Juli 2007
Die 67. Hauptversammlung der Deutschen UNESCO-Kommission
Die 67. Hauptversammlung der Deutschen UNESCO-Kommission fand vom 27. bis 28. Juni 2007 in Dessau statt und stand unter dem Thema "15 Jahre Agenda 21 – Umwelt und Entwicklung als globale Herausforderung". Im Mittelpunkt der öffentlichen Veranstaltung standen die "UNESCO-Biosphärenreservate: Modellregionen von Weltrang". Die Hauptversammlung hat drei Resolutionen – zum UNESCO-Programm "Der Mensch und die Biosphäre", zur Rolle der Hochschulen bei der Bildung für nachhaltige Entwicklung und zum Publikationskonzept "Open Access" – verabschiedet.
Im Rahmen der öffentlichen Veranstaltung stellten die 13 deutschen UNESCO-Biosphärenreservate ihren Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung vor. Anlass dazu gab das 15-jährige Jubiläum der 1992 auf der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung verabschiedeten Agenda 21. (Siehe Bericht über die öffentliche Veranstaltung)
Anlässlich der öffentlichen Veranstaltung wurde erstmals auch eine Ausstellung über die UNESCO-Biosphärenreservate in Deutschland präsentiert. In den nächsten zwei Jahren wird die Ausstellung "Modellregionen von Weltrang" in mehreren Landtagen und anderen öffentlichen Einrichtungen zu sehen sein. In Auftrag gegeben hat sie EUROPARC Deutschland, finanziert wird sie vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.
Der Beitrag Deutschlands zum Programm der UNESCO
Im nichtöffentlichen Teil der 67. Hauptversammlung ging es um den Beitrag Deutschlands zum Programm der UNESCO.

- Botschafter Günter Overfeld auf der Hauptversammlung der DUK
Botschafter Günter Overfeld, seit Januar 2007 Ständiger Vertreter Deutschlands bei der UNESCO, berichtete der Hauptversammlung von den aktuellen politischen Entwicklungen bei der UNESCO. Während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft koordinierte er die Abstimmung der EU-Mitgliedstaaten in der UNESCO. Als aktuelle Themen der UNESCO-Politik benannte er unter anderem die konsequente Fortsetzung der Reform des Bildungssektors sowie die Einbindung der UNESCO in die aktuelle UN-Reform. Er mahnte eine bessere finanzielle Ausstattung der Organisation an. Deutschland genieße bei der UNESCO ein hohes Ansehen. Overfeld hob besonders die Rolle Deutschlands bei der Umsetzung des UNESCO-Übereinkommens zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen hervor, das am 18. März 2007 in Kraft getreten ist. Bei der ersten Konferenz der Vertragstaaten im Juni 2007 in Paris wurde Deutschland in das Zwischenstaatliche Komitee gewählt und wird damit die Umsetzung des Übereinkommens von Anfang an mitgestalten.
