März 2008
Fallstudie biologische Vielfalt: Das Biosphärenreservat BOSAWAS in Nicaragua

- © NASA
Das UNESCO-Biosphärenreservat BOSAWAS in Nicaragua erforscht das produktive Zusammenspiel von biologischer und kultureller Vielfalt. Die These, dass sich viele indigene Völker in naher Umgebung von Ökosystemen mit großer biologischer Vielfalt ansiedeln, wird im tropischen Regenwald Zentralamerikas eindrucksvoll bestätigt. In Zentralamerika kommen zwischen sieben und zehn Prozent aller bekannten Arten vor, obwohl die zentralamerikanische Landmasse nur ein halbes Prozent der globalen Landoberfläche ausmacht – ein klassischer "Hotspot" der Biodiversität.
BOSAWAS, seit 1997 auf der UNESCO-Liste der Biosphärenreservate verzeichnet, befindet sich im nördlichen Zentrum Nicaraguas, im Herzen des "Zentralamerikanischen biologischen Korridors" (Corredor Biológico Mesoamericano). Die Idee für den Korridor entstand 1992 unter dem Namen Panterpfad (Paseo Pantera). 1997 vereinbarten Mexiko und die zentralamerikanischen Staaten den Korridor vertraglich als Schutzkonzept zur Erhaltung der biologischen Vielfalt, mit über hundert vom Aussterben bedrohten Arten. Der Korridor reicht vom Süden Mexikos bis zum Norden Panamas und bildet eine "biologische Brücke" zwischen Nord- und Südamerika. Er umfasst zahlreiche UNESCO-Welterbestätten und Biosphärenreservate. Insgesamt gibt es im Korridor über 600 Schutzgebiete: In Belize machen 59 Gebiete fast 45 Prozent der Landfläche aus, zwischen 19 und 30 Prozent der Landfläche sind es für Guatemala, Honduras, Nicaragura, Costa Rica und Panama (mit jeweils zwischen 50 und 110 Schutzgebieten). El Salvador bringt nur einen kleinen Teil seiner Landfläche über Schutzgebiete in den Korridor ein.

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UNEP, UNDP, Weltbank, die EU, USAid und weitere bilaterale Geber fördern in diesen Gebieten mit substanziellen finanziellen Mitteln nachhaltige Entwicklung unter Einbeziehung der indigenen Völker. Zusammen mit drei Schutzgebieten in Honduras, dem Nationalpark Río Patuca, dem Biosphärenreservat Tawhaka und dem Biosphärenreservat Río Plátano, bildet BOSAWAS die größte zusammenhängende Fläche geschützten tropischen Regenwalds in Zentralamerika. BOSAWAS ist ein Akronym für die drei prägenden Landschaftsbestandteile des Biosphärenreservats: den Fluss Bocay, den Berg Saslaya und den Fluss Waspuk. Die Globale Umweltfazilität (GEF) fördert das "Corazón Transfrontier Biosphere Reserve Project", um zwischen Nicaragua und Honduras ein neues grenzüberschreitendes UNESCO-Biosphärenreservat zu gründen – direkt im Herzen des Zentralamerikanischen biologischen Korridors.
Die Gegend von BOSAWAS ist bekannt für ihre außergewöhnlich große Artenvielfalt mit zahlreichen seltenen und gefährdeten Gattungen, seit 1995 steht das Gebiet auf Nicaraguas Tentativliste für das UNESCO-Welterbe. Das BOSAWAS-Biosphärenreservat ist die Heimat der hier seit Jahrhunderten lebenden Mayangna; eine weitere hier lebende indigene Volksgruppe sind die Miskitos. Etwa 21.000 Indigene leben in den Regenwäldern entlang der tropischen Flüsse auf einer Fläche, die sieben Prozent der Fläche Nicaraguas ausmacht. Sie verfügen über umfassendes Wissen über die lokale Flora und Fauna und haben das biologische System durch ihre kulturellen Praktiken mitgestaltet. Rund um das Gebiet wohnen weitere 130.000 Menschen, zumeist Bauern, deren extensive Agrarnutzungsformen die Schutzzone bedrohen. Das ökologische Gleichgewicht des Biosphärenreservats und seiner Umgebung mit seinen eng verschränkten kulturellen und biologischen Teilsystemen gerät nicht nur durch verstärkte landwirtschaftliche Nutzung, sondern auch durch die zunehmende Verschmutzung von Gewässern, den illegalen Holzeinschlag und den Handel mit gefährdeten Tier- und Pflanzenarten in Bedrängnis.

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Die UNESCO betreut in BOSAWAS ein Projekt des LINKS-Programms (Local and Indigenous Knowledge Systems), das den Erfahrungsschatz und das einzigartige ökologische, soziale und kulturelle Wissen der Mayangna bewahren soll. In Zusammenarbeit mit dem International Center for Tropical Ecology (ICTE) an der University of Missouri St. Louis, USA, erarbeitet sie ein Kompendium mit dem Titel "Conocimientos tradicionales del pueblo Mayangna sobre la convivencia hombre y naturaleza". In Workshops mit Angehörigen des indigenen Volks werden das Wissen über Pflanzen und Tiere der Mayangna und ihre Kenntnisse und Fähigkeiten zur Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen dokumentiert. Ziel ist ein effektives Ressourcenmanagement im Biosphärenreservat. Die Mayangna spielen eine wichtige Rolle bei der nachhaltigen Entwicklung der Region.
Das Projekt "Diversity" der UNESCO und der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA) betrifft den gesamten Korridor. Durch Fernerkundung mit Hilfe von ESA-Satelliten, Luftbildern und Messungen vor Ort werden Änderungen des Zustands der Schutzgebiete überwacht, wobei die UNESCO-Welterbestätten und Biosphärenreservate als Pilotstätten dienen. Das Projekt ist ein Beitrag zur Umsetzung des Übereinkommens der Vereinten Nationen über biologische Vielfalt, das zum Ziel hat, den Verlust an biologischer Vielfalt bis 2010 einzudämmen. Seit Dezember 2006 werden verschiedene Karten, zum Beispiel zur Überwachung von Korallenbänken oder Mangroven, erstellt.
Weitere Informationen:
MAB: Informationen über BOSAWAS
Website des Biosphärenreservats
unesco heute online • Redaktion: Dieter Offenhäußer / Kurt Schlünkes
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