute online • Redaktion: Dieter Offenhäußer / Kurt Schlünkes
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