Auch die Vertreterin des Auswärtigen Amtes, Marja Einig-Heidenhof, betonte in ihrem Bericht die Bedeutung des UNESCO-Übereinkommens für Deutschland: "Die Bundesregierung sieht in dem Übereinkommen eine wichtige völkerrechtliche Grundlage für die internationale kulturpolitische Zusammenarbeit; darüber hinaus gibt es auch richtungsweisende Impulse für die Ausgestaltung der innerdeutschen Kulturpolitik." (Siehe Bericht des Auswärtigen Amtes)
Für die Kultusministerkonferenz der Länder sprach Dr. Angelika Hüfner, stellvertretende Generalsekretärin der KMK. Gerade für die Länder sei die Bewahrung und Förderung der kulturellen Vielfalt ein zentrales Anliegen. "Die Kultusministerkonferenz wird ihren Beitrag zur Ausgestaltung und Umsetzung dieses UNESCO-Übereinkommens leisten, ... nicht zuletzt, um Deutschland als ganzes, in seiner Gesamtverantwortung für den Erhalt und die Beförderung kultureller Vielfalt auch in internationalen Organisationen sichtbar zu machen. Die Länder begrüßen ausdrücklich, dass die Deutsche UNESCO-Kommission als nationale Kontaktstelle zum Informationsaustausch benannt wird." (Siehe Bericht der Kultusministerkonferenz)
Drei Resolutionen verabschiedet
Die Hauptversammlung endete nach zum Teil kontroverser Debatte mit der Verabschiedung von drei Resolutionen:
In der Resolution zum UNESCO-Programm "Der Mensch und die Biosphäre" (MAB) in Deutschland unterstreicht die Deutsche UNESCO-Kommission die besondere Eignung der Biosphärenreservate für die lokale Umsetzung der Agenda 21. Sie fordert alle in Deutschland politisch und fachlich zuständigen Institutionen auf, die Chancen des MAB-Programms für die regionale Entwicklung und für die Gestaltung des notwendigen Strukturwandels zu nutzen. Die Resolution fordert, "die Biosphärenreservatsverwaltungen personell und inhaltlich so auszustatten, dass sie die von der UNESCO vorgegebenen Funktionen – Schutz, nachhaltige Nutzung sowie Forschung, Bildung und Öffentlichkeitsarbeit – umfassend erfüllen können (...), an der Entwicklung von übertragbaren Strategien zur Bewältigung des Klimawandels und zum Schutz der biologischen Vielfalt mitwirken können (...) und die Inhalte des MAB-Programms für interdisziplinäre Bildungsprogramme im Rahmen der UN-Dekade 'Bildung für nachhaltige Entwicklung' nutzen können".
In einer weiteren Resolution nahm die DUK zum Memorandum "Hochschulen und Nachhaltigkeit" der Arbeitsgruppe Hochschule des Runden Tisches zur UN-Dekade vom 16. März 2007 Stellung. Sie "begrüßt die Initiative des Nationalkomitees für die UN-Dekade, ein Memorandum 'Hochschulen und Nachhaltigkeit' auf den Weg zu bringen". In der Resolution heißt es: "Hochschulen sind als Bildungs- und Forschungseinrichtungen wesentlich für die Gestaltung einer ökologisch, ökonomisch und sozial zukunftsfähigen Gesellschaft." Die Hauptversammlung der DUK bekräftigte das übergreifende Ziel der UN-Dekade, die Prinzipien, Werte und Praktiken nachhaltiger Entwicklung in alle Aspekte der Bildung und des Lernens zu integrieren. Die DUK koordiniert mit dem von ihr berufenen Nationalkomitee die Umsetzung der UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" (2005-2014) in Deutschland auf der Grundlage eines einstimmigen Bundestagsbeschlusses und im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.
Nach kontroverser Debatte verabschiedete die DUK eine Resolution zu "Open Access – Chancen für den Zugang zum Wissen für alle". Darin unterstützt sie das Prinzip eines "freien, für die Nutzer im Regelfall kostenlosen Zugangs zu mit öffentlichen Mitteln produziertem Wissen". Die Diskussion zu Open Access berührt zentrale Fragen der Wissensvermittlung in unserer Gesellschaft. Die Deutsche UNESCO-Kommission sieht in Open Access "die Chance, dass auf der Grundlage des Open Access-Prinzips innovative, attraktive und elektronischen Umgebungen angemessene Organisations- und Geschäftsmodelle für Publikation und Distribution von Wissen entstehen, die auch Verlagen und der gesamten Informationswirtschaft neue Möglichkeiten zur Erschließung von Publikations- und Distributionsmärkten bieten." Mit einem von ihr herausgegebenen Handbuch "Open Access. Chancen und Herausforderungen" trägt die Deutsche UNESCO-Kommission zu einem besseren Verständnis dieses zentralen Themas der Wissensgesellschaft bei.
Die Resolutionen der 67. Hauptversammlung der Deutschen UNESCO-Kommission:
Das UNESCO-Programm "Der Mensch und die Biosphäre" in Deutschland
Memorandum "Hochschulen und Nachhaltigkeit"
Open Access - Chancen für den Zugang zum Wissen für alle
unesco heute online • Redaktion: Dieter Offenhäußer / Kurt Schlünkes
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