Deutsche UNESCO Kommission e.V.

SCHRIFTGRÖSSE

Oktober 2008


Kulturelle Werte - Quellen des Reichtums

5. Jahrestagung Kultur- und Kreativwirtschaft

Auf Einladung der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, des Büros für Kulturpolitik und Kulturwirtschaft und der Deutschen UNESCO-Kommission fand am 17. Oktober 2008 die 5. Jahrestagung zu Kultur- und Kreativwirtschaft in Berlin statt.

Staatsminister Bernd Neumann
Staatsminister Bernd Neumann (1.v.r.)

Rund 300 Teilnehmer folgten der politisch hochkarätig besetzten Diskussion über die neuen Wege zur Förderung der Kreativwirtschaft. Bernd Neumann, Staatsminister für Kultur und Medien, stellte seine Ziele für das Jahr 2009 vor: Die Bundesregierung will der Kreativwirtschaft zur "gleichen gesellschaftlichen Anerkennung verhelfen, wie sie den etablierten Wirtschaftsbereichen entgegen gebracht wird". Neumann stellte die Kulturwirtschaft als unverzichtbaren Bestandteil einer neuen Kulturpolitik dar. Er hob die grundlegende Rolle der UNESCO-Konvention zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen hervor.

Minister Walter Hirche
Minister Walter Hirche

Die Deutsche UNESCO-Kommission organisierte das Panel zum Thema "Kultur- und Kreativwirtschaft und die Vielfalt kultureller Ausdrucksformen", das die Leiterin des Kulturreferats Christine M. Merkel moderierte. Das Panel diskutierte Eckpunkte zur Umsetzung des 2005 verabschiedeten UNESCO-Übereinkommens in Deutschland mit Blick auf kulturwirtschaftliche Aspekte. Die internationale Debatte über konkrete Möglichkeiten zur Umsetzung des UNESCO-Übereinkommens hat vor gut zwei Jahren begonnen. Die kritische Auseinandersetzung mit dem Potenzial von Kultur- und Kreativwirtschaft stellt dabei ein zentrales Thema dar. Deutschland hat das UNESCO-Übereinkommen im März 2007 ratifiziert und engagiert sich als Mitglied des Zwischenstaatlichen Ausschusses für seine Umsetzung mit einem Mandat bis 2011. Die Vertragsstaaten werden 2011 die ersten Umsetzungsberichte einreichen, aus denen aussagekräftige Entwicklungstrends ersichtlich sein sollen.

Der dualen Natur kultureller Aktivitäten, Güter und Dienstleistungen muss angemessen Rechnung getragen und ihre gleichermaßen kommerziellen wie kulturellen Werte müssen anerkannt werden. Energische politische Schritte werden dazu auch auf Ebene der Europäischen Union unternommen, wobei in den letzten beiden Jahren die Anstrengungen sowohl der OECD als auch der UNCTAD, ein besseres Verständnis dieser wechselseitigen Beziehungen, dieser "Quelle des Reichtums" kultureller Güter zu gewinnen, den fortwährenden Bedarf an Daten und Zahlenmaterial deutlich gemacht haben.

Mit dem UNCTAD-Bericht "Creative Economy" (2008) liegt eine erste weltweite Studie zur Kultur- und Kreativwirtschaft vor, ein wesentliches und bisher einzigartiges Instrument für die Akteure, Künstler und Regierungen zur Unterstützung entsprechender Politikbildung. UNCTAD-Vertreterin Edna dos Santos-Duisenberg stellte den Panelteilnehmern den Bericht vor: Er entstand auf Initiative von UNCTAD und UNDP, mit Beteiligung der UNESCO, ITC und WIPO. Als das erste Dokument seiner Art bietet der Bericht eine gemeinsame Grundlage zum besseren Verständnis der Kultur- und Kreativwirtschaft und präsentiert erstmalig eine gemeinschaftliche Perspektive der Vereinten Nationen, welche nun wissenschaftlich diskutiert werden kann. Der Bericht soll gerade die wirtschaftliche Dimension von "Kultur" stärken. In zehn Kapiteln wird das in allen UN-Fachorganisationen derzeit verfügbare Datenmaterial zur "creative economy" präsentiert ( www.unctad.org).

Die Musikwissenschaftlerin und Sachverständige der Enquete-Kommission "Kultur in Deutschland", Susanne Binas-Preisendörfer (Universität Oldenburg), der Stadtplaner und Geschäftsführer von Inpolis, Ares Kalandides (Inpolis/Create Berlin), und der Direktor des Instituts für Kultur- und Medienmanagement, Friedrich Loock (Hochschule für Musik und Theater Hamburg), ergänzten das Panel und wiesen auf die Notwendigkeit von Mikrostudien und -analysen der Wertschöpfungskette (Schaffung, Herstellung, Verbreitung, Vertrieb und Genuss) hin. Hierbei sollten vor allem Chancen und Risiken des Standortfaktors beachtet werden.

Minister Walter Hirche, Präsident der Deutschen UNESCO-Kommission, hielt das Eröffnungsstatement zur Podiumsdiskussion über die Ergebnisse der fünf Panels und erklärte, "dass Kultur- und Kreativwirtschaft allgemein als Vorbote einer nach-industriellen Wirtschaft aufgefasst wird und dadurch zu Recht viel politische Aufmerksamkeit erfährt".

Das Jahrbuch Kultur- und Kreativwirtschaft 2008 wird die vollständige Dokumentation der Jahrestagung enthalten. Die Veröffentlichung ist für Januar 2009 geplant.

Weitere Informationen:

 Präsentation des UNCTAD-Berichtes von Edna dos-Santos-Duisenberg

Website Kulturwirtschaft Deutschland

Website der Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit


unesco heute online • Redaktion: Dieter Offenhäußer / Kurt Schlünkes
Deutsche UNESCO-Kommission e.V., Colmantstraße 15, 53115 Bonn
Telefon 0228 / 60497-0, -11  Fax 0228 / 6049730  www.unesco-heute.de